Opas 100. Geburtstag!

Wow, das klingt gewaltig, aber so isses, darlings – mein Opa würde heute 100 Jahre alt. Er kam im Oktober 1917 zur Welt und er starb im April 2008, also vor neun Jahren, und ich vermisse ihn, als sei er erst seit ein paar Tagen tot. Mit Oma geht es mir genau so ( sie folgte ihm im Juli 2008).

Ich stelle hier nochmal ein Foto von 2003 ein, das mich mit Opa auf unserem geliebten Gasometer ( Spitzname „Die Tonne“) zeigt.

Vadder, du fehlst!

Hier eines seiner liebsten Musikstücke… in memoriam Hermann Flötgen…

gasometer

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Omas Plätzchen

Petra bloggte kürzlich einen Beitrag, den sie Drinnenbeschäftigungen“ nannte und in dem es unter anderem auch um das Backen von Plätzchen geht.

Die Vorweihnachtszeit ist für mich immer „Oma-Sehnsuchts-Zeit“. Früher kamen jedes Jahr Weihnachtspäckchen von Oma (sie benutzte dafür immer Schuhkartons, die sie nach dem Schuhekauf sorgfältig aufhob).

Drinnen waren Weihnachtssüßigkeiten aller Art, eine Weihnachtskarte (von beiden, Oma und Opa, unterschrieben), ein Geldgeschenk und das Wichtigste, auf das wir uns das ganze Jahr gefreut hatten: Omas Schwarz-Weiß-Gebäck! Ihr kennt das sicher, diese Plätzchen aus hellem und mit Kakao verdunkeltem Teig, den man zu unterschiedlichsten  Mustern kneten kann. Oma hatte karierte Muster und Schneckenhaus-geringelte.  Der „Kick“ an Omas Plätzchen, das Besondere, das Oma-Eigene, war: Oma buk die Plätzchen in einem Gas-Backofen, an dem sie das „Feintuning“ nicht ganz im Griff hatte. So hatten ihre Plätzchen immer einen ganz, ganz leicht angebrannten Beigeschmack. Nicht unappetitlich – im Gegenteil! Dieser Hauch von „leicht angebrannt“ war herzhaft-lecker und gehörte zu ihren Plätzchen dazu. Das war die typische Oma-Note des Gebäcks. Außerdem waren die Plätzchen deswegen immer etwas dunkel „überhaucht“.

Wenn Oma ein Päckchen schickte, füllte sie die Plätzchen in diese durchsichtigen Konditorei-Tütchen. Hatten wir  – der Prinz und ich – das Glück, Oma  vor Weihnachten noch persönlich sehen zu können,  überreichte sie uns jedem ein Jutesäckchen mit Namen und einem aufgeklebten Glanzbild (kennt ihr die noch – Glanzbilder?) und ermahnte uns mit gespielter Strenge: „Aber alles gerecht aufteilen! Nicht zanken, hört ihr?!“

Trotzdem: Da ich ja eine leidenschaftliche Süß-Frühstückerin bin, waren die Plätzchen bei mir nach kürzester Zeit weg. Der Prinz dagegen brauchte ewig, bis er überhaupt mal eine seiner Tüten öffnete. Also mußte ich das logischerweise für ihn tun – klar, ne?! Natürlich flehten seine Plätzchen mich an, sie zu essen, und gutmütig, wie ich manchmal sein kann, erbarmte ich mich ihrer. Der Prinz, die alte Petze, verpfiff mich umgehend. „Omma, die Nicole hat alle meine Plätzchen gegessen! Ich hab‘ kein einziges abbekommen!“ jammerte er am Telefon. Ich bekam natürlich „Schimpfe“ von Oma  😉

Ja… seit acht Jahren vermisse ich nun Omas und Opas Weihnachtspäckchen… Da Opa, der Gründliche, sie verpackte, waren sie meist in mehrere Lagen dicken Packpapiers eingewickelt und mit mindestens zehn Metern Paket-Klebeband  gesichert (man weiß ja nie…) ❤ ❤ ❤

Opa starb im April 2008, Oma folgte ihm im Juli darauf. Und wenn ich jetzt rosa Wolken am Himmel sehe, dann weiß ich: Oma backt Plätzchen.

Petras Fragen # 1

My dearies,

Petra stellt in ihrem Blog Voller Worte regelmäßig kleine Fragen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, für deren Beantwortung man aber manchmal schon etwas denken und vor allem bei sich selbst hinterfragen muß.

Ich möchte diese Fragen hier nach und nach für mich beantworten und euch – wenn ihr mögt – einladen, eure eigenen Antworten zu finden und sie – entweder hier oder bei Petra – als Kommentar einzustellen.

Heute fragt Petra:

Noch eine unsinnige Frage: Wie heißt du und warum heißt du so? Kennst du die Bedeutung deines Namens?

Unsinnig finde ich die Frage gar nicht! Linguistik finde ich spannend, und ein Name begleitet uns das ganze Leben lang, ob er uns gefällt oder nicht. Und je nach Bedeutung kann er auch Kraft geben.

Daß ich Nicole heiße, wissen ja einige von euch. Es ist die weibliche Form von Nikolaus. (Der Name stammt aus dem Griechischen: Nike = der Sieg; Laos = das Volk, also “Siegerin über das Volk“ oder Siegerin aus dem Volke“. Die familiäre Geschichte dazu ist so: Mein Vater hatte den Namen in einem französischen Film mit Brigitte Bardot gehört, so hat es mir meine Mutter erzählt, und ihr (also meiner Mutter) vorgeschlagen, das Baby, wenn es ein Mädchen werde, Nicole zu nennen. Meine Mutter war einverstanden und ich wurde ein Mädchen 😀 Während fast meiner gesamten Kindheit fragten mich Leute: “Wie heißt du?! Sind deine Eltern Franzosen?“ Oder sie konnten es nicht aussprechen und sagten „Nickoll“, mit Betonung auf der ersten Silbe. Ich war unendlich erleichtert, als ich elf Jahre alt war und eine Sängerin namens Nicole mit dem Lied „Ein bißchen Frieden“ den Grand Prix gewann. Von diesem Tag an wußte jeder, wie man den Namen schreibt und ich hörte keine blöden Fragen mehr. Im Gegenteil, Nicole wurde sogar zum Modenamen, plötzlich liefen überall Nicoles herum. Das war cool.

Meine geliebten Großeltern allerdings fanden den Namen alles andere als gut. Was sollten denn die Leute denken?! Nein, da mußte wenigstens ein ordentlicher deutscher Name dazu. Damals war „Martina“ gerade schwer in Mode, also endete ich mit Martina Nicole. In der sechsten Klasse waren wir fünf Martinas! Mein Rufname allerdings war immer Nicole, außer bei meinen Großeltern, die mich Martina riefen. Als ich zehn war, entwickelte sich „Nico“ als Spitzname, den ich sehr lange trug (einer meiner Onkel nennt mich heute noch so). Der Name „Martina“ ist mit meinem Opa im April 2008 gestorben, er nannte mich bis zuletzt so. Obwohl ich den Namen lange Zeit nicht mochte und ihn sogar aus meinen behördlichen Daten rausschmuggelte, mag ich ihn inzwischen. Als Katholikin habe ich mich auch mit meinen Namenspatronen beschäftigt, dem Heiligen Nikolaus und dem Heiligen Martin, und beide finde ich ziemlich cool (der Martinus war römischer Soldat und hat hier in Worms seinen Kriegsdienst quittiert!) Ach ja, die Bedeutung,danach  fragt Petra ja auch; – ) Im Martin steckt der Kriegsgott Mars. Na – Kriegsgott und Sieger – hätte ich einen besseren Namen bekommen können?! Für mich heißt das: don’t fuck with me, or you‘ll be fucked! Wie sieht es mit euren Namen aus?

 

 

 

1984 :'(

Opa und Nicole

Das war 1984 im Mannheimer Luisenpark. Ich war zarte23 Jahre alt. Unfaßbar, aber so sah ich wirklich mal aus 😀 Damals  lebte ich seit zwei Jahren hier in der Gegend, und Oma und Opa kamen mich so oft  besuchen, wie es ihnen möglich war.

  • Der Pullover war mein erster selbst gestrickter, und ich war sehr stolz darauf (Der Prinz nennt ihn „Oma-Pulli“, weil er ihn so altmodisch findet). Der Pulli hatte Knöpfe aus Holz 😀 😀
  • Opa verließ übrigens niemals anders als auf dem Foto das Haus: Anzug, Krawatte, Hut. (Und drunter lange Unterwäsche – immer, zu jeder Jahreszeit. Opa war ein sehr vorsichtiger Mensch. [„Man kann ja nie wissen.“] ) Der Exgatte  😛  und ich haben Oma und Opa zwei Mal nach Mallorca mitgenommen und einmal nach Kreta, je für eine Woche. Auch da trug Opa unbeirrt die lange Unterwäsche. Die Aktentasche gehörte ebenfalls zu ihm wie sein Hut.
  • (Die beiden sind seit acht Jahren tot und ich vermisse sie, als seien sie erst gestern gestorben.)   😥

Fängt mit E an und hört mit P auf

„Hey“, sagte Oma heute in den frühen Morgenstunden im Traum zu mir.  „Drück mal die Daumen!“

„Wofür?“ fragte ich.

Oma grinste ihr kleines, schelmisches, spitzbübisches Lächeln.

„Fängt mit E an und hört mit P auf“, sagte sie.

Und lächelnd wurde ich wach.

Das bedeutet, es ist irgendeine Überraschung, irgendwas Tolles für mich im Gange und vermutlich haben Oma und Opa von da, wo sie jetzt sind, ihre Finger mit im Spiel. Ich drücke also die Daumen und freue mich.

Omas kryptische Erklärung „Fängt mit E an und hört mit P auf“ ist nur für Leute kryptisch, die nicht zum engeren Familienkreis gehören. Der Spruch gehört seit meiner Kindheit überall dazu, wird bei jeder passenden Gelegenheit lachend zitiert und bedeutet: „Musst du jetzt noch nicht wissen, gedulde dich, es ist eine Überraschung“.

Sein Ursprung liegt in der Zeit, als meine Mutter noch ein kleines Mädchen war und sich zu Weihnachten sehnlichst eine Puppe wünschte. Das war finanziell damals nicht allzu einfach, aber mein Opa war gelernter Maler und Tapezierer und da konnte sich ein guter Mann schon nebenher noch etwas verdienen.

Die Puppe wartete also in ihrem Versteck auf Weihnachten, während in der Wohnung ein kleines Mädchen herumsprang und immer wieder seine Mutter löcherte: „Was bringt mir denn das Christkind?“

Und irgendwann sagte die Mutter dann, das Wort „Puppe“ einfach herumdrehend: „Fängt mit E an und hört mit P auf.“

Die Kleine hatte zu raten und Ruhe war bis Weihnachten.

Die Puppe gibt es schon lange nicht mehr. Der Spruch lebt bis heute.