Vaddertach: Nachlese

Großes Vatertags-Gedöns machen wir nicht, my dearies. Der Prinz braucht keine Feiertags-Ausrede, wenn er mal mit Freunden weggehen will. Die Jungs machen dann halt was aus und gut ist. Der kleine Herr Sonntag und ich versorgen uns rechtzeitig mit Knabber- und Süßkram und netflixen den Abend durch (dem Prinzen entgehen dann zwar spannende Folgen bei GEO und Terra X, aber… nu ja. Damit kann er leben.Wir nehmen den Vatertag also eher als willkommenen Feiertag, wie die meisten Leute. Worauf wir uns hier im Dorf immer freuen, ist ein Ausflug zum Sportplatz des TUS. Den gönnten wir uns auch gestern:

Der Sportverein lädt jedes Jahr am Vatertag auf der Wiese hinter dem Sportheim zum Grillen ein. Den Erlös verwenden sie für Dinge, die gerade anstehen (Sportmaterial, Ausflüge, und so weiter). Es gab verschiedene Bratwürste (Schwein und Rind), Brötchen mit Schweinekamm und andere sehr fette und mächtige Sattmacher. (Das Fleischzeugs stammt aus der Produktion unseres Dorfmetzgers, Manfred, der sein Handwerk wirklich versteht.) Die Landfrauen hatten ebenfalls wie jedes Jahr ihr Bestes gegeben und herrliche Kuchen gebacken. Eigentlich hatten der Prinz und ich gestern geplant, das Mittagessen einfach zum Sportplatz zu verlegen, schafften es aber erst am späten Nachmittag hin. Rollfi, mein Austausch-Rolli, meisterte den wackeligen Trip über die Wiese hinter dem Sportheim super. (Olli ist immer noch in Reparatur mit der Bremse, es wird wieder teuer und ich verhandele derzeit mit der Krankenkasse über einen neuen Rolli, da wirtschaftlicher und somit sinnvoller.)

Wie meist, waren schon (oder noch) etliche Bekannte dort. Die meisten hatten allerdings schon gegessen und waren wieder zu Hause. Die Filmfreundin ist mit ihrem Liebsten per Wohnmobil in Südtirol unterwegs, aber dafür war Marina da, die wir bei unseren allerersten Gassigängen mit unserem Mausebären kennengelernt hatten. Marina und ihr Mann haben einen bezaubernden french Bulldogrüden namens Chico. Der Prinz besorgte mir „Futterage“ (Opas Wortschöpfung ❤ ), ein Bratwurstbrötchen und ein großes Radler, danach herrlich sahnigen Käsekuchen. Rein zufällig blieb ein Stückchen der Bratwurst übrig und fand seinen Weg, in eine Serviette gewickelt, zunächst in meine Jackentasche und dann in die Schnauze eines gewissen Bärchens (hier natürlich ohne Serviette!) 😀 Das war wieder richtig schön beim TUS – und wir konnten mit unserem Besuch zur geplanten Vereinsfahrt beitragen!

Abends gab es bei GEO noch eine spannende Doku über Sokrates und sein Leben ( heute ist Konfuzius dran, gestern hatten wir Buddha). Philosophie ist schon faszinierend, ich dachte viel an Gerrit, meinen Onkel, der letztes Jahr starb – er hatte neben Schiffbau auch Theologie und Philosophie studiert (ich wünschte, ich hätte nur einen Bruchteil seines Wissens!). Heute ist wieder Pizza- und Rotwein-Abend, yay! Habt einen guten Start ins Wochenende, Ihr Lieben!

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Geschafft! \o/

Es hat sich gelohnt! Peter bleibt unser Ortsvorsteher! Er hat 62 Prozent der Stimmen im Dorf bekommen. Das ist super. Wir haben noch eine ganze Weile im und vor dem Sportheim gehockt und uns gefreut, jetzt will ich aber in die Heia. 😀

Husch-husch, Ihr Süßen,

und raus an die Wahlurnen (nachher könnt ihr euch ja wieder unter die Decke kuscheln 😉 ) Aber ich muß nicht betonen, wie sauwichtig es ist, daß die braunen Kackhaufen/ das Auffangbecken für Dumme unter „ferner liefen“ bleiben, oder?!  Bei den letzten zwei Kommunalwahlen hatten die Ärsche von der NPD hier im Dorf einmal acht, beim nächsten Mal sechs Stimmen bekommen. Dieses Mal finde ich es sehr angenehm, daß das Auffangbecken für Dumme nur ein Plakat im Umfeld unseres Hauses aufgehängt hat. Und damit, daß ein kluger unbekannter Mensch  dem Foto mit einem dicken Edding  einen Penis in seine Nazifratze gemalt hat, bin ich sehr einverstanden 😀

Der Prinz und ich haben in der letzten Zeit mal wieder als „A-Team“ zusammengearbeitet (wie früher bei der Zeitung, zuerst in der Pfalz und dann hier in Worms): Der Prinz ist für die Fotos zuständig, ich für die Texte. Wir haben in den letzten Wochen so manchen Abend in Redaktionssitzungen verbracht und wir finden, wir haben einige sehr gut gelungene Flyer zustande gebracht, auch und vor allem für die heutige Wahl des Ortsvorstehers. Wir unterstützen natürlich wieder und immer noch Peter und sind sehr gespannt auf die Wahl-Party heute Abend im Sportheim ( dort läuft der Fernseher und wir können live die Auszählungen verfolgen. (Die Stimmen für die OV-Wahl sind zuletzt dran, so werden wir lange zappeln, bis die Sektflaschen (hoffentlich) geköpft  werden 😀

Sorgen um das Bärchen

machen wir uns derzeit, my darlings. Es scheint nämlich, als könne er nichts mehr hören. Es war ein schleichender Prozeß. Jetzt, im Nachhinein, fällt uns auf, daß er uns wohl schon seit einigen Wochen nicht mehr gut hören kann. Nun, der Bär ist ein halber Windhund, und das Windhunderbe ist bei ihm sehr stark ausgeprägt. Dazu gehört auch, daß er nicht gehorsam ist. Windhunde gleichen im Charakter sehr stark den Katzen. Dazu gehört eben auch, daß sie Anweisungen, die ihnen nicht in den Kram passen, gerne einfach ignorieren. Mich hat das schon oft genervt, ich habe es aber immer toleriert, weil Bärchen zumindest dem Prinzen gehorcht, der ja sein geliebtes ein und alles ist, und mich damit arrangiert, daß ich eben nur das Beta-Rudelmitglied bin. In der letzten Woche hatte der Bär ein Problem mit dem linken Ohr. Als der Prinz seinen Kopf umfaßte und ihn liebevoll knuddelte, schrie das Bärchen schrill auf vor Schmerz. Daß etwas mit dem Ohr nicht stimmte, war klar – nur ließ der Bär uns das Ohr nicht anschauen. Wir befürchteten eine Entzündung im Gehörgang und setzten einen Termin beim Highlander auf den Wochenplan.

In den letzten zwei, drei Tagen wurde es aber deutlich, daß er uns tatsächlich nicht hört. Wir standen direkt hinter ihm, sagten laut seinen Namen, schnippten mit den Fingern und pfiffen. Keine Reaktion. Nicht gut. Aber sowas von überhaupt nicht gut! Es ist auch offensichtlich, daß der Bär darunter leidet, daß seine Wahrnehmung seiner Umwelt so eingeschränkt ist. Im August wird er  ja auch schon 13 Jahre alt. Es verunsichert ihn, das sehen wir ihm an. Er kommt oft leise winselnd zu uns, drückt sich an uns und möchte in den Arm genommen werden. Das fehlende Gehör versucht er auszugleichen, indem er uns intensiv ins Gesicht schaut und versucht, aus unserer Mimik und den Bewegungen unserer Lippen zu ergründen, was wir ihm sagen wollen. Das klappt erstaunlich oft. Wir versuchen, ihm seine Verunsicherung zu nehmen, indem wir ihn viel streicheln, kraulen und knuddeln und ihm seine Stofftiere werfen, damit er sie fangen kann (sein Lieblingsspiel). Immerhin: Seine Freude am Gassigehen ist ungebrochen. Noch diese Woche muß der Highlander sich die Ohren ansehen. Eine Bekannte erklärte uns heute, daß sich in hängenden Hundeohren leicht Entzündungen, Pfropfen oder Ohrmilben festsetzen und den Gehörgang blockieren können (Bei Cockerspaniels wußte ich das). Je nachdem, wie es beim Prinzen diese Woche mit der Arbeit aussieht, werden wir das Bärchen schnellstmöglich in die Highlander-Praxis mitnehmen und hoffen, daß einfach irgendwas in den Gehörgängen steckt, das leicht zu entfernen ist.Drückt ihr uns bitte die Daumen? Danke!

Ostern im Lüttje Huus (Nachtrag)

Wieder war es eine gute Entscheidung, erst nachmittags zu fahren, denn wir kamen am 11.April ( Donnerstag) gegen Mitternacht im Lüttje Huus an, völlig streßfrei, über eine leere Autobahn. Herta hatte schon die Heizkörper aufgedreht (sie ist wirklich ein Goldstück!). Ralf, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG,) hatte uns kurz vorher per Mail die Info geschickt, daß die IG-Mitglieder am Samstag eine Fahrt durchs Dorf machen und Material für das Osterfeuer (Grünschnitt, Holzreste…) einsammeln wollten. Darauf freute sich der Prinz schon. Die Leute in der IG sind, wie der Prinz sagt, „eine lustige Truppe“. Der Traktor mit dem Anhänger fuhr von Haus zu Haus (bei eisigem Wind!) Auf dem Hänger saßen frierend die Sammler, meist schon auf Haufen gesammelten Brennmaterials. Die Spender legen ihr Material vor ihrem Haus ab (und sind dankbar, es so leicht loszuwerden). Es besteht die Übereinkunft, daß die Sammler das Grundstück selbstverständlich betreten dürfen, um das Zeug auf den Anhänger zu laden. Ist alles eingesammelt, geht es weiter zu dem Feld, das Tinus für das Osterfeuer zur Verfügung stellt. Dort schichten die Sammler das gesammelte Zeugs zu einem riesigen Haufen auf (etwa drei mal fünf Meter Grundfläche, die Höhe kann ich schlecht schätzen, ist aber wesentlich höher als ich!).

Anschließend an die harte Arbeit trafen sich alle noch mal „kurz“ im Gemeindehaus, das nur wenige Schritte vom Lüttje Huus entfernt steht. Dort gab es, wie der Prinz mir erklärte, als er in seinen Mittagsnickerchen – Sessel sank, „Gansch viele Jägermeischder“. (wie ich später herausfand, waren darunter wohl auch etliche „Kurtsche“ 😀 😀 😀

Am Freitag kam Herta, wie sie das oft tut, zum Tee herüber. Da sahen wir Ralf, den Vorsitzenden der IG, zu Hertas Haustür laufen. Der Prinz öffnete schnell das Fenster. „Ralf? Herta ist hier bei uns“, rief er. Ralf drehte um und kam schnell zurück. In schnellem Platt regelten er und Herta noch einige Details zu ihrem Feuer-Beitrag. (Ich bin gerade dabei, Plattdüütsch zu lernen, aber Herta redet mir noch zu schnell 😉 )

Nach der Sammelaktion sollte es für alle etwas zu Essen im Gemeindehaus geben, um 12 Uhr.

„Hör mal, Ralf“, sagte ich, du kennst den Ablauf doch – gibt es für mich eine Möglichkeit, irgendwo zu helfen, auch mit einer Hand? (Denn selbstverständlich wissen hier alle 180 Nachbarn Bescheid, daß die Frau, die jetzt in Beckmanns Haus wohnt, einen „Gehirnschlag“ hatte und deswegen behindert ist). Das war nicht soo klug von mir, denn der arme Ralf wurde tödlich verlegen, wand und wand sich und wußte nicht, was er sagen sollte. Hier in unserem Wormser Dörfchen gehen die Leute inzwischen ganz natürlich mit mir um, ohne Verlegenheit. Herta bemerkte Ralfs Not, kam zu mir, stupste mich an und sagte lächelnd: „Du – ich mach‘ da nix!“ Ich sagte zu Ralf: „Ach, weißte – ich komm einfach rüber und guck mal, was ich tun kann.“ Ralf war sehr erleichtert. Wie sich aber herausstellte, hatte die IG bei einem Metzger Gulaschsuppe für alle bestellt. Diese gab es – pfuiba! – in Plastikschüsseln, so daß Geschirrspülen wegfiel. Dann wurde es düster und stürmisch draußen und es gab erstmal Schnee, dann Hagel. Einfach nur widerlich. Der Prinz schaute kurz bei mir rein und sagte: „Willst du wirklich rüberkommen? Die sitzen alle draußen!“ Damit war das Thema für mich erledigt 😀

Es war auch niemand böse, daß ich mich bei diesem Wetter vornehm zurückhielt.

Der Prinz hatte mir eine Portion der Gulaschsuppe mitgebracht, aber der Koch hatte viel Paprika hineingetan und Paprika ist für mich das widerlichste und überflüssigste Gemüse unter Gottes Sonne.) Ein ekelhafter Geschmack! (*winkt mit einem Broccoli zu Herrn Norden rüber*) :D)

Zum Glück ißt der Prinz das gerne und kümmerte sich um meine Suppe.

Am Samstag waren wir noch bei Edda und Tinus eingeladen – und ich bin hingelaufen! Das klingt wohl großartiger, als es ist. Ein normal laufender Mensch geht die Strecke – rund 250 Meter – wohl in fünf Minuten – zehn, wenn er gemütlich langsam geht. Ich habe 40 Minuten gebraucht. Ok, das Bein war müde, weil wir gerade vom Deich kamen, aber der Weg erschien mir dennoch sehr lang. Edda und Tinus drückten und küßten mich und sagten mir, sie seien sehr stolz auf mich hach Das tat gut! Edda machte Tee, für den ich sehr dankbar war. Dazu gab es Zitronenkuchen und Mandelkekse und ich schlug ordentlich zu 😀 Das Wetter war warm und sonnig – sensationell! Gut zwei Stunden lang saßen wir auf der Terrasse und beobachteten die Vögel in der großen alten Eibe, in und unter der Tinus ihnen Futter-und Nistplätze anbietet. Der Prinz und ich beschlossen, im Garten des Lüttje Huus ebenfalls Nistkästen aufzuhängen. Auch ein „Insekten-Hotel“ haben wir geplant, und ich hätte dazu gern einen Nistkasten für Fledermäuse.

Hier in unserem Wormser Häuschen kommen die Vögel trotz Futterangebotes nicht in den Hof, weil da Micia und Pippi herumlaufen. Umso mehr freue ich mich auf lange gemütliche Sommerabende auf der Lüttje-Huus-Terrasse!

Nach Tee und Süßkram fühlte ich mich gut genug, um den Weg von Tinus‘ Hof zu uns nochmal zu laufen. Und schaffte es auch gut!

Dann kam der Karsamstag und mit ihm mein Cousin Mike mit Frau, Tochter und seinem Vater (Hans ist für mich ein großer Bruder; sozusagen das „Gegenstück“ zu Gerrit, dem Bruder meines Vaters, der im letzten Jahr starb, nur eben auf der mütterlichen Seite.)

Noch vor unserer Abreise zum Lüttje Huus hatten der Prinz und ich hier im Wormser OBI eine ganz flache Duschtasse, eine Duschentür und eine Duschenwand für‘s lüttje Huus bestellt, zum Abholen bei OBI in Emden. Große Überraschung: Der Emder OBI lieferte uns den Bausatz per Spedition bis an die Haustür. DAS nenne ich mal Service und Kundenbindung!

Mike und der Prinz arbeiteten gemeinsam an der Dusche. Zu zweit ging es so schnell, daß wir danach noch Zeit hatten, alle zusammen zu Ottos Leuchtturm nach Pilsum zu fahren. Mit dem Auto kommt man nicht ganz ran an den Turm. Aber ein Stück entfernt ist ein Parkplatz, von dem aus man auf dem Deich zum Turm laufen kann. Auf dem Parkplatz steht ein Imbißwagen, ein Familien-Unternehmen, dessen Inhaber köstliche Pommes, Backfisch und viele andere leckere Sachen anbieten.Auf der Seite des Wagens kann man die Zeichnung eines Ottifanten bewundern, mit einer sehr lieben Widmung von Otto. Wir luden meine Familienbande zum Essen ein und saßen gemütlich in der Sonne. Das war eine schöne Nachmittagsstunde!

Der Prinz und ich freuen uns an unserer wunderschönen neuen Dusche, schaut mal hier, das ist die alte:

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Man sieht, daß der Einstieg hoch ist (31 Zentimeter, zu hoch für mich, dazu war die Duschtasse auch sehr tief.)

Hier dagegen die neue Dusche:

duschneu

Die braunen Fliesenauf der Stufe  sind rauh, also rutschfest. Mike hat die Dusche so konstruiert, daß ich von der Stufe aus auf der gleichen Ebene mit der sehr flachen Duschtasse bin. Endlich duschen ohne Streß! \o/

Abends am Karsamstag war Osterfeuer bei Tinus, es brannte schon, als wir eintrafen. Ein wenig schauten wir noch und quatschten ein bißchen mit verschiedenen Leuten, die sich freuten, daß wir gekommen waren. Mike sagte begeistert:“Ich finde es so toll, wie herzlich die euch hier aufnehmen!“ Dann war es für die vier aber Zeit zum Aufbruch, es sind immerhin drei Stunden Fahrt zurück in den Pott.

Als das Feuer größtenteils abgebrannt war, setzten wir uns zu den anderen in die Scheune. Wir schätzten, daß das ganze Dorf anwesend war (bei 180 Einwohnern nicht schwierig). Zum Glück fand ich einen Sitzplatz am Rande einer der Sitzbänke, denn Bierzelt-Garnituren sind für mich schwierig, vor allem mit der Orthese am linken Bein. Zwei Frauen rückten und machten mir Platz, sie waren sehr herzlich. Der Prinz beschaffte mir ein Bratwurst-Brötchen und ein alkoholfreies Bier, dann war er schon im Gespräch mit der „Rentner-Gang“ der IG. Die nette ältere Dame neben mir stellte sich als die Frau des Ortsvorstehers vor (sie ist also das Woquarder „Gegenstück“ zu meiner hiesigen Filmfreundin, witzig!) Herta saß einen Tisch hinter mir. Immer, wenn ich mich zu ihr umdrehte, strahlte sie mich an. Sie freute sich, daß wir uns wohlfühlten.

Übrigens hören wir immer öfter die Frage:“Wann kommt ihr denn nun?“ Sie warten wirklich darauf, daß wir endlich nach Woquard ziehen! Das ist SO lieb!!! Wir haben schon so oft erklärt, daß der Prinz noch ein paar Jahre arbeiten muß, bis er in den Ruhestand gehen bzw. „Altenteiler“ werden kann, wie die Friesen sagen…mal kommt die Antwort „Och, doch noch so lange? Schade!“ Oft lacht die Person auch und sagt:“Na, das Woquarder Autokennzeichen habt ihr ja schon!“ (Unser kleiner treuer Nissan steht immer in der Einfahrt, so wissen alle, daß wir mal wieder da sind. Er trägt das KFZ-Kennzeichen“WO“ (für Worms, das passt natürlich auch prima für Woquard 😉 ).

Am Osterfeuer-Abend setzte sich ein Mann zu uns, der uns anstrahlte und sich vorstellte: “Ich bin Werner, Hertas Sohn!“ Der Prinz und ich freuten uns, ihn zu treffen (der Prinz kennt Werners Bruder Hinrich schon seit einer Weile). Werner bestand darauf, uns seine Tochter und seinen Sohn vorzustellen, und wir hatten es schön gemütlich und sehr lustig zusammen, zu Hertas großer Rührung und Freude. „Da könnt ihr euch aber “von“ schreiben, daß Werner sich so einfach zu euch gesetzt hat!“ sagte sie (Offenbar ist Werner eher ein etwas stiller Mensch, der nicht so locker auf Fremde zugeht). Werner fragte, wie wir mit der plattdeutschen Sprache zurechtkämen. Ich erklärte ihm:“ Geht ganz gut, und wenn es mal hakt, schummele ich mich mit Niederländisch durch.“ Werner lachte und nickte. „Ja, das geht immer,“ sagte er. Was ich interessant finde: Tinus erzählte mal, daß in seiner Jugend ( er ist 78) das Gesangbuch in der Kirche komplett in Niederländisch gedruckt war. Die beiden Sprachen sind sich wirklich sehr ähnlich. Als ich Werner erzählte, daß ich sogar ein Plattdeutsch-Lehrbuch besitze und damit übe, war er völlig fasziniert. Wir vereinbarten, daß er mal zum Tee anklingelt und ich ihm das Buch dann zeige.

Der Ostermontag war so warm und sonnig, daß wir zum ersten Mal mit einem Bier im Garten sitzen konnten – wunderbar! Der Prinz ließ dafür sogar sein neues Lieblings-Werkzeug liegen: eine Machete. Am hinteren Ende unseres Gartens gibt es so etwas wie eine Dornröschen-Hecke aus Brombeerranken und Efeudschungel. Darunter verbergen sich die zusammengefallenen Reste einer kleinen Holzhütte, in der der Erbauer des Lüttje Huus in den 40er Jahren Kaninchen gehalten hatte.

Die Grundstücke sind so geschnitten, daß Hertas Schlootnachbar ganz hinten im Gartenbereich auch unser Schlootnachbar ist. Dieser alte Herr hat nun Angst, daß das Efeu in seinen Schloot-Anteil fallen und ihm damit Mehrarbeit verursachen könne. So pingelig-nervig das auch klingt – eigentlich ist er ganz nett und locker,wie der Prinz sagt. Er ging mit dem alten Herrn zur Hasenstall-Ruine, ließ ihn sein Herz ausschütten und versprach ihm, den bösen Efeu zu entfernen. Das tat er auch mit viel Elan und Spaß, mit seiner neuen Machete, die wirklich ein respekteinflößendes Werkzeug ist. Sie schneidet mühelos durch dicke Brombeerranken und verholzte Efeu-Äste, sehr beeindruckend! Jetzt liegt die Hasenstall-Ruine einigermaßen frei und wir sind noch nicht sicher, ob das alte Holz im nächsten Jahr ins Osterfeuer kommt oder ob wir es aufbewahren wollen, bis wir richtig einziehen, denn dann wird es zwei Kaminöfen im Huus geben und wir sind vielleicht froh um das Heizmaterial. An den Platz des Hasenstalles soll mal ein Gartenhaus treten,

nach Möglichkeit dieses hier:

gartenhaus_oxford

(c): Gartenhaus-GmbH – danke für die freundliche Genehmigung!

 

Nun, am Dienstag nach Ostern trennten wir uns (wie immer widerwillig) vom Lüttje Huus und von Edda, Tinus und Herta und schafften es in sagenhaften fünf Stunden zurück nach Worms. Die Katzenmädels waren entzückt, daß wir wieder da waren. Ich hatte mein Pippilein sehr vermißt, vor allem beim Einschlafen. Freundin und Lieblingsnachbarin Wiltrud hatte die beiden gefüttert, so waren die Mädels schön entspannt. Erst gegen halb zwei fielen wir ins Bett. Beide Katzen warteten darauf, daß ich endlich unter der Bettdecke verschwinden möge, als plötzlich die Luft im Schlafzimmer in einem lauten Geschrei und Fauchen explodierte: Pippi warf Micia raus! Sie blieb die ganze halbe Nacht eng bei mir liegen, ohne sich zu bewegen ❤ .

Seit wir zurück sind, geht das Pippilein schon gegen 21 Uhr ins Bett und wartet auf mich. 😀

Das nächste Mal werden wir über Fronleichnam dort sein (kein Feiertag in Niedersachsen), und der jüngste Bruder meines Vaters und seine Frau werden uns besuchen, darauf freue ich mich!

Oops…

Hey, my darlings!

Seit elf Tagen habe ich mich hier nicht zu Wort gemeldet. Der Grund: Am vorletzten Montag bin ich mal wieder gestürzt (weil das ja so viel Spaß macht *Augenrollgeräusch*); und diesmal habe ich’s richtig gemacht, mit Besuch der Notaufnahme im Klinikum.

Here goes: Ich hatte am PC zu tun und musste mal zur Toilette. Ging zur Toilette (die erreicht man bei uns nur durch das Büro, weil die früheren Hausbesitzer sie erst in den 70er Jahren an das Haus angebaut haben) und dann erinnere ich mich nur noch daran, daß ich nach links/hinten wegkippte und heftig mit Ellbogen, Schulter und Kopf am Schreibtisch anschlug. Da ich am Bein noch die Orthese trug, war ich nicht sehr beweglich. Außerdem hätte ich eh nicht aufstehen können, weil ich in einer Pfütze aus Milchkaffee lag und das den Fliesenboden rutschig machte.  Als ich mich aufsetzte, klirrte etwas und ich sah, daß an meinem rechten Bein Bruchstücke meiner Lieblings-Uli-Stein-Kaffeetasse! AAAARGH!!! lagen, deren Bruchkanten sehr scharf aussahen. Es war – ausgerechnet! –  die schwarze Tasse mit der frechen Maus drauf, die selten ist und die man nur noch mit Glück bekommt.

[Erzähler: Sie hat sie bei Ebay nochmal gefunden.]

Beim Versuch, die Splitter beiseite zu legen, holte ich mir einen saftigen Schnitt am rechten Mittelfinger, der wie die Sau blutete. Da saß ich nun wie Ölleken Doof auf dem Boden zwischen der Toilettentür und meinem Schreibtisch und wußte nicht weiter. Der kleine Herr Sonntag hat unter jedem unserer beiden Schreibtische ein Schlafnest. Ich zog eine seiner Millionen Kuscheldecken heraus und versuchte, darauf in die Küche zu rutschen (muß ein genial lustiger Anblick gewesen sein). Der kleine Herr Sonntag war draußen im Hof und war sehr beunruhigt. Er schlug mit der Pfote gegen die Glastür und jaulte und bellte. Der Bär war richtig panisch, er wußte, daß da was passiert war.

Zum Glück sah ich, daß mein Hänti auf der Schreibtischkante lag. Ich konnte es mit der rechten Hand erreichen. Griff es mir und rief unsere Vermieter an. Kurz erklärte ich Jürgen, was passiert war und daß ich nicht mehr aufstehen könne. „Bin sofort da“, sagte Jürgen. Ich zog mühsam die Orthese aus, damit sie nicht störte. Schon hörte ich das Klappen der Scheunentür und Jürgens Stimme. Das Bärchen drängte sich neben Jürgen durch die Haustür und rannte sofort zu mir, sehr besorgt. Ich bat Jürgen, sich hinter mich zu stellen, mich unter den Achseln zu greifen und mich hochzuhieven. Das klappte super, und sobald ich stand, kam schon Marika herein, sie war etwas erschreckt und sehr besorgt. Sie stützte mich und ging langsam mit mir rüber in die Küche. Erleichtert ließ ich mich auf meinen Stuhl plumpsen und trank auf den Schrecken erstmal eine halbe Flasche Mineralwasser. Marika machte Küchenpapier naß und wusch mir das Blut von der Hand. Jürgen entfernte in der Zeit das Blut vom Türrahmen an der Pipibox und räumte die Sachen auf, die ich wohl im Fallen von der Kommode heruntergerissen hatte. Ich versuchte mich zu erinnern, warum ich die schwarze Maus-Tasse in der Hand gehalten hatte, aber genau diese Sekunden vor dem Sturz waren weg (sind sie immer noch. Ich nehme an, daß ich die Tasse ausspülen wollte, weil noch Kaffee darin war.)

„Da hast du ja noch mehr Blut!“ sagte Marika besorgt, hielt ein Küchentuch unter kaltes Wasser und wischte mir an der linken Schläfe herum. Ja, da war ziemlich viel Blut. Als das aufhörte zu tröpfeln, bereitete mir Marika ein Schinken-Käse-Sandwich mit dem Sandwich-Toaster zu, damit ich wieder auf die Beine käme. Es tat wirklich gut, etwas Kräftiges zu essen. Ich rief den Prinzen an, um ihn vorzuwarnen. Er saß bereits im Zug. Meine beiden rettenden Engel vergewisserten sich -zig Mal, ob sie mich wirklich allein lassen könnten, dann gingen sie zögernd wieder rüber. Kurz darauf war der Prinz da. Mein linker Ellbogen tat höllisch weh (ich war da wohl draufgefallen.) Da unser Hausarzt auch Notfallarzt ist, überlegten wir, erstmal dorthin zu fahren statt in die Notaufnahme, so rief der Prinz in seiner Praxis an. Der Doc schickte uns aber doch gleich ins Krankenhaus, weil, wie er sagte, mein Arm sowieso geröntgt werden müsse. In der Notaufnahme waren alle sehr nett. Wir hatten mit vielen Patienten gerechnet, aber alle Wartebereiche waren leer. Der sehr nette diensthabende Arzt schickte mich zum Röntgen des Ellbogens. Die Rö-Assistentin hatte etwas Probleme, weil ich den Arm nicht mehr mit der Handinnenfläche nach oben drehen kann, seit die Platte daran verschraubt ist (wegen des gebrochenen Handgelenks durch den Sturz an Weihnachten 2014).

Dennoch schaffte sie ein gestochen scharfes Foto, wie wir danach beim Arzt auf dessen PC sahen. Ellbogen völlig ok, sah ich erleichtert, aber der Arzt wollte sich die Platzwunde an meiner linken Schläfe näher ansehen. Er zeigte mir ein Plastiktütchen mit etwas, das aussah wie die Kanüle einer Spritze (aber aus Kunststoff), nur ohne Kolben. „Fibrinkleber, exklusiv für Sie“, grinste er. Er bat seinen Kollegen, sich neben mich zu setzen und mich, meinen Kopf auf die kollegiale Schulter zu legen. So bearbeitete er in Ruhe die Wunde. Zum Glück spürte ich das gar nicht. „UHU flinke Flasche“ nannte der Prinz das später, als ich ihn fragte, was genau der Arzt da getan hatte.

wunde

 

Dann erklärte der Arzt  mir, ich müsse nicht im Krankenhaus bleiben. „Obwohl , wenn Sie sich dann sicherer fühlen, kann ich das für Sie möglich machen“, sagte er, und mir dämmert erst jetzt, daß er möglicherweise glaubte, der Prinz sei gegen mich gewalttätig geworden, zumal mein linkes Auge langsam schöne bunte Farbtöne annahm, und dass mein „Hinfallen“ zu Hause eine der typischen Ausreden sei, wenn Männer zu Hause übergriffig werden. (Buchtipp hier: Roddy  Doyle: “The Woman Who Walked Into Doors“) Ich beruhigte ihn mit der Auskunft, der Prinz habe mir für den Abend bereits Pizza versprochen. Der Prinz darauf: „Was? Wann?“ (Arzt: *grins*) Die Frage des Arztes, ob ich Schmerzmittel brauche, beantwortete ich mit der Wahrheit: „Danke, ich bin voll Ibu-gedopt.“ (Ich hatte gut 1600 Milligramm intus.)

Als wir zu Hause einliefen, war das Bärchen ungeheuer erleichtert und wich uns nicht von der Seite. Er suchte meine rechte Hand, an der ich mich geschnitten hatte, und prüfte, ob er da noch mehr Blut ablecken müsse. Ich verschwand so schnell wie möglich im Bett, diesmal mit Baldrian gedopt. Ich halte große Stücke auf Baldrian, mir hilft er sehr gut beim Einschlafen.

Wie erwartet, schlief ich tief und fest auf den Schrecken. Ich erwachte schmerzfrei und ging den Tag ruhig und entspannt an. Hubert, mein Physiotherapeut, massierte mir in der nächsten Physio-Einheit den Bizeps und den Trizeps, die ich mir beide heftig gezerrt hatte und die bretthart waren. Das tat sauweh.

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Tja, und seitdem habe ich mich hier nicht mehr gemeldet – ich hatte keine Lust, zu kommunizieren, ich wollte nur schlafen und alleine sein und es still haben. Offenbar war das Ganze doch ein ganz schöner Schock für mein System gewesen. Jetzt geht es mir wieder gut (Schlaf und Stille sind die beste Medizin für mich) – ich habe gestern Nachmittag den ersten Amarenabecher des Jahres gegessen, mit drei Frauen hier aus dem Dorf: der Kollegin des Prinzen, der Filmfreundin, und einer tollen Frau aus dem Ortsbeirat der CDU.  Esther und Alessio freuten sich sehr. Sie haben herrliche neue Eissorten, darunter „Whisky-Crème“ – sehr lecker! Jetzt warte ich nur noch auf unseren kleinen Oster-Urlaub im Lüttje Huus \o/.

Und die tolle Uli Stein -Kaffeetasse habe ich tatsächlich nochmals bei Ebay gefunden – funkelnagelneu, noch in ihrer Original-Schachtel, dabei kam sie schon 1995 raus!

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(Foto: D.Richter)

Mir geht es wieder sehr gut. Nur der Filmriß stört mich, mir fehlen die Sekunden zwischen dem Verlassen der Toilette und dem Sturz. Keine Ahnung, warum ich die Maustasse in der Hand hatte… Auf dem Klo trinke ich bestimmt keinen Kaffee 😀 Na, die Sache ist überstanden, was soll’s also…

Ich wünsche euch noch eine schöne Restwoche, dearies!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ersatzrolli und Glühwein :D

Hello my dearies,

gestern hatten wir einen gemütlichen Abend im Dorf  und ich hatte eine Gelegenheit, den Ersatz-Rolli zu testen, den ich jetzt so lange habe, wie Olli in Reparatur ist (seine linke Bremse muß mal wieder nachgestellt werden).

Der Ersatzrolli ist ne coole Socke: er hat vier gleich große Räder (Luftreifen!), Scheinwerfer nach vorn und rote Leuchten nach hinten, und er hat Blinker!! einself! An den Hinterradantrieb und die kleineren Räder mußte ich mich erstmal gewöhnen. Auch daran, daß er nur dann wenden kann, wenn er rollt. Herumdrehen im Stand, wie Olli das kann, macht er nicht mit. Leider ist er so groß und schwer, daß er nicht ins Auto paßt, das bindet uns natürlich. (Andererseits zwingt mich das auch zum Laufen, wenn wir mal wegfahren wollen, ist also nicht soo schlimm.)

Gestern Abend hatte der Heimatverein zu einem Glühweinabend am Rathaus eingeladen, das war eine gute Testgelegenheit für den neuen Rolli und für die neue Deich-Jacke, die wirklich toll warm ist.Die Skihose über die Orthese zu fummeln war mir zu nervig, deshalb begnügte ich mich mit einer Decke auf den Beinen. Am Rathaus war schon einiges los, als wir ankamen. Einigen fiel der Rolli sofort auf, weil ich darin höher sitze als bei Olli. Der Prinz versorgte mich mit Glühwein und einer Wurst mit Brötchen, dann machten wir beide unsere „Schwätz-Runden“ durch die Gruppe. M., des Prinzen Kollegin, fragte mich, ob wir mal wieder Eis essen gehen wollten (doch, Eis geht immer! :))

Meine Filmfreundin, mit der ich neuerdings Themen-Filmabende bei uns zelebriere, ist leider krank. Aber unser nächster Plan ist ein Themen-Filmabend „Valentinstag“. Das wird lustig. Wir haben dann Wein und Knabberzeugs da und amüsieren uns. Da der Prinz ungern Filme schaut, ist es für mich als Film-aficionada natürlich wunderbar, jemanden zu haben, die meine Film-Leidenschaft teilt. Und der Prinz ist zufrieden, wenn ich ihm nicht auf den Keks gehe, weil ich glaube, daß er einen bestimmten Film unbedingt sehen muß. 😀

Habt noch einen schönen Rest-Sonntag und morgen einen guten Start in die Woche!