Bürgerfrühstück und #tweetdestages

Heute gab der CDU-Ortsverband mal wieder ein Bürgerfrühstück im Nachbardorf, my darlings. Das macht uns eigentlich immer Spaß, weil da nette und herzliche Leute im Freien zusammen hocken und viel gelacht wird. Mit der Orthese am linken Bein bin ich ziemlich ungeschickt und grobmotorisch beim Gehen, vor allem, wenn ich mich auf die Bank einer Bierzeltgarnitur setzen soll. Heute haben mir aber gleich drei Leute geholfen, mich zu setzen, während der Prinz nach Kaffee Ausschau hielt. Er machte mir ein Brötchen (Durchschneiden, mit Butter bestreichen und belegen, das schaffe ich mit einer Hand noch nicht wieder alleine, kommt aber!) Der kleine Herr Sonntag lag bei uns unter dem Tisch und bellte erstaunlich wenig 😉 Zwei Landwirte setzen sich zu uns und waren bald in ein angeregtes Gespräch vertieft. Landwirt A (rsch) schimpfte auf die CDU (ich fand sein Gebrabbel etwas wirr). Landwirt B winkte gutmütig ab und sagte lächelnd: „Jaja, solange du nicht bei der AfD bist…“

A:  “Aber ich bin bei der AfD! Pass auf, die Merkel….blah…Mittendrin erhob sich B wortlos, um beim Zusammenräumen der Tische und Bänke zu helfen.

Der Prinz und ich saßen jetzt auch mit dem Rücken zu A, weil wir Privates besprachen.

Er versuchte, ein unbefangenes Gespräch mit uns zu beginnen.

„Hatten Sie einen Schlaganfall?“ fragte er mich.

Ich: “Ja.“ (Schlaganfall ist leichter erklärt als Gehirnblutung, dann lassen die Leute mich schneller in Ruhe.)

Er:“Wann war das denn?“

Ich: “2011.“

Er: “Mein Vater hatte einen Schlaganfall!“

Ich: “Aha.“ Dann fragte ich aber doch:

“ War das ein Scherz vorhin?“

Er, erstaunt: “Scherz? Was denn?“

Ich: „Daß Sie Mitglied der AfD sind?“

„Nein!“sagte er energisch und stolz (der arme Idiot), „ Ich bin wirklich in der AfD!“ Seinen Rechtfertigungsversuchen hörte ich gar nicht erst zu. Für so etwas gibt es keine Entschuldigung für mich.

Plötzlich dämmerte es A, daß er sich  selbst isoliert hatte, und versuchte, dem Prinzen zu erklären, warum die Alternative für Dumme so wichtig sei. Der Prinz putzte ihn mit einem kurzen Satz ab. Darauf sagte A scheinheilig-schleimig: “Nun ja, es ist ja in Ordnung, wenn Sie eine andere Meinung haben, das ist ja Ihr Recht“… (Ja nee, is klar, dachte ich, bis ihr das KZ in Osthofen wieder aufmacht, was?)

Dann setzte er zu einer neuen Schimpfkanonade gegen die Kanzlerin an (die ich im Übrigen für eine famose Frau halte), in der er sie mit dem Namen „Raute-Taste“bezeichnete. „Ich lass mich doch von der Raute-Taste nicht verarschen!“ schloß er seinen Sermon (in dem ich übrigens nicht einen einzigen eigenen Gedankengang entdecken konnte – alles hirnbefreit nachgeplapperte Propaganda-Sprüche).

Der Prinz war schon im Gespräch mit dem Kandidaten für den Posten des OB (der zu diesem Frühstück eingeladen hatte), und A merkte, daß er nun mit mir allein am Tisch saß, und versuchte, mehr als nur einsilbige Laute aus mir herauszubekommen. Der Prinz verabschiedete sich und wir fuhren bzw. rolli-ten ohne weitere Worte nach Hause. Der kleine Herr Sonntag freute sich, denn wir hatten wieder den Weg an der Eisbach entlang gewählt, den er sehr gerne läuft. Mir war den ganzen Rückweg etwas übel. Und nun bin ich neugierig: Wie ist die Alternative für Doofe in eurem Wohnort aufgestellt? Und macht sie euch Angst? Wir hier haben nämlich Nachbarn, die wunderbare willige Bürger für ein Fascho-Regime wären und die ohne Bedenken Nachbarn, die ihnen nicht passen, an die Gestapo ausliefern würden.Und ans nächste KZ. Für eine Uniform, ein schickes Abzeichen oder einen Posten mit wichtigem Titel. So hat das ja schon vor 80 Jahren prima funktioniert.

Falls Ihr in einer Stadt wohnt: Gehen die Clowns da eher unter? Hier auf dem Land fallen sie schon nervig auf, finde ich.

Übrigens: Erdbeer-Buttermilch. Kalt 😀

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Von Häusern und Menschen

Mitte Februar, my darlings, hatte ich einige Male über das süße alte Backsteinhäuschen geschrieben, dessen Schicksal nach dem Tod seiner Besitzerin, die Klara hieß (hier im Dorf „Klärchen“), ungewiß war, weil die fünfköpfige Erbengemeinschaft sich nicht einigen konnte, was sie mit dem Haus tun sollten. Kaufinteressenten gab es mehrere (uns eingeschlossen), sie alle hatten aber keinen Erfolg. Im Januar erfuhren wir, daß sie es nun doch einem Familienmitglied überlassen hatten. Der Prinz, der früher lange im Baugewerbe gearbeitet hat, sagte, daß auf dem Grundstück gut fünf Reihenhäuser Platz hätten (das langgezogene Grundstück geht von hier aus einmal durch die Länge des Häuserblocks und endet gegenüber auf der Nordseite direkt neben dem Haus unserer Vermieter).“Wenn der neue Besitzer Geschäftssinn hat“, sagte der Prinz, „dann knallt er fünf Reihenhäuser auf den Platz und verkauft sie.“

Mitte Februar starb das Häuschen dann. Acht Stunden brauchte der Baggerführer, dann war der Platz leer. Die Arbeiter waren von morgens um acht bis nachmittags um vier zugange. Zuerst deckten sie das Dach ab, dann sägten sie die Dachbalken heraus. Der Bagger hatte nun leichtes Spiel. Er legte die Wände einfach um.Einmal fiel eine so hart um, daß hier der Boden wackelte und Micia und das Pippilein erschreckt wegflitzten. Der nächste Tag wurde nochmal laut.Die Arbeiter zerkleinerten das Holz und die Steine, weil das im Bau alles wiederverwendet wird. In Nullkommanix sahen wir beim Abendgang mit dem kleinen Herrn Sonntag, daß neben dem Haus unserer Vermieter schon eine Bodenplatte gegossen war.(Auch dieses künftige Haus, so wie das nun leere Klärchen-Grundstück, war bereits projektiert und wartete auf Käufer. Die waren auch schnell da und haben sich als sehr nette kleine Familie herausgestellt. Wir haben uns einige Male sehr nett unterhalten und der Prinz und ich freuen uns schon, sie bald öfter zu sehen.

Vorgestern hatte ich die Freude, mit dem Besitzer des neuen Nachbarhauses zu sprechen,ein sehr netter junger Mann. Er stammt hier aus der Gegend und kennt unser Dorf sehr gut, er hat hier viele Bekannte und Freunde.(Ich nehme an, er weiß daher auch, wo er sein Haus hin baut und mit welchem Risiko.) Wie auch das Haus an der Nordseite, wird dieses hier ein Fertighaus. Noch in diesem Monat soll es gestellt werden, erzählte er mir. Was mich verblüffte: für den Kran, der die Hauswände vom Transporter holt und aufstellt, mußte er natürlich beim Ordnungsamt eine kurzzeitige Sperrung unseres Straßenteiles beantragen, auf die Länge zweier Häuser. Für die Stadt kein Problem, die Erlaubnis bekam er sofort. Der Kranführer erklärte ihm dann aber erstmal, daß ihm das bißchen Straße nicht genüge, denn er müsse „ganz dicht ran“. So mußte unser neuer Nachbar tatsächlich den Streifen vom Rand der Bodenplatte bis zum Bürgersteig aufschütten und verdichten. Sein Vater half ihm dabei (ebenfalls ein sehr Netter).

Soweit zu den Häusern, nun zu den Menschen 😀

Eine der Töchter unserer Vermieter,T, hat Im Juni ein Baby bekommen, für unsere Vermieter das erste Enkelkind. Entsprechend groß sind Freude und Aufregung.

Interessant und amüsant: Die Nachricht von Ts Schwangerschaft hatte sich natürlich in Windeseile im Dorf verbreitet. Und, faszinierenderweise, gleichzeitig das Gerücht, wir müßten deswegen ausziehen, weil T, ihr Mann und das Baby mehr Platz bräuchten. Tja, da müssen wir leider einige Hoffnungen zunichte machen.Es ist genug Platz da für alle 😉 Eng könnte es erst bei einem weiteren Baby werden, sagte unser Vermieter. In den letzten Wochen sprach uns immer wieder mal jemand aus dem Dorf an:“Ihr müßt raus, hab ich gehört? Was macht ihr denn jetzt?“ Wir erklären dann jedes Mal geduldig, daß wir nicht ausziehen müssen, weil in dem Haus, in dem auch Ts ältere Schwester mit ihrem Lebensmenschen wohnt, reichlich Platz ist. Wir steckten T und ihrem Mann eine Baby-Glückwunschkarte in den Briefkasten. Postwendend schickte sie uns eine Mail mit Babyfoto. Daraufhin begab sich zwischen dem Prinzen und mir folgendes Gespräch:

Ich: „Och, süß, guck mal Schatz – der Kleene hat voll Ähnlichkeit mit seinem Opa!“

Prinz: (guckt mir über die Schulter): Hm. Ja, findest du?“

Ich: „Klar, im Gesicht sieht er ihm voll ähnlich.Findest du nicht?“

Prinz: „Nee. Er hat ja keinen Bart.“

Tüff-täää.

Zoe :'(

Der kleine Herr Sonntag, Susanne und ich waren gestern Nachmittag mit dem Herrn Hund Gassi. Der Prinz hatte eine Schulung zu halten und es war abzusehen, daß es später würde. So hat Susanne gern die Begleitung beim Gassigehen übernommen.

Gretel, das stürmische Beagle-Mädchen, die in Herrn Sonntag verliebt ist, bellte wieder heftig hinter ihrer Mauer, aber da kam gerade Dirk aus dem Haus, der Besitzer von Zoe, der riesigen gelben Dogge, in die der kleine Herr Sonntag heimlich verliebt ist.

„Hey, wo ist denn dein Mann?“ begrüßte Dirk mich.

„Hält mal wieder ‚n Vortrag“ lachte ich. „Und wo steckt Zoe? Domingo ist ganz verwundert, daß sie nicht im Hof steht und bellt…?“

„Zoe ist gestorben“, sagte Dirk ernst. „Am ersten Januar.“ Das haute mich erstmal um, obwohl ich gewußt hatte, daß sie mit ihren acht Jahren für eine Dogge schon sehr alt war, sie hatte schon eine ganz graue Schnauze gehabt und war fast blind gewesen. Dirk erzählte, was passiert war: Am Morgen des 1. Januar, als die Silvester-Ballerei sich beruhigt hatte, wollte Zoe noch etwas zu essen haben. Dirks Frau stellte ihr eine Schüssel mit leckeren Sachen an eine ruhige Stelle neben der Haustür. Als sie einige Minuten später noch einmal hinausging, lag Zoe wie schlafend neben dem Napf. Sie war tot. Dirk hat sie in Mannheim im Tier-Krematorium verbrennen lassen. Die Urne mit ihrer Asche hat er zu Hause stehen. „Sie haben mir noch einen Pfotenabdruck von ihr in Gips gemacht“, sagte er wehmütig.

Wie Memnok der Neufundländer, scheint auch Zoe schnell und sanft gestorben zu sein. Darüber bin ich froh, daß sie sich nicht quälen mußte mit Krebs oder sonst einer beschissenen Krankheit. Denn Zoe war, mit ihrer gewaltigen Größe und ihrer tiefen Wummerstimme, so sanft wie ein Marienkäferchen, verschmust und anhänglich. Ich bin froh zu wissen, daß sie bei Dirk und Jaro ein gutes Zuhause hatte und daß ihre beiden Menschen sie zärtlich liebten und sie liebevoll umsorgten, als sie blind wurde. Da ich in den kalten Wintermonaten kaum draußen war, hatte ich nicht mitbekommen, daß sie gestorben war.

Mach’s gut, Zoe, liebes altes Mädchen, wir werden dich vermissen!

Last before Lent und Tod des Häuschens

Wie ich schon  schrub,  wollen der Prinz und ich, bevor die Fastenzeit startet, essenstechnisch nochmal schön zuschlagen.  Da wir das nicht per Besaufen und verkleidet Rumhüpfen tun,  besuchen wir mal wieder das chinesische Restaurant einige Dörfer weiter, in dem wir ewig nicht mehr waren. Dank unseres neuen Hausgenossen Artoo wird es in den nächsten 40 Tagen viele gesunde smoothies (ich nenne sie „Schmusis“) geben. Die Engländer nennen dieses letzte Zuschlagen vor dem Fasten „last before Lent“ – das letzte vor der Fastenzeit. Und nebenan steht hinter dem Häuschen schon der Bagger bereit, morgen wird es hier wohl laut werden. Soo schade um das Schnuckelhäuschen, Renata hat recht, ich hätte Fotos machen sollen.

Hohe Tannen wiesen die Sterne

Während nebenan gerade mal die Schlagbohrer und Preßlufthämmer schweigen, denke ich an die zwei alten Tannen, die auf dem Klärchen-Grundstück standen. Sie wohnten genau am Übergang vom Hof zu dem großen Wiesengrundstück, das in den letzten Jahren oft als Pferdeweide verpachtet war. Die beiden Tannen waren riesig hoch, sie überragten die Scheune unserer Vermieter (und Klärchens Häuschen sowieso). Sie waren die ersten Bäume, die ich wahrnahm, als wir vor zwölf Jahren hier einzogen und ich zum ersten Mal aus der dämmrigen Scheune ins helle Sommertageslicht des Gartens der Vermieter trat. Das Fällen dieser prächtigen Bäume haben wir gar nicht mitbekommen, es muß wohl gleich nach dem Verkauf des Anwesens passiert sein. Für viele Menschen sind Bäume ja nur etwas, das „Dreck macht“, Licht wegnimmt oder im Weg steht. Das „Ding“ kann also weg, da wird kein Gedanke verschwendet, schon gar nicht an die Tiere, die den Baum brauchen. Unser Vermieter erzählte uns letztens, daß die Habichte, die hier wohnen, wohl immer in den Tannen übernachtet haben. In der ersten Nacht, als die Tannen verschwunden waren, seien die Habichte die ganze Nacht schreiend über dem Garten gekreist.

„Ist ja verständlich“, sagte Jürgen, der sehr tierlieb ist, “Stell dir vor, du gehst mal eben eine halbe Stunde weg, um was zu erledigen, und wenn du zurückkommst, ist dein Haus weg.“

Schlimm wird der Verlust wohl auch für die unzähligen Stare sein, die sich gegen Sommer-Ende immer in den Tannen gesammelt haben. Der Prinz und ich haben es geliebt, an milden Abenden mit einem Glas Wein im Hof zu sitzen und dem tausendstimmigen Tschilpen und Zwitschern von gegenüber zuzuhören.

Am letzten Samstag röhrte hier nebenan stundenlang der Häcksler, in dem auch Zweige der Tannen landeten. Die abgeschlachteten Bäume und Sträucher füllten gehäckselt zusammen einen ganzen großen Container. Heute machten zeitweise Preßlufthämmer und Schlagbohrer dezent auf sich aufmerksam. Der Prinz schätzt, daß bis zum Ende der Woche da drüben alles platt sein wird. Schade.

Und immer noch das Häuschen…

Gestern Abend hatte ich eine liebevolle Überraschung: Es klopfte ans Wohnzimmerfenster. Draußen stand Edith, die mir immer wieder hausgemachte Marmeladen und Gelees bringt. Sie gehört zu der fünfköpfigen Erbengemeinschaft des süßen kleinen Nachbarhäuschens.

„Wir räumen gerade noch einige Sachen aus Klaras Haus“, erklärte sie mir.

„In der Speisekammer gibt es noch verschiedene Marmeladen, die hat sie ja so gerne gekocht. Magst du die haben?“

„Klar, gerne“, sagte ich, erfreut und gerührt zugleich. In diesem Moment kam C. mit ihrem Fahrrad angedüst, auf dessen Gepäckträger es klapperte und klirrte. Sie hatte zwei flache Kisten voller Gläser geladen, alles Klärchen-Marmelade! Die konnte ich allerdings einhändig nicht so einfach durch das Fenster annehmen, wie ich es mit DHL- Sendungen mache. So drückte ich C. den Schlüssel zum Hoftor in die Hand und sie stellte mir die Gläser auf den kleinen Tisch im Hof. Das wird ein leckeres Frühstück am Wochenende!

Ja… und nun ist es soweit…

…dem Häuschen nebenan geht es an den Kragen. Gegen Mittag kreischte schon die Kettensäge drüben.  Neugierig bin ich ja doch, so  schaute ich aus dem Fenster und sah gleich, daß der wunderschöne Weißdorn vor dem Haus (den ich mit einem Schwarzdorn verwechselt hatte) in Stücke gesägt auf dem Bürgersteig lag. Ich bin eine Pflanzentante und kann es nicht gut aushalten, wenn Bäume gefällt werden. Aber das hilft nun nichts, denn das Paar, das das Haus gekauft hat, will wohl komplett  tabula rasa machen. Gerade kamen Edith und C. vorbeigeradelt und wir hielten ein Schwätzchen. Ich: so richtig wie ‚ne Rentnerin, im Fenster 😃 ) Edith und ich erörterten, wie lange es wohl bis zur ersten (anonymen) Anzeige wegen der Geräusche dauern werde, da lachte C. und sagte: „Ach, ich hatte schon einen Anruf, daß die Bäume stehenbleiben sollen.“

(sensible Nachbarn, die für die Privatsphäre anderer Leute das Feingefühl eines Betonpfeilers haben und Fremde mit Befehlen rumkommandieren: WIN. (not!). Wir drei Mädels machten noch schnell was zum Kaffee und Kuchen aus und verabschiedeten uns lachend. Wie gesagt: Ich werde das Häuschen vermissen. *schnüff*

(Das Entsetzen der Bäume, die gerade miterleben, wie der Weißdorn und weitere Bäume gefällt und in den Häcksler geworfen werden, ist für mich so deutlich spürbar, daß ich heute dem Fenster fernbleiben und mich mit Fernsehen betäuben werde (Ja, Bäume können kommunizieren. Und ja, ich kann sie verstehen. Ja, ich weiß, wie das klingt. Liebevolles Zitat meiner weisen, liebevollen Mutter: „Du hast dich ja immer schon so in alles reingesteigert.“ Lieber das  als narzisstisch!).

Tschüß, Häuschen :'(

Unser Pippikind wird wohl in absehbarer Zeit ihr Refugium verlieren, darlings, und zwar das schnuckelige kleine Backsteinhäuschen, das neben unserem Haus steht und von dem ich in diesem Beitrag schonmal geschwärmt habe. Wie gesagt, ist das Häuschen nach dem Tod seiner Besitzerin an eine Erbengemeinschaft von fünf Geschwistern gegangen, von denen nur zwei hier im Dorf leben. Eine davon ist C., die das Pippikind einige Male aus dem Hof „gerettet“ hat. Die fünf hatten es schwer, sich zu einigen, was mit dem Haus und dem riesigen Grundstück, das dahinter liegt, geschehen solle. Zum Verkauf konnten sie sich laut C. nicht so recht durchringen. Da ich ja die verrückte Idee hatte, das Häuschen in eine Reikipraxis umzuwidmen, hatten wir mit C. lose vereinbart, daß sie uns Bescheid gäbe, wenn ein Verkauf konkreter würde.

Jetzt ist es wohl doch schneller gegangen als gedacht. Vor ein paar Tagen sagte der Prinz, er habe einen Mann gesehen, der das Häuschen besichtigt habe. Wir dachten nicht weiter darüber nach; ich hoffte nur, daß keine im Hof fußballspielenden Kinder einziehen würden.

Aber dann erzählte uns Jürgen, unser Vermieter, dass „auf Klärchens Acker“, wie er das Grundstück hinter dem Häuschen nennt, gebaut würde. (Der hintere Teil grenzt an seinen Garten.) Und tatsächlich ist dort ein Einfamilienhaus projektiert (Platz wäre auf dem Grundstück locker  für drei Häuser). Nun, das kann uns egal sein, wenn auch die Pferde, die zeitweise dort stehen, erstmal angenehmer sind als menschliche Nachbarn. Wir sehen das Grundstück nur bei unseren Gassirunden mit Herrn Sonntag, von der Straße aus, ansonsten sind wir durch die Scheune von dieser Seite her fast völlig abgeschirmt. Um das neue Haus zu sehen, müßten wir durch die Scheune hindurch in den Garten gehen, und so neugierig sind wir nun auch nicht 😉 Fest steht allerdings, wie wir von einigen Nachbarn bei der Feier des 50. Geburtstages unserer Bekanten  erfuhren, daß das süße alte Häuschen verschwinden wird. Auch der neue Besitzer wird wohl gleich gesehen haben, was der Prinz schon sagte: Grundstückswert minus Abrißkosten für das Haus. Und, wie ich ja schon erzählte, lägen die Sanierungskosten für das Schnuckelhäuschen weit über seinem Wert (es ist feucht, hat keine Heizung, nur Öfen, das Dach muss neu gedeckt werden). Das Häuschen wird also leider “plattgemacht“, wie C. es formulierte. Wann? Keine Ahnung. Aber ich werde es vermissen. Jetzt, nach so langer Zeit des Leerstandes, ist es ringsum mit Wildwuchs überwuchert, Brombeeren streiten sich mit Hagebutten und anderen Pflanzen um den Platz, man könnte Dornröschen hineinsetzen, so romantisch wirkt es. Vorn, an der Seite zur Straße, steht ein prächtiger Schwarzdorn. Die Fassade des Hauses ist hübsch ornamentiert mit Mustern aus hellen und dunklen Backsteinen. Der neue Besitzer kommt wohl aus dem persönlichen Umfeld der Erben, denn auf dem Markt ist das Haus nicht.

Etwas macht mich sehr wehmütig: Das Haus hat, weil seine Besitzerin „sehr sparsam“ war, seit Jahrzehnten keinen Handwerker mehr gesehen. (Es gibt nicht einmal eine Klingel außen, weil „das kostet ja Strom“). Nun werden Handwerker kommen, aber sie werden es zerstören. Ich werde das Häuschen vermissen ☹. ( Ja, Häuser haben für mich eine Seele, deswegen biete ich auch Clearings an).