Petras Fragen # 7

Petra stellt in ihrem Blog Voller Worte immer wieder mal kleine Fragen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, für deren Beantwortung man aber manchmal schon etwas denken und vor allem bei sich selbst hinterfragen muß. Ich möchte diese Fragen hier für mich beantworten und euch, wenn ihr Lust habt, einladen, eure eigenen Antworten zu finden und sie, entweder hier oder bei Petra, als Kommentar einzustellen.

Was mögt ihr lieber – Käse, Marmelade oder Wurst? Oder ganz was anderes?

Das ist gar nicht so einfach. Eine ganze Weile lang habe ich versucht, vegan zu leben, da wären Wurst und Käse weggefallen. Die vegane Ernährung ist mir sehr gut bekommen, hat sich aber als schwierig herausgestellt. Kuhmilchprodukte lasse ich schon lange weg aus meinem Speiseplan, aber um zum Beispiel veganen Käse zu bekommen oder andere vegane Produkte wie Joghurt und Quark,  müssen wir ein ganzes Stück fahren (und ganz schön Geld ausgeben). Dazu kommt, daß wir viel unterwegs sind und bei unseren Spontanausflügen gern mal unterwegs einen Kaffee trinken oder einen Snack essen. Und schon da hakt es: Kaum ein Café/Bistro/Restaurant bietet vegane Snacks an. Es gibt genau ein Café in Worms, in dem niemand mit der Wimper zuckt, wenn ich einen Latte Macchiato mit Sojamilch bestelle. Überall sonst heißt es: „Sowas haben wir nicht.“

Also, ich gestehe es (verschämt) ein, habe ich den Vegan-Versuch irgendwann resigniert aufgegeben Undurchführbar, zu teuer, zu umständlich. (Klar ist es teurer – „billig-billig „ kommt meist durch Tierqual!) Zudem ist es mir auf Dauer zu nervig, ständig mit überzeugten Fleisch(fr)essern diskutieren zu müssen, zum Beispiel, wenn wir in der Familie mal irgendwo zum Essen sind, mich mit Herablassung/Verachtung behandeln lassen zu müssen (als sei ich geistig beschränkt) und mir Argumente anhören zu müssen wie „Aber die Tiere werden doch extra dafür gezüchtet!“ Ja klar, das macht ihr elendes, trauriges  Leben im Massenstall und ihren brutalen Tod im Schlachthaus ja so viel leichter, ne?

An Marmeladen mag ich dunkelrote – Schwarzkirsche, Waldbeere – diese Richtung. Die gelben Sorten wie Aprikose, Pfirsich und so sind eher nicht meine Richtung, auch Erdbeere nicht. Von unserer Vermieterin und einer Frau aus dem Dorf bekomme ich immer wieder selbstgekochte Marmeladen und Gelees geschenkt. Die schmecken natürlich ungleich viel besser  als die aus dem Supermarkt.

Also, da ich PETA unterstütze, umgehe ich es meist irgendwie, Tierprodukte zu essen, die aus Qualhaltung stammen. Klappt auch meist – irgendwie.

Meine Antwort auf Petras Frage: Marmelade : – )

 

 

Subtil und feinfühlig

Vorhin: ich rufe in der Praxis eines Schmerztherapeuten hier in Worms an und will um einen Termin bitten.

Die Sprechstundenhilfe unterbricht mich mitten im Satz:“ Wie sind Sie denn versichert?“

Ich: „Ich bin in der [Name meiner Krankenkasse]“.

Sie: „Jaa… tut mir leid, aber der Herr Doktor ist komplett ausgebucht.“

Schön, auf Menschen mit Feingefühl zu treffen.

Ein Jahr, zwei Bälle

Dahlings!

Gestern war der kleine Herr Sonntag ein Jahr bei uns!

Ein ganzes Jahr, kaum vorstellbar… für den Prinzen und mich war es ein Jahr voller Glück, Liebe und Lachen, und wir hoffen sehr, daß es für den Mausebären auch ein gutes Jahr war, denn er ist ja damals sehr abrupt aus seinem gewohnten Leben und seiner Familie gerissen und praktisch fremden Menschen in die Hand gedrückt worden. Wir haben uns jedenfalls Mühe gegeben, ihm viel Liebe und Geborgenheit zu vermitteln und seinen Bedürfnissen gerecht zu werden, und wir haben den Eindruck, daß er uns liebhat und sich bei uns wohlfühlt.

Schon vor einer Woche entdeckte der Prinz zu seiner Freude in der Stadt in einem Schaufenster das hier:

blauerball

Der Ball ist aus Silikon, also ganz weich und leicht. Er kann keine Verletzungen am Zahnfleisch verursachen und es macht nichts, wenn er mal gegen einen Schrank fliegt. Für den Mausebären gilt: Hauptsache BALL!

Den gleichen Ball hatten wir ihm schon im Frühjahr geschenkt, dieser hatte sich aber schnell in Luft aufgelöst. Wenn wir den Kleinen fragten: „Wo ist dein Ball? Suuuch den Ball!“, dann stellte er sich im Hof vor die Mahonienbüsche oder die Scheunenecke, die mit Efeu bewachsen ist. Alles Stochern mit Besenstielen und Ähnlichem half nichts, wir nahmen an, daß der Ball im Blättergewirr feststeckte und wir ihn wohl nie wiedersehen würden (beide, Efeu und Mahonie, behalten ja im Winter ihre dichten  Blätter).

Den neuen Ball nahm er gestern mit großer Freude in Empfang und trug ihn, wie alles, was man ihm schenkt, erstmal in Sicherheit: in sein Körbchen im Wohnzimmer. (Das tut er auch mit z.B. Möhren, die er liebt, Knabberstangen und allem Möglichen. Er nimmt das Geschenk dann zwischen seine Vorderpfoten, schaut es verliebt an und frißt es oder tobt wild damit durchs Haus. So auch mit dem neuen Ball gestern – bis dieser verschwunden war. Auf meine Aufforderung hin, den Ball zu suchen, legte er sich vor die Kommode und schaute darunter. Die Kommode hat sehr kurze Beine, da kann er nicht drunterkriechen.

„Fall gelöst“, sagte ich zum Prinzen, „der Ball ist unter der Kommode.“

Der Prinz seufzte, kniete sich vor die Kommode und spähte darunter.

„Da liegen beide Bälle!“ sagte er erstaunt.

„wie, der alte auch?“ fragte ich verblüfft.

„Ja – die liegen da einträchtig nebeneinander!“, sagte der Prinz, holte meinen Gehstock und fummelte die Bälle hervor. Unser Kleiner kriegte sich vor Freude und Entzücken kaum ein. Zwei Bälle! Immerhin ist jetzt einer der beiden immer sichtbar irgendwo deponiert😀

Happy Gotcha Day, Schnäufelbärchen! Hoffentlich können wir diesen Tag noch ganz, ganz oft begehen!

 

 

Petras Fragen # 6

Petra stellt in ihrem Blog Voller Worte immer wieder mal kleine Fragen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, für deren Beantwortung man aber manchmal schon etwas denken und vor allem bei sich selbst hinterfragen muß. Ich möchte diese Fragen hier für mich beantworten und euch, wenn ihr Lust habt, einladen, eure eigenen Antworten zu finden und sie, entweder hier oder bei Petra, als Kommentar einzustellen.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Freund und Feind?

Diese Frage läßt sich wohl nur subjektiv beantworten.

Bei mir sieht das so aus:

Freunde sind die, die nach dem Hallamati noch zu mir stehen und genauso mit mir umgehen wie vorher, die es nicht stört, daß ich jetzt behindert bin.

Die anderen, die mich haben fallenlassen… nein, sie sind für mich keine Feinde.

Sie sind einfach nur bedauernswerte, armselige  Menschen, die, wie es die großartige Laura Gehlhaar  in ihrem Blog Frau Gehlhaar so treffend formuliert, im Arschlochfilter meiner Behinderung hängen geblieben sind. Ich bin ihnen nicht böse, die Verletzung habe ich überwunden und diese Menschen mit freundlichen Abschiedsgedanken aus meinem Leben entlassen. Das hat mich befreit.

Feinde allerdings… das sind Menschen, die mein Vertrauen mißbrauchen und mir in dem Augenblick, in dem ich ihnen arglos den Rücken zudrehe, flugs ein Messer zwischen die Rippen setzen.

Glänzendes Beispiel: die Nachbarin, die, als sie sah, daß ich ein wenig Erfolg mit meiner Praxisgründung  hatte, komplett abdrehte und alles daran setzte, mir das Erreichte zu zerstören.

Was ich, im Nachhinein betrachtet, nicht ganz verstehe, denn:

ich erinnere mich nicht, der Dame eine geladene Waffe an den Kopf gehalten  und gesagt zu haben:

Mädel, ich warne dich: WEHE,

  • du suchst dir einen Job,
  • du gehst endlich mal regelmäßig arbeiten,
  • du setzt dein zartes, dünnes, fleißiges Popöchen in Bewegung  und baust dir selber was auf – dann knall‘ ich dich ab!

Echt jetzt, daran erinnere ich mich nicht – habe ich nie getan! (Sie allerdings auch nicht.Bis heute nicht.)

PS: @Frau Gehlhaar: Sollten Sie dies hier zufällig lesen: Ich freue mich sehr, daß ich Ihr Blog entdeckt habe und ich finde, daß Sie großartig schreiben!

 

 

Tschüß, Memnok

Vier Wochen und zwei Tage  ist es jetzt her, darlings:

Der Lieblingsfeind unseres kleinen Herrn Sonntag ist in den kleinen Stunden der Nacht vom 9. auf den 10. August gestorben: Memnok, der Neufundländer, den ich „Großer“ nannte, seine Besitzerin Nicole sagte „Dicker“ oder einfach „Mem“ zu ihm. Er war – wie viele riesige Hunde, ein liebevoller und warmherziger Wuschel und sehr verschmust (und versabbert).

Seine Besitzerin ist eine supernette junge Frau, fröhlich und freundlich. Sie lebt im Haus neben dem unserer Vermieter, da aber eine Wiese dazwischen liegt, die derzeit als Pferdekoppel verpachtet ist, sehen sie einander nicht so oft. Wir waren so daran gewöhnt, auf unserer täglichen Gassirunde durchs Dorf hinter dem weißen Zaun die riesige schwarze Fellmasse wogen zu sehen, daß mir erst nach einer Weile auffiel, daß bereits seit Tagen die Haustür offen stand und wir den Dicken ebenfalls seit Tagen nicht im Vorhof des Hauses gesehen hatten. Das Kopfkino ging gleich los: Nicole im Haus gestürzt…? Memnok irgendwo im verschlossenen Zimmer…? Ich rief, aber es tat sich nichts. Besorgt fragte ich bei unseren Vermietern nach. Die Vermieterin ging mit hinüber und rief nach Nicole, die zu meiner riesigen Erleichterung bald fröhlich aus dem Haus kam. Alles ok, versicherte sie uns, der Dicke habe lediglich immer wieder Ärger mit verschiedenen Entzündungen und Infektionen, deswegen habe er in der letzten Zeit nicht mehr so gern rausgehen wollen. (Rassehunde, vor allem die großen Rassen, sind da ja bekanntlich heikel.)

Das ist nicht Memnok, aber so sah er aus:

newfie

Quelle: von Heidi Mueller – Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2215617

Am Tag darauf rief unsere Vermieterin an und berichtete, Nicole habe Memnok frühmorgens tot auf seiner Schlafmatratze gefunden. Übermorgen  wäre er zehn Jahre alt geworden. (Der Mem gehörte zu den Hunden in unserem Bekanntenkreis, denen wir Geburtstagskarten schicken).

Nicole war nun bei all ihrer Trauer auch noch in einer Klemme: Ein ausgewachsener Neufundländer wiegt gut 60 bis 70 Kilo. Wegen der Grundwassergesetze darf man so ein großes Tier nicht einfach im Garten beerdigen. Zudem hat sie ja gar keinen Garten, sondern nur den zwar geräumigen, aber eben gepflasterten Hof. Und da, wo Erde ist – auch bei uns im Garten -, da ist sie so hart und lehmig, daß man selbst für ein Meerschweinchen-Grab eine Spitzhacke braucht. Wir wissen das, denn wir haben zwei Katzengräber (Wanda, 2006, und Missy, 2007) mit viel Mühe mit der Spitzhacke ausgehoben. Das war schon brutal hart – undenkbar, das für einen so großen Hund wie den Mem zu tun, ohne Bagger!

Nicole wählte schließlich die Lösung, das Tier-Krematorium in Mannheim anzurufen. Ein sehr feinfühliger und liebevoller Mitarbeiter, so sagte sie, holte den Dicken ab. Seine Asche ist nun in einer Urne, die im Haus steht. Unser kleiner Herr Sonntag schaut, wie wir, jedes Mal durch den Zaun, wenn wir am Haus vorbeikommen. Ich denke – wer mich für blöd oder kitschig halten will, darf das gern tun -, daß der Mem jetzt Nicoles Schutzengel ist.

( Der Prinz und ich gucken unseren Mausebären an und wir hoffen, daß er recht alt wird bei uns…)

 

 

Die Unschuld in Person

unschuld

 

Das Gesicht eines Engels, oder?

(Das ist geplant – und verdammt gut einstudiert!)

Umso mehr fasziniert es mich jeden Abend beim Schlafengehen aufs Neue, wie bockig und mit welch stummer Verbissenheit dieses Unschuldswesen um jeden Zentimeter der Bettdecke kämpft und wie er, wendig und glatt wie eine Schlange, jeden Quadratzentimeter Bett verteidigt (er ist kräftig!)

Und: wenn er es erstmal in die Kniekehlen geschafft hat, liegt er  da wie ein Sack Kartoffeln😀