Stolpersteine in Woquard

Meine Lieben,

als wir über das lange Wochenende Allerheiligen/Reformationstag in Woquard waren, erzählte uns Herta, unsere „Friesenmama“, dass wir in Woquard bald Stolpersteine bekommen sollten. Herta war gerührt und freute sich darüber, denn die Steine sind für das Andenken an  eine jüdische Familie bestimmt: Karoline und Carl Seligmann und ihre beiden Söhne Richard und Julius. Herta hatte die Familie gekannt und miterlebt, wie sie „über Nacht einfach verschwunden waren“, wie sie uns erzählte. (Die Nazis haben sie später in Auschwitz ermordet.) Gestern war es soweit – der Arbeitskreis Stolpersteine Emden ließ die vier Steine am Gemeindehaus in den Boden ein:

stolpersteine

Foto: IG Woquard

Allerdings sind, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) schreibt, nicht alle Menschen mit den Stolperstein-Aktionen einverstanden: den uneinsichtigen Nörgler, der hobbymäßig grundsätzlich gegen alles ist und der quertreibt, wo es geht, den gibt es überall – in Emden hat ein Rentner einen Stolperstein zweimal wieder ausgegraben.

 

 

Gaanz still…

…bin ich jetzt erstmal, meine Lieben, und gespannt wie ein Flitzebogen, denn es sieht so aus, als habe meine Freundin Karma der Voodoopüppchen-Tante „in da hood“ bereits mal vorsichtig auf die Schulter getippt. Aber vorerst verhalte ich mich mal ganz stickum, bis ich mehr weiß. Die dörflichen grapevines werden mich beizeiten in Kenntnis setzen.

Unsere zwei Juli-Wochen im Lüttje Huus

Vom 12. bis zum 24. Juli hatten wir zwei wundervolle Wochen im im Lüttje Huus, meine Lieben. Eigentlich hatten wir am Sonntag, den 14.7., fahren wollen, denn das war gleichzeitig der letzte Urlaubstag unserer Freunde Manu und Ralf, die eine Woche im lüttje Huus verbracht hatten, zusammen mit ihrer Mix-Hündin Mara. Das liebe alte Mädchen (zwölf Jahre) begann, erste Alters-/Ausfallerscheinungen zu zeigen. Die beiden zeigten Mara den Hundestrand in Norddeich und schickten uns ein Foto, auf dem sich Mara genüßlich auf dem Rasen in unserem Garten räkelte. Am Samstag schickte uns Manu aber eine Nachricht: “Wir fahren heute schon heim. Mara geht es gar nicht gut. Sie fällt immer wieder um. Haben alles geputzt und sind nicht direkt im Stress, aber wir wollen daheim sein, falls es schlimmer wird. Fahrt ihr doch schon los, dann habt ihr einen Tag mehr.“ Zwar hatten sie die Tierarztpraxis um die Ecke gesehen, aber die war am Samstag natürlich zu. Wehmütig sagten wir unseren Vermietern Bescheid (wegen Katzen-und Haus-Wache) und fuhren am Samstag Abend los. Wie immer, trafen wir mitten in der Nacht ein und fielen ins Bett, nachdem wir einen entzückten kleinen Hund müde gespielt hatten (der Bär liebt es, im Lüttje Huus zu sein!). Am nächsten Morgen traf Manus Nachricht ein: „Mara ist bei Willy.“ Wir hatten es geahnt… “Man hat einfach nix mehr machen können“, schrieb Manu. Ich rief sie gleich an, um Näheres zu erfahren. Mara war kollabiert und noch in der Tierarztpraxis gestorben. „Es war einfach totales Organversagen, aus Altersschwäche“, sagte Manu. “Aber das war abzusehen, es ging ihr zuletzt immer schlechter.“ Dafür hatte Mara noch eine intensive Woche mit ihren beiden geliebten Menschen gehabt, eine Woche, in der sie ganz allein im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, ohne dass Ralf Termine für Konzerte oder Aufnahmen im Tonstudio oder dass Manu Cateringservice für Stadtfeste oder Hochzeiten planen musste. Es gab nur Mara in dieser Woche, viel Liebe und Fürsorge, kleine Ausflüge … und die Ahnung vom nahenden Abschied.

Der Prinz hatte es mal wieder geschafft, sich bei der Arbeit bis an den Rand der Erschöpfung zu bringen, deswegen verbrachte ich den Sonntag mit Lesen und zwang den Prinzen, Ruhe zu halten. (Okay, er ging noch eben gegen den Löwenzahn in der Einfahrt vor, den er zu seinem persönlichen Feind erklärt hat, schlief aber brav fast den ganzen Tag. Das beruhigte mich natürlich 😉 ) .

Am Montag lieferte eine Spedition zwei Stahlblech-Schränke, die der Prinz bestellt hatte. In diesen können wir unsere persönlichen Sachen verstauen, wenn Gäste im Huus eingeplant sind. Denn unsere Gäste sollen sich entspannt im Huus ausbreiten können, ohne überall auf unsere Sachen zu stoßen und fürchten zu müssen, etwas kaputtzumachen.

Ich war etwas traurig, denn früher, vor dem Hallamati, haben der Prinz und ich solche Arbeiten wie das Aufbauen der Schränke gemeinsam gemacht, Hand in Hand und ruck-zuck. Jetzt muß ich dabeistehen und zusehen, wie er das alleine macht, ich kann höchstens mal etwas festhalten, damit er eine Schraube eindrehen kann. ( Aber: nein, ich gebe nicht auf – ich trainiere die linke Hand weiter, bis sie sich wieder daran erinnert, was sie tun soll 😉 )

Apropos – kleiner Gedanke am Rande: Sollte nochmal jemand eine Wut auf mich haben und auf die Idee kommen, ein Voodoo-Püppchen von mir zu basteln – könntest du dann bitte statt Nadeln Pommes da reinstecken? Danke! 😀 😀 😀

Die Schränke also, in „frischem Steingrau“ stehen sie nun in dem großen Werkstattraum, der mal unser Wohnzimmer sein wird, geplant mit bullerndem Schwedenofen und Panoramafenster in den Garten. (Eigentlich sind es Aktenschränke, und die gibt es nun mal nur in Grautönen („Steingrau, Aschgrau, Mausgrau, Betongrau“…). Aber da war ja noch etwas – der Prinz hatte ein neues Treppengeländer bestellt, damit ich auch endlich mal ohne Probleme über die gräßliche Betontreppe ins Obergeschoß gehen kann. Eine Spedition brachte ein drei Meter langes Rundholz aus Buche, das wir zusammen an das Brett anschraubten, das Herr Beckmann im Stil der 60er Jahre als Geländer angebracht hatte. Jetzt komme ich recht leicht nach oben und kann mir dort eins der Zimmerchen als Lesehöhle einrichten! \o/

Auch der nette Postbote freut sich, denn wir haben den bisherigen Briefkasten (Modell 50er Jahre, sehr klein, kupferbraun, mit Spitzdach und der Aufschrift „Post“ in Fraktur auf der Tür) ausgetauscht gegen einen schlichten weißen und vor allem großen Briefkasten mit einem Rundfach für Zeitschriften unten dran ausgetauscht. Nun muss der Postmann nicht mehr dreimal klingeln, wenn er eine der Foto-Fachzeitschriften des Prinzen bringt, weil er sie nicht knicken möchte – jetzt kann er sie rollen und ins Röhrenfach schieben. Übrigens macht der Postbote hier auch den DHL-Dienst, er kommt mit einem coolen gelben Elektro-Lieferwagen, den man nicht hört, klasse! Nun stehen wir nur noch vor der uralten Frage, die uns schon früher in Harkebrügge in den Wahnsinn trieb: Wie bekommen wir eine vernünftige Internet-Verbindung hin?! Im Moment geht das nur mit persönlichen Hotspots über unsere Häntis, das nervt, denn es ist keine stabile Lösung und das Datenvolumen reicht auch nicht. / Motzmodus aus. Ansonsten bin ich recht zufrieden mit mir, denn ich war jeden Abend mit meinen beiden Jungs auf dem Deich! Das Wetter war mild und der Wind weich, so daß ich nicht aus dem Gleichgewicht geriet, wenn er mich anpustete. Das Ersteigen der Treppe hinauf ist eine gute sportliche Übung, und oben gehe ich konsequent noch ein Stück auf dem Deichkamm, damit die Rumpfmuskulatur in Übung bleibt. Das wird ab jetzt eine Standard-Übung! Der Blick auf das abendliche Watt im Sonnenuntergang belohnt mich jedes Mal für die Mühe. (Wir sind übrigens jetzt Mitglieder in der Deichacht 😉 ), im BUND und beim NABU, das kommt hier fast automatisch mit.

Ungewohnt und doof war, dass Herta fehlte. Sie sollte nach der OP (neues Kniegelenk) in Norddeich in die Reha gehen,aber wir erreichten sie nicht – vermutlich war der Akku ihres Handys leer, und es war noch niemandem aufgefallen. Auch meine Sprachnachrichten auf ihrer Mailbox schien sie nicht bemerkt zu haben. Aber das kennen wir von Edda, die zwar durchaus mal Sprachnachrichten hinterläßt, es aber nicht mitkriegt, wenn sie selbst welche bekommt (oder SMS).

Ach ja, am Sonntag hatte der Prinz Geburtstag, aber sein Geschenk hat er erst nach unserer Rückkehr nach Worms bekommen. Da ich auch nicht recht wußte, wohin ich ihn zum traditionellen Frühstück einladen könnte, fragte ich Edda um Rat. Sie erzählte mir von einem Café-Bistro, das ich schon öfter im Vorbeifahren gesehen hatte, die Osterburg Groothusen. Sie bieten am Wochenende ein phantastisches Frühstücksbuffet an, das „Häuptlingsfrühstück“, über das Edda schon viele begeisterte Berichte gehört hatte. Das viele Lob war absolut berechtigt, wie sich zeigte. Auf sein Geschenk musste der Prinz noch etwas warten, aber wenigstens zum traditionellen Frühstück konnte ich ihn schon ausführen. Wie immer, wenn es Essen vom Buffet gibt, nahm der Prinz meinen Teller und holte mir etwas zu Essen, denn ich kann mit der rechten Hand entweder den Teller oder den Gehstock halten. Der Prinz weiß, was ich gern esse (und vor allem, was nicht), so packt er mir dann immer meinen Teller voll mit (für mich) leckeren Sachen. Es hat seine Vorteile, seit 18 Jahren ein Paar zu sein und sich gut zu kennen! 😀

Der Montag gehörte den Niederlanden, wir machten eine längere Autotour an der niederländischen Küste entlang, bis zu dem Kraftwerk, das man von unserem Deich aus gegenüber, weit weg, sehen kann. Der Prinz fotografierte von dort aus unseren Deich.Wir hatten eine schöne Tour, zumal wir die Niederlande sehr gern mögen, vor allem die Architektur (ik hou heel erg van de Nederlande!) Dem kleinen Herrn Sonntag ging das alles an seinem kleinen Hundearsch vorbei – ihm war nur wichtig, daß wir alle zusammen waren (da kommt die Hütehund-Mutter durch 😀 )

Am späten Nachmittag waren wir zurück im Lüttje Huus. Während ich in der Küche überlegte, ob ich Hunger hatte und etwas zu Essen machen wollte, hörte ich zwei vertraute Stimmen vor dem Haus. Ich schaute hinaus: Da stand der Prinz und redete mit einer kleinen, sehr runden Person mit grauem Kurzhaarschnitt und Krücken. „Herta!“ rief ich erfreut und beeilte mich, hinüberzulaufen, unter Hertas Ermahnungen, bloß langsam und vorsichtig zu laufen ❤ (ich sagte ja, sie hat uns quasi adoptiert 😉 ) Erfreut und gerührt umarmten wir uns. Herta ist sehr klein und ich muss mich tief herunterbeugen, wenn ich sie umarmen will. Wir fragten sie über die Operation aus und tauschten sonstige Neuigkeiten aus. Da fuhr ein Auto vor, an dessen Steuer – so wirkte es auf mich – ein riesiger Teddybär saß. Der Teddybär strahlte uns an, parkte das Auto vor der Einfahrt und gesellte sich zu uns. Herta und der Prinz kannten den Teddy, sie begrüßten ihn mit „Hallo, Hinrich!“ Ich freute mich, denn Hertas ältesten Sohn hatte ich schon seit einiger Zeit gern kennenlernen wollen.Wir quatschten zu viert eine Weile, bis mir das Stehen zu beschwerlich wurde. „Trinkt ihr einen Tee mit uns?“ fragte ich. Herta und Hinrich sagten gleichzeitig „Ja, gern!“. Der Prinz übernahm netterweise das Teekochen. Auf der Terrasse saßen wir unter dem neuen Ampel-Sonnenschirm und ich erfuhr, warum Hinrich so wohltuend gelassen mit meiner Behinderung umging: Er ist Fahrer bei einer Behindertenwerkstätte und hat den ganzen Tag mit Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen zu tun. Wie sein Bruder Werner, hat auch er nun unsere offizielle Einladung, jederzeit zum Tee hereinzuschauen.

Danach stand das Abendessen bei Edda und Tinus an, wie immer. Urlaub in Woquard, ohne daß die „Fab Four“ sich sehen, das geht gar nicht! Wie immer, verstanden wir uns blind und vernichteten Unmengen an Thiele-Tee (das war Muddis Lieblingstee), Keksen und Tinus‘ geliebtem Zitronenkuchen.

Die restlichen eineinhalb Wochen verbrachten wir zu einem großen Teil „up diek“ – auf dem Deich. Wir hatten ja ursprünglich nach einem Haus „achtern Diek“gesucht, also gleich hinter dem Deich, denn der Prinz träumte immer davon, morgens mit einem Tee auf den Deich zu steigen und den Sonnenaufgang zu sehen. Nun wohnen wir zwar fünf Kilometer hinterm Deich, aber das trübt des Prinzen Freude nicht. Er macht es genau richtig: Er lebt seinen Traum trotzdem! Jeden Morgen, sobald ihn die Vögel, die im Garten wohnen, wecken, steht er auf, füllt sich eine kleine Thermoskanne mit Tee, zieht dem kleinen Herrn Sonntag das Geschirr an und dann erklimmen die beiden den Deich und laufen bis hinüber zum Campener Leuchtturm. Bis ich Frühstück gemacht habe, sind sie wieder da, entspannt und glücklich. Schöne Fotos vom Deich und seiner Umgebung könnt ihr hier sehen. Dieser Juli hatte ja eine Hitzewelle mitgebracht, die erstaunlicherweise auch dort oben sehr zu spüren war. Ich konnte ohne Jacke hochgehen!

Das ist die Treppe, die hinauf führt:

deichtreppe1

Das dunkle Geschmiere auf dem Handlauf ist Schlick. Da hatten es einige Kackbratzen wohl witzig gefunden, anderen Leuten den Aufstieg schwerer zu machen (nää, wat witzisch!)

Da das Bärchen ja immer mitkam up diek, nannte ich unsere Ausflüge mit der Zeit „Deichgassi“. Das verkürzte sich bald zu „Deichi“. (Ja, klingt kindisch, ist aber praktisch 🙂 ) Das milde Wetter erlaubte mir, jeden Abend mitzugehen und den Sonnenuntergang zu genießen. Der Sport tat mir gut, nach wenigen Tagen forderte mein Körper den Aufstieg sogar ein!

Hier meine Begeisterung:

yeah!

Und ein Eindruck davon, wie das Abends da aussieht:

sundown

Aber natürlich unternahmen wir auch etwas in der Region. Die Henri-Nannen-Kunsthalle in Emden zeigt derzeit (noch bis zum 22. September) eine ganz wunderbare Hommage an den berühmten Sohn der Stadt, Otto Waalkes.

Da Olli der Rolli noch in Reparatur war, hatten wir – extra für Hogwarts – einen günstigen Basis-Rolli angeschafft, den der Prinz schieben muß. Er steht in der Garage am Lüttje Huus, wiegt kaum was und ist für Ausflüge schnell im Auto verstaut. Natürlich hat er keinen E-Antrieb wie Olli, so daß ich den Prinzen immer hinter mir statt neben mir habe. Das nervt, wenn wir reden wollen. Ich muß den Kopf nach hinten verdrehen, das geht auf die Nackenmuskeln. Außerdem bin ich es gewöhnt, selbst zu steuern, wo ich hin möchte. Mit dem Notfall-Rolli muß ich dem Prinzen alles ansagen, wie: “Das Schaufenster da möchte ich angucken“ oder “Geh bitte mal eben zu der Buchhandlung da rüber.“ Zudem zuckt dann meine rechte Hand ständig, weil sie den kleinen Joystick der Steuereinheit sucht.

Der große Vorteil, das stellte ich in der Ausstellung schnell fest,war, daß die meisten Menschen ja beim Anblick eines Menschen im Rollstuhl in Panik geraten und sofort wegschauen oder flüchten. Dieses Verhalten, das mich anfangs so verletzt und verstört hatte, nutzte ich jetzt knallhart aus: Sobald wir in einen Ausstellungsraum rollten und uns auf eine Vitrine zubewegten, setzte die große Flucht ein und ich hatte für jede Vitrine und jedes Ausstellungsstück allen Platz und alle Zeit der Welt! Natürlich hatte der Museumsladen jede Menge Otto-Zeugs:

otto_ausst

Nein, ich habe den Ottifanten nicht gekauft (leider zu teuer). Der Prinz drohte mir: “Wenn du diese Kappe kaufst, schiebe ich dich nicht zum Parkplatz zurück!“ Er fand die Kappe peinlich 😀 😀 😀

Da wir sowieso gerade in der Innenstadt waren, suchten wir ein Café und stießen auf mein persönliches Eldorado: Valentino! Das Highlight hier ist die Waffelkarte: Herrliche Eisgerichte auf einer heißen Waffel – Paradies! Ich wählte Banane und erhielt: eine heiße Waffel (köstlicher Teig!) mit einer Kugel Vanilleeis, Sahne, Zimt und Bananenscheiben. Danach hätte mich der Prinz auch ohne den Rollstuhl zum Auto rollen können! 😀

Abgesehen von den täglichen“Deichi“-Trips, unternahmen wir nicht allzu viel. Wir verbrachten viel Zeit im Garten und planten, was wir später mal umgestalten oder anbauen wollen. Schade, daß wir uns dazu noch bis zum endgültigen Umzug gedulden müssen! Denn wenn wir jetzt etwas pflanzen, wer soll es pflegen und gießen, wenn wir nicht da sind? Herta hat mit ihrem eigenen Garten genug zu tun. Auch auf einen Katzenwelpen muß ich erstmal verzichten – wer soll sich um das Tier kümmern? Aber eines steht fest: sobald wir fest eingezogen sind, kommen Hühner! Ich hatte früher mal Hühner, das war eine schöne Zeit. Hühner sind klug und lustig, und es ist sehr entspannend, sie zu beobachten.

Aber auch dieses Mal blieb uns keine Wahl, wir mußten zurück (aber nicht mehr lange! \o/). Immerhin hat das fast allabendliche Deichi mir etwas gebracht: Hubert, mein Physiotherapeut, sagte bei unserem ersten Nach-Urlaubs-Termin anerkennend: “Du läufst viel stabiler!“ Also: Hogwarts ist gut für mich! 😀

Vaddertach: Nachlese

Großes Vatertags-Gedöns machen wir nicht, my dearies. Der Prinz braucht keine Feiertags-Ausrede, wenn er mal mit Freunden weggehen will. Die Jungs machen dann halt was aus und gut ist. Der kleine Herr Sonntag und ich versorgen uns rechtzeitig mit Knabber- und Süßkram und netflixen den Abend durch (dem Prinzen entgehen dann zwar spannende Folgen bei GEO und Terra X, aber… nu ja. Damit kann er leben.Wir nehmen den Vatertag also eher als willkommenen Feiertag, wie die meisten Leute. Worauf wir uns hier im Dorf immer freuen, ist ein Ausflug zum Sportplatz des TUS. Den gönnten wir uns auch gestern:

Der Sportverein lädt jedes Jahr am Vatertag auf der Wiese hinter dem Sportheim zum Grillen ein. Den Erlös verwenden sie für Dinge, die gerade anstehen (Sportmaterial, Ausflüge, und so weiter). Es gab verschiedene Bratwürste (Schwein und Rind), Brötchen mit Schweinekamm und andere sehr fette und mächtige Sattmacher. (Das Fleischzeugs stammt aus der Produktion unseres Dorfmetzgers, Manfred, der sein Handwerk wirklich versteht.) Die Landfrauen hatten ebenfalls wie jedes Jahr ihr Bestes gegeben und herrliche Kuchen gebacken. Eigentlich hatten der Prinz und ich gestern geplant, das Mittagessen einfach zum Sportplatz zu verlegen, schafften es aber erst am späten Nachmittag hin. Rollfi, mein Austausch-Rolli, meisterte den wackeligen Trip über die Wiese hinter dem Sportheim super. (Olli ist immer noch in Reparatur mit der Bremse, es wird wieder teuer und ich verhandele derzeit mit der Krankenkasse über einen neuen Rolli, da wirtschaftlicher und somit sinnvoller.)

Wie meist, waren schon (oder noch) etliche Bekannte dort. Die meisten hatten allerdings schon gegessen und waren wieder zu Hause. Die Filmfreundin ist mit ihrem Liebsten per Wohnmobil in Südtirol unterwegs, aber dafür war Marina da, die wir bei unseren allerersten Gassigängen mit unserem Mausebären kennengelernt hatten. Marina und ihr Mann haben einen bezaubernden french Bulldogrüden namens Chico. Der Prinz besorgte mir „Futterage“ (Opas Wortschöpfung ❤ ), ein Bratwurstbrötchen und ein großes Radler, danach herrlich sahnigen Käsekuchen. Rein zufällig blieb ein Stückchen der Bratwurst übrig und fand seinen Weg, in eine Serviette gewickelt, zunächst in meine Jackentasche und dann in die Schnauze eines gewissen Bärchens (hier natürlich ohne Serviette!) 😀 Das war wieder richtig schön beim TUS – und wir konnten mit unserem Besuch zur geplanten Vereinsfahrt beitragen!

Abends gab es bei GEO noch eine spannende Doku über Sokrates und sein Leben ( heute ist Konfuzius dran, gestern hatten wir Buddha). Philosophie ist schon faszinierend, ich dachte viel an Gerrit, meinen Onkel, der letztes Jahr starb – er hatte neben Schiffbau auch Theologie und Philosophie studiert (ich wünschte, ich hätte nur einen Bruchteil seines Wissens!). Heute ist wieder Pizza- und Rotwein-Abend, yay! Habt einen guten Start ins Wochenende, Ihr Lieben!

Husch-husch, Ihr Süßen,

und raus an die Wahlurnen (nachher könnt ihr euch ja wieder unter die Decke kuscheln 😉 ) Aber ich muß nicht betonen, wie sauwichtig es ist, daß die braunen Kackhaufen/ das Auffangbecken für Dumme unter „ferner liefen“ bleiben, oder?!  Bei den letzten zwei Kommunalwahlen hatten die Ärsche von der NPD hier im Dorf einmal acht, beim nächsten Mal sechs Stimmen bekommen. Dieses Mal finde ich es sehr angenehm, daß das Auffangbecken für Dumme nur ein Plakat im Umfeld unseres Hauses aufgehängt hat. Und damit, daß ein kluger unbekannter Mensch  dem Foto mit einem dicken Edding  einen Penis in seine Nazifratze gemalt hat, bin ich sehr einverstanden 😀

Der Prinz und ich haben in der letzten Zeit mal wieder als „A-Team“ zusammengearbeitet (wie früher bei der Zeitung, zuerst in der Pfalz und dann hier in Worms): Der Prinz ist für die Fotos zuständig, ich für die Texte. Wir haben in den letzten Wochen so manchen Abend in Redaktionssitzungen verbracht und wir finden, wir haben einige sehr gut gelungene Flyer zustande gebracht, auch und vor allem für die heutige Wahl des Ortsvorstehers. Wir unterstützen natürlich wieder und immer noch Peter und sind sehr gespannt auf die Wahl-Party heute Abend im Sportheim ( dort läuft der Fernseher und wir können live die Auszählungen verfolgen. (Die Stimmen für die OV-Wahl sind zuletzt dran, so werden wir lange zappeln, bis die Sektflaschen (hoffentlich) geköpft  werden 😀

Sorgen um das Bärchen

machen wir uns derzeit, my darlings. Es scheint nämlich, als könne er nichts mehr hören. Es war ein schleichender Prozeß. Jetzt, im Nachhinein, fällt uns auf, daß er uns wohl schon seit einigen Wochen nicht mehr gut hören kann. Nun, der Bär ist ein halber Windhund, und das Windhunderbe ist bei ihm sehr stark ausgeprägt. Dazu gehört auch, daß er nicht gehorsam ist. Windhunde gleichen im Charakter sehr stark den Katzen. Dazu gehört eben auch, daß sie Anweisungen, die ihnen nicht in den Kram passen, gerne einfach ignorieren. Mich hat das schon oft genervt, ich habe es aber immer toleriert, weil Bärchen zumindest dem Prinzen gehorcht, der ja sein geliebtes ein und alles ist, und mich damit arrangiert, daß ich eben nur das Beta-Rudelmitglied bin. In der letzten Woche hatte der Bär ein Problem mit dem linken Ohr. Als der Prinz seinen Kopf umfaßte und ihn liebevoll knuddelte, schrie das Bärchen schrill auf vor Schmerz. Daß etwas mit dem Ohr nicht stimmte, war klar – nur ließ der Bär uns das Ohr nicht anschauen. Wir befürchteten eine Entzündung im Gehörgang und setzten einen Termin beim Highlander auf den Wochenplan.

In den letzten zwei, drei Tagen wurde es aber deutlich, daß er uns tatsächlich nicht hört. Wir standen direkt hinter ihm, sagten laut seinen Namen, schnippten mit den Fingern und pfiffen. Keine Reaktion. Nicht gut. Aber sowas von überhaupt nicht gut! Es ist auch offensichtlich, daß der Bär darunter leidet, daß seine Wahrnehmung seiner Umwelt so eingeschränkt ist. Im August wird er  ja auch schon 13 Jahre alt. Es verunsichert ihn, das sehen wir ihm an. Er kommt oft leise winselnd zu uns, drückt sich an uns und möchte in den Arm genommen werden. Das fehlende Gehör versucht er auszugleichen, indem er uns intensiv ins Gesicht schaut und versucht, aus unserer Mimik und den Bewegungen unserer Lippen zu ergründen, was wir ihm sagen wollen. Das klappt erstaunlich oft. Wir versuchen, ihm seine Verunsicherung zu nehmen, indem wir ihn viel streicheln, kraulen und knuddeln und ihm seine Stofftiere werfen, damit er sie fangen kann (sein Lieblingsspiel). Immerhin: Seine Freude am Gassigehen ist ungebrochen. Noch diese Woche muß der Highlander sich die Ohren ansehen. Eine Bekannte erklärte uns heute, daß sich in hängenden Hundeohren leicht Entzündungen, Pfropfen oder Ohrmilben festsetzen und den Gehörgang blockieren können (Bei Cockerspaniels wußte ich das). Je nachdem, wie es beim Prinzen diese Woche mit der Arbeit aussieht, werden wir das Bärchen schnellstmöglich in die Highlander-Praxis mitnehmen und hoffen, daß einfach irgendwas in den Gehörgängen steckt, das leicht zu entfernen ist.Drückt ihr uns bitte die Daumen? Danke!