Nachgeprüft

Heute mußte unser kleiner Herr Sonntag nochmal zum Highlander, damit dieser nachprüfen konnte, wie die Spritze zur Normalisierung der sonntäglichen Prostata angeschlagen hat, die er unserem Kleinen vor zwei Wochen verpaßt hat. Kaum hatten wir uns im Wartezimmer hingesetzt, sprang uns der Kleine zitternd auf den Schoß. Mit drin waren noch zwei ältere, sehr große Golden Retriever-Hündinnen, ein nervöser Jack Russell und ein ängstlicher Zwergpudel. Erstaunlich, wie der Schiß vor dem Onkel Doktor für Frieden im Wartezimmer sorgen kann – alle Hunde waren still und unauffällig 😉

Unser Kleiner klemmte schon mal vorsorglich den Schwanz ein, als wir dran waren, und versuchte, sich aus seinem Brustgeschirr zu winden. Leider mußte er aber trotzdem mit rein. Nun ist der Highlander ja immer sehr liebevoll und vorsichtig mit den Tieren. Er untersuchte ihn sehr sanft: Alles prima! Wir haben auch seit der Spritze kein Blut mehr gesehen. Wir müssen nur dann nochmal wiederkommen, wenn sich etwas Neues tut (hoffentlich also so schnell nicht!)

Die Erleichterung, mit der der kleine Herr Sonntag zum Auto zurücktänzelte, war lustig anzusehen 😀 😀

Ach, kuck. So geht das auch.

Darlings,

hier ist ein kurzes Buzzfeed-Filmchen, das zeigt, wie jeweils Barack Obama  und Adolf Trump auf kritische Einwürfe bei Wahlkampfreden  reagieren. Ich finde es interessant… und sehr vielsagend (ich darf mir nicht zu viele Trump-Aufnahmen ansehen…wer weiß, wann ich den Brechreiz nicht mehr unter Kontrolle habe, und die Einhand-Tastatur zu versauen ist dieses Stück Politikerscheiße nicht wert.

Es reicht jetzt.

Dieses Jahr hat , wie ich finde, ziemlich beschissen angefangen. David Bowie und Alan Rickman sind gestorben. Beide hatten Krebs, hatten das aber verständlicherweise nicht der Presse zum Fraß vorgeworfen, sondern es mit sich, ihren Familien und ihren Freunden privat ausgemacht. So gut ich das finde und verstehe, es war ein böser Schlag für mich, als ich kürzlich abends auf dem REWE-Parkplatz, wartend auf den Prinzen, das Autoradio einschaltete und mitten in einen Beitrag geriet, in dem die Rede von „Professor Snape in den Harry Potter-Filmen“ und „Colonel Brandon in Sense and Sensibility“ war. Mir war sofort klar, daß dies ein Beitrag über Alan Rickman sein mußte. Ich drehte den Ton lauter und hörte gebannt zu. Je länger die Frau redete, desto mehr hörte sich der Text wie ein Nachruf an. Mir wurde immer mulmiger. Zuletzt sagte sie dann wirklich: „Alan Rickman starb gestern im Alter von 69 Jahren an Krebs.“ Der Prinz fand, als er mit den Einkäufen zum Auto zurückkehrte, eine bitterlich weinende Lakritzefrau vor. Und sogar er, der keinen Schauspieler vom anderen unterscheiden kann, war etwas schockiert von der Nachricht. Ich arbeite noch dran :-/

David Bowies Tod habe ich bedauert, aber er hat mich nicht so tief getroffen wie Alan Rickmans. Bowie war eine Musiklegende, ein großartiger, kreativer Künstler und Schauspieler , aber ich habe seine Karriere nach Abschluß meiner Teenie-Jahre nicht mehr verfolgt. Es ist das Plötzliche, das Überfallartige, das mich so schockiert hat. Als Helmut Schmidt starb, habe ich auch geweint und war zu traurig, um darüber zu bloggen, aber sein Tod kam nicht als böse Überraschung, nicht in seinem Alter.

Nun gibt es noch zwei Leute, die ich sehr gern mag, die ebenfalls Krebs haben. Beide haben die Öffentlichkeit aber darauf vorbereitet:

  1. Oliver Sacks, der britische Neurologe. Sein Buch „Der Tag, an dem mein Bein fortging“ war das erste Buch, das ich las, als ich nach dem Aufwachen aus dem Koma in mein neues Leben zurückkehrte. Sacks beschreibt darin, wie er sich beim Bergwandern in Norwegen ein Bein so schwer verletzte, daß es gelähmt war. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon wußte, daß ich halbseitig gelähmt war, schien mir dieses Buch passend, und es half mir auch, die neue Situation für mich einzuschätzen.

Update: wollte gerade nachschauen, wie alt er ist und habe gesehen, daß er bereits im vergangenen Sommer starb. Hier bei Wikipedia nachzulesen. Fuck you, cancer.

 

Ein Vortrag über Halluzinationen von Dr. Oliver Sacks auf Juhtjuhp

Dann ist da noch Alan Bennett, ein wunderbarer britischer Schriftsteller. Er hat unter anderem das herrlich schrille und schräge Buch „The Uncommon Reader“  (Die ungewöhnliche Leserin) geschrieben, eine Geschichte, in der die englische Königin versehentlich in den Büchereiwagen der Gemeinde gerät und danach der Lesesucht verfällt. Das bringt den Hofstaat und den Tagesablauf am Hofe gewaltig durcheinander und hat herrlich komische und skurrile Folgen. Ich bin ein sehr großer Fan von Alan Bennett und kann nur beten, daß er der literarischen Welt noch lange erhalten bleibt.

Im Moment reicht’s mir wirklich. Loslassen ist ein wichtiges Lernziel, das weiß ich, aber ich würde es lieber auf eine etwas leichtere Art lernen. Dazu kommt, daß zur Zeit gerade zwei Mitglieder meiner Familie sterbenskrank sind, eine Tante und mein Lieblingsonkel. Wie lange es da noch dauert, kann niemand sagen. Ey, so langsam is getz ma gut, ne?! *Beschwerdebrief einreich*

Marathon voraus

Heute und morgen werde ich genau das tun, was einige Leute auf Twitter für sich  schon angekündigt haben: Alle Harry-Potter-Filme nochmal gucken, sowie „Snow Cake“, „Sense and Sensibility“ und (meinen persönlichen Favoriten) „Love actually“, und dabei nochmal so richtig um Alan Rickman weinen. Krebs ist so ein verdammtes Arschloch.

Des is mer ned worschd!

Hier ist was Leckeres für

  1. Anna, mein Oldenburger Enti ❤ und
  2. b) meine herzensliebste Freundesgang da oben bei Hannover (falls ihr gerade online sein solltet)
    Es ist noch mal ein Auftritt von Bülent Ceylan, und es geht um Dialekt (Anna: und die Haaaare!!!)
    Neben herzhaftem Lachen habe ich mich beim Zuhören daran erinnert, wie das für mich war, als ich vor 33 Jahren vom tiefsten Ruhrpott in die Pfalz zog. Das Heimweh war schlimm, verschlimmert wurde es dadurch, dass ich kein Wort verstand von dem, was die Leute hier redeten. Die Aussprache verwirrte, die Grammatik entsetzte mich. Heute verstehe ich alles, ich kann mich sogar selbst einigermaßen im Dialekt ausdrücken. Ich habe den Dialekt, die Landschaft und die (meisten) Menschen hier liebgewonnen.

Nun ist Bülent Ceylan kein Pfälzer, sondern Kurpfälzer. Er stammt aus Mannheim („Monnem“), einer Stadt, in der ich 15 Jahre lang gearbeitet habe und die ich sehr gern mag. Deswegen verstehe ich ihn auch ohne Probleme, wenn er mitten im Programm in seine Heimatsprache fällt.
Als ich hierher zog, 1982 war das, da hörte ich oft: “Aus dem Ruhrgebiet kommen Sie?! Ach Gott, Sie Arme – da sind Sie bestimmt froh, dass Sie jetzt hier leben, gell?“
Ich fand recht schnell heraus, woher dieses Mitleid stammte: Damals liefen die „Schimanski-Tatorte“, die fast ausnahmslos an dunklen, regenverhangenen Tagen oder in der Dämmerung im Duisburger Hafen gedreht worden waren. Und nun glaubten alle Pfälzer, die den „Tatort“ schauten, das Ruhrgebiet sei das, was sie da auf ihren Fernsehschirmen sahen. Meine Erklärungen, dass das Ruhrgebiet auch sehr schöne Naherholungsgebiete mit Wäldern und Wiesen habe und überhaupt eine richtig tolle Gegend sei, nahmen sie mit erheitertem Unglauben auf.
Umso mehr hab ich diesen Auftritt von Bülent Ceylan genossen, in dem er (einem Hannoveraner!)  den Monnemer Dialekt erklärt. Habt Spaß!