Goodbye, Sir. Fare well.

Das war ein trauriger Samstagmorgen. darlings, als ich auf dem Eipätt den Mailordner öffnete, um beim Kaffeeschlürfen durch die verschiedenen Newsletter und Pressemeldungen zu streifen, die ich abonniert habe. Dazu gehören neben Zeitungen wie Spiegel, ZEIT, FAZ, Times UK und New York usw. auch amerikanische politische Online-Magazine wie Mother Jones, Daily Kos, Raw Story und PoliticusUSA (um Arsehole Orange und die Atomcodes im Auge zu behalten 😉 ). Einige hatten ihren Aufmacher bereits im Betreff stehen, so daß ich die traurige Neuigkeit schon sah, bevor ich überhaupt eine Mail angeklickt hatte. Ungläubig sah ich denPrinzen an.

„John McCain ist gestorben?!“ fragte ich bestürzt.

„Oh“, sagte der Prinz, „das hab‘ ich gar nicht mitbekommen. Wie schade.“

Ja, das fand ich auch. Und ja, natürlich hatte ich, wie der Rest der Welt, gewußt, daß er einen hochaggressiven Hirntumor und damit nur noch eine begrenzte Lebenszeit hatte.

Meine Reaktion zeigte mir, wie recht Kafka mit seinen schönen Zeilen hatte:

Man sieht die Sonne

langsam untergehen

und erschrickt doch,

wenn es plötzlich dunkel ist.“

(Jemand aus unserem Umfeld hatte sie für die Todesanzeige seiner Frau gewählt.)

Im Gegensatz zu Trumpelstilzchen hatte ich John McCain sehr gemocht und seine Ehrlichkeit und Offenheit sowie seinen Mut bewundert. Ich hielt ihn für einen grundanständigen und gütigen Menschen (und möglicherweise habe ich ihn auch ein bißchen angehimmelt 😉 ).

Eine schöne Seite hatte der Samstag aber trotzdem: der Patensohn des Prinzen kam mit seinen Eltern (Jugendfreunde des Prinzen) zu Besuch. Die drei hatten Lust auf einen Besuch im Dom. Der Wormser Dom ist dieses Jahr 1000 Jahre alt! (Hinweis: TerraX hat dem Geburtstagshaus eine eigene Sendung gewidmet! Großartig gemacht, und unser neuer Bischof, Peter Kohlgraf (der Nachfolger Kardinal Lehmanns), erklärt darin vieles über die Bauzeit des Doms, wie die Menschen in Worms damals lebten und noch mehr Wissenswertes. Ich hatte Lehmann gemocht, mag aber Kohlgraf noch lieber. Wir fünf sahen uns im Dom die interaktive Ausstellung zum 1000. Geburtstag an und ich zündete, wie immer, wenn ich in einer Kirche bin, ein Kerzchen für Oma an. (Dieses kleineRitual gehörte für Oma in jeder Kirche dazu – ich weiß nicht, für wen sie das Lichtchen anzündete (vielleicht für Klein-Ingrid, ihre zweite Tochter, die als Baby schon starb), aber sie tat es immer. Und so habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht,ebenfalls immer ein Kerzchen für Oma anzuzünden.

Der Prinz absolvierte mit den dreien eine komplette Führung – er kennt sich unglaublich gut aus mit unserem Dom. Als wir weiterzogen, plädierte ich für ein Eis. Der Prinz grinste nur und wir bogen ab in  Richtung Vanninis Eis-Pavillon. Leider war es kalt und windig. Das machte das Sitzen an den Tischen sehr ungemütlich. (Eigentlich hatte Sig.Vannini geplant, auf dem Marktplatz ein zweistöckiges Caféhaus zu bauen, aber nun hat ihm die Stadt in letzer Minute die Erlaubnis verweigert. Zu der Kälte kam hinzu, daß in meinem Amarenabecher Fruchteis war! Ti prego – wer tut in einen Amarenabecher Erdbeer- und Zitroneneis?! Bäh!

Zu Hause kochte der Prinz für uns alle Spaghetti Bolognese. (Und einen „richtigen“ Amarenabecher bekam ich dafür gestern Abend, bei Esther und Alessio. Also stimmt die Bilanz des Wochenendes wieder 😀

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Omas Seersucker

Sicher kennt ihr Seersucker-Stoff, meine Lieben? Das ist (vor allem bei Bettwäsche) dieser angenehme Baumwollstoff mit Waffel-Struktur, die den Stoff bei Wärme angenehm kühl macht und der bei Kälte die Wärme speichert.

Der Prinz und ich bekommen per Mail jede Woche die aktuellen Angebote von LIDL und ALDI, und LIDL hat gerade Seersucker-Bettwäsche im Angebot. Der Prinz kennt ja genau meinen Geschmack und brachte mir auf gut Glück eine Garnitur mit, die ich auch sehr schön finde.

Und wie es so oft geschieht, war auch sofort Oma dabei. Oma hatte ein großes Faible für Tisch- und Bettwäsche und Handtücher. Seersucker-Stoff mochte sie auch gern. Nur mit dem Englischen hatte sie es nicht so – ihr Wort für diesen Stoff war: Seezucker. Hinreißend, oder? ❤ Ich habe dieses Wort für diesen Stoff so oft benutzt, ich muß aufpassen, daß mir das nicht mal in der Öffentlichkeit rausrutscht :/

Wikipedia erklärt den Begriff hier.

Überhaupt zitieren meine Geschwister, der Prinz und ich Oma und Opa so oft und mit so viel Liebe, daß die beiden eigentlich gar nicht tot sein können (es sind dieses Jahr zehn Jahre).

Die neue Seezucker-Garnitur kommt jetzt erstmal in die Wäsche und dann bitte ich nächste Woche meine Freundin Tini , die hin und wieder kommt und mir bei Haushaltsdingen hilft, die ich einpfotig nicht hinbekomme, mir den Seezucker auf mein Bett zu ziehen. Denn das ist klar eine Zweihand-Aufgabe 😀

Ach, ich vermisse Oma so sehr! Mir fehlen unsere stundenlangen Telefonate über Gott und die Welt, und wenn ich ihr jetzt von der neuen Bettgarnitur erzählen könnte, würde sie das sicher freuen und morgen früh würde sie Opa zu LIDL schicken, zwei Seezucker-Garnituren zu besorgen.

A propos: Könnte sich bitte mal ein Zeitreisender bei mir melden…? Ich möchte da gern ein paar Fragen stellen…

Opas 100. Geburtstag!

Wow, das klingt gewaltig, aber so isses, darlings – mein Opa würde heute 100 Jahre alt. Er kam im Oktober 1917 zur Welt und er starb im April 2008, also vor neun Jahren, und ich vermisse ihn, als sei er erst seit ein paar Tagen tot. Mit Oma geht es mir genau so ( sie folgte ihm im Juli 2008).

Ich stelle hier nochmal ein Foto von 2003 ein, das mich mit Opa auf unserem geliebten Gasometer ( Spitzname „Die Tonne“) zeigt.

Vadder, du fehlst!

Hier eines seiner liebsten Musikstücke… in memoriam Hermann Flötgen…

gasometer

Omas Plätzchen

Petra bloggte kürzlich einen Beitrag, den sie Drinnenbeschäftigungen“ nannte und in dem es unter anderem auch um das Backen von Plätzchen geht.

Die Vorweihnachtszeit ist für mich immer „Oma-Sehnsuchts-Zeit“. Früher kamen jedes Jahr Weihnachtspäckchen von Oma (sie benutzte dafür immer Schuhkartons, die sie nach dem Schuhekauf sorgfältig aufhob).

Drinnen waren Weihnachtssüßigkeiten aller Art, eine Weihnachtskarte (von beiden, Oma und Opa, unterschrieben), ein Geldgeschenk und das Wichtigste, auf das wir uns das ganze Jahr gefreut hatten: Omas Schwarz-Weiß-Gebäck! Ihr kennt das sicher, diese Plätzchen aus hellem und mit Kakao verdunkeltem Teig, den man zu unterschiedlichsten  Mustern kneten kann. Oma hatte karierte Muster und Schneckenhaus-geringelte.  Der „Kick“ an Omas Plätzchen, das Besondere, das Oma-Eigene, war: Oma buk die Plätzchen in einem Gas-Backofen, an dem sie das „Feintuning“ nicht ganz im Griff hatte. So hatten ihre Plätzchen immer einen ganz, ganz leicht angebrannten Beigeschmack. Nicht unappetitlich – im Gegenteil! Dieser Hauch von „leicht angebrannt“ war herzhaft-lecker und gehörte zu ihren Plätzchen dazu. Das war die typische Oma-Note des Gebäcks. Außerdem waren die Plätzchen deswegen immer etwas dunkel „überhaucht“.

Wenn Oma ein Päckchen schickte, füllte sie die Plätzchen in diese durchsichtigen Konditorei-Tütchen. Hatten wir  – der Prinz und ich – das Glück, Oma  vor Weihnachten noch persönlich sehen zu können,  überreichte sie uns jedem ein Jutesäckchen mit Namen und einem aufgeklebten Glanzbild (kennt ihr die noch – Glanzbilder?) und ermahnte uns mit gespielter Strenge: „Aber alles gerecht aufteilen! Nicht zanken, hört ihr?!“

Trotzdem: Da ich ja eine leidenschaftliche Süß-Frühstückerin bin, waren die Plätzchen bei mir nach kürzester Zeit weg. Der Prinz dagegen brauchte ewig, bis er überhaupt mal eine seiner Tüten öffnete. Also mußte ich das logischerweise für ihn tun – klar, ne?! Natürlich flehten seine Plätzchen mich an, sie zu essen, und gutmütig, wie ich manchmal sein kann, erbarmte ich mich ihrer. Der Prinz, die alte Petze, verpfiff mich umgehend. „Omma, die Nicole hat alle meine Plätzchen gegessen! Ich hab‘ kein einziges abbekommen!“ jammerte er am Telefon. Ich bekam natürlich „Schimpfe“ von Oma  😉

Ja… seit acht Jahren vermisse ich nun Omas und Opas Weihnachtspäckchen… Da Opa, der Gründliche, sie verpackte, waren sie meist in mehrere Lagen dicken Packpapiers eingewickelt und mit mindestens zehn Metern Paket-Klebeband  gesichert (man weiß ja nie…) ❤ ❤ ❤

Opa starb im April 2008, Oma folgte ihm im Juli darauf. Und wenn ich jetzt rosa Wolken am Himmel sehe, dann weiß ich: Oma backt Plätzchen.

Petras Fragen # 1

My dearies,

Petra stellt in ihrem Blog Voller Worte regelmäßig kleine Fragen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, für deren Beantwortung man aber manchmal schon etwas denken und vor allem bei sich selbst hinterfragen muß.

Ich möchte diese Fragen hier nach und nach für mich beantworten und euch – wenn ihr mögt – einladen, eure eigenen Antworten zu finden und sie – entweder hier oder bei Petra – als Kommentar einzustellen.

Heute fragt Petra:

Noch eine unsinnige Frage: Wie heißt du und warum heißt du so? Kennst du die Bedeutung deines Namens?

Unsinnig finde ich die Frage gar nicht! Linguistik finde ich spannend, und ein Name begleitet uns das ganze Leben lang, ob er uns gefällt oder nicht. Und je nach Bedeutung kann er auch Kraft geben.

Daß ich Nicole heiße, wissen ja einige von euch. Es ist die weibliche Form von Nikolaus. (Der Name stammt aus dem Griechischen: Nike = der Sieg; Laos = das Volk, also “Siegerin über das Volk“ oder Siegerin aus dem Volke“. Die familiäre Geschichte dazu ist so: Mein Vater hatte den Namen in einem französischen Film mit Brigitte Bardot gehört, so hat es mir meine Mutter erzählt, und ihr (also meiner Mutter) vorgeschlagen, das Baby, wenn es ein Mädchen werde, Nicole zu nennen. Meine Mutter war einverstanden und ich wurde ein Mädchen 😀 Während fast meiner gesamten Kindheit fragten mich Leute: “Wie heißt du?! Sind deine Eltern Franzosen?“ Oder sie konnten es nicht aussprechen und sagten „Nickoll“, mit Betonung auf der ersten Silbe. Ich war unendlich erleichtert, als ich elf Jahre alt war und eine Sängerin namens Nicole mit dem Lied „Ein bißchen Frieden“ den Grand Prix gewann. Von diesem Tag an wußte jeder, wie man den Namen schreibt und ich hörte keine blöden Fragen mehr. Im Gegenteil, Nicole wurde sogar zum Modenamen, plötzlich liefen überall Nicoles herum. Das war cool.

Meine geliebten Großeltern allerdings fanden den Namen alles andere als gut. Was sollten denn die Leute denken?! Nein, da mußte wenigstens ein ordentlicher deutscher Name dazu. Damals war „Martina“ gerade schwer in Mode, also endete ich mit Martina Nicole. In der sechsten Klasse waren wir fünf Martinas! Mein Rufname allerdings war immer Nicole, außer bei meinen Großeltern, die mich Martina riefen. Als ich zehn war, entwickelte sich „Nico“ als Spitzname, den ich sehr lange trug (einer meiner Onkel nennt mich heute noch so). Der Name „Martina“ ist mit meinem Opa im April 2008 gestorben, er nannte mich bis zuletzt so. Obwohl ich den Namen lange Zeit nicht mochte und ihn sogar aus meinen behördlichen Daten rausschmuggelte, mag ich ihn inzwischen. Als Katholikin habe ich mich auch mit meinen Namenspatronen beschäftigt, dem Heiligen Nikolaus und dem Heiligen Martin, und beide finde ich ziemlich cool (der Martinus war römischer Soldat und hat hier in Worms seinen Kriegsdienst quittiert!) Ach ja, die Bedeutung,danach  fragt Petra ja auch; – ) Im Martin steckt der Kriegsgott Mars. Na – Kriegsgott und Sieger – hätte ich einen besseren Namen bekommen können?! Für mich heißt das: don’t fuck with me, or you‘ll be fucked! Wie sieht es mit euren Namen aus?

 

 

 

1984 :'(

Opa und Nicole

Das war 1984 im Mannheimer Luisenpark. Ich war zarte23 Jahre alt. Unfaßbar, aber so sah ich wirklich mal aus 😀 Damals  lebte ich seit zwei Jahren hier in der Gegend, und Oma und Opa kamen mich so oft  besuchen, wie es ihnen möglich war.

  • Der Pullover war mein erster selbst gestrickter, und ich war sehr stolz darauf (Der Prinz nennt ihn „Oma-Pulli“, weil er ihn so altmodisch findet). Der Pulli hatte Knöpfe aus Holz 😀 😀
  • Opa verließ übrigens niemals anders als auf dem Foto das Haus: Anzug, Krawatte, Hut. (Und drunter lange Unterwäsche – immer, zu jeder Jahreszeit. Opa war ein sehr vorsichtiger Mensch. [„Man kann ja nie wissen.“] ) Der Exgatte  😛  und ich haben Oma und Opa zwei Mal nach Mallorca mitgenommen und einmal nach Kreta, je für eine Woche. Auch da trug Opa unbeirrt die lange Unterwäsche. Die Aktentasche gehörte ebenfalls zu ihm wie sein Hut.
  • (Die beiden sind seit acht Jahren tot und ich vermisse sie, als seien sie erst gestern gestorben.)   😥