obit: Stephen Hawking

Stephen Hawking ist tot. Was will uns Gott damit sagen, dass er den intelligentesten Menschen abberuft, während der Dümmste hier eine Supermacht regiert?

Quelle :Twitter (@schlachtzeile)

Seit einer Weile hatte ich schon mit dem Tod dieses außergewöhnlichen Mannes gerechnet, den ich seit mehreren Jahrzehnten sehr bewundere. Aber als ich beim Frühstück  den Morgen-newsletter der London Times öffnete und las „Stephen Hawking dies aged 76“, da war ich doch schockiert. Und sehr traurig. Ich dachte an seine Auftritte in der „Big Bang Theory (persönlich oder als Computerstimme via Skype oder – in der zehnten Staffel – als Puppe im ferngesteuerten Rollstuhl, gebaut von Howie Wolowitz. Hawking soll einen Höllenspaß an seiner Mitwirkung in der Serie ghabt haben, habe ich oft gelesen. Er war ein sehr humorvoller Mensch, der trotz seiner tödlichen Erkrankung das Leben sehr genoß und der gern lachte (auch über sich selbst).

Den Artikel der Times ( den ich sehr gut finde) könnt ihr hier lesen.

Sein Todestag ist übrigens der „Pi Day“ (–> March, 14–>3.14), den Mathematiker weltweit begehen, und der Geburtstag von Albert Einstein. Darüber hätte er sich sicher amüsiert. Eine Erinnerung kommt hoch: Vor einigen  Jahren stand ich in London in der Tate Gallery vor seinem Portrait. Damals war er noch nicht im Rollstuhl, aber die Muskeln seines Gesichtes hatten ihre Kraft bereits verloren, er sah also schon seltsam aus.

Neben mir zwei Schülerinnen,Teenies, die wohl mit iher Kunst-Klasse da waren.

Beide betrachteten sein Bild mit Abscheu und angewiderten Blicken. „Ooh, he’s so ugly!“ sagte die eine. Ihre Freundin stimmte zu. Eine Weile machten sie sich lustig. Da mischte ich mich in ihr Gespräch und fragte freundlich, ob sie wüßten, wer das sei. Sie wußten es nicht, klar. Also machteFrau Lakritz einen auf Erklärbär. Die Mädels waren sehr erstaunt darüber, was für eine Geisteswelt sich hinter diesem Bild verbarg (Zitat Times:…“der Mann, der seinen Körper nicht bewegen konnte, dessen Geist aber in elf Dimensionen dachte.“) Mir bleibt gegen das Traurigsein wohl nur, noch einmal sein Buch „A Brief History Of Time“ zu nehmen und zu genießen…

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Anstrengender Freitag ;)

Das war der Freitag der Orthese, darlings (die Freitags-Füller  hab ich schon wieder versemmelt, aber die hole ich nach 😉

Am Freitag hatte ich ein Arztgespräch in Mainz (nur aus bürokratischen, nicht aus medizinischen Gründen). Da habe ich hier seit Wochen gewartet, daß das Wetter mild genug wird, um die neue Orthese im Wäldchen testen zu können, aber der Tag in Mainz machte das mehr als wett. Das Haus, in dem der Arzt sitzt, ist verwinkelt und grauslich verbaut, ich habe mich erstmal verlaufen und war da schon ganz schön müde. Zum Glück war der Arzt sehr nett und kam schnell auf den Punkt, so daß ich bald wieder draußen beim Prinzen war. Der Prinz bot mir an, mir einen Chococino (= Cappucino mit Kakao) zu holen. Das nahm ich gerne an. Als er zurückkam, fragte er, ob ich glaubte, bis zum Vapiano laufen zu können 😃  Da war ich mir absolut sicher, logo! Das Mainzer Vapiano gefällt mir von allen, die wir ab und zu heimsuchen, am besten. Es hat eine große Außenterrasse am Rheinufer. Wir saßen aber drinnen, sooo warm ist es ja noch nicht (das wird noch rund dreieinhalb Monate dauern, bis wir hier etwas von der wärmeren Jahreszeit spüren…

Ich aß, wie immer, mein geliebtes Pollo picante, Hühnchenfleisch in Honig-Chili-Sauce. Zum Schluß brach ich mein Fastenvorhaben mit einem Tiramisú (das machen sie dort selbst). Als ich wieder im Auto saß, war ich heilfroh, denn das Bein mit der Orthese dran schien eine Tonne zu wiegen. Der Prinz versicherte mir aber, daß mein Gangbild mit der Orthese runder und flüssiger geworden sei. Ich kann das ja selbst  nicht sehen, aber ich spüre, daß die Orthese das Knie in der Nullstellung abfängt und stützt, so daß es nicht mehr nach hinten durchschlagen kann. Ich habe recht schnell gelernt, der Orthese zu vertrauen und trage sie inzwischen den ganzen Tag.

Damit der kleine Herr Sonntag nicht auf seine „Alleinbleib-Belohnung“ verzichten mußte, tankte der Prinz auf dem Rückweg nochmal schnell einige Tropfen und nahm dem Bärchen eine „Bifi XXL“ mit. Das hat sich als eine gute Strategie gezeigt. Wenn wir oder der Prinz allein weg ist /sind, hat der Mausebär die Aufgabe: “Domi paßt aufs Haus auf!“ Diese Worte kennt er genau, er guckt uns dann noch am Fenster zu, wie wir wegfahren, dann zieht er sich vom Fenster zurück. Wenn wir aber zurückkommen, dann entlädt sich die Anspannung des Wartens gemeinsam mit der übergroßen Wiedersehensfreude in einem gewaltigen Bellkonzert (aka große Schimpf- und Strafpredigt ;)) Die Anspannung muß ja raus, deswegen lassen wir ihn auch schimpfen. Der Prinz hat allerdings eine Strategie entwickelt, wie man das vermeiden kann: indem  man ihm sofort, wenn er die Schnauze zum Bellen öffnet, etwas hineinsteckt. Meist nimmt er Prinz dazu eine Möhre, weil das Bärchen die so gerne ißt. Diesmal war es die Bifi, und auch sie wirkte umgehend 😊.

In der Nacht zum Samstag schlief ich wie ein Stein, nachdem ich meine Muskeln mit Magnesiumgaben  und einer heißen Dusche gelockert hatte.

Trotz des Vapiano-Überfalls zelebrierten wir zu Hause unseren all-freitäglichen Pizza- und Rotwein-Abend.

Jahaaa.. ich weiß… Fastenzeit. Aber dank unseres neuen Haushaltsmitgliedes Artoo, des Entsafters, läuft mein Süßkram-Fasten recht gut. Wenn ich etwas Süßes brauche, entsafte ich mir etwas Obst, also Äpfel und eine Orange. Eine Banane macht den Saft schön sämig und eine Möhre und eine rote Bete geben einen schicken Rot-Ton dazu. Seeehr lecker! Damit kann man glatt eine Mahlzeit ersetzen, so satt macht das.

 

 

Perfekte Lösung!

Schaut mal, darlings, was ich gerade in meiner Twitter-timeline entdeckt habe: Diese super Rollstuhlrampe!

rampe

Da hat doch jemand mal richtig mitgedacht – ich bin begeistert.

*beißt Muster in Schreibtischkante*

Wer bei Twitter ist und sowas öfter sehen möchte: Der account heißt_youhadonejob1.

Kleine Rückschau auf die Woche

Orrr.. jetzt könnte ich nochmal ein paar schöne ruhige Tage gebrauchen, my dearies. Mit der Orthese mußten wir noch zweimal zu Elmar, dem Orthopädie-Techniker. Ich bekam nach einigen Minuten des Gehens damit sehr starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich rechts, so daß ich dann doch wieder Schmerzmittel nehmen mußte (obwohl ich meinen Nieren versprochen hatte, das nicht mehr zu tun). Hubert, mein großartiger Physiotherapeut, ließ mich mit der Orthese auf und ab laufen und sah sich das genau an. Er stellte fest, daß mein linker Fuß beim Auftreten nach außen wegkippte. Das verursachte ein Ungleichgewicht im Beckenbereich. Elmar teilte diese Meinung und fertigte aus Kork einen kleinen Keil an, den er unter der Fußschale der Orthese anklebte, so daß der Fuß jetzt nicht mehr wegkippen kann. Ergebnis: Ta-daa – Schmerzen weg! Ich bin sehr froh, denn die Schmerzen waren eklig und ich vermeide Schmerzmittel, wenn ich irgend kann. ( Ich finde, das bin ich meiner Leber und meinen Nieren schuldig, denn die müssen mit dem Gift klarkommen. Oft hilft eine heiße Wärmflasche genauso gut.)

Zudem schliff Elmar noch etwas vom oberen Rand der Orthese ab, der am Bein scheuerte.

Am Mittwochabend waren wir bei unseren Lieblingsnachbarn eingeladen, Wiltrud und Gerd. Wir hatten uns in der Silvesternacht verpaßt und wollten noch unbedingt einen Sekt auf das neue Jahr miteinander trinken. Wiltrud hatte eine wunderbare Quiche gemacht, und die Käseplatte mit Baguette machte uns einfach nur glücklich (und super-pappsatt).

Am Donnerstag feierte eine liebe Bekannte hier aus dem Dorf ihren 50. Geburtstag, zu dem wir eingeladen waren. Es waren schätzungsweise etwa 80 Leute da, jeder hatte etwas zum Buffet beigetragen, es war köstlich (nur können die Leute hier im Süden keinen vernünftigen Kartoffelsalat machen. Sie machen ihn mit Öl statt Mayonnaise, ohne Apfel- und Gurkenstückchen – und er ist WARM!!!!! 😝  Wie barbarisch! 😃) Als wir gegen elf wieder zu Hause eintrudelten, gab es Schimpfe von Bärchen, wie immer 😃 Aber die Orthese hat den Abend super mitgemacht –uuund ich habe herausgefunden, wie ich sie allein anziehen kann. Das freut mich riesig.

Bärchen und ich haben in der Zeit, als der Prinz im Sportstudio war, gemeinsam Batman geschaut, Batman Begins und The Dark Knight. The Dark Knight Rises ist für heute Abend geplant. (Ich finde, Batman kann man immer wieder gucken ;)) Ab dem Ende dieser Woche, habe ich mir überlegt, werde ich die Freitagsfüller wieder ausfüllen und posten. Im letzten Jahr hatte ich viel Spaß damit.

So, jetzt wünsche ich euch einen guten Wochenbeginn! Startet vorsichtig durch 😉

Sag niemals nie…

Achtung – langer Text!

Wie James Bond so schön sagte, my darlings: Never say never again

Seit Jahren schon versuchte der Prinz, mich für ein Liegerad zu begeistern. Immer wenn jemand in so einem Ding an uns vorbeiflitzte, sagte er: „Siehst du, Schatz, sowas fände ich für dich klasse.“

„Auf keinen Fall!“ war meine Standard-Antwort. „Viel zu niedrig, auf Auspuff-Höhe der Autos, außerdem sehen mich die Autofahrer so weit unten gar nicht! Ich bin nicht lebensmüde, nee danke.“

Der Prinz erklärte mir, daß ich ja nicht so ein Rad fahren solle, bei dem der Fahrer auf dem Rücken in einer Art „Boot“ liegt, mit einem Rad vorn und hinten. Es gebe ja auch trikes (zwei Räder hinten, eines vorn), mit einem bequemen aufrechten Sitz. Auch das war mir nicht geheuer – „unbequem und immer noch zu niedrig“, dachte ich. Und die Angst vor den Autos!

Aber neugierig war ich schon. Als ich mit Hubert, meinem Physiotherapeuten, darüber sprach, war er Feuer und Flamme. Er schlug mir vor, bei der Lebenshilfe zu fragen, ob ich dort mal Probe fahren könne, denn die haben drei Stück davon. Ich rief an und fragte, kam aber nicht weiter, denn die Telefonisten verwiesen mich nur von einer Person an die nächste, die auch nichts wußte. Der letzte Anstoß kam über Facebook. Dort bin ich mit einer Frau in Kontakt, die an Multipler Sklerose leidet. Mit ihr tausche ich mich ab und zu über Behinderten-Themen aus. Einer ihrer Kontakte zeigte ein Foto seines neuen trikes – genauso eins, wie der Prinz mir immer wieder gezeigt hatte. Ich schrieb ihn sofort an und fragte nach Details. Er verwies mich an die Firma Hase. Deren Verkaufsleiter, ein sehr fitter junger Mann, riet mir, mit der Händlersuchfunktion auf der Seite einen Händler zu suchen, der Reha-Erfahrung hat. Tatsächlich fand Tante Google so einen, hier in der Region. Sie gaben mir einen Termin und am Samstag vor vier Wochen fuhren wir hin. Das Geschäft ist ein Fahrradgeschäft, in dem hauptsächlich leidenschaftliche Rad-Fans und Fachleute arbeiten – und eben eine sehr kompetente Reha-Beraterin.

Die Beraterin hatte schon ein Modell für mich bereitgestellt, das TRIX. Eigentlich ist das TRIX für behinderte Kinder und Jugendliche gedacht, aber die Beraterin sagte, bei meinem geringen Gewicht passe das noch prima für mich. Mit dieser Frau fühlte ich mich sofort wohl, denn es war deutlich zu spüren, daß ihr das große Freude bereitet, behinderte Menschen zu beraten und das jeweils passende Rad für die einzelnen Personen zu finden. Aufgrund der Fragen, die sie mir stellte, vermutete ich, daß sie Physiotherapeutin sei, aber das war tatsächlich nur ihre Berufserfahrung durch die jahrelange Beratung.

Der Clou ist: Das TRIX hat eine Heilmittelnummer, ist also als Therapiegerät anerkannt. Das heißt nun nicht, daß die Krankenkassen einem das automatisch genehmigen, aber auch für das Beantragen ist die Beraterin da.

Sie riet mir, zur Probe eine Runde um den Block zu drehen. Sie zeigte mir dabei gleich, wie ich mich am besten auf dem Sitz niederlasse und wie ich das linke Bein befestige, damit das Knie nicht nach innen abkippt.

Kinners: sobald ich saß und fünf Meter gefahren war, waren alle meine Bedenken und Vorurteile weg! Ich war völlig baff und verblüfft, wie bequem und komfortabel das Rad ist! Der Prinz blieb neben mir, während ich vorsichtig die Straße entlang manövrierte und immer begeisterter wurde 😃 Leider wehte ein eisiger, schneidender Wind, das verdarb den Spaß ziemlich.

Hier, guckt mal:

kettoben

Nie hätte ich geglaubt, daß das Sitzen und Fahren auf dem Trike so komfortabel ist!

Die Beraterin gab mir den Hinweis, daß Empfehlungen meiner Therapie-Praxen für einen Antrag bei der Krankenkasse hilfreich sein könnten. Von der Ergo- und der Physio-Praxis habe ich die Empfehlungen schon hier, der Neurologe in Mannheim hat mir auch seine Hilfe angeboten.

Dennoch wird die KK nicht einfach so sagen „Ja klar, machen wir!“, denn das TRIX ist zwar ein großartiges Therapiegerät, das mir viel bringen kann (Herz/Kreislauf, Stärkung der Muskulatur, Immunsystem… ), aber es ist eben kostentechnisch  aufwendiger als diePhysiotherapie, die hier bei uns zu Hause läuft. Aber die Beraterin kennt sich gut aus mit solchen Anträgen, und sollte es klappen, daß meine Kasse mir ein TRIX genehmigt, dann wäre es frühestens im Frühjahr soweit.

Und auch dann würde wohl ein dicker Eigenanteil an mir/uns hängenbleiben. Wenn dieser unsere finanziellen Möglichkeiten überschreitet – was wahrscheinlich ist – , dann würde ich versuchen, es über ein Crowdfunding zu finanzieren, wie meine Freundin Yvonne es vor einiger Zeit mit der Herausgabe ihres Buches vorgemacht hat.

Das TRIX soll einen E-Motor bekommen, damit wir auch mal in bergigen Gegenden fahren können. (Der Prinz hat sich in diesem Sommer bereits ein E-bike angeschafft, weil er sportlicher werden möchte).

Yvonne hatte damals für alle, die bereit waren, dem Buch über das crowdfunding zu helfen, angeboten, sie im Buch zu nennen, mit einem Dank.

Meine Idee ist, dann ein neues Blog zu gründen, das ich „Fünf Räder, acht Beine“ oder „Acht Beine, fünf Räder“ nennen und in dem ich unsere Trips mit den Rädern und Herrn Sonntag festhalten will. (Zusammen hätten unsere Räder fünf Räder, und wir beide mit Herrn Sonntag kommen auf acht Beine.) Da könnte ich gleichzeitig Tipps für Behinderte unterbringen – welche Wanderwege, Restaurants, u. s. w. sind barrierefrei… und der Mausebär könnte dabei nach Herzenslust rennen ❤

In dem Blog könnte ich dann auch die Spender nennen (falls ok für sie) und/oder ihr Geschäft/Unternehmen vorstellen. Einer meiner Physiotherapeuten hat mich schon aufgefordert, ihm über Facebook Bescheid zu geben, wenn ich das crowdfunding starte, er sei dann dabei. Lieb, oder?!

Was haltet ihr von dem Projekt, darlings?

schnell gezeigt:

orthschuhseit

Der Orthesenschuh (dies ist der rechte, mit für mich angepaßter Einlegesohle, um den Höhenunterschied zur Orthese auszugleichen. Cool, oder? Knopf lösen, Rückseite runterklappen, mit Orthese reinschluppen, Knopf zudrehen, loslaufen. Es gibt geniale Menschen, deren Beruf (ung) es ist, sowas zu erfinden! Sooo geil! (Eigentlich wollte ich die Schuhe in Blau, aber derLieferant hat es etwas verpeilt.Na, ich soll noch ein Paar bekommen…)

 

Frau Lakritz und die Orthese vertragen sich

Es hat eine Weile gedauert, my dearies, aber jetzt paßt die neue Orthese endlich. Es waren noch einige Trips zum Orthopädietechniker nötig in den letzten zwei Wochen, da die Orthese an verschiedenen Stellen noch drückte und/oder scheuerte. Das Blöde daran ist, daß ich so etwas gerade am linken Bein und Fuß nicht unmittelbar mitbekomme, da mir linksseitig noch das Gefühl fehlt und sich Bein und Fuß noch überwiegend taub anfühlen.

Der linke Fuß ist leider noch spastisch, das macht es schwer, ihn gerade in die Fußschale der Orthese zu setzen. Der Fuß verkrampft und versucht, sich auf die Außenkante zu stellen (für Läufer: Supination). Ich selbst kann den Fuß nicht mit der Hand fassen und ihn gerade und flach in die Fußschale stellen, dazu brauche ich Hilfe, zumal ich die Fußmuskeln noch nicht wieder gezielt ansteuern kann, die sind noch gelähmt. Das Anheben der Fußspitze klappt, aber weitere Bewegungen muß ich noch üben. Na, immerhin kann ich gehen, wenn auch nicht joggen 😉

Die Ergotherapeutin (sie ist super, ich liebe sie!) schlug vor, daß ich etwas um den linken Fuß schlinge (zum Beispiel ein Stück Gürtel o. ä.), ihn damit anhebe und gerade in die Fußschale setze. Ich dachte an ein Stück Klettstreifen, aber der Prinz hatte eine bessere Idee: eines dieser Venen-Staubänder, die die MFAs in den Arztpraxen beim Blutabnehmen benutzen. Es wartet bereits in der Poststelle.

Tja, so habe ich in den letzten zwei, drei Wochen ganz in meiner eigenen kleinen Welt gelebt, ausgefüllt mit Therapien, Fahrten zum Ortho-Techniker, zu Ärzten, Üben mit der Orthese, Frust und Freude über die Resultate. Das Anziehen der Orthese ist noch sehr anstrengend für mich, es kostet Kraft wie ein Training im Fitneßstudio.  Ja, ich weiß, das klingt nach Luxusproblemchen, zumal ich froh bin, die Orthese zu haben. Für mich ist es aber tatsächlich ein Problem, wenn ich etwas nicht allein tun kann, sondern abhängig von einer weiteren Person bin, damit es funktioniert. Nun, ich bleibe dran, das wird schon, nur geduldig sein 😉

Gestern fuhren wir zu Brüderchen ins Schwäbische. Da hatte ich auch zum ersten Mal die Orthese einen ganzen Tag lang am Bein. Das war sehr ungewohnt, da sich das Bein seltsam steif und fremd anfühlt beim Gehen; sie wiegt 1,3 Kilo, die wollen auch erst mal angehoben werden vom Beinheber-Muskel.
Aber der große Vorteil: Die Orthese fängt das linke Knie zuverlässig in der Nullstellung ab, es kann sich also nicht mehr nach hinten durchbiegen, das ist super! Da die Stadt, in der mein Bruder lebt, einen wunderschönen historischen Ortskern hat, bedeutet das auch: viel Kopfsteinpflaster. Darauf kann ich nur sehr langsam laufen, denn mein Gleichgewichtssinn fragt die ganze Zeit, ob ich ihn verarschen will 😃

Ich bin aber zuversichtlich, daß ich im nächsten Jahr mit über den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt gehen kann, mal sehen. Zur Wintersonnenwende gibt es dort jedes Jahr einen Fackelzug zur Burg hinauf. Ich hatte gestern schon überlegt, es zu versuchen. Mein Bruder hat mich aber gewarnt, mitzugehen, wegen der vielen Menschen ( „Das ist ein Gedränge wie auf der Sterkrader Kirmes“), das könne auch für Herrn Sonntag gefährlich werden, wenn ihn da jemand tritt. Also blieb ich mit Herrn Sonntag und meinem Kindle zu Hause in Brüderchens Wohnung und  trank mir gemütlich ein Fläschchen Bier („Zäpfle“). Als die Bande zurückkam, fuhren wir  drei los zurück nach Hause. Um  kurz nach ein Uhr kamen wir an, sehr müde, aber zufrieden. Ich sah erstmal zu, daß ich die Orthese loswurde, und ließ in der Dusche heißes Wasser über meine völlig verspannten Rückenmuskeln laufen.

Heute werde ich in den sauren Apfel beißen und eine Jeans (mit weiten Beinen) kaufen müssen, die ich über der Orthese tragen kann (Ich HASSE es, Klamotten kaufen zu müssen! Ich bin so total keine Klischee-Frau! *AAAAAAAHHH*) Da die Möglichkeit besteht, daß mit der Zeit das Scharnier des Orthesen-Kniegelenkes durch den Stoff der Hose hindurch scheuert, reicht eine günstige Jeans von C & A. Da fahren wir jetzt noch hin.

Also: Das mit der Orthese entwickelt sich gut. Wir müssen uns noch aufeinander einspielen, aber da bin ich zuversichtlich. Es gibt hier in Worms noch jemanden, der die gleiche Orthese hat. Zufällig ist dieser junge Mann ebenfalls Patient bei „meiner“ Physio-Praxis. Hubert, mein toller Physiotherapeut, hat ihn für mich gefragt, ob ich ihm einige Fragen stellen dürfe. Er hat Hubert gern seine Telefonnummer für mich gegeben, und er ist sehr nett und hilfsbereit. Ich müsse mich auf zwei bis drei Wochen Muskelkater einstellen, sagte er (bin vom gestrigen Tag schon ganz nett muskel-verkatert 😊)

Also: Das mit der Orthese entwickelt sich gut. Wir müssen uns noch aufeinander einspielen. (Der andere Patient, mit dem ich telefoniert habe, läuft täglich zehn – 15 Kilometer! Das motiviert mich!)