Das hat sie ja mal wieder sauber hingekriegt,

die Frau Lakritze.

nämlich: ich hab‘ mich mal wieder lang gelegt. Deswegen war es auch einige Tage lang ruhiger hier. Ja, ich weiß: Langsam wird das langweilig mit den Stürzen *lach*

Aber da der letzte Sturz ja schon fast ein Jahr her ist, dachte ich, ich könnte doch mal wieder… Um es gleich zu sagen: diesmal bin ich weicher gelandet als damals in der Ferienwohnung und gebrochen habe ich mir diesmal nichts. Passiert ist es am Mittwoch in aller Herrgottsfrühe, um 04.00 Uhr. Ich wurde wach, weil ich mal mußte ( ärgerlich genug im Winter), stand auf und geriet aus dem Gleichgewicht. Ob das an der Müdigkeit lag oder ob ich mich ungeschickt bewegt habe, kann ich nicht mehr sagen, es ging so schnell… jedenfalls kippte ich nach vorne weg und landete mit meinem ganzen Gewicht auf den Knien. Zum Glück liegt vor dem Bett ein dicker Perserteppich, den mir meine Eltern mal geschenkt haben. Unter dem Teppich liegen Holzdielen. Zum Glück keine Fliesen, wie im Wohnzimmer. Der kleine Herr Sonntag war sehr erschreckt und besorgt und wuselte hektisch fiepend um mich herum. Ich zitterte noch etwas von dem Adrenalinschub, tröstete den Kleinen aber mit „Alles gut, alles gut“ – er glaubte mir aber nicht. Mit Mühe gelang es mir, den Prinzen aus seinem bombenfesten Schlaf zu holen (ich schaffte es nämlich wegen des linken Beins blöderweise nicht allein zurück ins Bett). Der Prinz stellte mich wieder auf die Füße,verfrachtete mich zurück in die Heia und machte mir sogar meine Körnerkissen warm!  ❤

Bis er aufstehen mußte, war unser Schlaf nach dem Schrecken eher unruhig, aber wir haben das Glück, mit einem Orthopäden befreundet zu sein (das ist der, der auch meine Barfußschule beratend begleitet.) Der Prinz schrieb ihm per WhatsApp, was los war. Die Antwort kam umgehend: „Kommt um halb neun in die Praxis, ich gebe den Mädels Bescheid.“ (Freunde sind was Tolles – die Mädels winkten uns gleich durch zu Andreas.) Er guckte sich das linke Knie, das inzwischen mit einem blaugrünen Ömmes von der Größe eines halben Tennisballes prahlte, per Ultraschall an. Sah alles ok aus, Andreas  bestand aber auf einem MRT des Schienbeinknochens und überwies uns stante pede zu einem Kollegen, der mich (zum Glück nur mit den Beinen) in die Röhre schob. Also, CTs habe ich nach dem Hallamati ja reichlich mitgemacht, aber das hier  war mein erstes MRT. Scheiße, war das laut! Kennt ihr das?

Ergebnis: Ein Haarriß im linken Schienbeinknochen. Acht Wochen (!!!) Ruhe halten und das Bein nur wenig belasten. Der Bluterguß läuft jetzt bis runter zum Knöchel und sieht aus wie ein impressionistisches Gemälde : – )

Aus Sicherheitsgründen (wegen der Treppe) bin ich zum Schlafen mal wieder auf das Sofa im Wohnzimmer umgezogen. Das irritiert den kleinen Herrn Sonntag sehr, weil er jetzt nicht mehr so einfach zwischen unseren Betten hin- und her krabbeln kann, sondern dazu über die Treppe gehen muß.

Plan: Ich soll acht Wochen Ruhe halten. Das ist ungefähr bis zu meinem Geburtstag (24. Februar). Danach könnte es mit dem Wetter ja efentüll etwas freundlicher werden ( WAaaaaaahaaaahaaaaaa! Mädel, du lebst in Deutschland!)

Knochen sind wie Muskeln: Sie werden nur dann stark, wenn man sie fordert und trainiert. Da das linke Bein bei mir seit fast fünf Jahren zu wenig gefordert wird, will ich die Knochenstruktur im nächsten Jahr durch Geh-Training kräftigen. Also werden wir im Frühling öfter im Wäldchen und im Herrnsheimer Schloßpark sein, denn dort gibt es breite und gute Spazierwege. Und den kleinen Herrn Sonntag wird’s freuen. Außerdem will ich am Geburtstag vom Sofa in mein Bett zurückziehen. Drückt mir die Daumen, ja? Danke!

Advertisements

Fümpf!

Sooo… allmählich hab‘ ich mich erholt von der Feier meines fünften Geburtstages, den wir – wie alle Jahrestage des Hallamati – am Freitagabend im Tivoli, dem großartigsten italienischen Restaurant in Worms, feierten.

(@Herr Norden: da würden wir mit dir auch gern mal essen gehen – wie wäre es, wenn du dich an deinem kommenden Geburtstag von uns dorthin einladen ließest? Melde dich doch mal dazu…)

Ivo und seine Frau Giovanna, die Besitzer des Restaurants, kennen mich und die Hallamati-Geschichte und verwöhnen uns daher immer ganz besonders. Man merkt, daß ihnen das Freude macht. (Ivo ist Gastronom mit Leib und Seele.) Giovanna schlug als „aperitivo“ einen Aperol Sprizz vor, den wir gerne nahmen. Aperol Sprizz hatten wir im Juni 2011 in Venedig sehr oft getrunken, daher verbinden wir das Getränk etwas wehmütig mit der Stadt. (Natürlich haben wir es später auch noch oft getrunken, aber diese sehr intensive Venedig-Woche war unser letzter Urlaub vor dem Hallamati und ich bin dankbar für die herrlichen Erinnerungen, und ein Glas Aperol Sprizz erweckt diese gleich zum Leben.) Ich hatte mal wieder Luuuuust auf Gnocchi – Ivo grinste und bot mir Gnocchi mit Kürbisfüllung an. War mir recht – Hauptsache, mit möglichst dickmachender Sauce drüber, wies ich ihn an, denn der unbekannte Infekt des letzten Sommers hat mich auf 56 Kilo zurückgeworfen (bei 1,70 Meter Größe!). Der Prinz hatte Lust auf Fisch. Ivo grinste, verschwand kurz und kehrte mit einem Teller zurück, auf dem  – uäh! – ein toter Fisch lag (keine Ahnung, was für einer – Carsten, wir hätten dich gebraucht! (Haben aber auch schlicht vergessen, Ivo zu fragen.) „Möchtest du den?“ fragte Ivo, „gegrillt, mit Zitrone, Thymian, Basilikum….?“ Der Prinz war einverstanden, daher verschwand der Fisch zum Glück gleich wieder in der Küche.

Giovanna half uns bei der Auswahl des Weines, die dieses Mal absolut einfach war und schnell ging: Obwohl ich deutlich Miss Sophies Anweisung „We’ll have white wine with the fish, James.“ im Ohr hatte, winkte Giovanna lachend ab und sagte: “Rot paßt immer.“ Mir paßt das auf jeden Fall, denn ich bin kein großer Weißwein-Fan. Primitivo gab es also, köstlich und wirklich immer und überall passend. Zu den Gnocchi auf jeden Fall, die jetzt endlich vor mir standen. Gnocchi bestehen ja aus Kartoffelteig und irgendwie hatte es der Magier in der Küche fertiggebracht, aus dem Kartoffelteig kleine Bälle zu formen, die er mit Kürbis gefüllt hatte. (Der kann bestimmt auch gut Origami-Tiere falten 😀 ) Zum Nachtisch erbat ich mir Tiramisú. Rosario, der ältere Kellner, der schon so lange zum Tivoli gehört, wie ich mich zurückerinnern kann und der den Prinzen und mich ein bißchen „adoptiert“ hat, brachte es zusammen mit einem zweiten Nachtischteller und einer zweiten Gabel, damit der Prinz mitnaschen könne. Der Abschied war wie immer herzlich und liebevoll. Giovanna und Ivo drückten uns noch eine bunte Papiertüte in die Hände, die, wie sich zu Hause zeigte, eine Flasche Prosecco enthielt. “Damit feiert ihr noch etwas“, lautete Giovannas Anweisung. Mehr „Allohol“ traute ich mich aber nicht, wegen der Medikamente. Dafür vermißte ich sehnlichst Opas unerschöpfliche „Underberg“-Vorräte, denn ich war zum Platzen angefüllt. Schlafen klappte trotzdem erstaunlich gut.

Es war wieder einmal – trotz des eher traurigen Anlasses – ein wunderschöner Abend, und wie jedes Mal, sagten wir uns: „Nur einmal im Jahr im Tivoli ist viel zu wenig!“ Wir werden jetzt einfach ein paarmal weniger zu Pepe e Sale oder zum Thai gehen und uns dafür öfter im Tivoli verwöhnen lassen. Das gleicht sich aus – und wenn der Hallamati uns etwas gelehrt hat, dann ist es das:

Egal, was dir widerfährt, das Leben ist trotzdem wunderschön, also genieße es und koste es bewußt aus!

Das haben wir in diesen fünf Jahren gelernt und praktizieren es sehr bewußt.

Der Chefarzt in der ersten Rehaklinik riet uns damals: “Schaffen Sie sich kleine Inseln!“

Das tun wir, immer wieder, mit schönen Städtetrips oder sonstigen Ausflügen, gutem Essen, Konzerten und was uns sonst noch Freude macht. Und: Jede schöne Erinnerung bringt etwas Licht in jede schwierige Situation!

Der Prinz und ich sind sehr froh, daß wir gelernt haben, bewußt zu leben und bewußt Freude zu genießen. Seltsam ist nur, daß wir das ausgerechnet dem Komikerpärchen von nebenan zu verdanken haben, die sich und ihr Leben so hassen, daß sie nur an Zerstörung, Haß  und Rache denken können. Nun… das Leben ist eben manchmal seltsam. Ist mir recht – solange es so schön bleibt, wie es jetzt ist.. (Dafür können wir selbst sorgen – und tun es auch!)

Volle Woche voraus!

Gerade im Kalender gesehen, darlings:die kommende Woche ist „busy“ – drei Mal Therapie für mich, unsere tolle mobile Friseurin Annika kommt und holt mir endlich wieder die Wolle vom Kopf, am Dienstag ist Wahl in den USA  und ich bete, daß SprayTanBoi so richtig auf den Arsch knallt.

Ja, und am Freitag, den 11.11. ist Martinstag, einer meiner beiden Namenstage – und der fünfte Jahrestag des Hallamati. Wie immer, werden wir mein Überleben  bei unserem lieben alten Freund Ivo und seiner Frau Giovanna feiern, im Restaurant Tivoli. Soeben hat Giovanna uns einen Tisch zu zweit reserviert und ich freue mich unendlich auf den Abend.

Es gibt da im Bereich der Neurologie einen Spruch, den ich gerade zu Beginn der Rehas, in der ersten Klinik, oft gehört habe: „(Neurologische) Schäden, die nach fünf Jahren noch da sind, die bleiben, das wird nichts mehr.“ Fünf Jahre… das schien mir damals noch sehr weit entfernt.Nun, am Freitag ist es fünf Jahre her, und die Zeit ist erstaunlich schnell vergangen. Was ist noch da? Das Bein ist noch schwer und unbeweglich (d.h. Laufen geht nur sehr langsam), der linke Arm ist beweglich, aber seeehr grobmotorisch. Die linke Hand: kann eine Faust machen, aber die Finger nicht strecken. Gegenstände festhalten ist schwierig, die rutschen raus und fallen runter. (Aber da sehe ich gute Möglichkeiten mit dem neuen Therapiegerät, das ich seit einigen Monaten teste (Bericht kommt noch)).

Wie auch immer, Fünf: Ich gebe nicht auf! Ich werde gesund!

 

 

Vier!

Dahlings,

es gibt wieder etwas zu feiern bei uns: heute bin ich genau vier Jahre anfallfrei! Das heißt, den letzten epileptischen Anfall hatte ich am 5. Juli 2012, vor dem Bonner Münster (hier beschrieben). Das Antiepiletikum, das ich nehme (und mein ganzes Leben lang werde nehmen müssen), hat mich damals zu Beginn sehr müde gemacht, zum Teil so extrem müde, daß ich kaum noch  in der Lage war, meinen Alltag zu bewältigen. Im Laufe der letzten zwei Jahre haben der Neurologe und ich versucht, ganz langsam, unter ständiger Beobachtung und in winzigsten Milligramm-Mengen, die Dosis zu reduzieren. Dabei haben wir regelmäßig alle paar Wochen EEGs gemacht, um zu schauen, wie sich die Reduktion im Gehirn bemerkbar macht. Es sah immer sehr gut aus – ich spürte auch nichts, bis auf die erfreuliche Tatsache, daß die lähmende, schwere Müdigkeit nachließ und ich langsam wieder normal leben konnte.

(Für mich ist das ja ein Phänomen: Da hat der Arzt einen Bogen Papier vor sich liegen, der über und über mit krakeligen Zacken bedeckt ist, und sagt: „Ja – das sieht doch prima aus! Kein Anzeichen für epileptische Aktivität! Weiter so, Frau Lakritz!“ (Ääähm… ja nee, is klar… *grins*))

Der Prinz und ich werden vermutlich heute Abend noch zu Pepe und Sale etwas essen gehen, (Paaaartyyy!) denn dieser Jahrestag ist neben meinem „Zweiten Geburtstag“ einer der Tage, die wir mit viel Freude feiern.

Fazit: Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade draus – aber tu‘ einige davon in deinen Vodka Tonic 😀 😀 😀

Denkanstöße

Kürzlich hatte ich eine interessante Klientin bei mir, die mir ganz nebenher geholfen hat, die Behinderung aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. Sie hat eine fortschreitende Erkrankung, die ihr chronische Schmerzen in Muskeln und Gelenken  bereitet und sie damit in ihrer Bewegungsfähigkeit einschränkt. Sie ist nun auf der Suche nach einem Weg, wie sie sich in ihrem Leben neu orientieren kann. Sie hatte meine Webseite beim Stöbern gefunden und fragte per Mail nach Details, vor allem für meine Angebote „walk & talk“ und „Lebenscollage“ .Was Reiki sei, wisse sie, schrieb sie, aber diese beiden Angebote, über die wolle sie gern mehr wissen.

Nun, wie „walk & talk“ funktioniert, hatte ich auf meiner früheren Praxis- Webseite ausführlich erklärt – mit dem Ergebnis, daß das Angebot kurz darauf als fast exakte Kopie auf der Webseite der Nachbarin auftauchte.

Deswegen habe ich die Lebenscollage nicht weiter erklärt, das mache ich lieber persönlich, Parasiten kosten nur Kraft.

Das Konzept der Lebenscollage habe ich vor einigen Jahren in Baden-Baden bei einer fröhlichen, temperamentvollen Südamerikanerin gelernt. Die Frau, die gestern kam, hatte jedoch ein durch ihre Erkrankung verursachtes familiäres Problem, das ihr zu schaffen macht. Wir sprachen das erst einmal in Ruhe durch und gingen es dann in einer kleinen Familienaufstellung an. Wow – das haute rein… Hinterher saßen wir da, klammerten uns an unsere Kaffeetassen und lachten erschöpft.

Blöderweise hatte ich ihr zu „walk & talk“ vorab schon  vom Hallamati erzählt, wie die Nachbarin nicht aushalten konnte, daß ich mit meiner kleinen Praxis Erfolg hatte und ihren Mann mit ihrer Wut so lange löcherte, bis er sich brav fügte und mir das Leben mit anonymen Anzeigen und Verleumdungen bei Behörden so schwer machte, daß mein Blutdruck  gefährlich anstieg und ich letztendlich die Gehirnblutung bekam, deren Folgen mich zum Aufgeben meiner Praxis zwangen. Das genügte der Frau nebenan allerdings nicht, wie ich später auf ihrer Webseite sah – sie weidete selbst die Reste noch aus und stahl, was nur ging, wie „walk & talk“. (Auch jetzt, wenn wir uns begegnen, hat sie nicht mehr als ein höhnisches Grinsen für mich übrig. In den fünf Jahren seitdem hat sie nicht einen Versuch der Entschuldigung unternommen.  (Ihr Anzeigensklave auch nicht. Jämmerlich und armselig.))

Ich hatte also der Klientin gesagt, ich könne „walk & talk erst wieder anbieten, wenn ich besser laufen könne, also der „walk“-Teil wieder da sei. Das erzählte ich dem Prinzen, der fast explodierte. “Wer sagt denn, daß du laufen können mußt?“ fragte er verblüfft. “ Wenn ich das Konzept bei dem Seminar damals richtig verstanden habe, läuft der Klient. Du hast doch einen elektrischen Rollstuhl, das ist so gut wie Laufen!“

Das stimmt allerdings. Der Rolli schafft sechs km/h, ein normal gehender Mensch vier. Ich fragte die Frau also am Telefon, ob sie ein Problem mit dem Rolli habe. Sie lachte nur und erklärte mir ihre Erkrankung. Sie kann laufen, allerdings nur sehr langsam, und keine Treppen steigen. Ein Rollstuhl ist für sie etwas völlig Normales.

Nach der Familienaufstellung waren wir beide, wie gesagt, ziemlich gebügelt. So beschloß sie, die Lebenscollage lieber später und dann  mit mehr Kraft zu machen, dazu legten wir gleich einen Termin in der nächsten Zeit fest. Für einen „walk & talk“-Termin vereinbarten wir wegen des unbeständigen Wetters, daß sie mich an einem Tag, der schön zu werden verspricht, spontan anruft und wir dann einfach losziehen. Hier, in unmittelbarer Umgebung unseres Hauses, gibt es mehr als genug Möglichkeiten dafür, das habe ich  in den letzten Monaten durch die vielen  Spaziergänge mit dem kleinen Herrn Sonntag gesehen.  Ich freue mich, daß der Prinz mich auf diese Variante mit dem Rolli aufmerksam gemacht hat. Denn der Prinz achtet sehr darauf, daß ich weder eingeschränkt werde noch mich selbst einschränke (darauf muß ich selbst auch gut aufpassen!)

Die Frau erzählte mir noch, sie werde oft kritisch angesehen , wenn sie zum Beispiel in der Stadt unterwegs sei. Denn: ihre Erkrankung ist unsichtbar. Während ich deutlich sichtbar gehbehindert bin, läuft sie ganz normal. So bekommt sie häufig kritische Blicke ab, wenn sie in einem Kaufhaus den Aufzug statt der Treppe benutzt, denn da nimmt sie ja „Platz weg“, den Leute mit Rollatoren und Krücken brauchen. Das sei oft schwierig für sie, sagte sie.  Das brachte mich zum Überlegen. Ich rege mich ja oft darüber auf, daß die Leute mich anstarren wie ein Zootier. Wenn ich im Rolli sitze, werden sie sogar übergriffig, als sei ich auch geistig behindert. (Dazu hatte ich am Sonntag ein krasses Erlebnis, erzähle ich noch.)

Jedenfalls bin ich immer dankbar für Denkanstöße, die mir helfen, die Behinderung aus einer neuen Perspektive zu sehen (deshalb mag ich die Arbeit im Behindertenbeirat auch so sehr.) Jedenfalls: Ich habe nun mal diese Behinderung, aber ich lasse mich dadurch (und durch andere Menschen) nicht (be-)hindern, so zu leben, wie ich leben möchte und das zu tun, was ich tun möchte.

Denn: Ich bin die Schöpferin meiner Welt, wer sonst?! (Daß die Nachbarin etwas anbietet, für das sie gar keine Ausbildung  absolviert hat, finde ich sehr bedenklich und vor allem unethisch, aber ich werde mich nicht auf ihr Niveau hinunter begeben. Damit muß sie selbst klarkommen. Denn sie ist diejenige, auf die das, was sie tut und getan hat, zurückkommen wird. Das ist das Naturgesetz.

Hier zieht gerade ein Gewitter auf, ich mach mir’n Espresso 😉 See you!

Ergo: Pipi (nicht Pippilotta!)

Der kleine Herr Sonntag ist jetzt seit einem guten Dreivierteljahr bei uns. In dieser Zeit hat er zwei Mal ins Haus gepinkelt. Nicht toll, aber auch nicht schlimm. Für neun Monate sind zwei Mal Pinkeln kein Drama, finde ich.

Das erste Mal war vor ein paar Wochen. Da entdeckten wir morgens eine Pfütze direkt am Fuße der Toilette. Undicht war nichts, ergab ein Check des Sanitärmöbels.

Katzenpisse hätte strenger gerochen, und wir waren es sicher nicht… blieb also nur der Kleine. Er verriet sich auch gleich durch schuldbewußtes Ducken und flehende Blicke. Uns war schon klar, daß er wirklich Not gehabt haben mußte, denn er ist prima stubenrein und gibt immer Bescheid, wenn er muß, dann strullt er mal schnell im Hof an die Mahonien oder die Kirschlorbeeren, wenn wir gerade nicht mit ihm in die Felder gehen können.

Daß er also direkt an die Toilette gepieselt hatte, zeigte, wie klug er ist, sagte der Prinz damals. „Er weiß genau, wozu das Klo da ist, er kriegt ja mit, daß wir auch zu diesem Zweck dahin gehen“, sagte er. (Ja, der kleine Herr Sonntag begleitet uns getreulich aufs Klo.) Also, die Absicht war löblich. Hätte er gewußt, wie er es anstellen sollte, er hätte sicher direkt ins Klo gepinkelt. Da bin ich sicher. Es war ja auch wirklich kein Drama – wir beruhigten das Mausebärchen und wischten die Pfütze auf.

Gestern Morgen wollte ich das Hoftor aufschließen, damit die Ergotherapeutin leichter hereinkommen kann, da glänzte mir im Flur unmittelbar vor der Haustür eine Pfütze entgegen. Ein Teil war schon unter der Tür hindurch nach draußen geflossen. Ich seufzte ergeben, denn ich war mir nicht gleich klar, wie ich das wegbekommen sollte. Der kleine Herr Sonntag war schuldbewußt und sehr besorgt, ich könne böse mit ihm sein. Aber: wer kann mit diesem Stück Hundezucker böse sein?! Ich nicht! (Der Prinz auch nicht, aber der war eh arbeiten.) Ich beruhigte den kleinen Hund also, indem ich ihm erklärte:“ Ist schon in Ordnung, Mausebär. Von der Logik her hast du’s ja richtig gemacht. Durch diese Tür geht es raus zum Pieseln, das weißt du. Du wolltest es richtig machen, nur wir doofen Menschen haben deine Signale verpennt. Da kannst du nichts dafür. Alles gut, mein Schatz.“ Langsam beruhigte er sich. (Er muss sehr großen Druck gehabt haben, der arme Kleine, sonst hätte niemals in die eigene Hütte gepinkelt!) Kurz darauf klingelte schon Stef, meine Ergotherapeutin. Ich warnte sie durch Zuruf vor der Pfütze, sie hatte sie aber schon bemerkt und sagte: „Klasse. Soll ich dir das schnell wegwischen oder nehmen wir es als Therapie?“ Ich entschied mich natürlich für die Therapie. Das sah dann so aus, daß Stef aus dem Abstellraum den Putzeimer und den Aufwischlappen holte (der bei uns im Ruhrpott „Aufnehmer“ heißt – wie sagt ihr dazu?) und den Eimer halb mit heißem Wasser füllte. (Ja, das hätte ich selbst tun sollen, aber die Therapie-Einheiten haben nur eine halbe Stunde…)Mit der rechten Hand hielt ich den Eimer am Griff vor meinem Bauch fest und versuchte, auch die linke Hand zu beteiligen, die zierte sich aber. Also zogen wir in den Flur und Stef legte den Wischlappen über die Pfütze. Mit dem linken Fuß wischte ich mit dem Lappen auf, möglichst nur mit Vor-Zurück-Bewegungen, ohne Seitenschwung (den will ich mir ja abgewöhnen.) Stef übernahm es tapfer, den Lappen immer wieder im Wasser auszuschwenken und auszuwringen. Ich wischte mit dem Fuß. Ein Teil des Sonntagspipi war unter der Tür hindurch auf die Außenstufen und von dort in den Hof gelaufen. Kein Problem – für sowas hat Mutter Natur Gießkannen wachsen lassen 😀 Unsere hatte der Regen der letzten Tage gut gefüllt, damit schwenkten wir die Treppe ab. So – alles wieder ok!

Aber der kleine Herr Sonntag blieb den ganzen Tag bedrückt. Nachmittags war Hubert, mein Physiotherapeut, da (er brachte eine Schale Erdbeeren mit!). Ich erzählte ihm von der speziellen Ergotherapie. Der kleine Herr Sonntag verstand genau, daß ich über seine Pfütze sprach, denn er schmiegte sich sehr verlegen an Huberts Knie.

Seine Stimmung besserte sich erst, als ich ihm im Hof sein Bällchen warf. Daß der Prinz wieder eine sehr späte Schulung halten mußte und nicht zur gewohnten Zeit nach Hause kam, machte es nicht besser. Heute ist er wieder gewohnt munter, unser kleiner Mausebär. ( Mir ist immer noch nicht klar, warum ich einen dünnen Windhundmix mit kurzem, dünnem Fell als „Bärchen“ bezeichne…)