Petras Fragen # 11

Petra stellt in ihrem Blog Voller Worte regelmäßig kleine Fragen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, für deren Beantwortung man aber manchmal schon etwas denken und vor allem bei sich selbst hinterfragen muß.

Ich möchte diese Fragen hier für mich beantworten und euch, wenn ihr mögt, einladen, eure eigenen Antworten zu finden und sie, entweder hier oder bei Petra, als Kommentar einzustellen. Diesmal fragt sie:

Was möchtest du unbedingt noch sehen oder erleben?

Hach. Da gibt es so einiges – da fällt bestimmt einigen von euch spontan etwas ein, oder?  ;)

Einer meiner liebsten Träume ist es, mal drei Monate am Stück Zeit zu haben (vorzugsweise Mai, Juni und Juli) und mit dem Prinzen durch England zu wandern, zuerst auf den Spuren der Römer (also entlang des Hadrianwalls und dann entlang des Antoninuswalls) und danach auf den Spuren der Wikinger. Ich würde London mit ihm erforschen und ihm alles zeigen, was dort spannend ist (die Geschichten der Stadttore nachvollziehen, den Tower besichtigen, bangers and mash essen, an einem originalen „chipper van“ (falls wir noch einen fänden) fish & chips wie früher aus einer aus Zeitungspapier gerollten Tüte essen…). Ja, und Yorkshire möchte ich gern durchwandern! Meine Freundin Sue in Durham besuchen und mit ihr und dem Prinzen durch Edinburgh streifen!

Dazu müsste ich allerdings noch disziplinierter mit dem Lauftraining sein- bei meinem jetzigen Tempo kämen wir nicht allzu weit😀😀😀 Aber das liegt ja lediglich an mir selbst, da steht mir ja nichts im Wege…

Zwei England-Irrtümer

…möchte ich heute Abend gern mal aufklären, my dearies. Es sind weit verbreitete Irrtümer, die mir  immer und immer und immer  wieder begegnen. Deshalb muss ich das jetzt mal rausbrüllen  höflich klarstellen. Also, festhalten:

  1. „Big Ben“ ist kein Turm.

Der berühmte Turm in London, von dem offenbar sehr viele Menschen glauben, er hieße „Big Ben“, heißt  „Elizabeth Tower“. Diesen Namen gab ihm das Oberhaus im Jahr 2012 zu Ehren der Königin, die in diesem Jahr ihr diamantenes Thronjubiläum (60 Jahre) feierte.

Bis dahin hieß der Turm, der ein Teil der Parlamentsgebäude ist, einfach „Clock Tower“ (Uhrenturm). „Big Ben“ ist  lediglich der Name der größten der fünf Glocken in diesem Turm.

  1. Die Engländer essen keine „Pfefferminz“-Sauce!

Die englische Küche sei mies, heißt es oft (und sehr ungerechterweise), denn „Die essen Pfefferminz-Sauce, also sowas Ekliges, iiiihh!“

Kurz gesagt: das ist tosh ( =  kompletter bullshit), der mich unendlich frustriert!

bullshit, der aus Unkenntnis der Sprache entstanden ist, denn die Sauce, die hier gemeint ist und in England gern und viel gegessen wird, ist „mince sauce“.

Typisch Deutsch: „mince“ klingt  und sieht geschrieben fast so aus wie „Minze“, muss also logischerweise  das Gleiche sein, nicht wahr?

Ist es aber ganz und gar nicht!!!

Nämlich: mince =  Hackfleisch ( auch: minced meat)

peppermint =  Pfefferminz

Alles klar?! Die berühmte „mince sauce“ ist also ganz einfach eine Hackfleischsoße (meist aus Lammfleisch). Köstlich sind auch die kleinen mince pies, mit Hackfleisch gefüllte Pastetchen, die man mittags an fast allen Straßenecken in London bekommt, heiß und frisch aus dem Ofen. Würde die Sauce wirklich mit Pfefferminze hergestellt, hieße sie korrekt „mint sauce“.

Also: die englische Küche ist durchaus sehr lecker!

Das musste ich mal loswerden😀😀😀

(und jetzt hab‘ ich Hunger… und Heimweh nach England… 😥 )

*Klugscheißmodus ausknips*

Gute Nacht!

Omas Plätzchen

Petra bloggte kürzlich einen Beitrag, den sie Drinnenbeschäftigungen“ nannte und in dem es unter anderem auch um das Backen von Plätzchen geht.

Die Vorweihnachtszeit ist für mich immer „Oma-Sehnsuchts-Zeit“. Früher kamen jedes Jahr Weihnachtspäckchen von Oma (sie benutzte dafür immer Schuhkartons, die sie nach dem Schuhekauf sorgfältig aufhob).

Drinnen waren Weihnachtssüßigkeiten aller Art, eine Weihnachtskarte (von beiden, Oma und Opa, unterschrieben), ein Geldgeschenk und das Wichtigste, auf das wir uns das ganze Jahr gefreut hatten: Omas Schwarz-Weiß-Gebäck! Ihr kennt das sicher, diese Plätzchen aus hellem und mit Kakao verdunkeltem Teig, den man zu unterschiedlichsten  Mustern kneten kann. Oma hatte karierte Muster und Schneckenhaus-geringelte.  Der „Kick“ an Omas Plätzchen, das Besondere, das Oma-Eigene, war: Oma buk die Plätzchen in einem Gas-Backofen, an dem sie das „Feintuning“ nicht ganz im Griff hatte. So hatten ihre Plätzchen immer einen ganz, ganz leicht angebrannten Beigeschmack. Nicht unappetitlich – im Gegenteil! Dieser Hauch von „leicht angebrannt“ war herzhaft-lecker und gehörte zu ihren Plätzchen dazu. Das war die typische Oma-Note des Gebäcks. Außerdem waren die Plätzchen deswegen immer etwas dunkel „überhaucht“.

Wenn Oma ein Päckchen schickte, füllte sie die Plätzchen in diese durchsichtigen Konditorei-Tütchen. Hatten wir  – der Prinz und ich – das Glück, Oma  vor Weihnachten noch persönlich sehen zu können,  überreichte sie uns jedem ein Jutesäckchen mit Namen und einem aufgeklebten Glanzbild (kennt ihr die noch – Glanzbilder?) und ermahnte uns mit gespielter Strenge: „Aber alles gerecht aufteilen! Nicht zanken, hört ihr?!“

Trotzdem: Da ich ja eine leidenschaftliche Süß-Frühstückerin bin, waren die Plätzchen bei mir nach kürzester Zeit weg. Der Prinz dagegen brauchte ewig, bis er überhaupt mal eine seiner Tüten öffnete. Also mußte ich das logischerweise für ihn tun – klar, ne?! Natürlich flehten seine Plätzchen mich an, sie zu essen, und gutmütig, wie ich manchmal sein kann, erbarmte ich mich ihrer. Der Prinz, die alte Petze, verpfiff mich umgehend. „Omma, die Nicole hat alle meine Plätzchen gegessen! Ich hab‘ kein einziges abbekommen!“ jammerte er am Telefon. Ich bekam natürlich „Schimpfe“ von Oma 😉

Ja… seit acht Jahren vermisse ich nun Omas und Opas Weihnachtspäckchen… Da Opa, der Gründliche, sie verpackte, waren sie meist in mehrere Lagen dicken Packpapiers eingewickelt und mit mindestens zehn Metern Paket-Klebeband  gesichert (man weiß ja nie…)❤❤❤

Opa starb im April 2008, Oma folgte ihm im Juli darauf. Und wenn ich jetzt rosa Wolken am Himmel sehe, dann weiß ich: Oma backt Plätzchen.

Herr Sonntag rettet Leben!

Heute Nachmittag, meine Lieben, hat der beste, tollste und bezauberndste Hund der Welt unter Einsatz seines kleinen Mausebärenlebens den Prinzen und mich davor bewahrt, grausam hingemördert zu werden. Jaaa-woooohl! Ich war gerade im Büro in eine Anglo-Saxon-Webseite vertieft, als aus dem Wohnzimmer lautes und sehr aufgeregt- empörtes Gebell ertönte. Da der Mausebär auf meine beruhigenden Rufe nicht reagierte, erhob ich mich dramatisch seufzend und latschte hinüber ins Wohnzimmer (ja klar – wenn der Hund „dramatisch“ kann, kann ich das auch – aber hallo!😀 )

Er stand wie immer mit den Vorderbeinen auf der Rückenlehne der Couch, den Kopf hinter die Gardine gesteckt, und schaute aus dem Fenster. Irgendwas oder-wer mußte da draußen sein, denn er war sehr empört und bellte wie bekloppt. Ich schielte an ihm vorbei, seitlich aus dem Fenster. Und da sah ich sie, die grausame Gefahr, der wir so knapp entgangen waren: zwischen unserem Wohnzimmerfenster und der Bushaltestelle, am Vorgartenmäuerchen des schnuckeligen Nachbarhauses, lehnte eine junge Mutter mit ihrem kleinen Mädchen, beide in rosa Anoraks! Ooaaar! Das waren doch bestimmt Terroristinnen, die nur so taten, als warteten sie auf den Bus! Der weltbeste Hund hatte natürlich  sofort erkannt, dass die beiden in Wirklichkeit Untergrundkämpferinnen waren, die es auf unsere Leben abgesehen hatten, und Alarm gegeben.

Da haben wir ja mal wieder Glück gehabt.