Unsere zwei Juli-Wochen im Lüttje Huus

Vom 12. bis zum 24. Juli hatten wir zwei wundervolle Wochen im im Lüttje Huus, meine Lieben.Eigentlich hatten wir am Sonntag, den 14.7., fahren wollen, denn das war gleichzeitig der letzte Urlaubstag unserer Freunde Manu und Ralf, die eine Woche im lüttje Huus verbracht hatten, zusammen mit ihrer Mix-Hündin Mara. Das liebe alte Mädchen (zwölf Jahre) begann, erste Alters-/Ausfallerscheinungen zu zeigen. Die beiden zeigten Mara den Hundestrand in Norddeich und schickten uns ein Foto, auf dem sich Mara genüßlich auf dem Rasen in unserem Garten räkelte. Am Samstag schickte uns Manu aber eine Nachricht: “Wir fahren heute schon heim. Mara geht es gar nicht gut. Sie fällt immer wieder um. Haben alles geputzt und sind nicht direkt im Stress, aber wir wollen daheim sein, falls es schlimmer wird. Fahrt ihr doch schon los, dann habt ihr einen Tag mehr.“ Zwar hatten sie die Tierarztpraxis um die Ecke gesehen, aber die war am Samstag natürlich zu. Wehmütig sagten wir unseren Vermietern Bescheid (wegen Katzen-und Haus-Wache) und fuhren am Samstag Abend los. Wie immer, trafen wir mitten in der Nacht ein und fielen ins Bett, nachdem wir einen entzückten kleinen Hund müde gespielt hatten (der Bär liebt es, im Lüttje Huus zu sein!), Am nächsten Morgen traf Manus Nachricht ein: „Mara ist bei Willy.“ Wir hatten es geahnt…“Man hat einfach nix mehr machen können“, schrieb Manu. Ich rief sie an, um Näheres zu erfahren. Mara war kollabiert und noch in der Tierarztpraxis gestorben. „Es war einfach totales Organversagen, aus Altersschwäche“, sagte Manu.“Aber das war abzusehen, es ging ihr zuletzt immer schlechter.“ Dafür hatte Mara noch eine intensive Woche mit ihren beiden geliebten Menschen gehabt, eine Woche, in der sie ganz allein im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, ohne dass Ralf Termine für Konzerte oder Aufnahmen im Tonstudio oder dass Manu Cateringservice für Stadtfeste oder Hochzeiten planen musste. Es gab nur Mara in dieser Woche, viel Liebe und Fürsorge, kleine Ausflüge … und die Ahnung vom nahenden Abschied.

Der Prinz hatte es mal wieder geschafft, sich bei der Arbeit bis an den Rand der Erschöpfung zu bringen, deswegen verbrachte ich den Sonntag mit Lesen und zwang den Prinzen, Ruhe zu halten. (Okay, er ging noch eben gegen den Löwenzahn in der Einfahrt vor, den er zu seinem persönlichen Feind erklärt hat, schlief aber brav fast den ganzen Tag. Das beruhigte mich natürlich 😉 ) .

Am Montag lieferte eine Spedition zwei Stahlblech-Schränke, die der Prinz bestellt hatte. In diesen können wir unsere persönlichen Sachen verstauen, wenn Gäste im Huus eingeplant sind. Denn unsere Gäste sollen sich entspannt im Huus ausbreiten können, ohne überall auf unsere Sachen zu stoßen und fürchten zu müssen, etwas kaputtzumachen.

Ich war etwas traurig, denn früher, vor dem Hallamati, haben der Prinz und ich solche Arbeiten wie das Aufbauen der Schränke gemeinsam gemacht, Hand in Hand und ruck-zuck. Jetzt muß ich dabeistehen und zusehen, wie er das alleine macht, ich kann höchstens mal etwas festhalten, damit er eine Schraube eindrehen kann. ( Aber: nein, ich gebe nicht auf – ich trainiere die linke Hand weiter, bis sie sich wieder daran erinnert, was sie tun soll 😉 )

Apropos – kleiner Gedanke am Rande: Sollte nochmal jemand eine Wut auf mich haben und auf die Idee kommen, ein Voodoo-Püppchen von mir zu basteln – könntest du dann bitte statt Nadeln Pommes da reinstecken? Danke! 😀 😀 😀

Die Schränke also, in „frischem Steingrau“ stehen sie nun in dem großen Raum, der mal unser Wohnzimmer sein wird, geplant mit bullerndem Schwedenofen und Panoramafenster in den Garten. (Eigentlich sind es Aktenschränke, und die gibt es nun mal nur in Grautönen („Steingrau,, Aschgrau, Mausgrau, Betongrau“…). Aber da war ja noch etwas – der Prinz hatte ein neues Treppengeländer bestellt, damit ich auch endlich mal ohne Probleme über die gräßliche Betontreppe ins Obergeschoß gehen kann. Eine Spedition brachte ein drei Meter langes Rundholz aus Buche, das wir zusammen an das Brett anschraubten, das Herr Beckmann im Stil der 60er Jahre als Geländer angebracht hatte. Jetzt komme ich recht leicht nach oben und kann mir dort eins der Zimmerchen als Lesehöhle einrichten! \o/

Auch der nette Postbote freut sich, denn wir haben den bisherigen Briefkasten (Modell 50er Jahre, sehr klein, kupferbraun, mit Spitzdach und der Aufschrift „Post“ in Fraktur auf der Tür) ausgetauscht gegen einen schlichten weißen und vor allem großen Briefkasten mit einem Rundfach für Zeitschriften unten dran ausgetauscht. Nun muss der Postmann nicht mehr dreimal klingeln, wenn er eine der Foto-Fachzeitschriften des Prinzen bringt, weil er sie nicht knicken möchte – jetzt kann er sie rollen und ins Röhrenfach schieben. Übrigens macht der Postbote hier auch den DHL-Dienst, er kommt mit einem coolen gelben Elektro-Lieferwagen, den man nicht hört, klasse! Nun stehen wir nur noch vor der uralten Frage, die uns schon früher in Harkebrügge in den Wahnsinn trieb: Wie bekommen wir eine vernünftige Internet-Verbindung?! Im Moment geht das nur mit persönlichen Hotspots über unsere Häntis, das nervt, denn es ist keine stabile Lösung und das Datenvolumen reicht auch nicht. / Motzmodus aus. Ansonsten bin ich recht zufrieden mit mir, denn ich war jeden Abend mit meinen beiden Jungs auf dem Deich! Das Wetter war mild und der Wind weich, so daß ich nicht aus dem Gleichgewicht geriet, wenn er mich anpustete. Das Ersteigen der Treppe hinauf ist eine gute sportliche Übung, und oben gehe ich konsequent noch ein Stück auf dem Deichkamm, damit die Rumpfmuskulatur in Übung bleibt. Das wird ab jetzt eine Standard-Übung! Der Blick auf das abendliche Watt im Sonnenuntergang belohnt mich jedes Mal für die Mühe! (Wir sind übrigens jetzt Mitglieder in der Deichacht 😉 ), im BUND und beim NABU, das kommt hier fast automatisch mit.

Ungewohnt und doof war, dass Herta fehlte. Sie sollte nach der OP (neues Kniegelenk) in Norddeich in die Reha gehen,aber wir erreichten sie nicht – vermutlich war der Akku ihres Handys leer, und es war noch niemandem aufgefallen…?Auch meine Sprachnachrichten auf ihrer Mailbox schien sie nicht bemerkt zu haben. Aber das kennen wir von Edda, die zwar durchaus mal Sprachnachrichten hinterläßt, es aber nicht mitkriegt, wenn sie selbst welche bekommt (oder SMS).

Ach ja, am Sonntag hatte der Prinz Geburtstag, aber sein Geschenk hat er erst nach unserer Rückkehr nach Worms bekommen. Da ich auch nicht recht wußte, wohin ich ihn zum traditionellen Frühstück einladen könnte, fragte ich Edda um Rat. Sie erzählte mir von einem Café-Bistro, das ich schon öfter im Vorbeifahren gesehen hatte, die Osterburg Groothusen. Sie bieten am Wochenende ein phantastisches Frühstücksbuffet an,das „ Häuptlingsfrühstück“, über das Edda schon viele begeisterte Berichte gehört hatte. Das viele Lob war absolut berechtigt, wie sich zeigte. Auf sein Geschenk musste der Prinz noch etwas warten, aber wenigstens zum traditionellen Frühstück konnte ich ihn schon ausführen.Wie immer, wenn es Essen vom Buffet gibt, nahm der Prinz meinen Teller und holte mir etwas zu Essen, denn ich kann mit der rechten Hand entweder den Teller oder den Gehstock halten. Der Prinz weiß, was ich gern esse (und vor allem, was nicht), so packt er mir dann immer meinen Teller voll mit (für mich) leckeren Sachen. Es hat seine Vorteile, seit 18 Jahren ein Paar zu sein und sich gut zu kennen! 😀

Der Montag gehörte den Niederlanden, wir machten eine längere Autotour an der niederländischen Küste entlang, bis zu dem Kraftwerk, das man von unserem Deich aus gegenüber, weit weg, sehen kann. Der Prinz fotografierte von dort aus unseren Deich.Wir hatten eine schöne Tour, zumal wir die Niederlande sehr gern mögen, vor allem die Architektur (ik hou heel erg van de Nederlande!) Dem kleinen Herrn Sonntag ging das alles an seinem kleinen Arsch vorbei – ihm war nur wichtig, daß wir alle zusammen waren (da kommt die Hütehund-Mutter durch:D )

Am späten Nachmittag waren wir zurück im Lüttje Huus. Während ich in der Küche überlegte, ob ich Hunger hatte und etwas zu Essen machen wollte, hörte ich zwei vertraute Stimmen vor dem Haus. Ich schaute hinaus: Da stand der Prinz und redete mit einer kleinen, sehr runden Person mit grauem Kurzhaarschnitt und Krücken. „Herta!“ rief ich erfreut und beeilte mich, hinüberzulaufen, unter Hertas Ermahnungen, bloß langsam und vorsichtig zu laufen ❤ (ich sagte ja, sie hat uns quasi adoptiert 😉 ) Erfreut und gerührt umarmten wir uns. Herta ist sehr klein und ich muss mich tief herunterbeugen, wenn ich sie umarmen will. Wir fragten sie über die Operation aus und tauschten sonstige Neuigkeiten aus. Da fuhr ein Auto vor, an dessen Steuer – so wirkte es auf mich – ein riesiger Teddybär saß. Der Teddybär strahlte uns an, parkte das Auto vor der Einfahrt und gesellte sich zu uns. Herta und der Prinz kannten den Teddy, sie begrüßten ihn mit „Hallo, Hinrich!“ Ich freute mich, denn Hertas ältesten Sohn hatte ich schon seit einiger Zeit gern kennenlernen wollen.Wir quatschten zu viert eine Weile, bis mir das Stehen zu beschwerlich wurde. „Trinkt ihr einen Tee mit uns?“ fragte ich. Herta und Hinrich sagten gleichzeitig „Ja, gern!“. Der Prinz übernahm netterweise das Teekochen. Auf der Terrasse saßen wir unter dem neuen Ampel-Sonnenschirm und ich erfuhr, warum Hinrich so wohltuend gelassen mit meiner Behinderung umging: Er ist Fahrer bei einer Behindertenwerkstätte und hat den ganzen Tag mit Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen zu tun. Wie sein Bruder Werner, hat auch er nun unsere offizielle Einladung, jederzeit zum Tee hereinzuschauen.

Danach stand das Abendessen bei Edda und Tinus an, wie immer. Urlaub in Woquard, ohne daß die „Fab Four“ sich sehen, das geht gar nicht! Wie immer, verstanden wir uns blind und vernichteten Unmengen an Thiele-Tee (das war Muddis Lieblingstee), Keksen und Tinus‘ geliebtem Zitronenkuchen.

Dfie restlichen eineinhalb Wochen verbrachten wir zu einem großen Teil „up diek“ – auf dem Deich.Wir hatten ja ursprünglich nach einem Haus „achtern Diek“gesucht, also gleich hinter dem Deich, denn der Prinz träumte immer davon, morgens mit einem Tee auf den Deich zu steigen und den Sonnenaufgang zu sehen. Nun wohnen wir zwar fünf Kilometer hinterm Deich, aber das trübt des Prinzen Freude nicht. Er macht es genau richtig: Er lebt seinen Traum trotzdem! Jeden Morgen, sobald ihn die Vögel, die im Garten wohnen, wecken, steht er auf, füllt sich eine kleine Thermoskanne mit Tee, zieht dem kleinen Herrn Sonntag das Geschirr an und dann erklimmen die beiden den Deich und laufen bis hinüber zum Campener Leuchtturm. Bis ich Frühstück gemacht habe, sind sie wieder da, entspannt und glücklich. Schöne Fotos vom Deich und seiner Umgebung könnt ihr hier sehen.Dieser Juli hatte ja eine Hitzewelle mitgebracht, die erstaunlicherweise auch dort oben sehr zu spüren war. Ich konnte ohne Jacke hochgehen!

Das ist die Treppe, die hinauf führt:

 

Da das Bärchen ja immer mitkam up diek, nannte ich unsere Ausflüge mit der Zeit „Deichgassi“. Das verkürzte sich bald zu „Deichi“. (Ja, klingt kindisch, ist aber praktisch 🙂 ) Das milde Wetter erlaubte mir, jeden Abend mitzugehen und den Sonnenuntergang zu genießen. Der Sport tat mir gut, nach wenigen Tagen forderte mein Körper den Aufstieg sogar ein!

Hier meine Begeisterung:

yeah!

Und ein Eindruck davon, wie das Abends da aussieht:

sundown

Aber natürlich unternahmen wir auch etwas in der Region. Die Henri-Nannen-Kunsthalle in Emden zeigt derzeit (noch bis zum22.September) eine ganz wunderbare Hommage an den berühmten Sohn der Stadt, Otto Waalkes.

Da Olli der Rolli noch in Reparatur war, hatten wir – extra für Hogwarts – einen günstigen Basis-Rolli angeschafft, den der Prinz schieben muß. Er steht in der Garage am Lüttje Huus, wiegt kaum was und ist für Ausflüge schnell im Auto verstaut.Natürlich hat er keinen E-Antrieb wie Olli, so daß ich den Prinzen immer hinter mir statt neben mir habe. Das nervt, wenn wir reden wollen. Ich muß den Kopf nach hinten verdrehen, das geht auf die Nackenmuskeln. Außerdem bin ich es gewöhnt, selbst zu steuern, wo ich hin möchte. Mit dem Notfall-Rolli muß ich dem Prinzen alles ansagen, wie:“ Das Schaufenster da möchte ich angucken“ oder“Geh bitte mal eben zu der Buchhandlung da rüber.“ Zudem zuckt dann meine rechte Hand ständig, weil sie den kleinen Joystick der Steuereinheit sucht.

Der große Vorteil, das stellte ich in der Ausstellung schnell fest,war, daß die meisten Menschen ja beim Anblick eines Menschen im Rollstuhl in Panik geraten und sofort wegschauen oder flüchten. Dieses Verhalten, das mich anfangs so verletzt und verstört hatte, nutzte ich jetzt knallhart aus: Sobald wir in einen Ausstellungsraum rollten und uns auf eine Vitrine zubewegten, setzte die große Flucht ein und ich hatte für jede Vitrine und jedes Ausstellungsstück allen Platz und alle Zeit der Welt! Natürlich hatte der Museumsladen jede Menge Otto-Zeugs:

otto_ausst

Nein, ich habe den Ottifanten nicht gekauft (leider zu teuer). Der Prinz drohte mir: “Wenn du diese Kappe kaufst, schiebe ich dich nicht zum Parkplatz zurück!“ Er fand die Kappe peinlich 😀 😀 😀

Da wir sowieso gerade in der Innenstadt waren, suchten wir ein Café und stießen auf mein persönliches Eldorado: Valentino! Das Highlight hier ist die Waffelkarte: Herrliche Eisgerichte auf einer heißen Waffel – Paradies! Ich wählte Banane und erhielt: eine heiße Waffel (köstlicher Teig!) mit einer Kugel Vanilleeis, Sahne, Zimt und Bananenscheiben. Danach hätte mich der Prinz auch ohne den Rollstuhl zum Auto rollen können! 😀

Abgesehen von den täglichen“Deichi“-Trips,unternahmen wir nicht allzu viel. Wir verbrachten viel Zeit im Garten und planten, was wir später mal umgestalten oder anbauen wollen. Schade, daß wir uns dazu noch bis zum endgültigen Umzug Gedulden müssen!Denn wenn wir jetzt etwas pflanzen, wer soll es pflegen und gießen, wenn wir nicht da sind? Herta hat mit ihrem eigenen Garten genug zu tun. Auch auf einen Katzenwelpen muß ich erstmal verzichten – wer soll sich um das Tier kümmern? Aber eines steht fest: sobald wir fest eingezogen sind, kommen Hühner! Ich hatte früher mal Hühner, das war eine schöne Zeit. Hühner sind klug und lustig,und es ist sehr entspannend, sie zu beobachten.

Aber auch dieses Mal blieb uns keine Wahl, wir mußten zurück. Immerhin hat das fast allabendliche Deichi mir etwas gebracht: Hubert, mein Physiotherapeut,sagte bei unserem ersten Nach-Urlaubs-Termin anerkennend: “Du läufst viel stabiler!“Also: Hogwarts ist gut für mich! 😀

Werbeanzeigen

fix ’ne Zwischenmeldung,

darlings, denn ich schreibe immer noch am Urlaubsbericht 😉

Gestern besuchten wir spontan meinen Brudi im Schwäbischen, um ihnen die Schlüssel zum Lüttje Huus zu bringen und ihnen einige Tipps für die Tage zu geben, die sie irgendwann noch in diesem Monat in Hogwarts verbringen werden. Gleich nach unserer Ankunft holte der Prinz uns  allen schnell Essen beim Thai-Imbiß. Wir fuhren alle zusammen zum Zeltlager, in dem Marie, meine Nichte, eine Woche verbracht hatte.  Eine kleine Kirchengemeinde im Ort hatte das (Mädchen-) Lager organisiert (das Jungs-Lager beginnt heute für eine Woche, Paul ist dabei). Es ist wohl üblich, dass am letzten Lagertag die Eltern ihr Kind  mit einem Kuchen „auslösen“ und es danach Kaffee und Kuchen für alle gibt. Brudi fragte, ob wir Lust hätten, dabei zu sein. Klar, wir fuhren gern mit.  Kaum angekommen, mußten wir uns allerdings zuerst mal  in einem stickigen Zelt auf Biergartenbänke zwängen, denn die Kinder und Teenies wollten ihren Eltern in Form von Liedern und Sketchen von ihrer Zeltlager-Woche erzählen. Üblicherweise, wenn es heißt „Die Kinder führen jetzt was vor“, bricht bei mir kalter Schweiß aus und ich denke an Sartre  („l’enfer, c’est les autres“). Es war dann aber doch ganz gut auszuhalten (und Marie war eh mit ihrer neuen Freundin auf dem Gelände unterwegs). Der Prinz fand danach  für uns eine Sitzbank im Schatten und besorgte uns Kaffee und Kuchen.  Zwischenfrage: Warum lieben die Deutschen diese grauenhafte Filterplörre so sehr? Meiner Meinung nach gibt es vier Bereiche, von denen die Deutschen unbedingt die Finger lassen sollten, weil sie es einfach nicht  können: Wein, Käse, Kaffee  und Fremdsprachen.

Zurück bei Brudi, entdeckte ich am Haus meine geliebte kleine „Wilde Maus“, wie ich mein Motorrollerchen getauft hatte. Ich vermisse das Rollerfahren, bin aber sehr froh, daß ich die Wilde Maus vor einer Weile meinem Brudi überlassen habe, da sie bei uns seit dem Hallamati  ja nur ungenutzt im Hof stand. Er fährt sie täglich und er liebt sie. Marie liebt sie ebenfalls. Sie nennt die Maus „Möö-möö“ (wegen des Motorengeräusches beim Starten 🙂 ) Marie ist leidenschaftliche Turnerin. Da sie jetzt so groß ist, daß sie mit den Füßen aufs Trittbrett reicht und sie einen eigenen Helm hat,darf sie jetzt offiziell mitfahren, so fährt ihr Papa sie fünf Mal in der Woche nach Stuttgart. Dort trainiert sie im Kader des Leistungszentrums für Kunstturnen.

(Nein, sie tut das nicht, weil ihre Mutter Sport unterrichtet und über ihre Tochter einen unerfüllten Lebenstraum ausleben wollte- Marie liebt das Turnen mit heißem Herzen und freut sich auf jedes Training!) Zum Training will und muß sie aber mit dem Möö-möö fahren! Und ich bin glücklich, daß die Wilde Maus wieder ein ausgefülltes Leben hat und Liebe und Anerkennung bekommt. (Ich muß immer noch darüber lachen, daß die neighbourina damals wohl glaubte, ich scheffele Millionen mit dem Reiki und leiste mir deswegen einen Scooter… )  Aber draufsetzen, for the good times, wollte ich mich doch nochmal. Der Prinz hielt die Maus fest, Brudi hielt mich fest, und schon saß ich, wie in alten Zeiten, im Sattel. Hier: (Ich sehe müde aus; der Nachmittag im Zeltlager mit den vielen Menschen hat Kraft gekostet).

mömö

Es fühlte sich so vertraut an – am liebsten wäre ich gleich losgefahren! Wie man sieht, pflegen Brudi und Familie die Maus sehr liebevoll. (Die  kleinen Schrammen vom letzten Unfall sind nur für mich und Brudi sichtbar, weil wir wissen, wo sie sind.)

Und ja, ich bin sehr sicher, daß ich in absehbarer Zeit wieder einen Roller fahren werde (dann spare ich aber auf eine originale Vespa.) Jetzt werde ich umso motivierter die linke Hand trainieren!

Se Unterschied

Wer hier schon länger mitliest, weiß, daß ich unheilbar anglophil und ein ergebener Fan der englischen Königin bin. Kürzlich fiel mir wieder einmal auf, daß ich nicht nur rasend schnell älter werde, sondern sozusagen bereits eine Omma bin 😀 Ich hatte mir bei Juhtjup eine Doku über die inzwischen seit unfaßbaren 70 Jahren anhaltende Ehe zwischen Her Majesty und HRH The Duke of Edinburgh (also Prince Philip) angeschaut. Dazu gab es Filmausschnitte aus Nachrichtensendungen, die Her Majesty  im Laufe der Jahre zusammen mit anderen Staatsoberhäuptern zeigten. Dabei war auch ein sehr kurzer Ausschnitt, in dem sie mit Helmut Kohl sprach, seines Zeichens peinlichster deutscher Politiker ever (abgesehen von den Clowns der NSAfD). Der Kohl-Ausschnitt ist sehr kurz, man hört ihn aber im Hintergrund sprechen, wie er Her Majesty erklärt: „Se Unterschied is in se Bildung.“ Doch, ganz ehrlich! Das ist ein wörtliches Zitat! Die Dolmetscherin schaut da auch etwas verzweifelt drein, übersetzt es dann aber wohl irgendwie. Lustig wurde es, als ich in den Kommentaren zum Video die Frage las: „Stimmt es, dass Kohl kein Englisch konnte?“ Diese Frage schien mir von einem jüngeren Menschen zu kommen, der Kohl nicht mehr live erlebt hat. Das gab mir das „Boah, bin ich alt!“ – Gefühl.
Allerdings kommt in mir, wenn ich „se“ statt „the“ höre, immer so ein „Boah, ich will dich umbringen!“ – Gefühl hoch. Der Prinz weiß das, und wenn er in alberner Stimmung ist und mich ein bißchen foppen will, dann erzählt er mir was auf Englisch, und zwar, indem er alles Wort für Wort übersetzt. Das ist Absicht, und er lacht immer sehr, wenn ich mich dann in Qualen winde, entsetzt „Oh mein Gott!“ flüstere und ihn anflehe: „Bitte, Schatz, sag sowas niemals, wenn Muttersprachler dabei sind – BITTE!“ „Na, mal sehen“, grinst er dann und zieht schonmal den Kopf ein, falls ich mit Gegenständen werfe 😀

Ein verfressener Freitag

ist das wohl heute, meine Lieben, denn: firstly haben wir Pizza- und Rotwein-Tag, und secondly bin ich heute sieben Jahre anfallfrei! Den letzten Anfall hatte ich am 5. Juli 2012, hier ist die Geschichte festgehalten. Das Einnehmen der Epilepsie-Medikamente morgens und Abends ist inzwischen für mich genauso zur Routine geworden wie das Zähneputzen. Die Anfallfreiheit feiern wir inzwischen gewohnheitsmäßig bei Esther und Alessio mit einem Eisbecher, und darauf freue ich mich jetzt. Ich wünsche euch ein wunderbares Wochenende!