Unsere zwei Juli-Wochen im Lüttje Huus

Vom 12. bis zum 24. Juli hatten wir zwei wundervolle Wochen im im Lüttje Huus, meine Lieben.Eigentlich hatten wir am Sonntag, den 14.7., fahren wollen, denn das war gleichzeitig der letzte Urlaubstag unserer Freunde Manu und Ralf, die eine Woche im lüttje Huus verbracht hatten, zusammen mit ihrer Mix-Hündin Mara. Das liebe alte Mädchen (zwölf Jahre) begann, erste Alters-/Ausfallerscheinungen zu zeigen. Die beiden zeigten Mara den Hundestrand in Norddeich und schickten uns ein Foto, auf dem sich Mara genüßlich auf dem Rasen in unserem Garten räkelte. Am Samstag schickte uns Manu aber eine Nachricht: “Wir fahren heute schon heim. Mara geht es gar nicht gut. Sie fällt immer wieder um. Haben alles geputzt und sind nicht direkt im Stress, aber wir wollen daheim sein, falls es schlimmer wird. Fahrt ihr doch schon los, dann habt ihr einen Tag mehr.“ Zwar hatten sie die Tierarztpraxis um die Ecke gesehen, aber die war am Samstag natürlich zu. Wehmütig sagten wir unseren Vermietern Bescheid (wegen Katzen-und Haus-Wache) und fuhren am Samstag Abend los. Wie immer, trafen wir mitten in der Nacht ein und fielen ins Bett, nachdem wir einen entzückten kleinen Hund müde gespielt hatten (der Bär liebt es, im Lüttje Huus zu sein!), Am nächsten Morgen traf Manus Nachricht ein: „Mara ist bei Willy.“ Wir hatten es geahnt…“Man hat einfach nix mehr machen können“, schrieb Manu. Ich rief sie an, um Näheres zu erfahren. Mara war kollabiert und noch in der Tierarztpraxis gestorben. „Es war einfach totales Organversagen, aus Altersschwäche“, sagte Manu.“Aber das war abzusehen, es ging ihr zuletzt immer schlechter.“ Dafür hatte Mara noch eine intensive Woche mit ihren beiden geliebten Menschen gehabt, eine Woche, in der sie ganz allein im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, ohne dass Ralf Termine für Konzerte oder Aufnahmen im Tonstudio oder dass Manu Cateringservice für Stadtfeste oder Hochzeiten planen musste. Es gab nur Mara in dieser Woche, viel Liebe und Fürsorge, kleine Ausflüge … und die Ahnung vom nahenden Abschied.

Der Prinz hatte es mal wieder geschafft, sich bei der Arbeit bis an den Rand der Erschöpfung zu bringen, deswegen verbrachte ich den Sonntag mit Lesen und zwang den Prinzen, Ruhe zu halten. (Okay, er ging noch eben gegen den Löwenzahn in der Einfahrt vor, den er zu seinem persönlichen Feind erklärt hat, schlief aber brav fast den ganzen Tag. Das beruhigte mich natürlich 😉 ) .

Am Montag lieferte eine Spedition zwei Stahlblech-Schränke, die der Prinz bestellt hatte. In diesen können wir unsere persönlichen Sachen verstauen, wenn Gäste im Huus eingeplant sind. Denn unsere Gäste sollen sich entspannt im Huus ausbreiten können, ohne überall auf unsere Sachen zu stoßen und fürchten zu müssen, etwas kaputtzumachen.

Ich war etwas traurig, denn früher, vor dem Hallamati, haben der Prinz und ich solche Arbeiten wie das Aufbauen der Schränke gemeinsam gemacht, Hand in Hand und ruck-zuck. Jetzt muß ich dabeistehen und zusehen, wie er das alleine macht, ich kann höchstens mal etwas festhalten, damit er eine Schraube eindrehen kann. ( Aber: nein, ich gebe nicht auf – ich trainiere die linke Hand weiter, bis sie sich wieder daran erinnert, was sie tun soll 😉 )

Apropos – kleiner Gedanke am Rande: Sollte nochmal jemand eine Wut auf mich haben und auf die Idee kommen, ein Voodoo-Püppchen von mir zu basteln – könntest du dann bitte statt Nadeln Pommes da reinstecken? Danke! 😀 😀 😀

Die Schränke also, in „frischem Steingrau“ stehen sie nun in dem großen Raum, der mal unser Wohnzimmer sein wird, geplant mit bullerndem Schwedenofen und Panoramafenster in den Garten. (Eigentlich sind es Aktenschränke, und die gibt es nun mal nur in Grautönen („Steingrau,, Aschgrau, Mausgrau, Betongrau“…). Aber da war ja noch etwas – der Prinz hatte ein neues Treppengeländer bestellt, damit ich auch endlich mal ohne Probleme über die gräßliche Betontreppe ins Obergeschoß gehen kann. Eine Spedition brachte ein drei Meter langes Rundholz aus Buche, das wir zusammen an das Brett anschraubten, das Herr Beckmann im Stil der 60er Jahre als Geländer angebracht hatte. Jetzt komme ich recht leicht nach oben und kann mir dort eins der Zimmerchen als Lesehöhle einrichten! \o/

Auch der nette Postbote freut sich, denn wir haben den bisherigen Briefkasten (Modell 50er Jahre, sehr klein, kupferbraun, mit Spitzdach und der Aufschrift „Post“ in Fraktur auf der Tür) ausgetauscht gegen einen schlichten weißen und vor allem großen Briefkasten mit einem Rundfach für Zeitschriften unten dran ausgetauscht. Nun muss der Postmann nicht mehr dreimal klingeln, wenn er eine der Foto-Fachzeitschriften des Prinzen bringt, weil er sie nicht knicken möchte – jetzt kann er sie rollen und ins Röhrenfach schieben. Übrigens macht der Postbote hier auch den DHL-Dienst, er kommt mit einem coolen gelben Elektro-Lieferwagen, den man nicht hört, klasse! Nun stehen wir nur noch vor der uralten Frage, die uns schon früher in Harkebrügge in den Wahnsinn trieb: Wie bekommen wir eine vernünftige Internet-Verbindung?! Im Moment geht das nur mit persönlichen Hotspots über unsere Häntis, das nervt, denn es ist keine stabile Lösung und das Datenvolumen reicht auch nicht. / Motzmodus aus. Ansonsten bin ich recht zufrieden mit mir, denn ich war jeden Abend mit meinen beiden Jungs auf dem Deich! Das Wetter war mild und der Wind weich, so daß ich nicht aus dem Gleichgewicht geriet, wenn er mich anpustete. Das Ersteigen der Treppe hinauf ist eine gute sportliche Übung, und oben gehe ich konsequent noch ein Stück auf dem Deichkamm, damit die Rumpfmuskulatur in Übung bleibt. Das wird ab jetzt eine Standard-Übung! Der Blick auf das abendliche Watt im Sonnenuntergang belohnt mich jedes Mal für die Mühe! (Wir sind übrigens jetzt Mitglieder in der Deichacht 😉 ), im BUND und beim NABU, das kommt hier fast automatisch mit.

Ungewohnt und doof war, dass Herta fehlte. Sie sollte nach der OP (neues Kniegelenk) in Norddeich in die Reha gehen,aber wir erreichten sie nicht – vermutlich war der Akku ihres Handys leer, und es war noch niemandem aufgefallen…?Auch meine Sprachnachrichten auf ihrer Mailbox schien sie nicht bemerkt zu haben. Aber das kennen wir von Edda, die zwar durchaus mal Sprachnachrichten hinterläßt, es aber nicht mitkriegt, wenn sie selbst welche bekommt (oder SMS).

Ach ja, am Sonntag hatte der Prinz Geburtstag, aber sein Geschenk hat er erst nach unserer Rückkehr nach Worms bekommen. Da ich auch nicht recht wußte, wohin ich ihn zum traditionellen Frühstück einladen könnte, fragte ich Edda um Rat. Sie erzählte mir von einem Café-Bistro, das ich schon öfter im Vorbeifahren gesehen hatte, die Osterburg Groothusen. Sie bieten am Wochenende ein phantastisches Frühstücksbuffet an,das „ Häuptlingsfrühstück“, über das Edda schon viele begeisterte Berichte gehört hatte. Das viele Lob war absolut berechtigt, wie sich zeigte. Auf sein Geschenk musste der Prinz noch etwas warten, aber wenigstens zum traditionellen Frühstück konnte ich ihn schon ausführen.Wie immer, wenn es Essen vom Buffet gibt, nahm der Prinz meinen Teller und holte mir etwas zu Essen, denn ich kann mit der rechten Hand entweder den Teller oder den Gehstock halten. Der Prinz weiß, was ich gern esse (und vor allem, was nicht), so packt er mir dann immer meinen Teller voll mit (für mich) leckeren Sachen. Es hat seine Vorteile, seit 18 Jahren ein Paar zu sein und sich gut zu kennen! 😀

Der Montag gehörte den Niederlanden, wir machten eine längere Autotour an der niederländischen Küste entlang, bis zu dem Kraftwerk, das man von unserem Deich aus gegenüber, weit weg, sehen kann. Der Prinz fotografierte von dort aus unseren Deich.Wir hatten eine schöne Tour, zumal wir die Niederlande sehr gern mögen, vor allem die Architektur (ik hou heel erg van de Nederlande!) Dem kleinen Herrn Sonntag ging das alles an seinem kleinen Arsch vorbei – ihm war nur wichtig, daß wir alle zusammen waren (da kommt die Hütehund-Mutter durch:D )

Am späten Nachmittag waren wir zurück im Lüttje Huus. Während ich in der Küche überlegte, ob ich Hunger hatte und etwas zu Essen machen wollte, hörte ich zwei vertraute Stimmen vor dem Haus. Ich schaute hinaus: Da stand der Prinz und redete mit einer kleinen, sehr runden Person mit grauem Kurzhaarschnitt und Krücken. „Herta!“ rief ich erfreut und beeilte mich, hinüberzulaufen, unter Hertas Ermahnungen, bloß langsam und vorsichtig zu laufen ❤ (ich sagte ja, sie hat uns quasi adoptiert 😉 ) Erfreut und gerührt umarmten wir uns. Herta ist sehr klein und ich muss mich tief herunterbeugen, wenn ich sie umarmen will. Wir fragten sie über die Operation aus und tauschten sonstige Neuigkeiten aus. Da fuhr ein Auto vor, an dessen Steuer – so wirkte es auf mich – ein riesiger Teddybär saß. Der Teddybär strahlte uns an, parkte das Auto vor der Einfahrt und gesellte sich zu uns. Herta und der Prinz kannten den Teddy, sie begrüßten ihn mit „Hallo, Hinrich!“ Ich freute mich, denn Hertas ältesten Sohn hatte ich schon seit einiger Zeit gern kennenlernen wollen.Wir quatschten zu viert eine Weile, bis mir das Stehen zu beschwerlich wurde. „Trinkt ihr einen Tee mit uns?“ fragte ich. Herta und Hinrich sagten gleichzeitig „Ja, gern!“. Der Prinz übernahm netterweise das Teekochen. Auf der Terrasse saßen wir unter dem neuen Ampel-Sonnenschirm und ich erfuhr, warum Hinrich so wohltuend gelassen mit meiner Behinderung umging: Er ist Fahrer bei einer Behindertenwerkstätte und hat den ganzen Tag mit Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen zu tun. Wie sein Bruder Werner, hat auch er nun unsere offizielle Einladung, jederzeit zum Tee hereinzuschauen.

Danach stand das Abendessen bei Edda und Tinus an, wie immer. Urlaub in Woquard, ohne daß die „Fab Four“ sich sehen, das geht gar nicht! Wie immer, verstanden wir uns blind und vernichteten Unmengen an Thiele-Tee (das war Muddis Lieblingstee), Keksen und Tinus‘ geliebtem Zitronenkuchen.

Dfie restlichen eineinhalb Wochen verbrachten wir zu einem großen Teil „up diek“ – auf dem Deich.Wir hatten ja ursprünglich nach einem Haus „achtern Diek“gesucht, also gleich hinter dem Deich, denn der Prinz träumte immer davon, morgens mit einem Tee auf den Deich zu steigen und den Sonnenaufgang zu sehen. Nun wohnen wir zwar fünf Kilometer hinterm Deich, aber das trübt des Prinzen Freude nicht. Er macht es genau richtig: Er lebt seinen Traum trotzdem! Jeden Morgen, sobald ihn die Vögel, die im Garten wohnen, wecken, steht er auf, füllt sich eine kleine Thermoskanne mit Tee, zieht dem kleinen Herrn Sonntag das Geschirr an und dann erklimmen die beiden den Deich und laufen bis hinüber zum Campener Leuchtturm. Bis ich Frühstück gemacht habe, sind sie wieder da, entspannt und glücklich. Schöne Fotos vom Deich und seiner Umgebung könnt ihr hier sehen.Dieser Juli hatte ja eine Hitzewelle mitgebracht, die erstaunlicherweise auch dort oben sehr zu spüren war. Ich konnte ohne Jacke hochgehen!

Das ist die Treppe, die hinauf führt:

 

Da das Bärchen ja immer mitkam up diek, nannte ich unsere Ausflüge mit der Zeit „Deichgassi“. Das verkürzte sich bald zu „Deichi“. (Ja, klingt kindisch, ist aber praktisch 🙂 ) Das milde Wetter erlaubte mir, jeden Abend mitzugehen und den Sonnenuntergang zu genießen. Der Sport tat mir gut, nach wenigen Tagen forderte mein Körper den Aufstieg sogar ein!

Hier meine Begeisterung:

yeah!

Und ein Eindruck davon, wie das Abends da aussieht:

sundown

Aber natürlich unternahmen wir auch etwas in der Region. Die Henri-Nannen-Kunsthalle in Emden zeigt derzeit (noch bis zum22.September) eine ganz wunderbare Hommage an den berühmten Sohn der Stadt, Otto Waalkes.

Da Olli der Rolli noch in Reparatur war, hatten wir – extra für Hogwarts – einen günstigen Basis-Rolli angeschafft, den der Prinz schieben muß. Er steht in der Garage am Lüttje Huus, wiegt kaum was und ist für Ausflüge schnell im Auto verstaut.Natürlich hat er keinen E-Antrieb wie Olli, so daß ich den Prinzen immer hinter mir statt neben mir habe. Das nervt, wenn wir reden wollen. Ich muß den Kopf nach hinten verdrehen, das geht auf die Nackenmuskeln. Außerdem bin ich es gewöhnt, selbst zu steuern, wo ich hin möchte. Mit dem Notfall-Rolli muß ich dem Prinzen alles ansagen, wie:“ Das Schaufenster da möchte ich angucken“ oder“Geh bitte mal eben zu der Buchhandlung da rüber.“ Zudem zuckt dann meine rechte Hand ständig, weil sie den kleinen Joystick der Steuereinheit sucht.

Der große Vorteil, das stellte ich in der Ausstellung schnell fest,war, daß die meisten Menschen ja beim Anblick eines Menschen im Rollstuhl in Panik geraten und sofort wegschauen oder flüchten. Dieses Verhalten, das mich anfangs so verletzt und verstört hatte, nutzte ich jetzt knallhart aus: Sobald wir in einen Ausstellungsraum rollten und uns auf eine Vitrine zubewegten, setzte die große Flucht ein und ich hatte für jede Vitrine und jedes Ausstellungsstück allen Platz und alle Zeit der Welt! Natürlich hatte der Museumsladen jede Menge Otto-Zeugs:

otto_ausst

Nein, ich habe den Ottifanten nicht gekauft (leider zu teuer). Der Prinz drohte mir: “Wenn du diese Kappe kaufst, schiebe ich dich nicht zum Parkplatz zurück!“ Er fand die Kappe peinlich 😀 😀 😀

Da wir sowieso gerade in der Innenstadt waren, suchten wir ein Café und stießen auf mein persönliches Eldorado: Valentino! Das Highlight hier ist die Waffelkarte: Herrliche Eisgerichte auf einer heißen Waffel – Paradies! Ich wählte Banane und erhielt: eine heiße Waffel (köstlicher Teig!) mit einer Kugel Vanilleeis, Sahne, Zimt und Bananenscheiben. Danach hätte mich der Prinz auch ohne den Rollstuhl zum Auto rollen können! 😀

Abgesehen von den täglichen“Deichi“-Trips,unternahmen wir nicht allzu viel. Wir verbrachten viel Zeit im Garten und planten, was wir später mal umgestalten oder anbauen wollen. Schade, daß wir uns dazu noch bis zum endgültigen Umzug Gedulden müssen!Denn wenn wir jetzt etwas pflanzen, wer soll es pflegen und gießen, wenn wir nicht da sind? Herta hat mit ihrem eigenen Garten genug zu tun. Auch auf einen Katzenwelpen muß ich erstmal verzichten – wer soll sich um das Tier kümmern? Aber eines steht fest: sobald wir fest eingezogen sind, kommen Hühner! Ich hatte früher mal Hühner, das war eine schöne Zeit. Hühner sind klug und lustig,und es ist sehr entspannend, sie zu beobachten.

Aber auch dieses Mal blieb uns keine Wahl, wir mußten zurück. Immerhin hat das fast allabendliche Deichi mir etwas gebracht: Hubert, mein Physiotherapeut,sagte bei unserem ersten Nach-Urlaubs-Termin anerkennend: “Du läufst viel stabiler!“Also: Hogwarts ist gut für mich! 😀

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Ja, haha

Wenn wir mit dem kleinen Herrn Sonntag unterwegs sind, meine Lieben, kommen wir natürlich auch mit anderen Hunden und ihren Menschen ins Gespräch. Das ist meistens nett und lustig. Oft fragen die Leute: „Wie groß wird der denn mal?“ Sie sind meist  verblüfft, wenn wir sagen, dass der Mausebär schon fast 13 Jahre alt und ausgewachsen ist. Er wirkt halt durch seine schmale Figur (Erbe des Windhund-Vaters) und sein süßes Gesicht (vermutlich dito) sehr jung. Mir graut es nur vor der Frage „Wie heißt er denn?“, weil auf unsere Antwort „Domingo“ unweigerlich die Antwort des Grauens kommt: „Domingo? Wie der Sänger, haha, ne? Der, äh… Nein, flehe ich innerlich, Bittebitte sag es nicht – Sag es nicht! Aber in den meisten Fällen kommt die Folter doch:“ Der Platziehdo Domingo, ne? hehe.“ ja, hehe. Gut, daß der Scherzkeks  nicht meine Gedanken lesen kann und das Blutbad nicht sieht, das ich mit seinem Kadaver gerade anrichte. Im Gegenteil, ich habe gelernt, solche Menschen nicht sofort zu töten. (Sonst hätte ich eine Menge zu tun – bei jedem „Gnotschi“, Zutschini“ oder „Latte Matschiato“ eine Leiche verstecken zu müssen, ist nervig.) Ich atme also tief durch, lächele  und sage freundlich: „Ja, genau, wie der Sänger, der Plácido Domingo.“ Dann sind alle zufrieden – der Sprachenvergewaltiger, weil ich ihm recht gegeben habe (und er den Unterschied nicht mal ansatzweise gehört hat), ich, weil wir jetzt mit einem höflichen Zunicken weitergehen können, und der Prinz, weil ich den Sprachenvergewaltiger nicht getötet habe. Ja – so haben wir alle was davon. Ist ja auch schön, ne? 😀

 

 

 

 

Also sprach der Highlander

Gestern Abend, my dearies,schaffte es der Prinz überraschend, sich eine Stunde früher frei zu schaufeln, damit wir noch mit dem Bärchen zum Highlander gehen konnten. Wie es sich eingespielt hat, ließ der Prinz mich vor der Tür aus dem Auto und suchte einen Parkplatz. (So muss ich nicht die oft lange Strecke vom Parkplatz bis zu unserem Ziel laufen, sondern gehe einfach schon hinein und suche uns Plätze (z.B. im Restaurant).

Im Wartezimmer war es warm und stickig, es saßen schon gut ein Dutzend Leute mit ihren sehr angespannten und nervösen Hunden, Kaninchen und anderem Getier in kleinen Transportkisten dort. Der Highlander ist beliebt, weil er seinen Beruf leidenschaftlich liebt und Menschen und Tiere das spüren. Ich fand zum Glück noch freie Stühle, da kamen schon der Prinz und der kleine Herr Sonntag herein. Wir warteten noch etwa eine Stunde, in der der Mausebär sich zitternd unter dem Stuhl des Prinzen verbarg. (Wir hatten sehr nette Gespräche mit den anderen Hundeleuten.) Als wir ins Behandlungszimmer traten, drehte der Bär auf der Stelle um und wollte raus. Aber der Highlander und seine Lebensgefährtin (sie führen die Praxis gemeinsam) kannten das schon und mußten lachen. Der Prinz hob das Bärchen auf den Untersuchungstisch. Er brauchte beide Arme, um das Bärchen festzuhalten, denn der Bär versuchte heftig strampelnd runterzuspringen.

Der Prinz versuchte währenddessen, dem Highlander zu erklären, warum wir gekommen waren: noch eine ausstehende Impfung, Analdrüsen ausdrücken (der Bär ist in den letzten Tagen wieder viel „Schlitten gefahren“) und das Wichtigste: „Er kann uns nicht mehr hören!“

Der Highlander nickte und sagte: “Ja – altersbedingte Taubheit. Bei seinen 13 Jahren ist das normal. Leider kann man da nichts tun. Für den Hund ist das ein schleichender Prozeß, aber für uns Menschen kommt es oft überraschend plötzlich. Mein Hund ist jetzt 16 und er hört auch kaum noch…“ Er zeigte uns an Bärchens Kopf, daß die Schläfen etwas eingefallen sind und erklärte: „Das sind alles typische Anzeichen dafür, daß der Hund alt wird. Wir müssen das akzeptieren, so wie wir es bei uns selbst auch akzeptieren müssen, es gehört zum Leben dazu, auch wenn es weh tut. “Der Bär sei schön schlank und habe eine gute Muskulatur, sagte er. Dann nahm er sein Otoskop und sagte: “Na komm, mein Hübscher, lass mich mal in deine Öhrchen sehen…“ Der Bär strampelte, aber der Prinz hielt ihn gut im Arm ( Er hält den Bären wohl in dem Arm, er faßt ihn sicher, er hält ihn warm 😀 ) „Prima, die Ohren sind innen gesund und sauber“, sagte der Highlander und nutzte die Situation gleich, um dem Bärchen schnell die noch fehlende Tollwut-Ergänzungsspritze zu setzen. „Die hält jetzt drei bis fünf Jahre“, sagte er. „Aber wenn der Hund erst mal 16 Jahre alt ist, würde ich ihn nicht mehr gern impfen, denn so eine Impfung ist für den Körper nicht ohne.“ Unendliche Minuten später durfte der Bär vom Tisch runter, nachdem er schweigend und starren Blickes das Ausdrücken der Analdrüsen und die Spritze über sich hatte ergehen lassen.

Ich war genauso froh, rauszukommen, denn Wartezimmer, egal bei welchem Arzt, entziehen mir schnell und viel Energie. Der Prinz bot mir ein Essen bei Pepe e Sale an. Wir brachten das Bärchen heim und erklärten ihm, daß wir nochmals kurz wegmüßten. Früher hieß das: “…Und du paßt gut aufs Haus auf, ja?“ Dann wußte er immer schon, daß wir ohne ihn weggehen wollten, und zog sich resigniert seufzend in sein Körbchen zurück. Natürlich hatte das immer die beabsichtigte Wirkung: wir fühlten und fühlen uns schlecht dabei, ohne ihn wegzufahren. Deswegen bekommt er immer Fleischwurst oder ein Stofftier zur Belohnung fürs Alleinbleiben. Das weiß der kleine Stinker auch genau! 😉 ) Inzwischen kann er den Satz mit dem Aufpassen wegen der Taubheit

ja nicht mehr hören, aber wenn wir unsere Jacken anziehen, ohne ihm gleichzeitig sein Geschirr anzulegen, weiß er eh genau Bescheid…Er entließ uns also mit vorwurfsvollem Blick zu Pepe e Sale. Dort bestellte ich das Gericht, auf das ich schon den ganzen Tag Lust gehabt hatte: Gnocchi Gorgonzola mit frischen Champignons („Collignon – Champignon!“ Wer erkennt das Zitat?:) ) Rafaele, der Koch, hatte frei, so hatte Elsa, Nicolettas Schwester, vertretungsweise gekocht – und sie macht ganz phantastische Gnocchi! Wir sprachen natürlich den ganzen Abend über unser kleines taubes Nüßchen und kamen übereinstimmend zu dem Ergebnis: Mag unser kleiner Herr Sonntag auch nicht mehr hören können – was soll‘s?! Er ist und bleibt für uns der wunderbarste Hund auf der ganzen Welt, und wir lieben ihn bedingungslos. Der Tag, an dem er bei uns einzog, war einer der besten Tage unseres Lebens (abgesehen von dem Tag, an dem wir uns kennenlernten, vor 18 Jahren).

Nun, wir werden uns arrangieren, wir drei. Der Bär kann immer noch sehr gut Körpersprache und Gesten interpretieren. Er ist unser ein und alles, und es gibt nichts, das das ändern könnte. Wir lieben ihn ebenso bedingungslos wie er uns – Punkt!

Sorgen um das Bärchen

machen wir uns derzeit, my darlings. Es scheint nämlich, als könne er nichts mehr hören. Es war ein schleichender Prozeß. Jetzt, im Nachhinein, fällt uns auf, daß er uns wohl schon seit einigen Wochen nicht mehr gut hören kann. Nun, der Bär ist ein halber Windhund, und das Windhunderbe ist bei ihm sehr stark ausgeprägt. Dazu gehört auch, daß er nicht gehorsam ist. Windhunde gleichen im Charakter sehr stark den Katzen. Dazu gehört eben auch, daß sie Anweisungen, die ihnen nicht in den Kram passen, gerne einfach ignorieren. Mich hat das schon oft genervt, ich habe es aber immer toleriert, weil Bärchen zumindest dem Prinzen gehorcht, der ja sein geliebtes ein und alles ist, und mich damit arrangiert, daß ich eben nur das Beta-Rudelmitglied bin. In der letzten Woche hatte der Bär ein Problem mit dem linken Ohr. Als der Prinz seinen Kopf umfaßte und ihn liebevoll knuddelte, schrie das Bärchen schrill auf vor Schmerz. Daß etwas mit dem Ohr nicht stimmte, war klar – nur ließ der Bär uns das Ohr nicht anschauen. Wir befürchteten eine Entzündung im Gehörgang und setzten einen Termin beim Highlander auf den Wochenplan.

In den letzten zwei, drei Tagen wurde es aber deutlich, daß er uns tatsächlich nicht hört. Wir standen direkt hinter ihm, sagten laut seinen Namen, schnippten mit den Fingern und pfiffen. Keine Reaktion. Nicht gut. Aber sowas von überhaupt nicht gut! Es ist auch offensichtlich, daß der Bär darunter leidet, daß seine Wahrnehmung seiner Umwelt so eingeschränkt ist. Im August wird er  ja auch schon 13 Jahre alt. Es verunsichert ihn, das sehen wir ihm an. Er kommt oft leise winselnd zu uns, drückt sich an uns und möchte in den Arm genommen werden. Das fehlende Gehör versucht er auszugleichen, indem er uns intensiv ins Gesicht schaut und versucht, aus unserer Mimik und den Bewegungen unserer Lippen zu ergründen, was wir ihm sagen wollen. Das klappt erstaunlich oft. Wir versuchen, ihm seine Verunsicherung zu nehmen, indem wir ihn viel streicheln, kraulen und knuddeln und ihm seine Stofftiere werfen, damit er sie fangen kann (sein Lieblingsspiel). Immerhin: Seine Freude am Gassigehen ist ungebrochen. Noch diese Woche muß der Highlander sich die Ohren ansehen. Eine Bekannte erklärte uns heute, daß sich in hängenden Hundeohren leicht Entzündungen, Pfropfen oder Ohrmilben festsetzen und den Gehörgang blockieren können (Bei Cockerspaniels wußte ich das). Je nachdem, wie es beim Prinzen diese Woche mit der Arbeit aussieht, werden wir das Bärchen schnellstmöglich in die Highlander-Praxis mitnehmen und hoffen, daß einfach irgendwas in den Gehörgängen steckt, das leicht zu entfernen ist.Drückt ihr uns bitte die Daumen? Danke!

Oops…

Hey, my darlings!

Seit elf Tagen habe ich mich hier nicht zu Wort gemeldet. Der Grund: Am vorletzten Montag bin ich mal wieder gestürzt (weil das ja so viel Spaß macht *Augenrollgeräusch*); und diesmal habe ich’s richtig gemacht, mit Besuch der Notaufnahme im Klinikum.

Here goes: Ich hatte am PC zu tun und musste mal zur Toilette. Ging zur Toilette (die erreicht man bei uns nur durch das Büro, weil die früheren Hausbesitzer sie erst in den 70er Jahren an das Haus angebaut haben) und dann erinnere ich mich nur noch daran, daß ich nach links/hinten wegkippte und heftig mit Ellbogen, Schulter und Kopf am Schreibtisch anschlug. Da ich am Bein noch die Orthese trug, war ich nicht sehr beweglich. Außerdem hätte ich eh nicht aufstehen können, weil ich in einer Pfütze aus Milchkaffee lag und das den Fliesenboden rutschig machte.  Als ich mich aufsetzte, klirrte etwas und ich sah, daß an meinem rechten Bein Bruchstücke meiner Lieblings-Uli-Stein-Kaffeetasse! AAAARGH!!! lagen, deren Bruchkanten sehr scharf aussahen. Es war – ausgerechnet! –  die schwarze Tasse mit der frechen Maus drauf, die selten ist und die man nur noch mit Glück bekommt.

[Erzähler: Sie hat sie bei Ebay nochmal gefunden.]

Beim Versuch, die Splitter beiseite zu legen, holte ich mir einen saftigen Schnitt am rechten Mittelfinger, der wie die Sau blutete. Da saß ich nun wie Ölleken Doof auf dem Boden zwischen der Toilettentür und meinem Schreibtisch und wußte nicht weiter. Der kleine Herr Sonntag hat unter jedem unserer beiden Schreibtische ein Schlafnest. Ich zog eine seiner Millionen Kuscheldecken heraus und versuchte, darauf in die Küche zu rutschen (muß ein genial lustiger Anblick gewesen sein). Der kleine Herr Sonntag war draußen im Hof und war sehr beunruhigt. Er schlug mit der Pfote gegen die Glastür und jaulte und bellte. Der Bär war richtig panisch, er wußte, daß da was passiert war.

Zum Glück sah ich, daß mein Hänti auf der Schreibtischkante lag. Ich konnte es mit der rechten Hand erreichen. Griff es mir und rief unsere Vermieter an. Kurz erklärte ich Jürgen, was passiert war und daß ich nicht mehr aufstehen könne. „Bin sofort da“, sagte Jürgen. Ich zog mühsam die Orthese aus, damit sie nicht störte. Schon hörte ich das Klappen der Scheunentür und Jürgens Stimme. Das Bärchen drängte sich neben Jürgen durch die Haustür und rannte sofort zu mir, sehr besorgt. Ich bat Jürgen, sich hinter mich zu stellen, mich unter den Achseln zu greifen und mich hochzuhieven. Das klappte super, und sobald ich stand, kam schon Marika herein, sie war etwas erschreckt und sehr besorgt. Sie stützte mich und ging langsam mit mir rüber in die Küche. Erleichtert ließ ich mich auf meinen Stuhl plumpsen und trank auf den Schrecken erstmal eine halbe Flasche Mineralwasser. Marika machte Küchenpapier naß und wusch mir das Blut von der Hand. Jürgen entfernte in der Zeit das Blut vom Türrahmen an der Pipibox und räumte die Sachen auf, die ich wohl im Fallen von der Kommode heruntergerissen hatte. Ich versuchte mich zu erinnern, warum ich die schwarze Maus-Tasse in der Hand gehalten hatte, aber genau diese Sekunden vor dem Sturz waren weg (sind sie immer noch. Ich nehme an, daß ich die Tasse ausspülen wollte, weil noch Kaffee darin war.)

„Da hast du ja noch mehr Blut!“ sagte Marika besorgt, hielt ein Küchentuch unter kaltes Wasser und wischte mir an der linken Schläfe herum. Ja, da war ziemlich viel Blut. Als das aufhörte zu tröpfeln, bereitete mir Marika ein Schinken-Käse-Sandwich mit dem Sandwich-Toaster zu, damit ich wieder auf die Beine käme. Es tat wirklich gut, etwas Kräftiges zu essen. Ich rief den Prinzen an, um ihn vorzuwarnen. Er saß bereits im Zug. Meine beiden rettenden Engel vergewisserten sich -zig Mal, ob sie mich wirklich allein lassen könnten, dann gingen sie zögernd wieder rüber. Kurz darauf war der Prinz da. Mein linker Ellbogen tat höllisch weh (ich war da wohl draufgefallen.) Da unser Hausarzt auch Notfallarzt ist, überlegten wir, erstmal dorthin zu fahren statt in die Notaufnahme, so rief der Prinz in seiner Praxis an. Der Doc schickte uns aber doch gleich ins Krankenhaus, weil, wie er sagte, mein Arm sowieso geröntgt werden müsse. In der Notaufnahme waren alle sehr nett. Wir hatten mit vielen Patienten gerechnet, aber alle Wartebereiche waren leer. Der sehr nette diensthabende Arzt schickte mich zum Röntgen des Ellbogens. Die Rö-Assistentin hatte etwas Probleme, weil ich den Arm nicht mehr mit der Handinnenfläche nach oben drehen kann, seit die Platte daran verschraubt ist (wegen des gebrochenen Handgelenks durch den Sturz an Weihnachten 2014).

Dennoch schaffte sie ein gestochen scharfes Foto, wie wir danach beim Arzt auf dessen PC sahen. Ellbogen völlig ok, sah ich erleichtert, aber der Arzt wollte sich die Platzwunde an meiner linken Schläfe näher ansehen. Er zeigte mir ein Plastiktütchen mit etwas, das aussah wie die Kanüle einer Spritze (aber aus Kunststoff), nur ohne Kolben. „Fibrinkleber, exklusiv für Sie“, grinste er. Er bat seinen Kollegen, sich neben mich zu setzen und mich, meinen Kopf auf die kollegiale Schulter zu legen. So bearbeitete er in Ruhe die Wunde. Zum Glück spürte ich das gar nicht. „UHU flinke Flasche“ nannte der Prinz das später, als ich ihn fragte, was genau der Arzt da getan hatte.

wunde

 

Dann erklärte der Arzt  mir, ich müsse nicht im Krankenhaus bleiben. „Obwohl , wenn Sie sich dann sicherer fühlen, kann ich das für Sie möglich machen“, sagte er, und mir dämmert erst jetzt, daß er möglicherweise glaubte, der Prinz sei gegen mich gewalttätig geworden, zumal mein linkes Auge langsam schöne bunte Farbtöne annahm, und dass mein „Hinfallen“ zu Hause eine der typischen Ausreden sei, wenn Männer zu Hause übergriffig werden. (Buchtipp hier: Roddy  Doyle: “The Woman Who Walked Into Doors“) Ich beruhigte ihn mit der Auskunft, der Prinz habe mir für den Abend bereits Pizza versprochen. Der Prinz darauf: „Was? Wann?“ (Arzt: *grins*) Die Frage des Arztes, ob ich Schmerzmittel brauche, beantwortete ich mit der Wahrheit: „Danke, ich bin voll Ibu-gedopt.“ (Ich hatte gut 1600 Milligramm intus.)

Als wir zu Hause einliefen, war das Bärchen ungeheuer erleichtert und wich uns nicht von der Seite. Er suchte meine rechte Hand, an der ich mich geschnitten hatte, und prüfte, ob er da noch mehr Blut ablecken müsse. Ich verschwand so schnell wie möglich im Bett, diesmal mit Baldrian gedopt. Ich halte große Stücke auf Baldrian, mir hilft er sehr gut beim Einschlafen.

Wie erwartet, schlief ich tief und fest auf den Schrecken. Ich erwachte schmerzfrei und ging den Tag ruhig und entspannt an. Hubert, mein Physiotherapeut, massierte mir in der nächsten Physio-Einheit den Bizeps und den Trizeps, die ich mir beide heftig gezerrt hatte und die bretthart waren. Das tat sauweh.

Arm

 

Tja, und seitdem habe ich mich hier nicht mehr gemeldet – ich hatte keine Lust, zu kommunizieren, ich wollte nur schlafen und alleine sein und es still haben. Offenbar war das Ganze doch ein ganz schöner Schock für mein System gewesen. Jetzt geht es mir wieder gut (Schlaf und Stille sind die beste Medizin für mich) – ich habe gestern Nachmittag den ersten Amarenabecher des Jahres gegessen, mit drei Frauen hier aus dem Dorf: der Kollegin des Prinzen, der Filmfreundin, und einer tollen Frau aus dem Ortsbeirat der CDU.  Esther und Alessio freuten sich sehr. Sie haben herrliche neue Eissorten, darunter „Whisky-Crème“ – sehr lecker! Jetzt warte ich nur noch auf unseren kleinen Oster-Urlaub im Lüttje Huus \o/.

Und die tolle Uli Stein -Kaffeetasse habe ich tatsächlich nochmals bei Ebay gefunden – funkelnagelneu, noch in ihrer Original-Schachtel, dabei kam sie schon 1995 raus!

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(Foto: D.Richter)

Mir geht es wieder sehr gut. Nur der Filmriß stört mich, mir fehlen die Sekunden zwischen dem Verlassen der Toilette und dem Sturz. Keine Ahnung, warum ich die Maustasse in der Hand hatte… Auf dem Klo trinke ich bestimmt keinen Kaffee 😀 Na, die Sache ist überstanden, was soll’s also…

Ich wünsche euch noch eine schöne Restwoche, dearies!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

He(l)lau

Rosenmontag, 3. März

Moin, ihr Lieben,

und herzliche Grüße aus dem lüttje Huus! Am letzten Mittwoch kamen wir erst mit Verspätung um 19.30 h aus Worms weg. Das hatte zwar den Vorteil, daß die Strecke kaum befahren war, wir also glatt durchrollen konnten, dafür aber zog sich die Zeit wie Kaugummi, denn es gab viele kilometerlange Baustellen, die man nur mit 60km/h durchfahren durfte. (Na, ihr werdet das kennen, oder?) Müde und genervt kamen wir gegen 01.30 h am Lüttje Huus an, das uns mit etlichen Schneeglöckchen-Büscheln auf dem Grünstreifen vorne begrüßte. Es war wohl kalt gewesen, denn Herta hatte überall die Rolläden heruntergelassen.Wir waren einfach nur froh, endlich angekommen zu sein. Bis die wichtigsten Sachen aus dem Auto ins Haus geräumt und wir bettfertig waren, zeigte die Uhr 03.30. Halb vier! Uuah!

Am Morgen schliefen wir dafür lang, bis halb zehn. Mieses Wetter, grau und naß, das rechtfertigte,daß wir den Tag hauptsächlich mit Schlafen, Essen und Lesen verbrachten ( zur Zeit lese ich die „Poldark“-Serie von Winston Graham, eine Familiensaga, die im 18. Jahrhundert in Cornwall spielt. Die Verfilmung läuft via Prime im Sony-Channel, klasse gemacht, die ersten drei Staffeln habe ich schon gesehen, die vierte ist auch schon da, aber noch kostenpflichtig. Kennt jemand von euch die Bücher oder die TV-Serie?)

Mittags schaute Herta zur Begrüßung herein, die noch gar nicht mit uns gerechnet hatte. Zu Weihnachten hatte sie mir bunte Ringelsocken gestrickt, die nur etwas zu kurz waren, aberi n der Zwischenzeit hatte sie sie etwas verlängert und nun lagen sie im Wohnzimmer auf einem der Fußhocker. Wir tranken gemütlich Tee und Herta brachte uns dorftechnisch auf den neuesten Stand der Dinge. Mitags kam sie nochmal rüber und brachte unsetwaqs von dem  Erbseneintopf, den sie für den Besuch iherer Enkelin vorbereitet hatte. Lecker!!!

Abends kam Edda, zu unserer Freude. Sie kam alerdings ohne Tinus, der Donnerstags seinen Skat-Abend hat. Wir quatschten und lachten bis spät in die Nacht. Es ist soo schön zu sehen, wie glücklich und entspannt sie ist, seit sie zu Tinus gezogen ist (der sie auf Händen trägt). Auch mit der Tatsache, daß nun jemand anders ihre Schmiede in Oldenburg führt, hat sie Frieden geschlossen.

Es war wie früher, in ihrer Wohnung oder bei Vapiano.

Den Freitag verbrachte der Prinz im Garten. Da gab es zwei Thujas (Markus? Thujas oder Thujen???) Ich höre beides gleich oft?) Dem Prinzen gefielen die Bäume nicht, und daß Herta sie auch gern weg haben wollte, war ihm Wasser auf die Mühlen. Er fuhr zu seinem persönlichen Småland, dem Raiffeisen-Landhandel in Pewsum, und besorgte sich eine passende Säge. Die Bäume liegen nun vor dem Haus auf dem Grünstreifen, der unsere Einfahrt von Hertas trennt. Kurz vor dem Osterfeuer-Tag werden die Jungs der IG zwei Fahrten durchs Dorf machen, um das Material für das Osterfeuer zu sammeln. Zudem hat der Windfang an der Eingangstür des lüttje Huus nun eine Lampe mit Bewegungsmelder, die der Prinz schnell besorgt und angebracht hatte.

Am Freitag hatte der Prinz einen Termin um zehn Uhr morgens ausgemacht, mit dem Berater einer Treppenlift-Firma.Ich war natürlich noch halb im Zombie-Modus, als er klingelte, aber der Mann war durch und durch nett und sympathisch. Er verliebte sich auf der Stelle in den kleinen Herrn Sonntag.Die verhaßte Treppe ist unten 66 und oben 63 Zentimeter breit. Herr K., der Berater, maß und rechnete wie ein Weltmeister. Zwischendurch erklärte er dem Mausebären immer wieder: „Dich nehme ich nachher mit – du bist ja so ein Süßer!“ Von 16 Treppenliften, die seine Firma im Programm hat, paßt genau einer (wir wollen einen gebrauchten nehmen, das wird erheblich preiswerter.) Da der Prinz und ich sowieso darüber nachdenken, einen Pflegegrad für mich zu beantragen,  konnte der Berater uns noch eine Menge Tipps und Informationen zur Gesetzeslage geben. Herr K. Ist Oldenburger (kennt auch Eddas Schmiede), aber verliebt in Ostfriesland, und er war entzückt, daß wir für eine echte Ostfriesische Tee-Zeremonie vollends ausgerüstet sind.

Kaum war er weggefahren, kam Herta rüber. „Und? Wie war‘s? Ich bin neugierig!“ rief sie, ließ sich die Beratung detailgenau erzählen und schaute sich den Prospekt an.

Das Beste aber passierte  am Samstag: Mein Cousin Mike (der Fliesenleger), den ich wegen des zu hohen Einstiegs in die Dusche um Rat gefragt hatte, kam mit Frau, Tochter und Vater schnell aus dem Ruhrpott herbei geeilt, um sich das Ding mal anzusehen. Herr Beckmann, der Vorbesitzer, hatte im Sockel der Duschkabine keine Revisionsfliesen (also die Fliesen, die man herausnehmen kann, um die Abflußrohre zu prüfen) gelassen, sondern er hatte den Sockel komplett geschlossen verfliest. Aber Mike hatte Werkzeug dabei, er stemmte eine Fliese auf, die in einer Ecke an der Wand lag, leuchtete mit seinem Handy hinein und sah gleich, daß er da was machen kann. Der Einstieg ist derzeit 31 Zentimeter hoch, für mich mit dem immer noch teilweise gelähmten Bein nicht zu schaffen (nur unter großem Streß, mit prinzlicher Hilfe).

Mike rechnete durch und erklärte, er könne den Einstieg auf zehn oder elf Zentimeter herabsetzen! Das will er am Karsamstag machen und ich bin überglücklich! Wir müssen nur eine neue, ganz flache Duschtasse besorgen. Und ja, die olle Duschkabine werden wir auch ersetzen(sie ist schon stellenweise angerostet). Nachdem alles geklärt war, wollten unsere Besucher vor der Rückfahrt noch das Meer sehen. Der Prinz fuhr mit ihnen zum Deich nach Upleward. Das Meer war nicht zu sehen, dafür aber reichlich Watt. Mein Onkel war ein bißchen enttäuscht. Als der Prinz aber in seiner Tiden-App nachsah und vorlas, daß am Karsamstag Flut herrschen werde, sagte er: „Oh prima – dann komme ich wieder mit!“ Mir ist das nur zu recht, ich habe diesen Onkel sehr gern und komme gut mit ihm aus.

Als der kleine Herr Sonntag, der Wind nicht ausstehen kann und es haßt, auf dem Deich zu sein, nach Hause drängte, verabschiedeten sich alle und die vier Ruhrpottler düsten direkt ab nach Hause. Der Prinz und ich schauten uns auf arte noch eine spannende Doku über Burgen an, bevor wir zufrieden in die Kissen fielen. (Hier im Huus haben wir ja noch kein WLAN, sondern noch aus Beckmanns Zeiten eine Schüssel auf dem Dach, oder, wie der Prinz es nennt, „Überraschungs-Fernsehen“. Ich bin inzwischen so an Prime und Netflix gewöhnt, daß es mich irritiert, daß ich nicht mal eben pausieren kann, wenn der Prinz mir etwas sagen will, oder mit einem kleinen Tastendruck zehn Sekunden zurückgehen, wenn ich etwas nicht richtig gehört habe. Wie schnell man doch verwöhnt wird 😉

Heute habe ich Mitleid mit den Leuten, die Karneval lieben und die viel Arbeit und Vorfreude in ihren Rosenmontagszug gesteckt haben. Denn es regnet und ist stürmisch, und das soll heute so bleiben.Wir bekommen hier dankenswerterweise ja überhaupt nichts mit vom Karneval (deswegen sind wir ja hier!).

Für heute hatte der Prinz noch einen Termin mit einem Treppenlift-Berater ausgemacht – um zehn Uhr morgens! Der ebenfalls sehr nette Berater ist vor ein paar Minuten weggefahren. Preislich liegt seine Firma auf der gleichen Ebene wie die des Beraters, der gestern hier war: Um die 4.000 € für einen neuen Lift, um die 3.000 € für einen gebrauchten. Auch dieser Mann war begeistert vom kleinen Herrn Sonntag. Zu mir sagte er:“Sie passen gar nicht in mein Beuteschema, Sie sind zu jung!“ Klar, seine Kundschaft liegt altersmäßig bei 70 plus. Und da habe ich zum Glück noch etwas Zeit 😉

Der Prinz hat mal die Gesetzeslage geprüft und herausgefunden, daß ich, selbst wenn ich einen Pflegegrad erhielte, den Zuschuß für einen Treppenlift nur dann bekäme, wenn der Lift im ersten Wohnsitz eingebaut würde. Und das ist unser liebes Woquard ja noch nicht (obwohl sie uns hier bereits Zweitwohnsitz-Steuer berechnen!) Unser Erstwohnsitz ist noch unser Wormser Dörfchen, und da wohnen wir nur zur Miete. Auch dort hätte ich gern einen Treppenlift, denn die Treppe nach oben ist sehr steil. Aber das Häuschen gehört seit Generationen zur Familie, und unsere Vermieter würden nur ungern baulich etwas verändern. Ja, ich weiß, vom Gesetz her könnte er mir den Lift nicht verweigern, aber bevor ich da ins Gedöns mit Anwalt und Gericht gehe, warte ich lieber, bis wir nach Woquard ziehen können.Wir wohnen jetzt seit 14 Jahren in Worms und haben ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Vermietern, das ist an sich schon selten genug.

Heute und morgen kommt um 15.00 h noch je ein Berater, und Mittwoch müssen wir auch schon wieder zurück.( Für die Fastenzeit habe ich mir vorgenommen, den Süßkram wegzulassen, das wird hart.)

I

P.S.: update: soeben hat der dritte Treppenlift-Berater das Haus verlassen (und ist bei mir gleich durchgefallen). Er sah die Treppe und rief gleich:“Boah, die ist ja krass – Hammer! Nee, ich denke, da haben wir nichts, das da hochkommt.“ Immerhin maß er die Treppe doch noch aus, kam aber zum Schluß auf den gleichen Betrag wie die beiden anderen, etwa 4.000 €. Gebrauchte Lifte bieten sie nicht an. Als Mindestpreis geben sie alle den Betrag des Zuschusses an, den man mit einem Pflegegrad bekommt und der etwa 4.000 € beträgt. Mal gucken, was der Berater anbietet, der morgen Nachmittag kommt.

Und nun wünsche ich denen, die Karneval gern mögen, noch eine schöne Zeit und viel Spaß!

Bis morgen oder übermorgen!

* winkt *