Gruß an Petra! <3

Als ich heute morgen diesen Beitrag in Petras Blog las, meine Lieben, platzte mir fast der Kragen, denn er erinnerte mich an ein Erlebnis, das ich mal  in der Toilettenanlage einer Autobahnraststätte hatte (ist schon einige  Zeit her). Wir waren auf dem Rückweg vom Urlaub (damals hatten wir unser lüttje Huus noch nicht) und der Prinz fuhr eine Raststätte an, weil ich mal pieseln mußte.  Sie hatte eine „Serways“-Station, die ich eigentlich schätze, weil sie immer picobello sauber sind.  Allerdings kann ich die Drehkreuze nicht ausstehen, weil ich nicht schnell genug da hindurchgehen kann, und der Schubs, den man beim letzten Schritt hindurch bekommt, bringt mich jedesmal aus dem Gleichgewicht. (Ja, inzwischen weiß ich, daß die Behindertentoilette immer vor dem Drehkreuz liegt und nutze sie, ich habe auch einen Euro-Schlüssel, mit dem ich überall die Behi-Toiletten aufschließen kann.) In dieser Anlage jedenfalls war die Behindertentoilette gerade  im Umbau. Dafür blockierte das Drehkreuz schon nach einem Schritt. Zwei Meter hinter mir standen zwei angestellte Frauen, die bereits, als ich mich näherte, verkrampft so getan hatten, als sähen sie mich nicht (…wir sind ja soooo tief im Gespräch…).  „Entschuldigung! Könnten Sie mir bitte mal helfen?!“ rief ich laut und energisch  in ihr Gespräch hinein. Sie zuckten panisch zusammen, dann kam eine herüber, holte einen Schlüssel aus ihrer Kitteltasche und fummelte damit am Drehkreuz herum.

„So – jetzt gehen Sie schnell durch!“ sagte sie drängend. äh…“schnell“..?! Ich sah sie nur an und hob meinen Gehstock hoch.“Hach…jaaa,“ sagte sie hektisch und fummelte weiter. (Das ist ja so ein furchtbarer Streß, wenn die Behinderten auch noch verlangen, daß man sie ansieht – und sogar mit ihnen sprechen soll, nech?)

Nach einigen Sekunden hatte sie noch eine Sperre gelöst und sagte: „So – jetzt gehen Sie rückwärts wieder raus, schnell!“ Ich wußte nicht einmal, wie ich das anstellen sollte. Ich war zwischen den Balken des Drehkreuzes eingeklemmt, ohne Bewegungsspielraum. Also geschah – nichts, natürlich. Das machte die Frau immer hektischer. „Sie müssen doch einfach nur rückwärts rausgehen!“ kreischte sie hysterisch. Nach einigen weiteren Sekunden dämmerte ihr aber wohl, daß daraus nichts würde, und sie schwenkte das Drehkreuz zur Seite, so daß ich normal hindurchgehen konnte. Dann durfte ich netterweise auch endlich pinkeln gehen.

Auf dem Weg nach draußen begegnete diese Frau mir wieder.  Sie sah weg, aber das beeindruckt mich schon lange nicht mehr. „Übrigens“, sagte ich zu ihr, „die Worte einfach und schnell  sind bei Behinderten nicht angebracht. Bitte überprüfen Sie Ihren Wortschatz mal entsprechend.“ Ich war wütend, und das spürte sie. Sie sagte nur leise „Ja“, während sie immer noch auf den Boden sah. Ich  wütete im Auto weiter und überlegte, der Firmenleitung zu schreiben und ihnen vorzuschlagen, ihre Angestellten für den Umgang mit Behinderten zu sensibilisieren. Aber wenn Hermes das nicht schafft, warum dann Serways? Wenn überhaupt, kommt nur leeres Blabla zurück. Das lohnt die Mühe nicht.

 

Gaanz still…

…bin ich jetzt erstmal, meine Lieben, und gespannt wie ein Flitzebogen, denn es sieht so aus, als habe meine Freundin Karma der Voodoopüppchen-Tante „in da hood“ bereits mal vorsichtig auf die Schulter getippt. Aber vorerst verhalte ich mich mal ganz stickum, bis ich mehr weiß. Die dörflichen grapevines werden mich beizeiten in Kenntnis setzen.

Unsere zwei Juli-Wochen im Lüttje Huus

Vom 12. bis zum 24. Juli hatten wir zwei wundervolle Wochen im im Lüttje Huus, meine Lieben. Eigentlich hatten wir am Sonntag, den 14.7., fahren wollen, denn das war gleichzeitig der letzte Urlaubstag unserer Freunde Manu und Ralf, die eine Woche im lüttje Huus verbracht hatten, zusammen mit ihrer Mix-Hündin Mara. Das liebe alte Mädchen (zwölf Jahre) begann, erste Alters-/Ausfallerscheinungen zu zeigen. Die beiden zeigten Mara den Hundestrand in Norddeich und schickten uns ein Foto, auf dem sich Mara genüßlich auf dem Rasen in unserem Garten räkelte. Am Samstag schickte uns Manu aber eine Nachricht: “Wir fahren heute schon heim. Mara geht es gar nicht gut. Sie fällt immer wieder um. Haben alles geputzt und sind nicht direkt im Stress, aber wir wollen daheim sein, falls es schlimmer wird. Fahrt ihr doch schon los, dann habt ihr einen Tag mehr.“ Zwar hatten sie die Tierarztpraxis um die Ecke gesehen, aber die war am Samstag natürlich zu. Wehmütig sagten wir unseren Vermietern Bescheid (wegen Katzen-und Haus-Wache) und fuhren am Samstag Abend los. Wie immer, trafen wir mitten in der Nacht ein und fielen ins Bett, nachdem wir einen entzückten kleinen Hund müde gespielt hatten (der Bär liebt es, im Lüttje Huus zu sein!). Am nächsten Morgen traf Manus Nachricht ein: „Mara ist bei Willy.“ Wir hatten es geahnt… “Man hat einfach nix mehr machen können“, schrieb Manu. Ich rief sie gleich an, um Näheres zu erfahren. Mara war kollabiert und noch in der Tierarztpraxis gestorben. „Es war einfach totales Organversagen, aus Altersschwäche“, sagte Manu. “Aber das war abzusehen, es ging ihr zuletzt immer schlechter.“ Dafür hatte Mara noch eine intensive Woche mit ihren beiden geliebten Menschen gehabt, eine Woche, in der sie ganz allein im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, ohne dass Ralf Termine für Konzerte oder Aufnahmen im Tonstudio oder dass Manu Cateringservice für Stadtfeste oder Hochzeiten planen musste. Es gab nur Mara in dieser Woche, viel Liebe und Fürsorge, kleine Ausflüge … und die Ahnung vom nahenden Abschied.

Der Prinz hatte es mal wieder geschafft, sich bei der Arbeit bis an den Rand der Erschöpfung zu bringen, deswegen verbrachte ich den Sonntag mit Lesen und zwang den Prinzen, Ruhe zu halten. (Okay, er ging noch eben gegen den Löwenzahn in der Einfahrt vor, den er zu seinem persönlichen Feind erklärt hat, schlief aber brav fast den ganzen Tag. Das beruhigte mich natürlich 😉 ) .

Am Montag lieferte eine Spedition zwei Stahlblech-Schränke, die der Prinz bestellt hatte. In diesen können wir unsere persönlichen Sachen verstauen, wenn Gäste im Huus eingeplant sind. Denn unsere Gäste sollen sich entspannt im Huus ausbreiten können, ohne überall auf unsere Sachen zu stoßen und fürchten zu müssen, etwas kaputtzumachen.

Ich war etwas traurig, denn früher, vor dem Hallamati, haben der Prinz und ich solche Arbeiten wie das Aufbauen der Schränke gemeinsam gemacht, Hand in Hand und ruck-zuck. Jetzt muß ich dabeistehen und zusehen, wie er das alleine macht, ich kann höchstens mal etwas festhalten, damit er eine Schraube eindrehen kann. ( Aber: nein, ich gebe nicht auf – ich trainiere die linke Hand weiter, bis sie sich wieder daran erinnert, was sie tun soll 😉 )

Apropos – kleiner Gedanke am Rande: Sollte nochmal jemand eine Wut auf mich haben und auf die Idee kommen, ein Voodoo-Püppchen von mir zu basteln – könntest du dann bitte statt Nadeln Pommes da reinstecken? Danke! 😀 😀 😀

Die Schränke also, in „frischem Steingrau“ stehen sie nun in dem großen Werkstattraum, der mal unser Wohnzimmer sein wird, geplant mit bullerndem Schwedenofen und Panoramafenster in den Garten. (Eigentlich sind es Aktenschränke, und die gibt es nun mal nur in Grautönen („Steingrau, Aschgrau, Mausgrau, Betongrau“…). Aber da war ja noch etwas – der Prinz hatte ein neues Treppengeländer bestellt, damit ich auch endlich mal ohne Probleme über die gräßliche Betontreppe ins Obergeschoß gehen kann. Eine Spedition brachte ein drei Meter langes Rundholz aus Buche, das wir zusammen an das Brett anschraubten, das Herr Beckmann im Stil der 60er Jahre als Geländer angebracht hatte. Jetzt komme ich recht leicht nach oben und kann mir dort eins der Zimmerchen als Lesehöhle einrichten! \o/

Auch der nette Postbote freut sich, denn wir haben den bisherigen Briefkasten (Modell 50er Jahre, sehr klein, kupferbraun, mit Spitzdach und der Aufschrift „Post“ in Fraktur auf der Tür) ausgetauscht gegen einen schlichten weißen und vor allem großen Briefkasten mit einem Rundfach für Zeitschriften unten dran ausgetauscht. Nun muss der Postmann nicht mehr dreimal klingeln, wenn er eine der Foto-Fachzeitschriften des Prinzen bringt, weil er sie nicht knicken möchte – jetzt kann er sie rollen und ins Röhrenfach schieben. Übrigens macht der Postbote hier auch den DHL-Dienst, er kommt mit einem coolen gelben Elektro-Lieferwagen, den man nicht hört, klasse! Nun stehen wir nur noch vor der uralten Frage, die uns schon früher in Harkebrügge in den Wahnsinn trieb: Wie bekommen wir eine vernünftige Internet-Verbindung hin?! Im Moment geht das nur mit persönlichen Hotspots über unsere Häntis, das nervt, denn es ist keine stabile Lösung und das Datenvolumen reicht auch nicht. / Motzmodus aus. Ansonsten bin ich recht zufrieden mit mir, denn ich war jeden Abend mit meinen beiden Jungs auf dem Deich! Das Wetter war mild und der Wind weich, so daß ich nicht aus dem Gleichgewicht geriet, wenn er mich anpustete. Das Ersteigen der Treppe hinauf ist eine gute sportliche Übung, und oben gehe ich konsequent noch ein Stück auf dem Deichkamm, damit die Rumpfmuskulatur in Übung bleibt. Das wird ab jetzt eine Standard-Übung! Der Blick auf das abendliche Watt im Sonnenuntergang belohnt mich jedes Mal für die Mühe. (Wir sind übrigens jetzt Mitglieder in der Deichacht 😉 ), im BUND und beim NABU, das kommt hier fast automatisch mit.

Ungewohnt und doof war, dass Herta fehlte. Sie sollte nach der OP (neues Kniegelenk) in Norddeich in die Reha gehen,aber wir erreichten sie nicht – vermutlich war der Akku ihres Handys leer, und es war noch niemandem aufgefallen. Auch meine Sprachnachrichten auf ihrer Mailbox schien sie nicht bemerkt zu haben. Aber das kennen wir von Edda, die zwar durchaus mal Sprachnachrichten hinterläßt, es aber nicht mitkriegt, wenn sie selbst welche bekommt (oder SMS).

Ach ja, am Sonntag hatte der Prinz Geburtstag, aber sein Geschenk hat er erst nach unserer Rückkehr nach Worms bekommen. Da ich auch nicht recht wußte, wohin ich ihn zum traditionellen Frühstück einladen könnte, fragte ich Edda um Rat. Sie erzählte mir von einem Café-Bistro, das ich schon öfter im Vorbeifahren gesehen hatte, die Osterburg Groothusen. Sie bieten am Wochenende ein phantastisches Frühstücksbuffet an, das „Häuptlingsfrühstück“, über das Edda schon viele begeisterte Berichte gehört hatte. Das viele Lob war absolut berechtigt, wie sich zeigte. Auf sein Geschenk musste der Prinz noch etwas warten, aber wenigstens zum traditionellen Frühstück konnte ich ihn schon ausführen. Wie immer, wenn es Essen vom Buffet gibt, nahm der Prinz meinen Teller und holte mir etwas zu Essen, denn ich kann mit der rechten Hand entweder den Teller oder den Gehstock halten. Der Prinz weiß, was ich gern esse (und vor allem, was nicht), so packt er mir dann immer meinen Teller voll mit (für mich) leckeren Sachen. Es hat seine Vorteile, seit 18 Jahren ein Paar zu sein und sich gut zu kennen! 😀

Der Montag gehörte den Niederlanden, wir machten eine längere Autotour an der niederländischen Küste entlang, bis zu dem Kraftwerk, das man von unserem Deich aus gegenüber, weit weg, sehen kann. Der Prinz fotografierte von dort aus unseren Deich.Wir hatten eine schöne Tour, zumal wir die Niederlande sehr gern mögen, vor allem die Architektur (ik hou heel erg van de Nederlande!) Dem kleinen Herrn Sonntag ging das alles an seinem kleinen Hundearsch vorbei – ihm war nur wichtig, daß wir alle zusammen waren (da kommt die Hütehund-Mutter durch 😀 )

Am späten Nachmittag waren wir zurück im Lüttje Huus. Während ich in der Küche überlegte, ob ich Hunger hatte und etwas zu Essen machen wollte, hörte ich zwei vertraute Stimmen vor dem Haus. Ich schaute hinaus: Da stand der Prinz und redete mit einer kleinen, sehr runden Person mit grauem Kurzhaarschnitt und Krücken. „Herta!“ rief ich erfreut und beeilte mich, hinüberzulaufen, unter Hertas Ermahnungen, bloß langsam und vorsichtig zu laufen ❤ (ich sagte ja, sie hat uns quasi adoptiert 😉 ) Erfreut und gerührt umarmten wir uns. Herta ist sehr klein und ich muss mich tief herunterbeugen, wenn ich sie umarmen will. Wir fragten sie über die Operation aus und tauschten sonstige Neuigkeiten aus. Da fuhr ein Auto vor, an dessen Steuer – so wirkte es auf mich – ein riesiger Teddybär saß. Der Teddybär strahlte uns an, parkte das Auto vor der Einfahrt und gesellte sich zu uns. Herta und der Prinz kannten den Teddy, sie begrüßten ihn mit „Hallo, Hinrich!“ Ich freute mich, denn Hertas ältesten Sohn hatte ich schon seit einiger Zeit gern kennenlernen wollen.Wir quatschten zu viert eine Weile, bis mir das Stehen zu beschwerlich wurde. „Trinkt ihr einen Tee mit uns?“ fragte ich. Herta und Hinrich sagten gleichzeitig „Ja, gern!“. Der Prinz übernahm netterweise das Teekochen. Auf der Terrasse saßen wir unter dem neuen Ampel-Sonnenschirm und ich erfuhr, warum Hinrich so wohltuend gelassen mit meiner Behinderung umging: Er ist Fahrer bei einer Behindertenwerkstätte und hat den ganzen Tag mit Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen zu tun. Wie sein Bruder Werner, hat auch er nun unsere offizielle Einladung, jederzeit zum Tee hereinzuschauen.

Danach stand das Abendessen bei Edda und Tinus an, wie immer. Urlaub in Woquard, ohne daß die „Fab Four“ sich sehen, das geht gar nicht! Wie immer, verstanden wir uns blind und vernichteten Unmengen an Thiele-Tee (das war Muddis Lieblingstee), Keksen und Tinus‘ geliebtem Zitronenkuchen.

Die restlichen eineinhalb Wochen verbrachten wir zu einem großen Teil „up diek“ – auf dem Deich. Wir hatten ja ursprünglich nach einem Haus „achtern Diek“gesucht, also gleich hinter dem Deich, denn der Prinz träumte immer davon, morgens mit einem Tee auf den Deich zu steigen und den Sonnenaufgang zu sehen. Nun wohnen wir zwar fünf Kilometer hinterm Deich, aber das trübt des Prinzen Freude nicht. Er macht es genau richtig: Er lebt seinen Traum trotzdem! Jeden Morgen, sobald ihn die Vögel, die im Garten wohnen, wecken, steht er auf, füllt sich eine kleine Thermoskanne mit Tee, zieht dem kleinen Herrn Sonntag das Geschirr an und dann erklimmen die beiden den Deich und laufen bis hinüber zum Campener Leuchtturm. Bis ich Frühstück gemacht habe, sind sie wieder da, entspannt und glücklich. Schöne Fotos vom Deich und seiner Umgebung könnt ihr hier sehen. Dieser Juli hatte ja eine Hitzewelle mitgebracht, die erstaunlicherweise auch dort oben sehr zu spüren war. Ich konnte ohne Jacke hochgehen!

Das ist die Treppe, die hinauf führt:

deichtreppe1

Das dunkle Geschmiere auf dem Handlauf ist Schlick. Da hatten es einige Kackbratzen wohl witzig gefunden, anderen Leuten den Aufstieg schwerer zu machen (nää, wat witzisch!)

Da das Bärchen ja immer mitkam up diek, nannte ich unsere Ausflüge mit der Zeit „Deichgassi“. Das verkürzte sich bald zu „Deichi“. (Ja, klingt kindisch, ist aber praktisch 🙂 ) Das milde Wetter erlaubte mir, jeden Abend mitzugehen und den Sonnenuntergang zu genießen. Der Sport tat mir gut, nach wenigen Tagen forderte mein Körper den Aufstieg sogar ein!

Hier meine Begeisterung:

yeah!

Und ein Eindruck davon, wie das Abends da aussieht:

sundown

Aber natürlich unternahmen wir auch etwas in der Region. Die Henri-Nannen-Kunsthalle in Emden zeigt derzeit (noch bis zum 22. September) eine ganz wunderbare Hommage an den berühmten Sohn der Stadt, Otto Waalkes.

Da Olli der Rolli noch in Reparatur war, hatten wir – extra für Hogwarts – einen günstigen Basis-Rolli angeschafft, den der Prinz schieben muß. Er steht in der Garage am Lüttje Huus, wiegt kaum was und ist für Ausflüge schnell im Auto verstaut. Natürlich hat er keinen E-Antrieb wie Olli, so daß ich den Prinzen immer hinter mir statt neben mir habe. Das nervt, wenn wir reden wollen. Ich muß den Kopf nach hinten verdrehen, das geht auf die Nackenmuskeln. Außerdem bin ich es gewöhnt, selbst zu steuern, wo ich hin möchte. Mit dem Notfall-Rolli muß ich dem Prinzen alles ansagen, wie: “Das Schaufenster da möchte ich angucken“ oder “Geh bitte mal eben zu der Buchhandlung da rüber.“ Zudem zuckt dann meine rechte Hand ständig, weil sie den kleinen Joystick der Steuereinheit sucht.

Der große Vorteil, das stellte ich in der Ausstellung schnell fest,war, daß die meisten Menschen ja beim Anblick eines Menschen im Rollstuhl in Panik geraten und sofort wegschauen oder flüchten. Dieses Verhalten, das mich anfangs so verletzt und verstört hatte, nutzte ich jetzt knallhart aus: Sobald wir in einen Ausstellungsraum rollten und uns auf eine Vitrine zubewegten, setzte die große Flucht ein und ich hatte für jede Vitrine und jedes Ausstellungsstück allen Platz und alle Zeit der Welt! Natürlich hatte der Museumsladen jede Menge Otto-Zeugs:

otto_ausst

Nein, ich habe den Ottifanten nicht gekauft (leider zu teuer). Der Prinz drohte mir: “Wenn du diese Kappe kaufst, schiebe ich dich nicht zum Parkplatz zurück!“ Er fand die Kappe peinlich 😀 😀 😀

Da wir sowieso gerade in der Innenstadt waren, suchten wir ein Café und stießen auf mein persönliches Eldorado: Valentino! Das Highlight hier ist die Waffelkarte: Herrliche Eisgerichte auf einer heißen Waffel – Paradies! Ich wählte Banane und erhielt: eine heiße Waffel (köstlicher Teig!) mit einer Kugel Vanilleeis, Sahne, Zimt und Bananenscheiben. Danach hätte mich der Prinz auch ohne den Rollstuhl zum Auto rollen können! 😀

Abgesehen von den täglichen“Deichi“-Trips, unternahmen wir nicht allzu viel. Wir verbrachten viel Zeit im Garten und planten, was wir später mal umgestalten oder anbauen wollen. Schade, daß wir uns dazu noch bis zum endgültigen Umzug gedulden müssen! Denn wenn wir jetzt etwas pflanzen, wer soll es pflegen und gießen, wenn wir nicht da sind? Herta hat mit ihrem eigenen Garten genug zu tun. Auch auf einen Katzenwelpen muß ich erstmal verzichten – wer soll sich um das Tier kümmern? Aber eines steht fest: sobald wir fest eingezogen sind, kommen Hühner! Ich hatte früher mal Hühner, das war eine schöne Zeit. Hühner sind klug und lustig, und es ist sehr entspannend, sie zu beobachten.

Aber auch dieses Mal blieb uns keine Wahl, wir mußten zurück (aber nicht mehr lange! \o/). Immerhin hat das fast allabendliche Deichi mir etwas gebracht: Hubert, mein Physiotherapeut, sagte bei unserem ersten Nach-Urlaubs-Termin anerkennend: “Du läufst viel stabiler!“ Also: Hogwarts ist gut für mich! 😀

Se Unterschied

Wer hier schon länger mitliest, weiß, daß ich unheilbar anglophil und ein ergebener Fan der englischen Königin bin. Kürzlich fiel mir wieder einmal auf, daß ich nicht nur rasend schnell älter werde, sondern sozusagen bereits eine Omma bin 😀 Ich hatte mir bei Juhtjup eine Doku über die inzwischen seit unfaßbaren 70 Jahren anhaltende Ehe zwischen Her Majesty und HRH The Duke of Edinburgh (also Prince Philip) angeschaut. Dazu gab es Filmausschnitte aus Nachrichtensendungen, die Her Majesty  im Laufe der Jahre zusammen mit anderen Staatsoberhäuptern zeigten. Dabei war auch ein sehr kurzer Ausschnitt, in dem sie mit Helmut Kohl sprach, seines Zeichens peinlichster deutscher Politiker ever (abgesehen von den Clowns der NSAfD). Der Kohl-Ausschnitt ist sehr kurz, man hört ihn aber im Hintergrund sprechen, wie er Her Majesty erklärt: „Se Unterschied is in se Bildung.“ Doch, ganz ehrlich! Das ist ein wörtliches Zitat! Die Dolmetscherin schaut da auch etwas verzweifelt drein, übersetzt es dann aber wohl irgendwie. Lustig wurde es, als ich in den Kommentaren zum Video die Frage las: „Stimmt es, dass Kohl kein Englisch konnte?“ Diese Frage schien mir von einem jüngeren Menschen zu kommen, der Kohl nicht mehr live erlebt hat. Das gab mir das „Boah, bin ich alt!“ – Gefühl.
Allerdings kommt in mir, wenn ich „se“ statt „the“ höre, immer so ein „Boah, ich will dich umbringen!“ – Gefühl hoch. Der Prinz weiß das, und wenn er in alberner Stimmung ist und mich ein bißchen foppen will, dann erzählt er mir was auf Englisch, und zwar, indem er alles Wort für Wort übersetzt. Das ist Absicht, und er lacht immer sehr, wenn ich mich dann in Qualen winde, entsetzt „Oh mein Gott!“ flüstere und ihn anflehe: „Bitte, Schatz, sag sowas niemals, wenn Muttersprachler dabei sind – BITTE!“ „Na, mal sehen“, grinst er dann und zieht schonmal den Kopf ein, falls ich mit Gegenständen werfe 😀

Denn man tau!

Übermorgen, am Dienstag, geiht dat man wedder los, nech. Nach Woquard natürlich, das die Filmfreundin gerne „Hogwarts“ nennt, weil sie meint, die beiden Namen klängen so schön ähnlich.  (In Hogwarts, zumindest im großen Speisesaal, war ich übrigens schonmal, in den 90er Jahren, als ich meine englische Freundin Sue in Durham besuchte. Der Speisesaal von Hogwarts ist Durham Cathedral, eine wirklich  wunderschöne normannische Kathedrale, die die Pfarrei ausgeräumt und für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt hat.)

Wir werden also am Dienstag wohl wieder zur bewährten Zeit gegen 17/18.00 Uhr losdüsen. Der Bär kommt mit, die Katzen leider nicht, wie immer. Unsere großartigen Vermieter werden sie und das Haus im Auge behalten. Inzwischen haben wir beinahe unseren Traum erreicht, daß wir uns das verhaßte und stressige Kofferpacken sparen können, denn wir haben tatsächlich fast alles, was wir brauchen, auch in „Hogwarts“. Ich habe dort Bücher gebunkert, die ich noch lesen will (die Poldark-Reihe, zum Beispiel), im Schrank liegen jede Menge dicker Hoodies und eine Steppjacke mit Skihose als Deich-Outfit, Schlafanzüge, Zahnpasta, Seife und all dieser Kram – ist alles da und muß nicht mehr gepackt werden. (Statt mit sechs Körnerkissen schlafe ich dort mit zwei Wärmflaschen.) Natürlich haben wir damals als Erstes eine zweite Alicia angeschafft, da (zumindest für mich) ein Morgen ohne Espresso-Hafermilch veloren ist. Auch ein Sandwich-Toaster-Zwilling  steht dort, damit ich mir im morgendlichen Tran meine heißen Käse-Schinken-Sandwiches zubereiten kann. Das einzige, das gepackt werden muß, sind die abgezählten Medikamente, die wir für die Zeit brauchen, und George, der Glücksbringer-Bär, den Janine aus Hamburg (auch „Sprosse“) genannt, mir zu Weihnachten 2011 in die Klinik schickte. „Er soll deine linke Seite bewachen“, schrieb sie damals dazu, und das tut George heute noch, nach acht Jahren. Das ist er:

Georgie

Einmal habe ich es gerade noch verhindern können, daß der kleine Herr Sonntag sich Georgie schnappen und in seinem Schlafkörbchen verbuddeln  konnte ( das tut er mit allen Sachen, die er klaut) 🙂 Und  ja – ihr dürft mich gerne auslachen, weil ich als erwachsene Frau noch einen Teddy im Bett habe, ist okay! 😉

Ja, und am nächsten Donnerstag ist ja Fronleichnam (kein Feiertag in Niedersachsen), da eröffnet Her Majesty das britische Parlament (Tipp: unbedingt im Livestream ansehen! Das ist eine jahrhundertealte, sehr vornehme Zeremonie, und sehr sehenswert!) Wir haben ja noch kein WLAN im Lüttje Huus, ich werde mir also in dem Fernseher mit der Satellitenschüssel eine Live-Übertragung suchen müssen oder die Eröffnung auf dem Eipätt verfolgen. Am Samstag danach kommen der jüngste Bruder meines Vaters, Benno, und seine Frau zu Besuch. Sie bleiben aber nicht lange, denn in unserer Region lebt auch irgendwo die Lebensgefährtin meines Vaters, mit der er bis zu seinem Tod zusammen war. Mein Onkel und seine Frau wollen sie besuchen.  Benno nennt den Prinzen und mich „Teilzeitostfriesen“, die Lebensgefährtin meines Vaters und ihren heutigen Mann dagegen „Vollzeitostfriesen“, weil sie sich ein Bauernhöfchen gekauft haben und dort leben.

Na, Vollzeitostfriesen werden wir ja hoffentlich auch bald! Mal sehen, ob ich zu dem Besuch mitkommen kann oder ob ihr das zu weh tut… Ich möchte einmal mit einem Menschen sprechen, der gute Worte für meinen Vater übrig hat und nicht nur haßerfülltes Lügen-Gehetze ausspeit. Mein Vater hatte später, nach der erzwungenen  Ehe mit der Mater,  noch ein zweites Mal geheiratet, auch diese Ehe gelang leider nicht. Exfrau 2.0 ( die ich sehr mochte) stammt aus Hamburg und lebt heute noch dort. Ich habe (sehr losen) Kontakt zu ihr, den netterweise ihr Bruder hergestellt hat, nachdem ich ihn online gefunden und kontaktiert hatte. Er antwortete supernett und herzlich und fragte seine Schwester, ob sie mit mir telefonieren wolle. Sie ist schwerkrank und hat nicht viel Kraft, vor allem, weil sie starke Medikamente nehmen muß. Wir haben einige Male telefoniert, es fiel ihr aber schwer, sie ist doch sehr schwach. Trotzdem – sie freute sich, von mir zu hören. Mir tut es von Herzen leid, daß sie so krank ist.

Nun, am Montag, den 24., fahren wir zurück und werden uns wie immer kaum von unserem Friesendörfchen trennen können. Aber etwas freundlicheres Wetter erhoffe ich mir diesmal! Im Juli wird hoffentlich ein Treffen mit Paxianer und ihrer bezaubernden dreibeinigen Hündin Amy möglich sein – ich vermisse die Paxi-Bande!

Ja, haha

Wenn wir mit dem kleinen Herrn Sonntag unterwegs sind, meine Lieben, kommen wir natürlich auch mit anderen Hunden und ihren Menschen ins Gespräch. Das ist meistens nett und lustig. Oft fragen die Leute: „Wie groß wird der denn mal?“ Sie sind meist  verblüfft, wenn wir sagen, dass der Mausebär schon fast 13 Jahre alt und ausgewachsen ist. Er wirkt halt durch seine schmale Figur (Erbe des Windhund-Vaters) und sein süßes Gesicht (vermutlich dito) sehr jung. Mir graut es nur vor der Frage „Wie heißt er denn?“, weil auf unsere Antwort „Domingo“ unweigerlich die Antwort des Grauens kommt: „Domingo? Wie der Sänger, haha, ne? Der, äh… Nein, flehe ich innerlich, Bittebitte sag es nicht – Sag es nicht! Aber in den meisten Fällen kommt die Folter doch:“ Der Platziehdo Domingo, ne? hehe.“ ja, hehe. Gut, daß der Scherzkeks  nicht meine Gedanken lesen kann und das Blutbad nicht sieht, das ich mit seinem Kadaver gerade anrichte. Im Gegenteil, ich habe gelernt, solche Menschen nicht sofort zu töten. (Sonst hätte ich eine Menge zu tun – bei jedem „Gnotschi“, Zutschini“ oder „Latte Matschiato“ eine Leiche verstecken zu müssen, ist nervig.) Ich atme also tief durch, lächele  und sage freundlich: „Ja, genau, wie der Sänger, der Plácido Domingo.“ Dann sind alle zufrieden – der Sprachenvergewaltiger, weil ich ihm recht gegeben habe (und er den Unterschied nicht mal ansatzweise gehört hat), ich, weil wir jetzt mit einem höflichen Zunicken weitergehen können, und der Prinz, weil ich den Sprachenvergewaltiger nicht getötet habe. Ja – so haben wir alle was davon. Ist ja auch schön, ne? 😀

 

 

 

 

Bloghopping

habe ich heute vormittag mal wieder betrieben, sweetums – ich mag das, wenn ich via Mail die Nachricht bekomme, dass  in einem der Blogs, die ich abonniert habe, ein neuer Beitrag erschienen ist. Oft lese ich dann auch die Kommentare dazu, und diese führen mich zu neuen Blogs – entweder, weil mir der Name des Blogs gefällt oder weil ich den Kommentar als besonders klug oder liebevoll empfinde und neugierig bin, wer sich dahinter verbirgt.

Vorhin habe ich auf diesem Wege eine Aussage entdeckt,  die mir sehr zusagt, zumal ich genau das, was dieser Ausspruch vorschlägt, schon seit einer ganzen Weile tue, in aller Seelenruhe, an der Biegung meines Flusses sitzend und schauend, was da so vorbeitreibt, einen Whisky und eine meiner drei jährlichen Zigaretten genießend und in die Sonne blinzelnd. Hier ist der weise Ausspruch, der mich zum Lächeln gebracht hat (Ich ersetze lediglich das Wort „Leben“ mit „Karma“) 😉