Hätte, hätte, Fahrradkette..

Am kommenden Mittwoch, my darlings, hätteten wir nach Woquard fahren tuteten  wollen, aber das wird ja leider nix.  Auch die geplante Fahrt nach Norderney mit Edda können wir in den Kamin schreiben, da die Landesregierungen die Inseln gesperrt haben. Das heißt aber auch, daß wir uns nicht mit unserem Freund J. treffen können, dem früheren Pfarrer des Bonner Münsters. J. ist seit einem guten Jahr im Ruhestand, verbringt aber seit Jahren seine Urlaube auf Juist. Er liebt die Insel und vertritt dort immer gerne den Inselpfarrer, wenn dieser mal im Urlaub ist. Der Ruhestand fällt J. sehr schwer (wir haben ihn zuletzt kurz vor Weihnachten gesehen, als er uns im Lüttje Huus besuchte. Da hatte der Prinz ihn in Norddeich von der Fähre abgeholt und wir konnten kaum glauben, daß er schon 70 ist!). Die Sonntage seien besonders schwer für ihn, wie er uns erzählte, da müsse er immer noch aufpassen, nicht in ein Loch zu fallen, weil ihm es ihm so fehle, den Sonntagsgottesdienst zu halten. Nun, wir hatten geplant, J. auf Juist zu besuchen, aber wegen der Insel-Sperre kann er ja jetzt auch nicht hin. So eine Scheiße.

Na, der Prinz und ich planen schon für Ostern (gezwungenermaßen hier): Omas Sauerbraten mit Rotkohl und Klößen, nachmittags Omas Quarktorte.) Wie wird euer Osterfest aussehen?

Oma#tweetdestages

 

Vorgestern langes Telefonat mit Schwesti gehabt.Beide haben wir das Gefühl, daß Oma in der letzten Zeit sehr präsent ist. Wir denken an sie, wollen sie spontan anrufen, zitieren ihre Aussprüche… und können nicht glauben, daß sie schon seit zwölf Jahren tot ist. Für uns ist sie gefühlt immer noch da, mitten in unseren Leben. Ostern wird es hier bei uns wieder ihren berühmten Sauerbraten geben, mit Rotkohl und Kartoffelklößen (der Prinz hat extra für den Braten einen „slow cooker“ gekauft.) Schwesti macht öfter Omas herrliche Quarktorte. Das Rezept habe ich, und mal sehen, vielleicht mache ich mich Ostern mit Hilfe desPrinzen mal daran ( er nannte sie ebenfalls „Oma“…)

Und wieder (und immer noch) Ingrid

Heute ist der neunte Juni und damit der Geburtstag meiner unbekannten Tante Ingrid, die ich nie kennenlernen konnte, weil sie schon drei Monate nach ihrer Geburt starb. Oma hat mir oft von ihr erzählt. Das, was sie mir über ihr Baby mit dem „Mund wie eine Herzkirsche“ erzählte, sehnsüchtig und traurig, habe ich hier festgehalten. Ich hoffe, daß Oma, als sie starb, ihre kleine Tochter gleich wiedergesehen hat. Ingrid wäre heute 75 Jahre alt geworden. Ich bedaure, dass ich sie nicht gekannt habe (Ebenso bedaure ich, Omas Abschiebung ins Heim nicht verhindert zu haben, obwohl ich es ihr versprochen hatte).

 

Goodbye, Sir. Fare well.

Das war ein trauriger Samstagmorgen. darlings, als ich auf dem Eipätt den Mailordner öffnete, um beim Kaffeeschlürfen durch die verschiedenen Newsletter und Pressemeldungen zu streifen, die ich abonniert habe. Dazu gehören neben Zeitungen wie Spiegel, ZEIT, FAZ, Times UK und New York usw. auch amerikanische politische Online-Magazine wie Mother Jones, Daily Kos, Raw Story und PoliticusUSA (um Arsehole Orange und die Atomcodes im Auge zu behalten 😉 ). Einige hatten ihren Aufmacher bereits im Betreff stehen, so daß ich die traurige Neuigkeit schon sah, bevor ich überhaupt eine Mail angeklickt hatte. Ungläubig sah ich denPrinzen an.

„John McCain ist gestorben?!“ fragte ich bestürzt.

„Oh“, sagte der Prinz, „das hab‘ ich gar nicht mitbekommen. Wie schade.“

Ja, das fand ich auch. Und ja, natürlich hatte ich, wie der Rest der Welt, gewußt, daß er einen hochaggressiven Hirntumor und damit nur noch eine begrenzte Lebenszeit hatte.

Meine Reaktion zeigte mir, wie recht Kafka mit seinen schönen Zeilen hatte:

Man sieht die Sonne

langsam untergehen

und erschrickt doch,

wenn es plötzlich dunkel ist.“

(Jemand aus unserem Umfeld hatte sie für die Todesanzeige seiner Frau gewählt.)

Im Gegensatz zu Trumpelstilzchen hatte ich John McCain sehr gemocht und seine Ehrlichkeit und Offenheit sowie seinen Mut bewundert. Ich hielt ihn für einen grundanständigen und gütigen Menschen (und möglicherweise habe ich ihn auch ein bißchen angehimmelt 😉 ).

Eine schöne Seite hatte der Samstag aber trotzdem: der Patensohn des Prinzen kam mit seinen Eltern (Jugendfreunde des Prinzen) zu Besuch. Die drei hatten Lust auf einen Besuch im Dom. Der Wormser Dom ist dieses Jahr 1000 Jahre alt! (Hinweis: TerraX hat dem Geburtstagshaus eine eigene Sendung gewidmet! Großartig gemacht, und unser neuer Bischof, Peter Kohlgraf (der Nachfolger Kardinal Lehmanns), erklärt darin vieles über die Bauzeit des Doms, wie die Menschen in Worms damals lebten und noch mehr Wissenswertes. Ich hatte Lehmann gemocht, mag aber Kohlgraf noch lieber. Wir fünf sahen uns im Dom die interaktive Ausstellung zum 1000. Geburtstag an und ich zündete, wie immer, wenn ich in einer Kirche bin, ein Kerzchen für Oma an. (Dieses kleineRitual gehörte für Oma in jeder Kirche dazu – ich weiß nicht, für wen sie das Lichtchen anzündete (vielleicht für Klein-Ingrid, ihre zweite Tochter, die als Baby schon starb), aber sie tat es immer. Und so habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht,ebenfalls immer ein Kerzchen für Oma anzuzünden.

Der Prinz absolvierte mit den dreien eine komplette Führung – er kennt sich unglaublich gut aus mit unserem Dom. Als wir weiterzogen, plädierte ich für ein Eis. Der Prinz grinste nur und wir bogen ab in  Richtung Vanninis Eis-Pavillon. Leider war es kalt und windig. Das machte das Sitzen an den Tischen sehr ungemütlich. (Eigentlich hatte Sig.Vannini geplant, auf dem Marktplatz ein zweistöckiges Caféhaus zu bauen, aber nun hat ihm die Stadt in letzer Minute die Erlaubnis verweigert. Zu der Kälte kam hinzu, daß in meinem Amarenabecher Fruchteis war! Ti prego – wer tut in einen Amarenabecher Erdbeer- und Zitroneneis?! Bäh!

Zu Hause kochte der Prinz für uns alle Spaghetti Bolognese. (Und einen „richtigen“ Amarenabecher bekam ich dafür gestern Abend, bei Esther und Alessio. Also stimmt die Bilanz des Wochenendes wieder 😀

Omas Seersucker

Sicher kennt ihr Seersucker-Stoff, meine Lieben? Das ist (vor allem bei Bettwäsche) dieser angenehme Baumwollstoff mit Waffel-Struktur, die den Stoff bei Wärme angenehm kühl macht und der bei Kälte die Wärme speichert.

Der Prinz und ich bekommen per Mail jede Woche die aktuellen Angebote von LIDL und ALDI, und LIDL hat gerade Seersucker-Bettwäsche im Angebot. Der Prinz kennt ja genau meinen Geschmack und brachte mir auf gut Glück eine Garnitur mit, die ich auch sehr schön finde.

Und wie es so oft geschieht, war auch sofort Oma dabei. Oma hatte ein großes Faible für Tisch- und Bettwäsche und Handtücher. Seersucker-Stoff mochte sie auch gern. Nur mit dem Englischen hatte sie es nicht so – ihr Wort für diesen Stoff war: Seezucker. Hinreißend, oder? ❤ Ich habe dieses Wort für diesen Stoff so oft benutzt, ich muß aufpassen, daß mir das nicht mal in der Öffentlichkeit rausrutscht :/

Wikipedia erklärt den Begriff hier.

Überhaupt zitieren meine Geschwister, der Prinz und ich Oma und Opa so oft und mit so viel Liebe, daß die beiden eigentlich gar nicht tot sein können (es sind dieses Jahr zehn Jahre).

Die neue Seezucker-Garnitur kommt jetzt erstmal in die Wäsche und dann bitte ich nächste Woche meine Freundin Tini , die hin und wieder kommt und mir bei Haushaltsdingen hilft, die ich einpfotig nicht hinbekomme, mir den Seezucker auf mein Bett zu ziehen. Denn das ist klar eine Zweihand-Aufgabe 😀

Ach, ich vermisse Oma so sehr! Mir fehlen unsere stundenlangen Telefonate über Gott und die Welt, und wenn ich ihr jetzt von der neuen Bettgarnitur erzählen könnte, würde sie das sicher freuen und morgen früh würde sie Opa zu LIDL schicken, zwei Seezucker-Garnituren zu besorgen.

A propos: Könnte sich bitte mal ein Zeitreisender bei mir melden…? Ich möchte da gern ein paar Fragen stellen…

Opas 100. Geburtstag!

Wow, das klingt gewaltig, aber so isses, darlings – mein Opa würde heute 100 Jahre alt. Er kam im Oktober 1917 zur Welt und er starb im April 2008, also vor neun Jahren, und ich vermisse ihn, als sei er erst seit ein paar Tagen tot. Mit Oma geht es mir genau so ( sie folgte ihm im Juli 2008).

Ich stelle hier nochmal ein Foto von 2003 ein, das mich mit Opa auf unserem geliebten Gasometer ( Spitzname „Die Tonne“) zeigt.

Vadder, du fehlst!

Hier eines seiner liebsten Musikstücke… in memoriam Hermann Flötgen…

gasometer