Neues vom Anzeigen-Feti :)

Hey ihr Lieben, vor einer Weile habe ich erzählt, dass der liebe Ex-Nachbar mal wieder eine Anzeigenwelle losgetreten hatte – er hatte sämtliche Nachbarn, deren Autos nicht zu 100 Prozent so standen, wie er sich das vorstellte, bei der Stadtverwaltung angezeigt – anonym natürlich, wie das so seine (feige) Art ist. Diesmal war aber einigen der Kragen geplatzt und sie hatten sich für eine Sammelklage gegen ihn zusammengeschlossen und gemeinsam eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet. Die Frankfurter Kanzlei verlangte zuerst einmal Akteneinsicht bei der Stadt. Die zierte sich erst etwas und gab zwar Kopien der Anzeigen-Mails heraus, aber mit geschwärzten Namen. Das beeindruckte die zuständige Anwältin null, denn den kannte sie längst (die Nachbarn kannten den Namen des Anzeigenfetischisten natürlich seit Jahren und hatten ihn klar benannt. Erst als die Anwältin mit der Staatsanwaltschaft drohte, knickten sie beim Ordnungsamt ein. Jetzt dämmerte ihnen langsam, dass es keine gute Idee gewesen war, auf anonyme Anzeigen zu reagieren. Einige Tage später erhielt ein Teil der Angezeigten einen Brief von der Stadt mit der Information, die Anzeige sei „ein Irrtum“ gewesen und sie müssten die Gebühr nicht zahlen. Das heißt für den Denunzianten nicht, dass er vom Haken ist – die Nachbarschaft bleibt dran (und damit die Anwaltskanzlei auch!) In der Katlahöhle dürfte es jetzt langsam stiller werden… Ich bin sehr dankbar, nicht mehr in unmittelbarer Nachbarschaft der Katlahöhle zu wohnen und die giftige, verrottete Energie nicht mehr durch das Viertel wabern zu fühlen. Seit wir hier bei Dani leben, ist es wunderbar entspannt. Wir haben eine freundliche, kameradschaftliche Nachbarschaft und fühlen uns hier gut aufgehoben.

Sieben Monate

waren es gestern, seit wir den besten Hund der ganzen weiten Welt losließen.

Der Schmerz ist immer noch unsagbar groß, bei uns beiden. Im Auto, wenn wir zum lüttje Huus fahren, schaue ich immer noch nach links hinten,um zu sehen, ob er schläft oder seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht: aus dem Fenster gucken. Der leere Rücksitz ist jedesmal ein Stich ins Herz. Im lüttje Huus schaue ich automatisch zu der Ecke, in der sein Bett stand (strategisch günstig, um uns beide stets im Blick zu haben, der kleine Kontroletti). Beim Essen schaue ich hinaus auf den wilden Grünstreifen vor dem Haus, der unsere von Hertas Einfahrt trennt, und sehe vor meinem inneren Auge einen kleinen braunen Hund, der mit der Nase am Boden durch das hohe Gras streift und den geeigneten Platz sucht, um die Wiese mit einem Haufen zu verschönern… In acht Jahren geht der Prinz in den Ruhestand, dann ziehen wir ganz nach Woquard – und dann, wenn der Prinz nicht mehr jeden Tag zur Arbeit fahren muss, wird sicher wieder ein Hund unser Leben teilen. Denn: nach den sechs Jahren mit Le Bär ist das Leben ohne einen Hund entsetzlich leer. Okay, offen gestanden, genießen wir es derzeit noch, dass wir einfach so, ganz spontan, essen gehen oder zu IKEA fahren können, ohne dass zu Hause sich ein kleiner Bär die Augen ausweint… Aber ich würde die freiheitlichen Einschränkungen sofort wieder in Kauf nehmen, wenn der kleine Stinker wieder bei uns wäre… Immerhin haben wir es so weit geschafft, daß wir über ihn sprechen und sogar bei manchen Erinnerungen, die wir teilen, lachen können. Das ist wichtig, um mit dem Verlust Frieden schließen zu können. Ich weiß, dass das für uns beide gilt: Es waren sechs ganz besondere Jahre mit dem Pups, und wir werden für diese Zeit immer dankbar sein. Wir wissen, dass er zuletzt einfach nicht mehr leben wollte und konnte, die Niereninsuffizienz machte ihm jeden Tag zur Qual. Die Euthanasie war die richtige Entscheidung, er ist sanft und friedlich gegangen. Und in unseren Herzen und Gedanken ist er immer noch bei uns. Und er wird es immer sein. Im August kommt ein Obstbaum auf sein Grab, dazu eine kleine Gedenktafel, wie Pippi und Micia sie haben.

Rückfahrt :(((

Ist für heute angesagt, darlings. Es ist Sonntag und wir sind seit Dienstag im lüttje Hus. Haben das lange Fronleichnam-Wochenende genutzt (ist hier in Niedersachsen kein Feiertag). Der Prinz hatte sich eigentlich den morgigen Montag noch als Home Office-Tag reserviert, aber da hat jemand einen Termin reingeknallt, bei dem er dabei sein muss… also heute schon Rückfahrt. Gestern Abend hatten wir noch ein Treffen der fab four, also mit Edda und Tinus, schön mit Abstand auf der Terrasse, und vorgestern mit zweien der Whisky-Jungs, auf dem Deich. Wir fahren immer widerwilliger hier weg. ABER: am 1.Juli 2030 wird es die letzte Fahrt hierher sein – und dann müssen wir nie wieder weg! YAY!!!!

Abschied von Micia

So, meine Lieben, da bin ich wieder. Zeit, von Micia zu erzählen, der Guten. Am Samstag, den 21. Mai, haben wir uns von ihr verabschieden müssen. Sie war etwa 15 Jahre alt und seit Ende 2007 teilte sie unser Leben. Vor einiger Zeit (im April) begann plötzlich ihr linker Hinterlauf unter ihr wegzuknicken. Dadurch fiel sie immer wieder auf die Seite. Das machte ihr Angst und sie ließ sich nicht mehr von uns anfassen. Auch die Treppe konnte sie nicht mehr gehen, durch das nachgebende Bein fiel sie eine Stufe hinunter und rollte dann um ihre Längsachse die ganze Treppe runter. Dani war dabei und geriet außer sich, weil es ihrer geliebten „Maus“, wie sie Micia nannte, so schlecht ging. Der Prinz schaffte es jedoch, mit Ruhe (und Schinken) Micia in den Transportkorb zu locken. Wir fuhren zum Highlander rüber, der die Muskulatur entlang ihrer Wirbelsäule abtastete. An zwei Stellen zuckte sie, gab aber keinen Laut von sich. „Da hat sie Schmerzen, vermutlich eine Zerrung oder Prellung“, sagte er. Micia bekam eine Spritze mit einem Schmerzmittel und wir Schmerztabletten für die nächsten Tage, die der Prinz ihr morgens zerbröselte und ihr mit Leberwurst- Schleckpaste vermischt reichte ( das nahm sie gerne!) Schon am nächsten Morgen lief sie sichtbar besser, noch langsam, aber stabil. Wir waren natürlich sehr erleichtert und beobachteten von da an mit Argusaugen jeden ihrer Schritte. Sie hob das linke Hinterbein aus der Hüfte heraus an und brachte es mit einer Halbkreis-Drehung nach vorn. (Bei Schlaganfallpatienten nennt man dies „Trendelenburg-Zeichen“. Ich hatte es anfangs auch noch, und es dauerte Wochen, bis ich es mir abtrainiert hatte.) Aber sie lief stabil und fiel nicht mehr um, das war uns wichtig. Sie kompensierte recht geschickt. Wenn sie auf die Couch wollte, zog sie sich mit den Vorderpfoten und -krallen hoch und nutzte das gesunde Hinterbein, um sich hochzustemmen. Beim Runterspringen kam sie noch manchmal aus dem Gleichgewicht, das bereitete uns Sorgen. Aber sie lief bereits wieder draußen herum und verbrachte viel Zeit bei Dani, die sie mit dem besten Futter verwöhnte und die vor Allem stundenlang mit ihr schmuste und spielte. Micia blühte zusehends auf, da sie jetzt alle Aufmerksamkeit und Leckerli für sich allein hatte. Bei Dani durfte sie auf der Couch liegen und fernsehen (Dani suchte ihr extra Tiersendungen heraus! :)).

Dann, irgendwann, tauchte ein riesiger schwarzer Kater in Danis Garten auf. Er war menschenscheu und flüchtete vor Dani. Micia allerdings verjagte ihn sehr wütend, mehrere Male (Wir haben ihn nie zu sehen bekommen, aber Dani hat von ihrem Wohnzimmer freie Sicht in den Garten und erzählte uns alles).

Am Morgen des 21.Mai, ich schlief noch, hörte ich Micia sehr laut rufen. Mein schlafbetüddeltes Gehirn interpretierte den Ruf als „ Hey! Dani hat mir kein Frühstück gemacht! Die pennt noch!“ Ich grinste und schlief weiter. Da stand der Prinz an meinem Bett und sagte: „Schatz – Micia geht’s nicht gut…“

Sie lag auf dem Bettvorleger vor seinem Bett und mauzte mich kläglich an – ungewöhnlich, da Micia eher eine stille Katze ist. Sie wirkte verängstigt und angelte mit den Pfoten nach meiner Hand. Sie wollte eindeutig, dass ich bei ihr bleiben sollte. Sie rollte sich auf den Rücken, dabei plumpsten ihre Hinterläufe mit einem unangenehmen Klacken auf die Bodendielen. Sie schrie auf. Das geschah noch einige Male. Dann versuchte sie, in ihr Schlafbettchen zu gelangen. Sie richtete den Oberkörper daran auf und versuchte, sich hinein zu ziehen. Aber sie konnte die Pfoten nicht strecken, diese knickten immer wieder ab. Da realisierten wir entsetzt, dass ihre Hinterläufe gelähmt waren. In ihrer Verzweiflung biß sie in meinenZeigefinger. Ihre Reißzähne waren verdammt scharf und die Wunde blutete recht stark. DerPrinz kam dazu und legte Micia in ihr Bett (das sie nach Bärchens Tod ganz selbstverständlich übernommen hatte). Ich desinfizierte die Wunde, während der Prinz Tierarztpraxen anrief und eine suchte, die uns am Samstag Morgen empfangen würde. Er fand eine, und zwar die, die vor einigen Jahren unsere „Weihnachtskatze“ gerettet hatte. Micia driftete zwischen Wachsein und Bewusstlosigkeit hin und her. Wir informierten Dani,die uns ein Tuch mitgab, damit Micia im Transportkorb vor dem kalten Wind geschützt war. Wir fuhren mit der ängstlich mauzenden Micia nach Ludwigshafen. Vor der Praxis sahen wir sofort: Die Treppe war für mich nicht zu bewältigen. Aber pandemiebedingt durfte sowieso nur eine Person pro Tier hinein. Als wir das Tuch vom Transportkorb nahmen, lag Micia bewusstlos da und atmete sehr schnell und flach. Es war eindeutig: Sie hatte sich auf den Weg gemacht… „Die Fahrt hätten wir ihr ersparen sollen“, sagte der Prinz traurig. Wir verabschiedeten uns von unserer Chefin… Er ging mit Micia hinein, ich blieb im Auto und wartete. Nach einigen Minuten kam eine WhatsApp-Nachricht von ihm: „Sie schläft jetzt“. Also lag sie in Narkose, dann würde es jetzt wohl schnell gehen. Ich schrieb Dani und benutzte sogar ein Wort, das für mich zu den „“Unworten“ gehört: „Sie geht gerade über die Regenbogenbrücke.“ Und fragte gleich:“Dürfen wir sie neben Pippi beerdigen?“ Dani schickte ein weinendes Emoji und schrieb „Ja, natürlich.“ Im übernächsten Auto sah ich am Steuer einen Mann sitzen, dessenFrau/Beifahrerin kurz vorher ebenfalls mit einem Transportkorb in die Praxis gegangen war. Ich sah, wie er auf sein Handy schaute und sich die Augen rieb. Da kam auch schon der Prinz mit der toten Micia und wir fuhren still zurück. Dani erwartete uns schon. Weinend streichelte sie ihre tote Freundin. Wir umarmten uns und weinten gemeinsam um unsere hübsche Streifenkatze. Am Nachmittag hob Dani für Micia ein Grab gleich neben Pippi aus, unter einem weißen Rosenbusch. Wie Pippi, hüllten wir auch die Chefin in ein Stück Baumwollstoff. Dani gab ihr das Stück Schnur mit,mit dem die beiden lange und intensive Fangspiele gespielt hatten. Sie legte ihr die Schnur zwischen die Vorderpfoten. Als das Grab zugeschüttet war,saßen wir noch lange in Danis Küche bei Kaffee, Wein und Aperol und tranken auf die schönen Jahre mit unserer Chefkatze. Sie fehlt uns sehr und wir sprechen oft von ihr. Ohne Le Bär, Pippi und Micia ist das Haus leer und mir fehlen die drei entsetzlich. Aber ein anderer Hund wird erst einziehen, wenn der Prinz im Ruhestand ist und mehr Zeit für den Hund aufbringen kann. Er ist ein workoholic und war oft einfach zu kaputt, um Le Bär den Auslauf geben zu können, den er brauchte (deswegen hat er immer noch ein schlechtes Gewissen). Und bei Katzen hat es sich erwiesen, dass die die Besten sind, die sich uns aussuchen, wie es Micia getan hat. Micia, das können wir guten Gewissens sagen, hat sich uns ausgesucht und wir hatten 15 schöne Jahre miteinander. Nun wollen wir es nicht erzwingen – wir möchten sehr gern wieder eine Katze haben. Aber wir wollen warten, bis es sich wieder ergibt. Wenn es sein soll, wird wieder eine kommen, da sind wir uns sicher. (pssst… so ganz im Geheimen hoffen wir auf den großen schwarzen Kater ;))

Vollwaisen

sind der Prinz und ich seit vorgestern, Ihr Lieben. Denn am Samstag haben wir uns von der Chefkatze verabschieden müssen. Ja -Micia ist tot. Es kam unerwartet und ging sehr schnell. Sobald ich wieder etwas power habe, erzähle ich mehr. (Damit ihr euch keine Gedanken macht: Sie hatte, wie Bärchen, einen sanften und leichten Tod.) Sie ist neben Pippi, ihrer Tochter, in Danis Garten beerdigt. Und wir sind nun ganz allein. Später mehr…

Kleiner Lacher zwischendurch

kleine Zwischenmeldung, darlings, um euch zu erheitern: Ich darf ja neben meiner Rente 450 € im Monat dazu verdienen. So schalte ich hin und wieder, wenn ich dran denke, eine entsprechende Suchanzeige auf Portalen wie Ibäh Kleinkrams oder Quoka. Ich schreibe immer klar in die Anzeige: kein MLM, kein s.E.x!
Allerdings lesen die meisten die Anzeigen nicht richtig. Angebote für MLM bekomme ich trotzdem täglich, und gestern trudelte folgende Perle bei mir ein:

hallo.
hättest du auch interesse etwas im erotikbereich zu machen?
ich bin selbständig in der branche, und suche frauen für erotische foto- und videoaufnahmen, teleonsex und camsex.
desweiteren suche frauen die in dessouse auf privaten partys bedienen.
du könntest monatlich
bis zu 3000€ und mehr verdienen.

L.G. Patrick

Nachdem ich mit Lachen fertig war, schrieb ich zurück:

Hallo Patrick,
na klar, wenn es nicht stört, dass ich übergewichtig bin, einen
Kurzhaarschnitt habe und halbseitig gelähmt bin. Es macht doch sicher
nichts aus, wenn ich die „dessouse“ im Rollstuhl trage, oder?

Aber wißt ihr was? Der hat gar nicht mehr geantwortet! Hm. 🤔 Seltsam, oder? Was meint ihr?






Oster-Update

Kleines update aus dem Osterurlaub:

Der Prinz und ich wünschen euch allen ein schönes Osterfest, darlings! Habt es schön lecker und kuschelig!

Am letzten Mittwoch sind wir nachts in Woquard angekommen – und das Wetter ist herrlich!


Weitere gute Nachrichten, darlings: Seit Ende März habe ich in Worms endlich einen Hausnotruf! Denn am Tag vor unserer Abreise in die Karnevalsflucht war ich in der Küche nochmal gefallen (ja, ich weiß… 🙄) Dani konnte zwar rüberkommen, sie hatte aber gerade eine Verletzung am Fuß und konnte mich nicht in die Notaufnahme fahren. So musste ich  mit dem RTW ins Krankenhaus. Ich wäre lieber nicht hingefahren, aber ich war auf die gleiche Stelle aufgeknallt, an der vorletztes Jahr der Oberarm gebrochen war, und ich hatte Angst vor weiteren fünf Wochen mit Arm in der Schlinge. Zum Glück ergaben Röntgen und CT, dass nichts gebrochen war, nur heftige Muskelprellungen hatte ich abbekommen. Also eine Woche mit Arm in der Schlinge und sehr vorsichtiger Ergotherapie beruhigten das Ganze mit der Zeit. Jetzt ist der Arm ergo-technisch wieder auf seinem Niveau wie vor dem Sturz. Alles wieder gut. Aber der Bedarf nach einem Hausnotruf war damit wieder ganz aktuell, denn Dani ist nicht immer da. Sie arbeitet in Wechselschicht. Ich hatte nach dem Armbruch bereits recherchiert und gefunden, dass für mich der ASB der beste Anbieter für einen Hausnotruf ist.
Ich habe das Armband gewählt, wie ich es bei Herta gesehen habe:


 Und ja, klar habe ich schon einen Fehlalarm ausgelöst 😳, die waren aber sehr nett und gelassen beim ASB. Lieber ein Fehlalarm als ein Notfall, ist da die Devise.

Ja, und seit letzter Woche sind wir endlich wieder im lüttje Huus! Übrigens hatte Herta angerufen und gefragt, ob wir ihr Sonnenblumenöl und Mehl mitbringen könnten, die Krummhörn sei ausverkauft… Der Prinz hatte einen Verkaufsstand am Straßenrand auf der anderen Rheinseite gesehen, der Öl anbot. Wir fuhren hin – und bekamen zwei Flaschen Sonnenblumenöl, für sechs. Euro.pro. Stück. Ja, ihr habt richtig gelesen. Der Verkäufer ist der, bei dem wir meist im Herbst den ersten neuen Wein kaufen. Das kann er dieses Jahr vergessen, der Widerling. Nun, für Herta ist das für uns ok. Ihr ist es wichtig, für Ostern Krintstuut (Rosinenstuten) backen zu können. Mehl gab es immerhin für 2,50 das Kilo, in einem kleinen versteckten Edeka, den der Prinz kannte.  Herta wird sich freuen – und wir freuen uns auf Krintstuut (den ißt man in Ostfriesland nämlich zum Tee, mit Butter bestrichen).

Micia wird es sehr gut gehen, wenn wir weg sind. Sie ist dann einfach die ganze Zeit bei Dani, die ihr „Baby“, ihre „Mausi“, gnadenlos verwöhnen wird mit Spielen und Leckerli. 🤣 Micia scheint weder Bärchen noch ihre Tochter Pippi zu vermissen- sie genießt es, nun Einzelkatze zu sein und alle Aufmerksamkeit für sich zu haben.

Ach ja, und es gab nun doch ein Osterfeuer gestern! Nur in kleiner Version, aber immerhin. Die IG hat sich Gedanken gemacht. Das Feuer war vorsichtshalber nur für Mitglieder der IG gedacht, in einem Feuerkorb vor dem Gemeindehaus, mit Bier und gegrilltem Zeugs dazu. So kamen der Prinz und ich doch noch zu einem Osterfeuer, nach zwei pandemie-bedingten Ausfällen – denn selbstverständlich sind wir IG-Mitglieder 😉 Auch das Aufstellen des Maibaumes, ein großes und wichtiges Fest im Dorfleben, dürfen die jungen Leute dieses Jahr endlich wieder genießen. Leider werden wir Anfang Mai nicht da sein. Ganz klischeegerecht werden die Frauen Blumen binden und den Baum damit schmücken. 🙄Am 1. Mai stellen die Männers ihn auf (mit ordentlich alk-basierter Unterstützung, natürlich;) Die IG hat bereits dazu aufgerufen, dass sich Freiwillige für die Nachtwache melden mögen. Was das heißt? Es ist Tradition, dass die Dörfer versuchen, sich gegenseitig ihre Maibäume zu stehlen. Das ist Aufgabe der jüngeren Männer, die ihre Bäume natürlich auch nachts bewachen müssen. Ein Maibaum gilt als offiziell „gestohlen“, wenn der Dieb eine Hand am Baum und die andere an einem der Halteseile liegen hat. Es gilt also, in der Nacht zum 1. Mai einfach jede Person daran zu hindern, in die Nähe des Baumes zu kommen. Da dann fast alle bereits gut „getankt“ haben, geht das selten ohne Blessuren und Radau ab…Hier in Woquard erzählen Leute gerne die Geschichte, wie die Wächter ihren Baum mal kurzerhand in eine Scheune verfrachteten, diese gut abschlossen und zufrieden zum Schlafen nach Hause gingen. Sie wußten nicht, daß die Diebe sie beobachtet hatten… Jedenfalls müssen die „Wächter“ wohl sehr verblüfft dreingeschaut haben, als sie am nächsten Morgen feststellen mußten, daß die Diebe es geschafft hatten, den Baum über eine Öffnung im Dach herauszuholen und wegzuschaffen! Na, noch acht Jahre, dann sind wir immer hier und können überall dabei sein! 💃💃 Jetzt wollen wir, da es warm und sonnig ist, noch ein wenig Richtung NL fahren und schöne Landschaft gucken. Morgen mehr! 🙋‍♀️

Alltag…

Jetzt ist wieder eine Weile nichts passiert hier, ihr Lieben. Es ist immer wieder dasselbe: Ich brauche nach einem Abschied vom lüttje Huus eine Ewigkeit, mich hier in Worms wieder einzuleben (obwohl Danis Haus so viel liebevoller und wärmer ist als das Haus, indem wir vorher gewohnt haben). Also, weiter mit unserer Karnevalsflucht: Der Prinz hatte beim letzten Mal mit Besorgnis gesehen, dass die Terrasse (die aus Holzdielen besteht) sehr vermoost und damit rutschig ist. So plante er die ganze Zeit, einen Hochdruckreiniger anzuschaffen und damit die Terrassendielen so richtig zu entmoosen…🙄 Er erwähnte das Dani gegenüber, die ein großer LIDL-Fan ist und in deren Prospekt auch gleich einen Reiniger fand. Der Prinz schlug zu und konnte es kaum erwarten, dem Moos zu Leibe zu rücken.
Gerade als er in Pewsum dabei war, noch ein Zubehörteil zu kaufen, rief Herta ihn an. „Du, Prinz, ich wollte dir nur sagen, dass ich nicht mehr zu euch rüberkomme“, erklärte sie. „Ich bin positiv getestet.“ Sie hatte Erkältungssymptome bekommen und ihren älteren Sohn um einen Schnelltest gebeten. Der Sohn ist Fahrer bei der Lebenshilfe und hat immer Tests bereitliegen. Der Test war positiv. Herta ließ beim Hausarzt sofort einen PCR-Test machen – positiv. So eine Scheiße! Der Prinz suchte die nächsten Teststationen raus: eine ist in Pewsum in einer ehemaligen Spielhalle (widerlicher Gestank nach Zigarettenqualm!), die andere im Haus der Jugend am Hallenbad in Pewsum. Diese stellte sich als sehr gut und professionell heraus, nach 15 Minuten bekommt man das Ergebnis per Mail, sogar mit einem Link, mit dem man das Ergebnis der Corona-Warn-App hinzufügen kann. Wir waren also für den Rest des Urlaubs jeden Tag beim „Friesentest“ -Zentrum. Alle Tests, auch der unmittelbar vor der Rückfahrt, waren negativ. Herta geht’s wieder gut, übrigens. Sie war geimpft und geboostert, daher hatte sie nur wenige und milde Symptome. Aber erschreckt haben wir uns doch, immerhin ist sie schon 76 und wir haben sie lieb. Mit Edda und Tinus hatten wir einen Besuch vereinbart, aber daraus wurde natürlich nichts, weil wir sie nicht gefährden wollten. Die zwei sind auch geimpft und geboostert, aber eben auch beide schon 80 Jahre alt.

Übrigens hat Beatrix von Storch (EkelhAfD) kürzlich in einem selbstgedrehten Filmchen erklärt, das erzwungene Stäbchen in der Nase habe mit „Demütigung“ zu tun, mit „Unterwerfung“! Und das lasse sie nicht mit sich machen! Eins! Elf!

So haben der Prinz und ich nicht gesagt „Fahren wir mal eben zum Testzentrum“, sondern: „Gehen wir uns eben demütigen lassen?“ Und zum Glück waren wir jedes Mal negativ unterworfen! 🤣 Zu unserer Freude bekam der Prinz noch einen weiteren Home-Office-Tag, so dass wir erst am Montag zurückmussten. Der Prinz kärcherte mit Hingabe das Moos von der Terrasse runter (holy moly, ist das Kärcher-Ding laut!). Zu meiner Freude ist aber der Grünstreifen, der Hertas Einfahrt von unserer trennt, voller Krokusse und Schneeglöckchen (=Frühling!), so daß ich mir für Ostern schönes Wetter erhoffe. Mit dem Osterfeuer wird es wohl wieder nichts werden, nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch, weil die IG noch keinen neuen Ort dafür gefunden hat; Tinus hat den Acker, auf dem das Feuer bisher brannte und die Scheune, in der wir hinterher gesessen und gegrillt hatten, an einen anderen Landwirt verpachtet, und dieser braucht beides selbst.

Wir traten also die Rückfahrt an, ohne Herta, Edda oder Tinus umarmt zu haben. Dafür schrieben wir der tapferen S. gegenüber noch eine Gute-Besserung-Karte mit lieben Grüßen, die wir heimlich in den Briefkasten warfen, als wir losfuhren. Sie meldete sich gleich am nächsten Tag beim Prinzen und bedankte sich (hatte sich von Herta die Nummer geholt ;)).

Nun ist hier wieder Alltag eingekehrt und wir freuen uns auf Ostern.

Zwischenmeldung

Aus dem lüttje Huus, darlings. Wir müssen leider heute Nachmittag schon wieder zurückfahren😢

Wir waren am Tag vor meinem Geburtstag angekommen. Die Fahrt war still und melancholisch, weil der Rücksitz ohne Le Bär so leer war. Der Prinz erzählte, dass er verschiedene coole Orte zum Frühstücken gefunden habe, diese aber offenbar alle schon nicht mehr existierten, so zum Beispiel ein neues Café in der grünen Mühle in Greetsiel (wer Greetsiel kennt, weiß, dass das Wahrzeichen des Ortes die Zwillingsmühlen sind, eine rote und eine grüne). Offenbar hat die Pandemie nicht nur Menschen getötet, sondern auch eine Menge neuer kleiner Unternehmensgründungen. Schade! Aber der Prinz weiß ja, dass mich ein englisches Frühstück immer glücklich macht, so fuhr er schnell einkaufen und besorgte das Wichtigste. Weil es saukalt war, machten wir es uns zu Hause gemütlich. Wir schauten tolle Dokus über die Humboldt-Brüder, die wir sehr bewundern. Abends überraschte mich der Prinz mit einem leckeren Abendessen im Hohen Haus in Greetsiel, das ich noch vom vorletzten Geburtstag in köstlicher Erinnerung hatte. Zitternd in der Kälte stehend, versuchte ich danach, ihm den Orionnebel am sternklaren Nachthimmel zu zeigen, aber er konnte ihn nicht erkennen 🤷‍♀️ Herta und Bella kamen am nächsten Tag zum Tee. Herta erzählte, dass die Nachbarin gegenüber, S., die Amputation eines ihrer Unterschenkel über sich ergehen lassen musste. S. ist im vorletzten Winter gestürzt und hat sich das Schienbein doppelt gebrochen. Den Bruch richteten die Ärzte im Krankenhaus mit einer Platte, doch wollten weder der Bruch noch die OP-Wunde heilen. Sie hielt drei Hauttransplantationen aus, dann infizierte sich die Wunde mit einem Virus. Sie musste regelmäßig gereinigt werden, das ging nur unter Vollnarkose. Um diese Qual zu beenden, entschied sich S. auf Vorschlag der Ärzte für die Amputation des halben Unterschenkels. Ich bewundere ihren Mut! Sie hat eine sehr moderne Prothese und wird bald wieder normal laufen können. Alle drei Töchter mit ihren Kindern sind immer für sie da. Wir werden nachher ebenfalls, bevor wir fahren, unsere guten Wünsche rüberbringen.
Morgen erzähle ich weiter!

ich weine…

Nein, heute nicht um Bärchen und mein Pippilein, wie ich es öfter morgens tue, darlings. Nein, heute weine ich vor Fassungslosigkeit, vor Abscheu und vor Zorn. Habe soeben bei Twitter reingeschaut, wie jeden Morgen. Und was lese ich von der Nazi-Partei, die sich zur Tarnung eine blaue Farbe gegeben hat und die ich nur als “EkelhAfD“ bezeichne?
Gunnar Lindemann und Johannes Nor-äh-Doofmann sind neben Bjadolf Höckler für mich der widerlichste Abschaum, der seit Adolf Hitler unter Gottes Sonne wandelte

Das. Das ist es, das mich heute zum Weinen bringt. Diese absolute Kaltschnäuzigkeit, diese Herzlosigkeit, dieser Zynismus. Wie seht ihr das?

Ab an die Nordsee

geht es heute Nachmittag, ihr Lieben. Es ist die alljährliche Flucht vor dem Karnevalsgedöns. Der Prinz hat es geschafft, noch einige Home Office-Tage zu vereinbaren, so können wir bis zum 6.März in der baldigen neuen Heimat bleiben.
Gerade dort ist es am krassesten, wie sehr der Bär uns fehlt. Woquard war ja auch sein Zuhause. Hier in Worms denken wir auch sehr viel an ihn (und ich weine oft um ihn), aber in „Wokert“, wie unser Dörfchen op Platt heißt, ist es extrem. Dort ist er allgegenwärtig. Nur Bella, Hertas kleine Jack-Russell-Hündin, genießt es, dass sie jetzt immer im Mittelpunkt ist, wenn sie und Herta zum Tee kommen, und sie die Leckerli nicht mehr teilen muss.😏 Trotzdem freuen wir uns auf die zehn Tage im lüttje Hus (ich will in der Zeit mein Schulfranzösisch aufpimpen).Der Bär soll einen Apfelbaum auf sein Grab bekommen. Ach ja, Wasser ist auch wieder durchs Dach gekommen, aber der Dachdecker hat es schon repariert. Dafür hat Herta gesorgt, die Wunderbare. Für die Jecken unter euch: Viel Spaß in den wilden Tagen! Ich will mich aus Wokert melden und hoffe, ich kriege das hin🙄

Le Bär und Pippi -Teil 2

Hier findet ihr Teil 1

Wir informierten Herta, der Prinz stellte den Korb mit dem „schlafenden“ Bärchen in den Kofferraum, sicherte ihn und los ging’s.  Bärchens erste Fahrt nach Woquard im neuen Auto – nur hätte er sie lebend antreten sollen. Ja – hätte, hätte, Fahrradklingel! Der Prinz hatte ihm noch sein Lieblingsplüschtier zwischen die Vorderpfoten gelegt, den Husky-Welpen. So, in seinem Korb, wollten wir ihn auch beerdigen.

Erst gegen ein Uhr nachts kamen wir an. Der Prinz stellte den Korb in den Anbau, der dem Vorbesitzer als Werkstatt gedient hatte und der später mal unser Wohnzimmer wird. Da der Raum nur aus Außenmauern und einem Dach (alles ungedämmt) besteht, ist er immer kühl, so stellte der Prinz den Korb mit dem toten Bärchen vor die Glastür, die auf die Terrasse und in den Garten führt, und stellte ihm eine LED-Kerze dazu. („Da kann er in den Garten gucken“, sagte er.)

Der nächste Tag, der Tag der Beerdigung, war dunkel, nass und kalt. Wir wollten Bärchen neben der Terrasse, unter der Esche, beerdigen. Ich konnte ja beim Graben mit einer Hand nicht helfen, so begann der Prinz ein Grab auszuheben, während ich bei fünf Grad in Wind und Regen frierend danebenstand. Schon nach wenigen Spatenstichen stieß der Prinz auf ein Sieb aus Edelstahl, das sich als Teil eines Revisionskanales herausstellte. *seufz*… Also zwei Schritte weiter, neuer Versuch. Diesmal stieß der Spaten auf eine Art Ziegelmauer. Selbst Herta wusste nicht, was das sein könnte. Frustriert schauten wir nach einem besseren Platz, um nichts Wichtiges unter der Erde zu beschädigen. Nachdem noch ein paar oben liegende Wurzelteile der Esche hatten weichen müssen (Ich bat die Esche im Stillen um Entschuldigung), gaben wir den Wunsch, das Bärchengrab bei uns an der Terrasse haben zu wollen, auf und wählten ein Plätzchen drüben an der Grenze zu Hertas Garten (unsere Gärten sind nicht durch einen Zaun getrennt ,das wußte der Bär und er haute öfter mal ab, indem er in Hertas Garten schlich, sich vorne unter dem Tor auf die Straße durchdrückte und eine Tour durchs Dorf unternahm. Kinder brachten ihn dann meist zurück – er war ja bekannt wie der berühmte bunte Hund. Herta kam dazu, mit Bella natürlich, die ihren großen Freund auch verabschieden sollte. So standen wir drei Mädels frierend im Regen, während der schlammbedeckte Prinz keuchend grub und buddelte. Der schwere Kleiboden war kalt, nass und glitschig; es wurde bald klar, daß der Prinz es nicht schaffen konnte, ein Loch zu graben, das tief und weit genug war – die Vorschrift sagt, dass über dem beerdigten Tier 60 Zentimeter Erde sein müssen, wegen des Grundwassers, und der Korb war doch weiter im Umfang als gedacht. So beschlossen wir, den Pups in seine Lieblingsdecke zu wickeln und ihn ohne Korb zu beerdigen. Herta drehte sich dabei weg, sie hatte eine große Scheu davor, das tote Bärchen anzusehen. Zuletzt legten wir die Grassoden obendrauf… und unser Bärchen war beerdigt. Ich überlegte, ob wir den Korb mit Blumen bepflanzen und aufs Grab stellen sollten. Aber mir fiel ein, dass der Weidenkorb wohl schnell verrotten würde. Bärchens rotes Gummi-„Frisbi“ lag noch herum. Der Prinz stellte den Korb oben aufs Grab und legte das „Frisbi“ hinein. Er hatte eine LED-Kerze gekauft, die täuschend echt wirkt, mit züngelnder Flamme. Man kann sie programmieren, so dass sie nach einer gewissen Zeit abschaltet, sich dann aber wieder einschaltet, sehr genial. Diese Kerze stellten wir in einer Laterne aufs Grab.

Am nächsten Vormittag fuhren wir zurück nach Worms, mit dem schlimmen Gefühl, unvollständig zu sein. Ich schaute aus Gewohnheit ständig nach links hinten, um zu prüfen, ob es dem Pups gut ging. Der leere Platz gab mir jedes Mal einen Stich ins Herz.

In Worms empfing uns eine besorgte Daniela: „Ich muss euch leider was sagen: Pippi geht’s nicht gut…“ Sie war den Tränen nahe. Tatsächlich lag mein Pippchen im Wohnzimmer auf ihrem Schaffell, rund und flach wie ein Pfannkuchen, die Augen geschlossen. Sie lag auf dem Bauch, ihr Körper schien um sie herum zu zerfließen, wie ein Pfannkuchenteig wirkte es. Sie atmete sehr flach, erkannte mich jedoch, als ich ihren ausgestreckten Kopf streichelte, und schnurrte kaum wahrnehmbar. Sie war aber zu schwach, um sich zu erheben. Als sie es schaffte, sah ich, dass sie abgemagert war. Mir wurde klar, dass sie sterben wollte, und mir fiel ein, wie sie neben dem schlafenden Bärchen in seinem Korb gesessen hatte, mit struppigem Fell und gesenktem Kopf, als spüre sie, dass er nicht überleben würde. Ich glaube, sie hat versucht, ihm etwas von seinem Leid abzunehmen, denn sie mochte Le Bär recht gern. Sie war ja eine sehr fürsorgliche Katze, unsere „security cat“.  In dieser Nacht schlief ich schlecht, da Pippilein zu schwach war, um nach oben ins Bett zu kommen, und ohne Pippchen auf dem Bauch kann ich schlecht einschlafen.

Gleich am nächsten Nachmittag luden Dani und ich das Pippchen ins Auto (im Transportkorb) und fuhren mit ihr zum Highlander. Eigentlich darf wegen der Pandemie immer nur eine Person mit dem Tier ins Behandlungszimmer, aber ich habe ja nur die rechte Hand zur Verfügung, und die brauche ich für den Gehstock, so war es ok, dass Dani den Korb mit Pippi hineinbrachte. Als ich erwähnte, dass sie Gewicht verloren hatte und sich kaum noch bewegen mochte, begann der Highlander sofort, ihren Körper abzutasten. Pippi war das unheimlich, sie knickte immer wieder mit den Hinterbeinen weg. „Alles gut, mein Schatz“, sagte der Highlander beruhigend (er liebt alle Tiere, aber Katzen besonders). An ihrem Unterbauch angekommen, sagte er: „Hier ist eine Zuwachsung, die da nicht hingehört.“ Ich war still, denn ich wußte sofort, was das war. Und hatte das Gefühl, dass in mir eine Welt einstürzte.

Er sagte:“ Ok, gehen wir es diagnostisch an: Was haben wir? Wir haben eine Katze, der es sehr schlecht geht. Sie hat Untertemperatur und sie hat Gewicht verloren. Sie frisst nicht. Zudem hat sie diese große Zuwachsung im Bauch. ich weiß nicht, ob es ein Lebertumor ist, ein Nierentumor oder ein Bauchspeicheldrüsentumor, das ist sehr unklar.“ Ich bat ihn, sie zu röntgen. Das tat er und wir sahen uns das Bild gemeinsam an. Die Gedärme im Bauch waren deutlich zu sehen und zu erkennen, als eine dunkle, verschlungene Masse. Darunter, kaum erkennbar, ein länglich-ovaler hellgrau-weißer Schatten, der längs im Bauchraum lag. „Das ist das Ding, das ich vorhin ertastet habe“, sagte er. „Das ist also ein Scheiß-Tumor?“  fragte ich. Er nickte. „Das ist ein Scheiß-Tumor“, bestätigte er. „Und ich fürchte, das ist nicht alles“, er zeigte auf den Brustraum. Dort waren Herz und Lunge deutlich zu erkennen, aber unterhalb der Lunge lag der gleiche hellgraue Schatten wie im Bauchraum. In diesem Moment wußte ich, daß Pippis und meine gemeinsame Zeit gezählt war. „Hat das metastasiert, aus dem Bauch in die Brust?“ „Ja“, nickte er. „Du Drecksding!“ sagte ich aus tiefster Seele. Er seufzte „Es tut mir so leid, Frau Lakritz“, sagte er. „Ich gebe ihr eine Cortisonspritze, dann frisst sie vielleicht morgen wieder. Und ich gebe Ihnen Cortisontabletten mit, davon geben Sie ihr täglich eine. Es kann sein, dass sie dann zumindest wieder frisst., für etwa zwei Wochen. Aber wenn sie dann wieder aufhört zu fressen – dann sollte man sie erlösen.“ Ich nickte stumm. In mir war immer noch alles dunkel und kalt. Der Highlander gab dem apathischen Pippilein die Cortisonspritze und füllte mir Tabletten in ein Tütchen. Dani bezahlte die Rechnung und packte mich ins Auto. Zu Hause legte Pippi sich erschöpft auf ihr Schaffell. Ich ließ sie in Ruhe. Am nächsten Morgen lag sie noch da, reagierte aber mit leisem Schnurren auf mein vorsichtiges Kraulen. Ich überlegte, wie ich die Cortisontablette in sie hineinkriegen sollte. Dani kauft oft Futter und Leckerli für die zwei Katzen. In der Küche fand ich eine Tube mit einer dünnen Paste zum Schlecken, die wie Leberwurst aussah und roch. Ich zerdrückte die Tablette und mischte sie mit etwas Paste – und siehe da: Pippi leckte alles restlos weg. Ich war erleichtert und freute mich.  Doch ließ ich sie weiterhin in Ruhe auf ihrem Schaffell. Ihr war nur wichtig, dass ich da war und sie mich bewachen konnte. Am Nachmittag begann sie, in den Sterbeprozess zu gehen: Sie verkroch sich unter der Heizung, dann unter einer Kommode. Später lag sie wieder auf ihrem Fell und ich spürte, dass sie sich gegen das Sterben wehrte. Sie bemühte sich, nicht nachzugeben und wirkte sehr angestrengt. Ich konnte auch spüren, warum: Sie hatte immer auf mich aufgepaßt, mich bewacht, vor allem, seit ich 2012 nach dem Hallamati nach Hause gekommen war. Sie war meine „security cat“, die nach jedem Urlaub bei mir im Bett schlief, um mich unter Kontrolle zu haben. Sie gab mir bedingungslose Liebe und erhielt sie von mir zurück. Das Pippilein und ich waren ein Team. Deshalb sträubte sie sich nun gegen das Sterben, obwohl es ihr wirklich schlecht ging: Sie wollte mich weiter beschützen.

Als ich an diesem Abend schlafen ging, setzte ich mich zu ihr. „Pippilein“, sagte ich, „Wenn du gehen möchtest, dann geh ruhig. Du mußt mich nicht mehr beschützen. Micia ist ja noch da und passt auf, und Herrchen auch. Mir geht es gut, du darfst ruhig loslassen, das ist ok. Ich liebe dich und werde dich niemals vergessen. Du wirst immer mein Pippi-Baby sein.“ Sie schnurrte und ich ging ins Bett, wissend, daß unsere gemeinsame Zeit vorbei war. Morgens weckte mich der Prinz vorsichtig mit den Worten: „Schatz… Pippilotta ist in der Nacht gestorben“. Er hatte sie tot in der Diele liegend gefunden, auf den eiskalten Fliesen. Ob sie versucht hatte, zum Katzenklo zu gelangen oder fiebrig war und sich kühlen wollte… wir werden es nie wissen. Wir legten sie zurück auf ihr Fell. Ich informierte Dani, die sofort darum bat, dass das Pippchen in ihrem Garten beerdigt werden solle.


 Ich ließ das Pippchen den Tag über noch auf ihrem Schaffell im Wohnzimmer liegen. Sie wirkte, als schliefe sie nur. Ich sprach mit ihr und streichelte sie ab und zu. Das erleichterte mir den Abschied. Wir warteten, bis Dani von der Arbeit kam. Ihr Enkel hatte bereits ein Grab ausgehoben. Wie Herta bei Bärchens Beerdigung, scheute auch er sich, von dem toten Tier Abschied zu nehmen, obwohl er Pippi gerngehabt hatte. Da Pippchens „Schaffell“ nur synthetisch war, also wohl nicht in der Erde zerfallen würde, wickelten wir sie in ein Stück Baumwollstoff und legten sie ins Grab. Dani pflückte einen kleinen Zweig vom Katzenminze-Strauch, unter dem Pippi gern in der Sonne gelegen hatte, und legte ihn dazu. „Tschüss, mein Schätzchen“, sagte sie leise. Ich hatte eine kleine Tafel aus Schiefer für ihr Grab bestellt.Die Schiefertafel und eine Kerze kamen als Schmuck aufs Grab und ich hatte einen weiteren Herzensschatz beerdigt. Es war hart und ist es immer noch.

Le morte du Bär (Teil 1)

So. Hier kommt nun der Bericht zu Bärchens und Pippileins Tod, ihr Lieben. Ich habe schon mehrere Anläufe genommen, daher die lange Stille – es tat und tut einfach zu weh. Wir versuchen uns daran zu gewöhnen, in einem Tag ohne Bärchen klarzukommen (und ich in Nächten ohne eine kleine schwarze Katze auf meinem Bauch).

Dass der Pupsibär nicht mehr lebt, hatte ich ja schon kurz geschrieben. Nach dem Zusammenbruch an Ostern hatten sich seine Nieren ganz gut nochmal erholt, er hatte sogar zugenommen (mit einer süßen kleinen Speckfalte im Nacken). Aber obwohl wir seine Diät streng einhielten – so schwer es uns manchmal auch fiel -zeigte er vor wenigen Wochen wieder Anzeichen, daß seine Nieren sich nicht ganz so gut erholt hatten wie gehofft. Am 17.November fiel uns auf, daß er nicht mehr fressen wollte, daß ihm die Futterbrocken einfach aus der Schnauze fielen. Er magerte ab und wurde erschreckend schwach. Nur seine „Praline“, wie der Prinz es nannte, seine Goldrute-Tropfen für die Nieren und die Tablette fürs Herz, dargereicht auf einem Stückchen Brot mit Leberwurst, die forderte er jeden Morgen unerbittlich ein (Hey – LEBERWURST! Das erlaubte die Ärztin sogar…) Aber oft stand er einfach da und starrte vor sich hin, während er wie betrunken hin und her oder vor und zurück schwankte…Er konnte nur noch ganz langsam in kleinen tapsigen Schrittchen gehen. Es tat weh, ihn so zu sehen. Dann begann er wieder schrecklich aus dem Maul zu riechen, u.a. nach Urin. Er schlief viel und suchte ständig unsere Nähe. Er verlor zunehmend die Kontrolle über seine Blase, plötzlich tauchten überall Pfützen auf, für die er sich schämte. Das zerriß uns schier das Herz, wir trösteten ihn und wischten es einfach weg. Wir gaben ihm so viel Liebe und Zärtlichkeit wie nur möglich. Das genoss er zwar, aber er schlief sehr viel. Jeden Tag wurde er schwächer und elender. Das tat uns unbeschreiblich weh. Schließlich riefen wir die mobile Tierärztin an, um sie um ihre fachliche Einschätzung zu bitten, ob wir das Pupsibärchen erlösen sollten. Sie untersuchte ihn und erklärte, der Bär fühle sich zwar wohl elend und ihm sei übel, aber er habe, soweit sie es beurteilen könne, keine Schmerzen. Daher sehe sie noch keinen Grund zum Einschläfern („das setzt mir auch immer zu“, gestand sie). Heute, im Nachhinein, wissen wir, dass es ein guter Zeitpunkt gewesen wäre, denn es war eigentlich allen klar, dass er unheilbar todkrank war. Nur der Prinz und ich klammerten uns noch an einen Hoffnungsschimmer (den es in Wirklichkeit nie gegeben hat). Am folgenden Abend fanden wir auf seinem Schaffell einen handtellergroßen Blutfleck, den wir uns nicht erklären konnten. Die Blutflecken tauchten immer öfter auf, kleiner als der erste, aber dicht an dicht verteilt auf dem ganzen Fell. Der Prinz vermutete, das Blut komme aus der Schnauze, aber der Bär ließ ihn nicht hineinsehen. Zu diesem Zeitpunkt trug der Prinz das Bärchen jeden Abend die Treppe hinauf ins Schlafzimmer und morgens wieder hinunter, weil der Kleine ruhiger war, wenn sein geliebtes Herrchen bei ihm war. Da der Prinz um sechs Uhr aufsteht, bin ich in den letzten Wochen mit aufgestanden, obwohl ich um diese Uhrzeit zu nichts in der Lage bin. Aber der Bär hätte, sobald der Prinz aus dem Haus war, nach mir gesucht und sich die Treppe hoch geschleppt… und ihn mit nur einem aktiven Arm runtertragen- das wäre mir nicht möglich gewesen. Also war ich um sechs unten und verbrachte den Tag mit dem Herzenshundi, der vor Erschöpfung fast die ganze Zeit schlief, selbst wenn ich Ergo- oder Physiotherapie hatte.  Pippi saß oft mit hängendem Kopf bei ihm. Wir sahen immer wieder, daß ihm rote Speichelfäden aus dem Maul tropften. Am Freitag (26.11.) rief der Prinz die Tierärztin nochmals an. Sie sagte, sie sei allein in der Praxis, ihre Helferinnen seien krank, aber der Prinz könne mit dem Bärchen gern kommen. Sie habe noch eine Not-OP und könne nicht weg. Der Prinz sagte im Büro alles ab und kam nach Hause. Er nahm den Korb mit dem verdutzt dreinblickenden Bärchen und fuhr los Richtung Praxis (diese ist im Tierheim integriert). Am Mittag rief er an. „Sie sagt, es habe keinen Sinn mehr“, sagte er. „Das Maul ist voller blutiger Geschwüre, und er hat jetzt Schmerzen. Sie kann ihm nochmal ein Antibiotikum spritzen, aber das wäre nur eine Verlängerung seiner Qual. Wir sollten ihn erlösen.“ Damit hatten wir gerechnet, so fiel die Entscheidung zwar schwer, aber in Übereinstimmung. Nur: Ich saß ja zu Hause und hatte keine Möglichkeit, schnell hinfahren zu können (Dani hatte Spätschicht und war nicht zu Hause). Wir beschlossen, daß der Prinz ihn im Arm halten solle. Ich weinte sehr und rief meine Schwester an, die mich liebevoll auffing <3.  Bärchens Nieren hatten ihre Arbeit eingestellt. Da sie ihren Job, nämlich das Ausfiltern und Ausleiten von Harnsäure und Harnstoff, nicht mehr erledigen konnten, versuchte Bärchens Körper, diese Substanzen anderweitig auszuscheiden, nämlich über die Haut und die Schleimhäute. Daher roch er auch öfter nach Urin und die aggressiven Substanzen verursachten die blutigen Geschwüre in der Maulschleimhaut. Am letzten Tag wollte er gern noch etwas fressen, konnte die Futterbrocken vor Schmerzen aber nicht im Maul halten. Der Prinz ging wieder zurück in die Praxis. Da er einen Sondertermin hatte, war das Wartezimmer leer. Dorthin zog er sich mit Bärchen zurück, den er auf einer Decke auf dem Schoß hielt. Die Ärztin legte Bärchen in eine Narkose (der Prinz sagte, er habe seine Erleichterung spüren können). Die übliche Spritze ins Herz wollte sie gern umgehen, daher suchte und fand sie am Vorderlauf eine Vene, in die sie behutsam Narkosemittel nachspritzte, bis das Bärchenherz einfach stehenblieb. Der Prinz sagte, der Bär habe noch einmal tief geatmet, dann habe sich sein Körper ganz entspannt und er habe sogar zufrieden ausgesehen. Jetzt, wenn wir darüber sprechen, sind wir innerlich ruhiger, weil so klar ist, daß wir Bärchen mit der Euthanasie einen Gefallen getan haben. Denn auch das gehört zu der Verantwortung, wenn man ein Tier zu sich nimmt: ihm zu helfen, wenn es das selbst nicht mehr kann, und es gehen zu lassen, wenn die Qual zu groß wird, statt egoistisch festhalten zu wollen aus falsch verstandener Liebe… Der Prinz legte Bärchen in seinen Korb und brachte ihn nach Hause.  Hier verbrachten wir noch einige Stunden mit ihm, der noch so frisch und lebendig wirkte, als schlafe er nur. Wir informierten Dani, dass wir noch am Nachmittag mit ihm nach Woquard fahren wollten, um ihn da zu beerdigen, wo er am glücklichsten war.

Teil 2 findet ihr hier