Le morte du Bär (Teil 1)

So. Hier kommt nun der Bericht zu Bärchens und Pippileins Tod, ihr Lieben. Ich habe schon mehrere Anläufe genommen, daher die lange Stille – es tat und tut einfach zu weh. Wir versuchen uns daran zu gewöhnen, in einem Tag ohne Bärchen klarzukommen (und ich in Nächten ohne eine kleine schwarze Katze auf meinem Bauch).

Dass der Pupsibär nicht mehr lebt, hatte ich ja schon kurz geschrieben. Nach dem Zusammenbruch an Ostern hatten sich seine Nieren ganz gut nochmal erholt, er hatte sogar zugenommen (mit einer süßen kleinen Speckfalte im Nacken). Aber obwohl wir seine Diät streng einhielten – so schwer es uns manchmal auch fiel -zeigte er vor wenigen Wochen wieder Anzeichen, daß seine Nieren sich nicht ganz so gut erholt hatten wie gehofft. Am 17.November fiel uns auf, daß er nicht mehr fressen wollte, daß ihm die Futterbrocken einfach aus der Schnauze fielen. Er magerte ab und wurde erschreckend schwach. Nur seine „Praline“, wie der Prinz es nannte, seine Goldrute-Tropfen für die Nieren und die Tablette fürs Herz, dargereicht auf einem Stückchen Brot mit Leberwurst, die forderte er jeden Morgen unerbittlich ein (Hey – LEBERWURST! Das erlaubte die Ärztin sogar…) Aber oft stand er einfach da und starrte vor sich hin, während er wie betrunken hin und her oder vor und zurück schwankte…Er konnte nur noch ganz langsam in kleinen tapsigen Schrittchen gehen. Es tat weh, ihn so zu sehen. Dann begann er wieder schrecklich aus dem Maul zu riechen, u.a. nach Urin. Er schlief viel und suchte ständig unsere Nähe. Er verlor zunehmend die Kontrolle über seine Blase, plötzlich tauchten überall Pfützen auf, für die er sich schämte. Das zerriß uns schier das Herz, wir trösteten ihn und wischten es einfach weg. Wir gaben ihm so viel Liebe und Zärtlichkeit wie nur möglich. Das genoss er zwar, aber er schlief sehr viel. Jeden Tag wurde er schwächer und elender. Das tat uns unbeschreiblich weh. Schließlich riefen wir die mobile Tierärztin an, um sie um ihre fachliche Einschätzung zu bitten, ob wir das Pupsibärchen erlösen sollten. Sie untersuchte ihn und erklärte, der Bär fühle sich zwar wohl elend und ihm sei übel, aber er habe, soweit sie es beurteilen könne, keine Schmerzen. Daher sehe sie noch keinen Grund zum Einschläfern („das setzt mir auch immer zu“, gestand sie). Heute, im Nachhinein, wissen wir, dass es ein guter Zeitpunkt gewesen wäre, denn es war eigentlich allen klar, dass er unheilbar todkrank war. Nur der Prinz und ich klammerten uns noch an einen Hoffnungsschimmer (den es in Wirklichkeit nie gegeben hat). Am folgenden Abend fanden wir auf seinem Schaffell einen handtellergroßen Blutfleck, den wir uns nicht erklären konnten. Die Blutflecken tauchten immer öfter auf, kleiner als der erste, aber dicht an dicht verteilt auf dem ganzen Fell. Der Prinz vermutete, das Blut komme aus der Schnauze, aber der Bär ließ ihn nicht hineinsehen. Zu diesem Zeitpunkt trug der Prinz das Bärchen jeden Abend die Treppe hinauf ins Schlafzimmer und morgens wieder hinunter, weil der Kleine ruhiger war, wenn sein geliebtes Herrchen bei ihm war. Da der Prinz um sechs Uhr aufsteht, bin ich in den letzten Wochen mit aufgestanden, obwohl ich um diese Uhrzeit zu nichts in der Lage bin. Aber der Bär hätte, sobald der Prinz aus dem Haus war, nach mir gesucht und sich die Treppe hoch geschleppt… und ihn mit nur einem aktiven Arm runtertragen- das wäre mir nicht möglich gewesen. Also war ich um sechs unten und verbrachte den Tag mit dem Herzenshundi, der vor Erschöpfung fast die ganze Zeit schlief, selbst wenn ich Ergo- oder Physiotherapie hatte.  Pippi saß oft mit hängendem Kopf bei ihm. Wir sahen immer wieder, daß ihm rote Speichelfäden aus dem Maul tropften. Am Freitag (26.11.) rief der Prinz die Tierärztin nochmals an. Sie sagte, sie sei allein in der Praxis, ihre Helferinnen seien krank, aber der Prinz könne mit dem Bärchen gern kommen. Sie habe noch eine Not-OP und könne nicht weg. Der Prinz sagte im Büro alles ab und kam nach Hause. Er nahm den Korb mit dem verdutzt dreinblickenden Bärchen und fuhr los Richtung Praxis (diese ist im Tierheim integriert). Am Mittag rief er an. „Sie sagt, es habe keinen Sinn mehr“, sagte er. „Das Maul ist voller blutiger Geschwüre, und er hat jetzt Schmerzen. Sie kann ihm nochmal ein Antibiotikum spritzen, aber das wäre nur eine Verlängerung seiner Qual. Wir sollten ihn erlösen.“ Damit hatten wir gerechnet, so fiel die Entscheidung zwar schwer, aber in Übereinstimmung. Nur: Ich saß ja zu Hause und hatte keine Möglichkeit, schnell hinfahren zu können (Dani hatte Spätschicht und war nicht zu Hause). Wir beschlossen, daß der Prinz ihn im Arm halten solle. Ich weinte sehr und rief meine Schwester an, die mich liebevoll auffing <3.  Bärchens Nieren hatten ihre Arbeit eingestellt. Da sie ihren Job, nämlich das Ausfiltern und Ausleiten von Harnsäure und Harnstoff, nicht mehr erledigen konnten, versuchte Bärchens Körper, diese Substanzen anderweitig auszuscheiden, nämlich über die Haut und die Schleimhäute. Daher roch er auch öfter nach Urin und die aggressiven Substanzen verursachten die blutigen Geschwüre in der Maulschleimhaut. Am letzten Tag wollte er gern noch etwas fressen, konnte die Futterbrocken vor Schmerzen aber nicht im Maul halten. Der Prinz ging wieder zurück in die Praxis. Da er einen Sondertermin hatte, war das Wartezimmer leer. Dorthin zog er sich mit Bärchen zurück, den er auf einer Decke auf dem Schoß hielt. Die Ärztin legte Bärchen in eine Narkose (der Prinz sagte, er habe seine Erleichterung spüren können). Die übliche Spritze ins Herz wollte sie gern umgehen, daher suchte und fand sie am Vorderlauf eine Vene, in die sie behutsam Narkosemittel nachspritzte, bis das Bärchenherz einfach stehenblieb. Der Prinz sagte, der Bär habe noch einmal tief geatmet, dann habe sich sein Körper ganz entspannt und er habe sogar zufrieden ausgesehen. Jetzt, wenn wir darüber sprechen, sind wir innerlich ruhiger, weil so klar ist, daß wir Bärchen mit der Euthanasie einen Gefallen getan haben. Denn auch das gehört zu der Verantwortung, wenn man ein Tier zu sich nimmt: ihm zu helfen, wenn es das selbst nicht mehr kann, und es gehen zu lassen, wenn die Qual zu groß wird, statt egoistisch festhalten zu wollen aus falsch verstandener Liebe… Der Prinz legte Bärchen in seinen Korb und brachte ihn nach Hause.  Hier verbrachten wir noch einige Stunden mit ihm, der noch so frisch und lebendig wirkte, als schlafe er nur. Wir informierten Dani, dass wir noch am Nachmittag mit ihm nach Woquard fahren wollten, um ihn da zu beerdigen, wo er am glücklichsten war.

Teil 2 folgt

Le Bär… :'(

Puh.

Jetzt ist doch mal etwas Muße zum Schreiben, meine Lieben… Derzeit tut sich nicht mal etwas Konkretes, dennoch bin ich jeden Tag mit irgendeinem Gedöns beschäftigt. Die Therapien sind – zum Glück – sehr intensiv und ich komme ganz gut voran. Unser Mausebär wird schwächer, das Alter zeigt sich sehr deutlich und unbarmherzig. Unser kleiner Nissan ist verkauft (sogar zu einem guten Preis für sein Alter und seinen Zustand) und wir gewöhnen uns langsam an den Mazda, den wir „Frederik“ getauft haben. Wir verbringen viel Zeit mit und bei unserer Vermieterin Dani, die uns oft zum Essen einlädt (entweder sie kocht oder sie und der Prinz grillen etwas Gutes draußen auf ihrer Terrasse, das wir dann drinnen im Warmen essen).

Und ja, der Bär… er hatte kürzlich nachts einen kleinen Zusammenbruch und wir glaubten, er liege im Sterben. Er lag teilnahmslos auf dem Bettvorleger vor des Prinzen Bett, atmete nur flach und konnte kaum stehen. Seine Beine trugen ihn nicht mehr, er schwankte oder fiel gleich um. Essen mochte er nicht, obwohl der Prinz ihm extra leckeres Zeugs kochte. Er riecht wieder schrecklich aus dem Maul. Der Geruch erinnert an Urin, das zeigt, daß seine Nieren wieder schwächeln. Er hat Urämie…. Gassi geht er nur widerwillig, meist schläft er in seinem Körbchen (den Sprung auf die Couch schafft er seit einigen Tagen nicht mehr) oder er steht regungslos irgendwo, leicht schwankend, und starrt vor sich hin. Er verliert Gewicht, seine Beckenknochen und Rückenwirbel treten leicht hervor, und er kann nur noch in kleinen Schritten tapsen. Kurz, wir leben mit dem Wissen, dass unsere Zeit mit ihm wohl gezählt ist. Während dieser der ganzen letzten Woche bin ich sehr früh aufgestanden, damit ich unten sein konnte, wenn der Prinz zur Arbeit fuhr. Denn der Bär kommt, sobald Herrchen aus dem Haus ist, nach oben zu mir. Da er aber die Treppe nicht mehr allein runterkommt, trägt der Prinz ihn (vor allem die Treppenkurve ist schwer für das Bärchen). Wenn aber der Prinz erstmal weg ist, kann ich Bärchen nicht runtertragen, also war es klüger, schon unten zu sein, damit der Kleine mich nicht oben suchen mußte. So halten wir es auch jetzt gerade wieder. Ich habe ihm sein Körbchen mit dem Schaffell dicht an die Heizung gestellt. Es tut weh, ihn so elend und schwach zu sehen. Wir kuscheln so viel wie möglich mit ihm und der Prinz kocht so lecker für ihn, wie es nur geht, ohne seine Nieren weiter zu gefährden. Er ist erst seit sechs Jahren bei uns, doch für uns fühlt es sich an, als sei er schon immer bei uns gewesen. Er ist der wunderbarste Hund der Welt. Ich bin nur froh, daß Martin Rütter das Thema „Alter Hund und nahender Abschied“ in einem seiner Programme angesprochen hat: „Freut euch über jede Minute, die der Hund noch bei euch ist!“, sagte er. Und das tun wir. Er kann jetzt öfter seine Blase nicht kontrollieren und pieselt in die Wohnung… na und, dann wischen wir es auf. Er schämt sich dafür und guckt sehr schuldbewußt, aber wir machen ihm keine Vorwürfe. Er kann ja nichts dafür. Und wofür hat Mutter Natur Küchenpapier wachsen lassen? Ich gehe alle drei Stunden mit ihm vors Haus, da kann er gegen die Straßenlaterne pieseln und ist entspannt. Er schläft dann meist noch eine Runde. Wenn der Prinz mit ihm rausgeht, läuft er besser, aber nur, weil sie dann dort vorbeigehen, wo Flocke wohnt. Flocke ist eine hübsche kleine Malteserhündin, in die der Bär verliebt ist.
Jedenfalls warten wir jetzt sehnsüchtig auf den 22.Dezember, das ist der Abreisetag zum lüttje Hus. Bei Dani sind die Katzenmädels in den allerbesten Händen, und der Bär und wir können unseren Urlaub entspannt genießen. Noch viereinhalb Wochen…

Update 22.November

Es geht ihm schlecht. Er schläft viel, frißt aber nicht. Oft steht er einfach irgendwo und starrt vor sich hin, während er langsam seitwärts hin- und her schwankt (oder vor und zurück). Wir haben nicht den Eindruck, daß er Schmerzen hat, er ist nur müde und kraftlos und scheint nicht mehr weitermachen zu wollen. Um eine fachliche Meinung zu bekommen, haben wir die mobile Tierärztin des Tierheims gebeten, sich ihn mal anzusehen. Sie ist sehr nett. Sie beobachtete ihn eine Weile, wie er sich verhält und hörte ihn ab. Ihre Meinung: Ja, er ist sehr krank, und er hat ein massives Herzproblem. Schmerzen hst er allerdings keine (das war auch unser Eindruck), aber ihm ist übel und er fühlt sich elend. Die versagenden Nieren vergiften seinen Körper langsam.( Er magert wieder ab.) Wir müssen uns den grausamen Tatsachen stellen, das hilft ja nix. Also wollten wir von ihr wissen, ob sie der Meinung sei, daß der Zeitpunkt zum Einschläfern da sei. Der Prinz und ich sind uns einig, daß das, wenn es denn sein müßte, nur hier zu Hause in Frage käme. Sie sagte aber, da er keine Schmezen habe, wolle sie ihn noch nicht einschläfern (Für mich ist das auch nicht einfach“, sagte sie leicht verlegen – wie sympathisch!). Wir sollen ihn allerdings engmaschig überwachen – wenn er wieder erbricht oder sein Zustand generell schlechter wird, sollen wir sie rufen – oder eben den Highlander, denn auch dieser würde zu uns nach Hause kommen, um das Bärchen zu verabschieden. Wir arbeiten also gerade daran,den Gedanken zu akzeptieren, daß wir am 22. Dezember wohl zum ersten Mal ohne Bärchen nach Woquard fahren – oder eben ohne ihn zurückkommen (und dann im Februar uns ein Hundegrab dort oben erwartet…). Wir können absolut nicht einschätzen, wie es kommen wird. Aber die Zeit, die ihm noch bleibt, möchten wir ihm so angenehm wie möglich machen. Diese tiefe und bedingungslose Liebe, die er uns geschenkt hat in den sechs Jahren, die wir mit ihm hatten, können wir ihm eh nicht zurückgeben… Jetzt schläft er gerade wieder, in seinem Korb an der Heizung.

Wollte nur mal schnell erzählen,

dass heute der zehnte Jahrestag des Hallamati ist, meine Lieben. Es ist also sozusagen mein zehnter Geburtstag und wir gehen heute Abend ganz doll essen, wie jedes Jahr. Da unser geliebtes Tivoli ja leider für immer seine Pforten geschlossen hat, weichen wir heute auf das „Pizza Pasta“ in Obrigheim aus. Das mögen wir auch gern, aber für das Tivoli wird es nie einen Ersatz geben. Zehn Jahre, verdammte Socke…

Ein Abschied technischer Art

steht uns bevor, meine Lieben: unser treuer kleiner Nissan Note hat es nicht mehr über den Tüff geschafft. Es sind nicht nur die 378.000 Kilometer auf dem Tacho, sondern viele kleinere „Alterserscheinungen“ wie Leuchten, Bremsen, Auspuff, etc. Das erklärte uns Franz, ein guter Bekannter hier aus dem Dorf, der vor seiner Rente KFZ-Meister war und der aus Liebe zum Schrauben, Tüfteln und Reparieren immer noch kleinere Sachen an Autos repariert. Er hat in den letzten Jahren unsere Autos über den Tüff gebracht: erstmal geprüft, welche Mängel da sind, das notwendige Material gekauft, alles in Ordnung gebracht und das Auto zur Überprüfung gefahren. Franz hat einige Jahre selbst beim Tüff gearbeitet und kennt die Abläufe dort genau. Nachmittags hat er uns das Auto dann mit neuer Tüff-Plakette vor die Tür gestellt und den Schlüssel samt Rechnung in den Briefkasten geworfen. Nur diesmal mußte er uns erklären, daß unsere Zeit mit unserem kleinen silberfarbenen Begleiter dem Ende zugeht.

Wir hatten das schon geahnt und waren nicht überrascht. Nur wehmütig sind wir. Wie oft hat der Kleine uns zuverlässig und ohne eine Panne von Rheinland-Pfalz nach Niedersachsen gebracht – zuerst ins Ammerland, nach Harkebrügge, später nach Ostfriesland… Der Prinz hatte für alle Fälle schon darüber nachgedacht, welches Auto als Nachfolger in Frage kommen könnte. Wichtig ist, daß der Rolli in den Kofferraum passt… und der Prinz träumt schon lange davon, auf dem elend langen „Ostfriesenspieß“ (der A 31) einfach den Tempomat einschalten zu können, während ich mich nach einer Sitzheizung sehne. Franz versprach uns, sich umzusehen. Allerdings war Dani, das Energiebündel, schneller. Sie wußte, daß einer ihrer Arbeitskollegen sein Auto verkaufen möchte, und rief ihn sofort an. Er schickte ihr umgehend einige Fotos, die wir recht ansprechend fanden.

Das Auto ist ein schwarzer Mazda 5, den Friedhelm wegen „Änderung der Lebensumstände“ verkauft. Letzten Samstag kam er mit dem Auto zu uns. Dani kochte Kaffee. Lange saßen wir zu viert in ihrer Küche und redeten über Gott und die Welt. Eine Probefahrt mit dem Mazda begeisterte uns: Ich kann wegen der höheren Sitze viel besser ein-und aussteigen, die hinteren Türen sind Schiebetüren (ebenfalls ein langgehegter Wunsch des Prinzen). Und jaaa! – er hat einen Tempomat und Sitzheizung!! eins!elf! Morgen, am Samstag, fährt Dani den Prinzen nach Darmstadt (dort wohnt Friedhelm), damit unser neuer Mitbewohner hier einziehen kann (bzw. auf meinen Behindertenparkplatz vor dem Haus). Nein, ich fahre nicht mit, denn dem Bärchen geht es derzeit nicht gut und wir möchten nicht, dass er länger allein im Haus ist (seine Nieren scheinen wieder Probleme zu machen). Den kleinen Nissan würde ich gern verschenken – Danis Enkel (17), der bei ihr lebt, macht gerade seinen Führerschein. Aber der Prinz wandte ganz richtig ein, daß der Kleine nicht mehr über den Tüff kommt. Und was soll ein Führerscheinanfänger damit? Das stimmt natürlich. Also wird ihn wohl für sehr kleines Geld jemand kaufen, der ihn zum Ausschlachten nutzen wird. Scheußlich. Ich fühle mich wie eine Verräterin. Kennt ihr das Gefühl?

Das Ende ist nah

Nein, darlings, ich meine nicht das Ende der Welt. Andererseits… doch. Denn das Ende, das naht, ist das Ende unseres Urlaubs im lüttje Hus. Mal wieder. *seufz*Morgen (MORGEN!!!!) müssen wir uns schon wieder trennen von der zweiten und künftigen Heimat. In der Nacht zum letzten Samstag (oder Sonnabend, wie sie hier oben sagen) sind wir angekommen, wie immer zur übergroßen Freude des Mausebären. Und seitdem hatten wir nur Schietwetter. NUR. Sturm („Ignatz“), heftiger Regen, düster draußen und kalt… Okay, ich habe Baumkuchen. Aber der Malibu steht in Worms im Schrank, nicht hier. Das ist doof. Wie auch in Worms, schlafe ich hier schon mit dicker Winterdecke und elektrischer Heizdecke. Gestern schlug „Ignatz“ voll zu. Die Deichschafe haben keine Locken mehr (ja, ich weiß, uralter Witz, sorry). Am 13.12. kommt der Dachdecker, um die Schäden vom letzten Unwetter zu reparieren. Das kann er aber von außen machen. Herta regelt das für uns (wie sie alles regelt, die Herzensgute). Und wir müssen uns nun bis Weihnachten gedulden, bis wir wieder herkommen können. AAABER, darlings, gute Nachrichten: wir wissen jetzt, daß wir wohl im Sommer 2030 endlich Ostfriesen werden können! Ja, das ist noch lange hin, aber der Traum wird damit doch wenigstens etwas konkreter. Die Bauarbeiten in Worms nähern sich wohl dem Ende, sagt Dani, Anfang nächster Woche kommt das Gerüst weg. Übrigens war Dani sehr in Sorge um ihren Liebling Micia, die plötzlich beim Fressen vor Schmerzen zu schreien begann. Das war schon vor unserer Abfahrt so. Der Prinz fuhr am Tag vor unserer Abreise noch schnell mit ihr zum Highlander, weil Dani sich solche Sorgen machte (sie ist wirklich eine mit ganzem Herzen hingegebene „Oma“ für Pippi und Micia – Ja, Oma – so nennt sie sich selbst! :D) Der Highlander stellte eine entzündete Maulschleimhaut fest und gab Micia zwei Spritzen, ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel. Es ging ihr schnell besser. Aber jezt scheint das Problem zurückgekehrt zu sein. Der Prinz erklärte ihr, wo die Praxis ist und sie fuhr mit Micia hin. Lief alles super, die Chefkatze ist wieder fit. Mir hat der Orthopädietechniker die obere Hälfte der Orthese abgeschraubt, es gilt, ein neues Laufmuster zu lernen, das heißt viel Muskelkater und Erschöpfung, aber: wenn ich durchhalte,werde ich wohl bald wieder ohne Orthese laufen können! YEEESSSS!

Doch,doch, es gibt sie noch,

die Lakritzefrau, my dearies! Aber wie so oft nach dem Ende unseres Urlaubes im lüttje Huus hat es mir so ganz generell an Lust gefehlt, irgendwas zu tun, weil ich dann immer in so eine Melancholie verfalle… dem Mausebärchen geht es genauso, der Kleine war kreuzunglücklich, weil ihm seine Wiese vor dem Haus fehlte, und pinkeln *muß* er ja nun mal. Hier haben wir leider nichts Grünes im Hof und nur die Katzen dürfen Danis Garten betreten. Ich kann nur sehr kurze Strecken mit ihm gehen, das reicht ihm bei Weitem nicht. Na, ab Mitte Oktober sind wir wieder für einige Tage oben, darauf leben wir hin! Derzeit haben wir hier ein Baugerüst am Haus und jeden Tag Arbeitslärm, da Dani die Hauswände dämmen läßt. Meine Therapien machen Fortschritte (klein, aber immerhin) und ich schreibe jetzt wieder öfter 😉

Liebe Grüße! / Fortsetzung

Auf den Fotos sahen wir Löcher in den Lamellen der Rollläden, gezackte Einschlagskrater. Der Prinz rief unseren Versicherungsmenschen an, dessen Büro gleich im Nachbardorf ist. Dieser empfahl dem Prinzen einen Tischler, der das bearbeiten könne. Äähm…die Rollläden sind aus Kunststoff….? Ja, sagte der Mann, aber der Tischler habe sich das mit der Zeit angeeignet und könne diese Schäden wirklich gut reparieren. (Derzeit klebt schwarzes Klebeband auf den Löchern – der Tischler hat das erstmal sehr pragmatisch gelöst 😉 ) Er  wird einfach nur die betroffenen Lamellen austauschen, hat er mit dem Prinzen vereinbart, das macht er, sobald er Zeit hat. Denn jetzt ist viel los, nach dem Starkregen. Der Hagel hat auch jede Menge carports beschädigt, deren Dächer aus Plastik-Stegplatten bestanden, und Handwerker, die das reparieren, sind derzeit sehr ausgebucht.

Dann hatte uns Dani Fotos geschickt, auf denen Wasserlachen in der Küche zu sehen waren, nach einem heftigen Regenguß. Das bereitete uns schon mehr Sorge, zumal das Wasser über der Anrichte aus der Decke kam und an der Wand herablief. Die Zimmerdecken im Erdgeschoß hatte Herr Beckmann, der Vorbesitzer, mit weißen Nut-und Feder-Paneelen verkleidet. Der Prinz hat vorhin eines davon herausgenommen: mit Wasser vollgesogen und zum Teil voll Schimmel…So ein Schiet! In den letzten Tagen war er oben im Dach herumgekrochen und hatte eine undichte Stelle entdeckt, an der der Wind, wenn er stark ist und von Westen kommt, Regenwasser unter die Dachziegel drückt. Aber inzwischen glaubt er, eine andere Stelle gefunden zu haben, die wohl eher der Grund für den Schaden ist. Der Versicherungsmann hatte ihm einen Dachdecker empfohlen. Der Prinz rief diesen an und es stellte sich heraus, daß er sowieso gerade in Woquard war! Er kam sofort herüber,spachtelte eine lecke Stelle zu und beriet mit dem Prinzen, was weiter zu tun sei. „Okay“, sagte der Prinz, „wir sind noch zwei Wochen hi- „AAAHAHAHAHAAA!“ war die Antwort. “Okaaayyy“… sagte der Prinz, „zu kurzfristig?“ Der Dachdecker grinste breit. „September-Oktober“, „oder Oktober-November“, das könnte klappen, weiß ich aber noch nicht“, sagte er. „Wir sind komplett ausgebucht nach dem letzten Unwetter hier“. Wir waren sehr beeindruckt und voller Mitgefühl für die Betroffenen, denn auch nach Hertas Beschreibungen müssen der Regen und der Hagel wohl einiges an Schäden angerichtet haben.

Auch bei ihr – Hertas Häuschen hat außen Fensterläden, die etliche Blessuren vom Hagel abbekommen haben.

 Übrigens haben wir zu unserer Freude vorgestern auf dem Deich einen der Whisky-Jungs getroffen, Rolf, der mit seiner Frau per Fahrrad unterwegs war. Er freute sich sehr, uns wiederzusehen. Wie erzählten einander, wie es uns ergangen war seit unserem Kennenlernen an der Bank auf dem Deich im letzten Sommer. Natürlich kam auch das Unwetter zur Sprache. Rolf erzählte, daß der Hagel das Auto seiner Frau in einen wirtschaftlichen Totalschaden verwandelt habe – komplett verbeult. Gut, daß wir da noch in Worms hockten! Okay, dafür haben wir jetzt hier auch kühles und regnerisches Wetter und sind viel drinnen. Ein Ausflug nach Emden ins Eiscafé war nur Frust, weil der Wind heftig und kalt war. „War auch keine Freude“, hätte unser Uli (Stein) gesagt… Dafür kommen nun täglich katzenverliebte Fotos und Filmchen von Dani herein. Seit unserem letzten Urlaub hat sie nämlich für Micia und Pippi ein eigenes Buffet vor ihrer Haustür eingerichtet -Schüsselchen, die immer mit Futter und Wasser gefüllt sind. Dort gibt es morgens und abends pünktlich Essen für die Damen! Vor allem Micia war schlecht gelaunt, als Dani mit ihrer Familie hier im lüttje Huus war und das Buffet geschlossen blieb. Bevor sie nach Woquard abfuhren, unterwies Dani den Prinzen genau, wann und wie er Micia und Pippi zu füttern habe 😀 😀 Nun kam ein Filmchen mit dem Hinweis „Sie hat gewonnen“, gefolgt von vielen Herzchen: Micia hat es geschafft, in Danis Wohnzimmer zu dürfen…Wir lachten sehr, weil es uns so sehr daran erinnerte, wie Micia es Ende 2007 geschafft hatte, bei uns einzuziehen und sofort Chefkatze zu werden (so jung und klein sie damals auch noch war…).Nun, ich bin froh, daß es den beiden gut geht, denn ich vermisse mein Pippilein, vor allem beim Einschlafen!

Jetzt haben wir noch eine gute Woche vor uns und ich hoffe, daß es wärmer wird. Das ist bisher ein beschissener August! Wenn ich daran denke, wie herrlich heiß der August im letzten Jahr war…Immer öfter denken der Prinz und ich darüber nach, wie wunderbar es mal sein wird, wenn wir einfach nie wieder zurück müssen… Aber das dauert noch, auf jeden Fall noch neun Jahre, dann kann der Prinz in den Ruhestand gehen. Und nur mit viel Glück können wir damit rechnen, daß wir unsere Freunde dann noch haben… Edda und Tinus sind jetzt beide 80 und Herta wird im Dezember 77. Ok, ja, die Whisky-Jungs, die sind in unserem Alter. Seltsam, solche Gedanken! Man fühlt sich so alt… 😉

Liebe Grüße!

Ganz liebe Grüße aus Ostfriesland, Ihr Lieben!

Mittwoch Nacht kamen wir im lüttje Huus an und wir dürfen uns auf einen Urlaub bis zum 16.8. freuen! Die ganze Woche davor hatte Dani, unsere Vermieterin, mit ihrer Tochter und deren zwei Söhnen im Huus verbracht (wir hatten ihr das angeboten, weil sie so herzlich und liebevoll zu uns ist, sie bringt uns fast täglich Gekochtes oder Gebackenes herüber und lädt uns sehr oft zum Grillen in ihren Garten ein. Außerdem versorgt sie mit Begeisterung unsere Katzendamen, wenn wir im Urlaub sind). Sie hatte sogar von sich aus vorgeschlagen, dass wir im Haus einen Treppenlift für mich einbauen lassen (das hatte Jürgen, unser voriger Vermieter, strikt abgelehnt, deswegen hatten wir dort gekündigt und sind zu Daniela gezogen.) Die vier waren hellauf begeistert von ihrer Woche hier, sie fühlten sich sauwohl im Huus und unternahmen viel in der Region. Dani schickte pfundweise Fotos, auf denen ausnahmslos die Sonne ballerte und alle vier glücklich und entspannt im T-Shirt in die Kamera strahlten. Also freute ich mich auf einen warmen Urlaub. Sie kamen am gleichen Tag zurück, an dem wir hinfuhren, also letzten Mittwoch. Wir kamen wie immer nachts an, gegen ein Uhr. Üblicherweise leuchtet im in die Einfahrt einschwenkenden Scheinwerferlicht ein dichter gelber Teppich aus Löwenzahn. Diesmal: keine einzige Blüte, nichts. Nur die Bruchstücke der Waschbetonplatten, aus denen die Einfahrt besteht – und deren Ritzen waren sauber ausgekratzt! Wir hatten sofort Dani im Verdacht, die möglicherweise das Gefühl gehabt hatte, uns etwas „schuldig“ zu sein… Am Morgen riefen wir sie an. „Jaa, wir hatten einen Faulenzertag“, erklärte sie, „und ich wußte nicht, was ich tun sollte, mir war langweilig, da dachte ich, ich nehme mir zumindest das Stück vor dem Eingang mal vor…“ DAS ist unsere Dani, live und in Farbe! ❤ Als wir das Haus betraten, stellten wir fest, daß alles geputzt und super ordentlich aufgeräumt war. Sogar die Sofakissen standen stramm wie Soldaten auf der Couch! Wir freuten uns einfach nur und fielen ins Bett. Am ersten Tag faulenzten wir, wie immer. Herta kam und brachte Kuchen. Es zeigte sich, daß sie und Dani sich blendend verstanden hatten. Wunderte uns kein Stück! Beide sind wunderbare, warmherzige Menschen mit viel Humor. Und wir haben das Glück, daß beide uns gern haben. ❤ Leider hatte der Dani-Clan aber wohl die Sonne mitgenommen, denn unsere ersten Tage waren kalt und verregnet. Übrigens hatte unser lüttje Huus Hagel-und Wasserschaden abbekommen. Schon nach dem ersten Starkregen im Juli hatte Herta angerufen und gemeldet, daß der Hagel Löcher in die Jalousien geschlagen habe (so groß wie Wachtel-Eier seien die Hagelkörner gewesen, sagte sie). Hinrich, ihr Sohn, machte Fotos und schickte sie uns.

***Fortsetzung folgt!***

Die Whisky-Jungs

So, wie kürzlich angekündigt, my dearies, kommt hier die Geschichte, wie der Prinz und ich neue Freunde im Norden gefunden haben, nämlich die Whisky-Jungs, wie wir sie für uns nennen:

Das war schon im letzten Sommer, im August 2020. Wir drei waren auf dem Deich am Campener Leuchtturm unterwegs, mit Rolli. Kurz hinter dem Leuchtturm, Richtung zu uns rüber, steht eine Aussichts-Sitzbank, daneben eines dieser Bezahl-Ferngläser, mit denen man für 50 Cent weit übers Watt schauen kann, und eine touristische Schautafel, die einige Wattvögel und -pflanzen erklärt. Schon auf dem Hinweg Richtung zu uns (also nach Upleward) sahen wir im Vorbeilaufen auf der Bank drei Männer sitzen, die etwas aus kleinen Gläschen tranken und sich ruhig miteinander unterhielten. Ah, dachten wir, die haben Schnaps dabei, coole Idee. Bei Upleward geht der Prinz immer hinauf auf „unseren“ Deich und macht ein Watt-Foto, immer von der gleichen Stelle aus in die gleiche Richtung (wie Auggie in dem Film „Smoke“ das an seiner Ecke in Brooklyn tut). Danach gehen wir dann immer den Deich entlang zurück, bis Campen, und fahren nach Hause. Diesmal sahen wir, dass die Männer immer noch auf der Bank saßen. Der Prinz und Le Bär gingen einige Schritte voraus, da an dieser Stelle der Weg zum Parkplatz etwas abschüssig ist und ich da lieber langsamer rolle. Als ich an der Bank vorbeikam, konnte ich meine große Klappe nicht halten und sagte scherzhaft: „Na – also, ohne mich trinken, das geht ja wohl mal gar nicht!“ Wie angestochen schoß der außen Sitzende hoch und sagte eilig: „Ja – bitte, setzen Sie sich doch zu uns!“ Oh je, dachte ich, jetzt habe ich sie in Verlegenheit gebracht… und ich wollte auf keinen Fall aufdringlich sein, also lachte ich: „Nein, nein, danke – alles gut! Ich habe nur Spaß gemacht. Wir sind schon auf dem Rückweg, da unten steht unser Auto!“ Aber das ließ er nicht gelten: „Nein, wirklich – Sie dürfen sich gern zu uns setzen und etwas mittrinken. Sie sie sind herzlich eingeladen!“ Und in verschwörerischem Tonfall fügte er hinzu: „Wir trinken Whisky!“ Das gab den Ausschlag. „Ooh, Whisky!“, sagte ich erfreut. „Welchen haben Sie denn?“ Er strahlte. „Wir haben Ardbeg ten.“ „Ach nee, wie praktisch“, lachte ich. „Ardbeg ist der Lieblingswhisky meines Lebensgefährten!“ Und gerade da kam dieser, mit Hund an der Leine voran, schon auf uns zu. Er wollte sehen, wo ich so lange blieb. „Wir sind auf einen kleinen Whisky eingeladen!“, rief ich ihm entgegen. „Es gibt Ardbeg.“ “Ooh“, strahlte der Prinz. „Ardbeg! Meine Lieblingsmarke.“ Das freute unsere drei neuen Bekannten sichtlich. Der, der mich eingeladen hatte, goß uns schnell etwas in formschöne kleine tasting-Gläschen ein. Ardbeg ist (war) nicht so ganz mein Geschmack, und ich nippte nur etwas. Der, der mich eingeladen hatte (Machen wir es kurz: er heißt Rolf) bot mir noch eine zweite Marke an, die ich nicht kannte. „Ist der getorft oder ungetorft“? fragte ich und erntete damit ein entzücktes Strahlen auf allen drei Gesichtern. Mit der kann man über Whisky reden! Einself! Nur Rolf war etwas verlegen, weil sie nur getorften Whisky dabei hatten. Aber egal, wir waren mit den drei wirklich sehr netten und offenen Männern schnell in einem angeregten Gespräch. Die beiden anderen stellten sich als Uwe und Thorsten vor. Der Bär forderte und erhielt viel Aufmerksamkeit und wir redeten über Ostfriesland und Schottland, das alle drei recht gut kennen (sie haben mehrere Whisky-Seminare auf Islay mitgemacht, das ist die Insel, von der so bekannte Marken wie Laphroaig stammen (den ich inzwischen sehr liebe). Alle drei kennen unser Woquard, da sie alle in der näheren Umgebung wohnen. Sie treffen sich regelmäßig auf dem Deich oder unternehmen etwas zusammen, viel mit dem Rad. Wie es im Norden üblich ist, waren wir schnell beim „Du“. Gerne hätten wir die drei zu uns eingeladen, zu einem Whisky-Abend auf der Terrasse vor dem Berber-Ofen, den ich mir vor Jahren angeschafft habe und den wir letztes Jahr ins Lüttje Huus mitgenommen hatten. Aber die Corona-Regeln waren da noch sehr streng, so verlegten wir das Treffen in eine noch nicht absehbare Zukunft, „Wenn man sich wieder treffen darf“…

Seitdem waren wir oft auf dem Deich, haben aber die Jungs nicht mehr gesehen. Vermutlich haben sie sich wegen der Pandemie auch nicht mehr so oft getroffen. Dafür haben der Prinz und ich uns im letzten Urlaub mal auf die besagte Bank gesetzt. Da wir uns angewöhnt haben, auch immer etwas Whisky dabeizuhaben, machten wir dieses „Selfie“:

und schickten es mit lieben Grüßen an Rolf. Seine Antwort kam prompt: „Das gibt’s doch nicht!“ schrieb er. „Vorhin sind meine Frau und ich noch mit dem Fahrrad über den Deich gefahren, aber wir haben euch nicht gesehen. Wir müssen uns bald treffen!“ Wir stimmten zu und versprachen, uns zu melden, sobald wir wieder „oben“ sind. Das wird jetzt bald wieder sein – in den ersten zwei Augustwochen sind wir wieder „zu Hause“, wie wir es nennen. Denn genau so empfinden wir es. Und wir freuen uns schon wie verrückt.

Zwischen Wahnsinn und Irrsinn

haben wir uns gestern bewegt, darlings: An einem beliebigen Samstag in die Heidelberger Innenstadt zu fahren, ist ziemlich bekloppt, um es mal schlicht auszudrücken. Aber an einem warmen und sonnigen Samstag in die Heidelberger Innenstadt zu fahren, bewegt sich irgendwo zwischen Suizid und Wahnsinn. Und da waren wir gestern… Boah, ey.

Zwar sind die Kohorten japanischer Touristen auf ihrer „Europa in neun Tagen“ – Tour noch nicht da, aber es war dennoch knüppeldicke voll. Der Bär fand alles sehr aufregend und mußte ganz viel schnuppern, markieren und sich vor den vielen Füßen in Acht nehmen. Der Prinz war einfach nur genervt von den vielen Menschen – das Einzige, das ihn durchhalten ließ, war der Gedanke an sein neues MacBook, das er zur Abholung vorbestellt hatte (das war sein Grund für den Heidelberg-Trip). Ich mag die schöne alte Stadt sehr gern und freute mich einfach darüber, mal wieder die Fußgängerzone zu sehen – ich bin seit Jahren nicht mehr in Heidelberg gewesen. Aber für mich sind Menschenmengen auch kein Spaß: erstens mag ich Menschen nicht besonders (bis auf einige wenige Ausnahmen), und zweitens kostet mich das Manövrieren mit dem Rolli durch viele Leute hindurch enorm viel Kraft. Aber gut – dafür habe ich das schöne Heidelberg mal wieder gesehen. UND ich bekomme das bisherige MacBook des Prinzen, weil mein Laptop seeeehr laaaangsaaaam geworden ist und ich ein schnelles und zuverlässiges Gerät brauche. Wenn nämlich alles geklappt hat, kann ich mir künftig etwas Geld nebenher verdienen mit einem sehr coolen kleinen Nebenjob: Untertitel für Filme und Videos schreiben, damit auch taube oder sonstwie hörgeschädigte Menschen die Handlung verfolgen können. Eine Test-Untertitelung habe ich bereits abgeliefert und werde nun der Dinge harren ☺Ich darf ja neben meiner Erwerbsunfähigkeitsrente einen Nebenjob haben, sagt die Deutsche Rentnversicherung (und nein danke, lieber Karm, eine anonyme Mail an die DRV ist nicht nötig, ich habe das mit meiner zuständigen Sachbarbeiterin bereits abgesprochen 🤣). Übrigens haben wir in Heidelberg eine sehr nette kleine türkische Bäckerei entdeckt, die außen Tische hat. Sie bieten neben Brot und Gebäck auch türkische Linsensuppe an, die der Prinz und ich sehr lieben. Dazu gab es Käse-Schinken-Toast und Cay (Tee). Das war ein anstrengender Tag, aber nach der langen Corona-Zwangspause (die wir sehr sinnvoll fanden und voll unterstützt haben) war es toll, mal wieder zu bummeln und geöffnete Geschäfte, Cafés und Restaurants zu sehen! Ich wünsche euch heute noch einen tollen Sonntag!

Orr -schon wieder zurück!

Seit Dienstagnacht vorletzter Woche (schon!) sind wir aus der zweiten Heimat zurück, darlings. Dieses Mal bringen wir aber bessere Nachrichten mit: dem Bärchen geht es deutlich besser! Das stellte die Tierärztin fest, die den kleinen Stinker Ostern gerettet hatte. Der Bär freute sich, wie jedes Mal, wie verrückt, als er merkte, wo wir nach der langen Fahrt angekommen waren (die er, wie meist, zu einem großen Teil verpennt hatte). Er galoppierte erst einmal ausgelassen durch alle Räume und sprang zwischendurch immer wieder begeistert an uns hoch. Meist treffen wir gegen Mitternacht dort ein und gehen dann sofort schlafen. Ich hatte Glück: der Himmel war sternenklar und die Kassiopeia schaute mir genau aufs Bett. Glücklich schlief ich ein. Wie immer, hatte Herta, die schon geschlafen hatte, den Motor unseres Autos gehört und gesehen, wie die Scheinwerfer ihr Schlafzimmer erleuchteten. So wußte sie, daß wir da waren, und brachte uns am nächsten Vormittag einen Topf mit Linsensuppe und Würstchen, die sie schon für uns vorbereitet hatte (Herta ist wirklich ein Schatz!). Am Morgen fand der Prinz beim Kraulen hinter Bärchens linkem Ohr eine Zecke, die zwar klein war, aber sich so tief verbissen hatte, daß der Prinz keine Chance sah, sie herauslösen zu können, zumal Le Bär Zeter und Mordio schrie und sich wand wie ein Fisch im Netz, wenn ihm der Prinz mit der Zeckenzange zu nahe kam (Drama Queen!) 🤣. Der Prinz wollte aber nicht aufgeben, weil er sich wegen einer Infektion sorgte. Also fuhr er nochmal mit dem Bärchen zu der tollen Ärztin nach Canum. Sie freute sich, daß der Bär so munter wirkte und ließ sich genau berichten, wie es bisher gelaufen war. Mit dem Diätfutter, das der Prinz dem Kleinen jeden Tag kocht, war sie sehr einverstanden, aber der Abwechslung halber gab sie dem Prinzen noch ein Alternativ-Rezept mit. Sie testete auch noch einmal Bärchens Blut: Die Kreatininwerte, die Ostern so lebensgefährlich hoch gewesen waren, sind jetzt viel besser, „Tendenz fallend“, wie sie zufrieden sagte. Sie sollten wohl in absehbarer Zeit wieder auf normalem Wert stehen. Wenn wir im Herbst wieder da sind, will sie ihn nochmal gründlich untersuchen. Also, ihr Lieben: Wenn wir mit seiner Ernährung so weitermachen, haben wir eine sehr gute Chance, den kleinen Nervtöter-Köter behalten zu können! Wir sind SO froh! \o/

Eine Enttäuschung gab es aber doch, aber die hatte nichts mit Bärchen zu tun: Seit wir das Lüttje Huus haben, machen wir uns öfter mal den Spaß, nach Schillig zu fahren (ein Touristen-Urlaubsort mit großem Campingplatz, auf dem dicht an dicht Wohnwagen stehen- wir nennen ihn „Borg-Kollektiv“ – ganz gruselig!). Am Ortsrand steht immer ein Hähnchengrill-Wagen, der köstliche Hähnchen anbietet sowie Pommes mit Mayo (denkt einfach „Belgische Fritten“, dann wißt ihr, warum wir da so gern essen 😋). Als der Prinz dieses Mal vorschlug, unser Abendessen dorthin zu verlegen und das mit einer netten Tour über Land und an der Nordsee entlang zu verbinden, war ich sehr dafür. Wir hofften, den netten Verkäufer auch anzutreffen, denn beim letzten Mal hatte der Wagen nicht an seinem Platz gestanden. Wir hatten als Grund Mangel an Badegästen wegen der Kälte vermutet. Doch zu unserer Freude sahen wir den Wagen schon von Weitem an seinem Platz. Als wir näher kamen, sah er aber seltsam fremd aus. Unsere Gesichter wurden immer länger, als wir hinfuhren und feststellten, daß da jetzt ein Pizzawagen steht! Einself!! Er war recht gut besucht (mit Kindern hat man mit Pizza ja immer eine Chance). Wir waren sehr enttäuscht und traurig. Enttäuscht, weil wir schon auf Hähnchen und Pommes eingestimmt waren, und traurig, weil es uns für den jungen und sehr netten Grill-Inhaber so leid tat. Wir vermuten, daß ihm wohl Corona das Genick gebrochen hat, wie so vielen kleinen Unternehmen. Schade ist das auch für Edda und Tinus, die die Grillhähnchen ebenfalls sehr liebten und denen wir immer zwei halbe mitgebracht hatten. (Nach der Fahrt einmal quer durch Ostfriesland waren die Hähnchen natürlich schon ausgekühlt, aber Tinus hatte sie immer im Backofen nochmal heiß gemacht.) Ja, und ich konnte bei dem herrlichen Wetter endlich mal wieder mit auf den Deich!

Wie wir es uns angewöhnt haben, parken wir oft in der Nähe des Campener Leuchtturms und nehmen dort den breiten Radweg hinauf auf den Deich. Von dort aus führt der Radweg weiter etwa drei Kilometer am Watt entlang bis zu „unserem“ Deichabschnitt in Upleward. Der Radweg ist supergut für Rollis geeignet. Der Bär kennt jede Pflanze am Wegesrand mit Namen, scheint es uns jedes Mal wieder, weil er an jeder umständlich lange rumschnüffelt. Wir machen dann unsere Witze darüber. „Ah, er hat auf Horst-Günther gepinkelt“, sagt der Prinz zum Beispiel. „Orr, heute scheißt er auf die arme Gisela!“, sage ich. Und dann lachen wir und gönnen uns in liebgewordener Tradition einen Schluck Whisky aus unseren hipflasks, die wir immer dabeihaben, seit wir im letzten Jahr die „Whisky-Jungs“ kennengelernt hatten (das erzähle ich euch noch, eine großartige Geschichte!) Wir haben immer Laphroaig 10 und Talisker dabei, falls jemand fragen wollte 😁


Da unsere Nachbarn in Woquard (einschließlich Herta!) das hüfthohe Gras in der Einfahrt und im Garten schon mit Besorgnis betrachteten, erbarmte sich der Prinz und rückte dem Urwald mit dem Mäher zu Leibe. Ja, selbst in unserem sonst so gelassenen Friesendörfchen sind Dinge wie ein gemähter Rasen wichtig! Gerhard, der Nachbar schräg gegenüber, ist im Vorruhestand und langweilt sich viel. Er ist der ungekrönte Rasenmäherkönig bei uns (aber ein ganz lieber und netter Kerl!). Nach immerhin acht Wochen Abwesenheit mit der idealen Mischung aus Sonne und Regen empfing uns der Garten so:

Ansonsten verbrachten wir unsere Zeit mit einigen kleineren Renovierungsarbeiten im Haus, viel Lesen und dem Schauen wundervoller Dokus über Haie, die ich als DVDs mitgenommen hatte (da ein Sturm ja unsere SAT-Schüssel verdreht hatte). Zu Edda und Tinus schafften wir es diesmal nicht, da sowohl bei uns als auch bei den beiden immer einiges los war – Edda hatte ihren 80. Geburtstag, da verbrachten sie und Tinus einige Tage bei ihrer Tochter und den Enkeln. Wie immer, fuhren wir nur ungern und wehmütig zurück, aber auf uns wartete unser zweiter Impftermin, und den wollten wir um keinen Preis verpassen. Ja, wir sind jetzt beide durchgeimpft und sehr froh darüber! Wir können beide aus tiefstem Herzen einem Tweet zustimmen, den ich entdeckt hatte: „Die Impfung ist das einzig Positive, das mir je in einer Turnhalle passiert ist.“  Wie ist das bei euch? Seid ihr gepiekst? Hattet ihr Nebenwirkungen? (Bei uns nur starke Müdigkeit.)


Also- die Geschichte, wie wir uns mit den „Whisky-Jungs“ angefreundet haben, folgt!

Jetzt kriegen sie ihn am Arsch! \o/

Um wen geht es, darlings? Wer kriegt wen am Arsch? Wir feiern gerade unsere frühere Nachbarschaft so hart, der Prinz und ich! Und das ist der Grund: Am Mittag spazierten wir bei schönstem Wetter mit Bärchen am/an der Bach entlang, als uns zu unserer Freude Helge begegnete, der Nachbar, der uns schräg gegenüber gewohnt hatte. Er fragte, wie es uns gefiele im neuen Haus, wir berichteten ein bißchen und fragten, was sich denn in der alten Nachbarschaft derzeit so tue. Wir wissen von Jürgen, daß er unser früheres Haus gerade für seine jüngere Tochter und deren Freundin renoviert. Gesehen haben wir auch mal  im Vorbeifahren, daß die Stadtverwaltung mit dem Verlegen meines Behindertenparkplatzes vor die neue Haustür auch zwei eingezeichnete Parkplätze vor dem Grundstück der Katlahöhle entfernt hat (vermutlich hatten sich Besucher der Nachbarschaft, die diese Plätze zum Parken nutzten, bei der Stadt beschwert, daß sie ständig anonyme Zettel mit der Mitteilung „Bitte hier nicht parken“ unter ihren Scheibenwischern fanden (Ja, genauso albern und peinlich, wie es sich hier liest, ist das auch, der Prinz und ich hatten dieses „Vergnügen“ schon vom Tag unseres Einzuges an (das war 2005! eins!elf!) Aber erstaunlich viele Menschen wissen oder begreifen nicht, daß der Bürgersteig vor ihrem Haus nicht zu ihrem Grundstück gehört und damit nicht ihr Eigentum ist, sondern das der Stadt und sie somit niemandem verbieten können, vor ihrem Haus zu parken.

Jedenfalls, so berichtete Helge, habe unser altbekannter Hobby-Blockwart in den letzten Wochen mal wieder eine ganze Reihe von Nachbarn wegen angeblichen Falschparkens angezeigt, wie wir das ja schon von früher kennen. Anonym natürlich 🙄. Nur, und hier kommt der Knüller, der den Prinzen und mich so amüsiert: Nach all den Jahren unsinniger Anzeigen, die nur der Ego-Masturbation des Denunzianten dienen, haben die Nachbarn jetzt endlich mal die Faxen dicke. Einige haben sich zusammengetan und gemeinsam eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, dem Quatsch ein Ende zu machen! YEAH! Die Kanzlei hat bereits bei der Stadtverwaltung Akteneinsicht angefordert, um an den Namen des Denunzianten zu kommen. Ich sähe sooo gern sein Gesicht, wenn die bei der Stadt ihm klarmachen, dass sie seinen Namen nennen müssen – denn, und das ist der Witz – der Denunziant glaubt, seinen Namen kenne niemand. Denn: schließlich war er ja superintelligent und hat sich bei GMX eine Mailadresse mit einem Phantasienamen registriert! Da kann doch niemand drauf kommen, dass er hinter den Anzeigen steckt! einself! 🤣🤣 (Doch, so unfaßbar es klingt, der ist wirklich so doof). Der Prinz und ich haben seine Clownereien immer mit einem mitleidigen Abwinken hingenommen, weil er uns leid tat – wir wohnen seit 2005 im Dorf und kennen ihn nur arbeitslos- da ist viel Verbitterung und Wut hinter seinem Verhalten. Aber dafür kann im Dorf schließlich niemand etwas. Helge meinte dazu nur: „Der feine Herr lebt für sein Denunziantentum und hat Spaß daran, die Nachbarn abwatschen zu lassen. Sobald rauskommt, dass er das war, hat er ein Problem.“ Er grinste uns an und sagte: „Ich hab‘ selbst etliche Anzeigen von dem Arsch bekommen. Früher wurden solche Leute bei Nacht und Nebel einfach mal in eine dunkle Ecke gezerrt, bekamen einen Sack über den Kopf und dann die Hucke voll. Das war vielleicht etwas derbe, aber hat meistens geholfen. Heute macht man sowas leider nicht mehr und regelt das per Behörde oder Anwalt. Die alte Lösung war aber schneller und effektiver, find‘ ich. Man sollte im Rahmen der Retrowelle mal drüber nachdenken. Einen Sack für über den Kopf hätte ich immer griffbereit!“ Die Vorstellung machte uns viel Spaß und der Prinz und ich hatten auf dem Rückweg einiges zu lachen. Denn der Meldepimmel scheint keine Ahnung zu haben, daß das gesamte Ordnungsamt einen gewaltigen Brass auf ihn hat. Das habe ich von einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes gehört, mit dem ich ins Gespräch kam, als er mit zwei Kollegen meinen Behindertenparkplatz neu anlegte und ich anmerkte, wie froh wir seien, nicht mehr so nah bei dem Meldepimmel zu wohnen. „Glauben Sie mir, Frau Lakritz, jeder bei uns haßt den Kerl!“, sagte er, „Aber wir müssen bei einer Anzeige immer jemanden rausschicken, das ist so eine Zeitverschwendung! Da bleibt jede Menge wichtiger Arbeit liegen für den Schei...oh, entschuldigen Sie…“ Er grinste, ich lachte. Der Prinz und ich haben ja bei verschiedenen Festlichkeiten im Dorf schon öfter Bemerkungen gehört wie „Der soll mal was arbeiten, dann hat er nicht so viel Langeweile!“, oder daß der Meldepimmel sich in Acht nehmen solle, „daß der nicht mal mit gebrochener Nase in der Bach landet!“ Nun, wir warten jetzt einfach mal in Ruhe ab, wie sich die Lage in der ehemaligen Nachbarschaft entwickelt. Genug Kontakte haben wir noch, wir werden also alle Neuigkeiten gleich erfahren. Diese neue, erfreuliche Situation läßt uns wieder einmal unsere neuen Nachbarn schätzen, die durchweg liebenswert und einfach nett sind, herzlich und fröhlich. Ich werde berichten, darlings 😊😉

Übrigens: WordPress hat mal wieder das Bearbeitungspanel verändert, deshalb sehen meine Texte manchmal etwas seltsam aus!Ich habe noch nicht raus, wie manches jetzt funktioniert...
 

Wie Bärchen dem Tod entrann – Teil2/2

So, meine Lieben, hier geht die Bärchen-Geschichte weiter (für die Neuankömmlinge: Teil 1 findet ihr hier). Gleich nach Ostern fuhren wir mit dem erschreckend abgemagerten kleinen Knochengestell zurück nach Worms. Der Bär war sehr erschöpft und verschlief fast die ganze Fahrt. Zurück in unserem Wormser Dörfchen, behielten wir ihn ständig im Blick. Es war immer noch kalt, und da er so dünn geworden war, fror er draußen. Nachts schlief er weiter bei Herrchen im Bett. Ich erzählte unserem früheren Vermieter, Jürgen, davon, wie wir das Bärchen beinahe verloren hätten. Jürgen und Marika haben eine Hündin in Bärchens Alter, die ebenfalls nierenkrank ist. Deshalb kocht Marika für sie, Huhn und Reis. Der Prinz beschloß, auch für Bärchen zu kochen, weil der Kleine doch das Nieren-Diätfutter so eklig findet. Es stellte sich heraus, daß die Fleischerei-Fachverkäuferin ebenfalls einen nierenkranken Hund hat! Sie riet dem Prinzen zu Schweinebauch (= kaum Muskelfleisch, viel Fett, und Fett darf er ja, nur Eiweiß ist gefährlich). Nun läuft das so: der Prinz würfelt den Schweinebauch klein und läßt ihn mit kaltem Wasser aufkochen (so geht das Eiweiß raus; in kochendem Wasser schließen sich die Poren zu schnell und halten das Eiweiß drin, erklärte die nette Verkäuferin). Dazu kommen gewürfelte Kartoffeln und Möhren. Anfangs suchte sich der raffinierte kleine Gauner gezielt die Fleischstückchen raus und legte die Kartoffelstücke demonstrativ rund um den Napf auf den Boden 🤣. Der Prinz verstand den „diskreten“ Hinweis und vermischte die Kartoffeln mit Griebenschmalz. Das kam gut an beim Bärchen, aber trotzdem suchte er noch immer das Fleisch raus. Jetzt wurde „Papa“ aber gemein! Der Prinz stampft seitdem nämlich einfach die Mischung mit dem Kartoffelstampfer durch! So kann der Stinker nichts mehr rauspulen. Was bleibt ihm übrig? – er futtert jetzt brav die gesamte Schüssel leer. Und was soll ich sagen? Es wirkt! Seine Nieren haben sich etwas erholt, der Bär hat zugenommen und nimmt jeden Morgen brav seine Goldrute-Tropfen (mit Brot und Schmalz 🤣) und seine nach Leberwurst schmeckende Herztablette. Er ist schon wieder ganz die frühere penetrante Nervensäge (Gott sei Dank!), geht gern Gassi und spielt wieder. Okay – wir wissen, er lebt auf geliehener Zeit und wir können ihn jederzeit verlieren. Aber das macht das Leben mit ihm intensiver, liebevoller. Wir wissen ihn viel mehr zu schätzen, den kleinen Nervtüllerich (wie der Prinz ihn nennt). Er ist nun mal der weltbeste Hund, so versuchen wir, ihn so lange zu behalten, wie es geht und es ihm Spaß macht. 15 Jahre sind ein stolzes Alter, wie Jürgen richtig sagte, wenn auch Mischlinge robuster und langlebiger sein sollen als Rassehunde. Jedenfalls kommt er mit der neuen Ernährungsumstellung gut klar und wir werden ihn weiterhin mit Argusaugen bewachen! Le Bär ist schließlich unser Ein und Alles! 🥰

Wie Bärchen dem Tod entrann – Teil1/2

Mal wieder war hier eine lange Ruhepause, meine Lieben. Der Grund dafür war (und ist noch), dass der Bär sehr krank war und so gerade noch dem Tod von der Schippe springen konnte. Hier kommt Teil 1 meines Berichtes darüber, was passiert ist. Teil 2 folgt und handelt davon, wie es weitergehen wird und welche Veränderungen die Krankheit in unsere Leben gebracht hat. Begonnen hat alles kurz vor unserem Osterurlaub im lüttje Hus.

Natürlich dachtet ihr euch schon, dass wir wieder im geliebten Ostfriesland waren, nech? Allerdings ist dieser Urlaub auch schon wieder Wochen her – er war um Ostern herum😃 Diesmal allerdings war der Urlaub ein Horror: Wir wären nämlich beinahe ohne Bärchen zurückgekommen und hätten dafür in unserem Woquarder Garten ein Hundegrab gehabt. Was war los?! Der Bär hatte ein akutes Nierenversagen. Die Werte waren so katastrophal, dass er beinahe daran gestorben wäre – WENN Hertas Tierärztin ihn nicht professionell behandelt und gerade noch so gerettet hätte. Angefangen hatte das Drama bereits etwa zwei Wochen vor unserer Abreise. Da ging das Bärchen durch eine heftige Phase des Brechdurchfalls. Es wurde so schlimm, dass wir, da der Highlander gerade lange Wartezeiten (coronabedingt) hatte, die mobile TÄ des Tierheims anriefen. Der Kleine litt sehr, da die Krämpfe des Würgens sehr stark waren und er sich zugleich schämte, dass er den Boden eingesaut hatte. Wir konnten ihm nicht begreiflich machen, dass es nicht schlimm war. Die Ärztin kam schnell und gab ihm eine Spritze „Anti-Kotz“. Die half umgehend. Sie tastete noch seinen Bauch ab, ob ein Darmverschluss vorliegen könne, fühlte aber nur seine Hoden, die sich bei ihm im Mutterbauch zwar entwickelt hatten, aber im Bauch geblieben waren, statt nach außen zu wandern. Sie liegen bei ihm in den Leisten (deshalb glauben viele andere Hundebesitzer, er sei kastriert. Zeugungsfähig ist er aber vermutlich dennoch, meint der Highlander.) Die Ärztin sagte, der linke Hoden sei vergrößert und fühle sich hart an – es könne ein Tumor sein… Sie gab uns einen Termin für einen Bluttest. Dieser ergab: Keine Tumormarker im Blut – gesundes Bärchen! Wir düsten guter Dinge los Richtung Woquard. Dort begann das Kotzen wieder, und es brach uns das Herz zu sehen, wie er schuldbewußt und ängstlich zum Prinzen hochschielte. Der Prinz umarmte ihn, sagte „Alles gut, Schatz.“ und wischte die Pfütze weg. Es wurde nicht besser. Die TÄ, die direkt in Woquard ist, hatte uns vom Bauchgefühl her nicht so zugesagt. Also fragten wir Herta, wo sie mit Bella hingeht. Dres. Trei & Gosselaar in Canum, sagte Herta. Der Prinz rief sofort an und wir bekamen gleich einen Termin für neun Uhr morgens. Die Praxis ist gut auf Corona eingestellt: Man sagt Bescheid, dass man da sei und wartet draußen im Auto. Die TFA kommt vor die Tür, ruft die Patienten auf und nimmt das Tier mit hinein. Der Besitzer kann um die Ecke gehen. Da steht eine dreiseitige Kiste aus MDF-Platten, etwa so groß wie eine Telefonzelle (weiß noch jemand, was das ist? 😉 ) Die Zelle steht direkt vor einem der Fenster, das gekippt ist. An der Fensterseite hat die Kiste keine Wand, so dass man durch das gekippte Fenster mit der Ärztin sprechen kann. Der Behandlungstisch steht direkt am Fenster, so haben Tier und Mensch immer Blickkontakt. Gut gelöst! Die Ärztin nahm Bärchen Blut ab und bestellte uns für elf Uhr zurück. Da es mit dem Auto nur fünf Minuten sind, fuhren wir nach Hause. Punkt elf standen wir wieder in der Zelle. Schlechte Nachrichten: Seine Nierenwerte seien katastrophal, sagte die Ärztin, „als Mensch wäre er Dialysepatient“.  Sie schlug uns vor, ihn bei ihr zu lassen, damit sie ihn an einen Tropf legen könne, der sein Blut reinigen und so den Nieren helfen solle, wieder in Schwung zukommen. „Aber“, warnte sie, „selbst, wenn er sich wieder erholt, kann niemand sagen, wie lange er noch leben wird!“ Egal – zu diesem Zeitpunkt waren wir bereit, einfach alles zu versuchen. Die Praxis schließt um 18 Uhr, da sollten wir ihn wieder abholen. Wir verbrachten also einen ganzen Tag im lüttje Hus ohne Bärchen, hörten kein Krallentickern auf dem Laminatboden, sahen die ganze Zeit seinen leeren Sessel und sein leeres Körbchen und versuchten, der Realität ins Auge zu schauen: dass der Bär an diesem Tage sterben könnte. Unsere Gedanken liefen im Kreis: Entweder ruft die Ärztin an und sagt, dass sie ihm nicht mehr helfen kann – oder er ist bereits tot, wenn wir kommen, um ihn abzuholen. „Wenn sie sagt, er ist so krank, dass Einschläfern das Beste für ihn sei, würde ich es nicht hinauszögern wollen“, sagte der Prinz tapfer. Ich holte tief Luft und stimmte zu.  Aber als wir um 18 Uhr an der Praxis ankamen und die Holz-Zelle betraten, da stand hinter dem Fenster am Behandlungstisch die Ärztin – mit unserem putzmunteren Bärchen auf dem Arm! Beinahe hätten wir beide vor Erleichterung geheult! Sie erklärte, der Bär sei sehr brav gewesen und habe nur einmal gemotzt, dass es ihm nun reiche und er nach Hause wolle. Der Tropf, an dem er den ganzen Tag lang gehangen hatte, habe den „Eiweiß-Müll“ aus dem Blut gespült, den seine Nieren nicht hatten bewältigen können. Danach seien die Nieren wieder in Schwung gekommen, „aber es ist dennoch nicht abzusehen, ob das so bleibt“, warnte sie. „Niemand kann jetzt sagen, wie lange er noch leben wird.“ Genau da begann der Bär energisch zu strampeln. Sie lachte und sagte: „Okay – er will jetzt nach Hause!“ Auf der Rückfahrt und später zu Hause war er jedenfalls erfreulich munter, und wir überwachten ihn mit Argusaugen. Er war erschreckend mager und sehr still, wirkte aber nicht mehr so krank. Er darf kein Futter mehr essen, das Eiweiß enthält, weil seine Nieren dies nicht mehr abbauen können. Bei Hunden in seinem Alter (er wird im August 15 Jahre alt!) sei das nicht ungewöhnlich, hatte uns die Ärztin erklärt. Es gibt Nieren-Diätfutter für Hunde, davon gab sie uns einige Dosen mit (das führen aber auch Läden wie Fressnapf). Da das Diätfutter kein Fleisch enthält, sondern hauptsächlich Füllstoffe wie Kartoffeln, ist es sehr trocken und kommt in krümeligen Brocken aus der Dose. Es riecht nicht gut und der Bär hasste es vom ersten Bissen an. Kohlenhydrate und Fett sind ok, aber Eiweiß ist sein Todfeind, hatte uns die Ärztin erklärt. Zudem hat er einen Herzfehler, der das Nierenproblem verschärft. Jeden Tag muss er eine Herztablette nehmen, die seinen Blutdruck regelt. Da die Tabletten nach Leberwurst schmecken, nimmt er sie gerne 😁 Dazu gab uns die Ärztin homöopathische Tropfen mit (Solidago = Goldrute), um seinen Blasen- und Nierenapparat zu unterstützen. Damit der Highlander weiß, wie sie Bärchen behandelt hat, drückte sie uns einen ausführlichen Bericht für ihn in die Hand. Das erwies sich als sehr praktisch, denn der Prinz ging sofort nach unserer Rückkehr mit Bärchen zum Highlander, der die leckeren Tabletten vorrätig hatte und dem Prinzen mehrere Fläschchen mit dem Goldrute-Mittel abfüllte. Der Bär weigerte sich anfangs, sich das Zeug ins Maul tropfen zu lassen. Tipp Highlander: Einige Tropfen auf ein Stück Brot träufeln und das aus der Hand füttern. Erfolg! Experimentieren zeigte, dass der Bär am liebsten Vollkorntoast mag. Davon verbrauche ich viel, so ist immer genug im Haus. Der abgemagerte Bär war ein erschreckender Anblick. Er hat ja sowieso das Äußere seines Windhund-Vaters geerbt und ist sehr schlank und windschnittig. Jetzt aber sah man jede Rippe, jeden Rückenwirbel und seine Beckenknochen stachen spitz hervor.

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