Fieses, mieses Wetter

haben wir hier, darlings: grau und naß und kalt. Ist das bei euch auch so? Zudem gibt es einige untrügliche Indizien dafür, daß der Winter kommt: Der kleine Herr Sonntag fordert seinen Schlafplatz jetzt wieder unter der Bettdecke ein statt obendrauf, und wir haben die Katzentoilette wieder im Haus aufgestellt. Beim Frühstück leuchtet mir die Tageslichtlampe den Winterblues weg, schon im dritten Jahr jetzt, seit der Prinz sie mir geschenkt hat ❤ . Ich sitze mit drei Lagen Kleidung am PC und trinke nur heiße Sachen wie Kaffee, Tee und Horlicks (das ist ein englisches Malzgetränk, so etwas wie das britische Äquivalent zu Ovomaltine, und sehr lecker).

Meine Erleichterung darüber, daß der für mich schlimmste Monat des Jahres, der November, vorbei ist, ist groß. Ja, klar wird der Dezember nicht besser, Winter ist Winter. Aber immerhin: Bald werden die Tage wieder länger! Und ich freue mich auf Weihnachten! Wie meist, muß ich nach Anweisung des Prinzen meine Wunschliste bei Tante Amazonien noch etwas eindampfen 😉 . Nach Weihnachten ( das wir wieder im Lüttje Huus verbringen werden) kann ich langsam anfangen, mich auf meinen Geburtstag zu freuen. Auch diesen werden wir im Lüttje Huus feiern, denn er fällt dieses Mal auf den Rosenmontag. Da wir ja sowieso immer vor dem Karnevalsgedöns flüchten, paßt das gut. (Auch hier: Eindampfen der Wunschliste!) Ja, und ab dann hoffe ich sehnsüchtig dem Frühling entgegen.

Dann möchte und werde ich mehr Zeit im Hof verbringen, denn ich lerne gerade eine neue Fremdsprache: Rumänisch.  Grund: Im letzten Jahr haben wir bei einem Sommerfest eines unserer Winzer hier eine supertolle und nette Frau kennengelernt, Stefania. Sie ist gebürtige Rumänin und wir drei haben uns sofort sehr gut verstanden. Wir treffen uns jetzt regelmäßig, und ich als wilde Hobby-Linguistin habe sie gefragt, ob sie mir beim Lernen helfen wolle. Sie freute sich sehr und sagte zu. Natürlich habe ich mir bisher erst einige Basis-Ausdrücke angeeignet, wie „Guten Tag/Abend“ und so weiter. Aber es macht Spaß! Ich will auf jeden Fall weitermachen. Rumänisch hat große Ähnlichkeit mit Italienisch, die Grammatik ähnelt aber eher der lateinischen. Sehr faszinierend also! Stefania spricht sehr gut Italienisch, so können wir manchen Vergleich von dort herbeiziehen.

17.oo Uhr und schon stockdunkel draußen! Orrrr – ich HASSE diese Jahreszeit! Jetzt schaue ich mir dafür bei Juhtjuhp noch einige Videos mit dem genialen und sympathischen Martin Rütter an, um mich dafür zu schämen, was wir bei unserem Bärchen alles falsch machen 😀

 

 

 

 

 

Weihnachtsbäckerei für Renata!

Einen kuscheligen ersten Advent wünsche ich euch, ihr Lieben, und dir, Renata – für dich habe ich eine besondere Entdeckung gemacht (es war der Prinz, um genau zu sein).

Singende Kinder sind mir ja eine Folter, eigentlich (l’enfer, c’est les autres), und Rolf Zuckowski gleich dreimal.

AAABER es gibt nichts, das Otto mir nicht versüßen kann! Hier also das Lied „In der Weihnachtsbäckerei“ mit Ottooooo!

 

Leute gesucht, die zeichnen können!

Ihr Lieben!

Petra, die das (sehr lesenswerte!) Blog Voller Worte führt, möchte gern einige Geschichten aus ihrer Kindheit in einem Buch zusammenfassen und sucht dazu Leute, die ihr zu den Texten Zeichnungen anfertigen. „Nichts Großes, nur ein Zwischenspiel, damit es nicht so dröge wird“, sagt sie. In ihrem Blog findet ihr Petras Kontaktdaten. Also, wer Lust hat, melde sich bitte bei Petra!

Bärchens Schlafzoo

alletiere

widdershins gegen den Uhrzeigersinn:

das Grau-weiße an seinem Hintern: Katze

darüber, braun: Pferd

Über dem Pferd, braun-schwarz-weiß: Hund (der größere der zwei, die er hat)

An seiner Nase, rosa: das neue Schwein.

Es fehlen: der kleinere seiner beiden Hunde & sein Teddybär 🙂

Ladies and Gentlemen – meet the world’s most outrageously pampered dog 😀 😀 😀

 

 

Danke, Petra! :D

Dieser Dank, meine Lieben, geht an Petra vom Blog „Voller Worte“, für ihren wunderbaren Beitrag von gestern.

Den Beitrag habe ich heute beim Frühstück gelesen (Ich habe das Blog abonniert und bekomme neue Beiträge morgens per Mail) und schallend gelacht – wäre Petra gerade hier gewesen, hätte ich sie heftig umarmt für ihre herrliche, schlagfertige Antwort.

Zudem hat mich die Geschichte an eine sehr unangenehme Episode meiner Jugend erinnert: Ähnlich wie der „mein Sohn ist Kardiologe“ – Sohn, hätte ich eine „meine Tochter ist Stewardess“- Tochter werden sollen. Das war zu Anfang der 80er Jahre.

Nein, den Berufswunsch „Stewardess“ (Heute heißt das ja Flugbegleiterin) hatte ich nie. Ich wäre gern Automechanikerin (heute: Mechatroniker) geworden. Reaktion der Mater: „Du mit deinen zwei linken Händen – ich lach mich kaputt!“ Ich äußerte diesen Wunsch nie wieder. Nun, für die Mater war die Sache klar: Ich war gut in Fremdsprachen, beherrschte Englisch und Spanisch (auch für Handel und Wirtschaft), also war klar, dass ich beruflich etwas mit Sprachen machen würde. Außerdem war ich ihr zu eigenständig (ganz schlimm für Narzissten!) und sie war bestrebt, mich schnellstmöglich aus dem Haus zu bekommen. So drückte sie mir eines Tages eine Stellenanzeige in die Hand, die sie aus der Tageszeitung ausgeschnitten hatte: Die Lufthansa stellte neue Stewardessen ein. „Los, bewirb dich da!“, lautete ihr Befehl. Nicht einmal ansatzweise die Frage „Guck mal hier, könntest du dir das für dich vorstellen?“  Wozu denn auch – SIE wußte ja, was für mich richtig war. Ich wollte das nicht, ich hatte das Gefühl, in einem Alptraum zu sein. Folgsam schrieb ich die Bewerbung und erhielt zu meinem Schrecken eine Einladung. Also mit dem Zug nach Düsseldorf, von dort mit dem Flugzeug nach Frankfurt, zur Lufthansa- Zentrale. Das Bewerbungsgespräch war eine Katastrophe. Ich hatte ja von Zuhause keinerlei Selbstwertgefühl mitbekommen, und die implizite Drohung der Mater, sie ja nach außen hin gut dastehen zu lassen, schwebte über mir. Ich war schweißnaß vor Aufregung, ich zitterte und hatte bei den mündlichen Sprachtests mehrere Blackouts.  Bewerber für den Beruf des Flugbegleiters sollen natürlich souverän, cool und einigermaßen selbstbewußt sein, also  verabschiedeten sie mich baldigst – freundlich, aber auch mit ein wenig Mitleid, das spürte ich wohl. Als nach einigen Tagen die Absage kam, tobte die Mater, ich war nur unendlich dankbar und erleichtert.

Nachsatz: Ich habe später, als ich schon mit dem Ex lebte, einen Auto-Technik-und-Pannen-Kurs für Frauen absolviert, bei einer KFZ-Meisterin. Auch wenn das heute nicht mehr geht  wegen der Einpfotigkeit, ich habe oft selbst Reifen gewechselt und Luftfilter getauscht. Bis heute hätte ich gern eine eigene kleine Oldtimer-Werkstatt… und bis heute liebe ich den Geruch von Metall und Öl und bin gern in Autowerkstätten.

Aber zurück zu Petra und ihrer wunderbaren Antwort an diese blöde Frau: Petra, du hast meinen Tag gemacht! Danke! Grüß Carsten und Wiebke ganz herzlich  – ich hoffe, wir sehen uns bald! ❤ ❤ ❤

September im Lüttje Huus

Eine ganze, luxuriöse Woche im Lüttje Huus, meine Lieben – wie lange hatte ich mich darauf gefreut! (okay, das stand seit unseren zwei Juli-Wochen hier fest, aber jeder Tag, den wir nicht im Lüttje Huus sind, ist für uns kein richtiger Tag. Ja, so sehr lieben wir unser Schnuckelhäuschen schon, und so sehr fühlen wir uns hier zu Hause 😀

So lief die Woche ab:

Freitag, 13.9.

Abfahrt gegen 18.00 h, erstaunlich gut in der Zeitplanung für uns zwei Chaoten! Ankunft nach ruhiger Fahrt (keine Schwertransporte!) um Mitternacht am Huusje. Schnell in die Heia, denn wir waren alle drei erschlagen. Aber, Freude aufs Frühstück: Herta, unsere „Friesenmama“, wie wir sie nennen, hat uns eine Frischhaltebox mit Pflaumenkuchen in die Küche gestellt ❤ .

Samstag, 14.9. und Sonntag, 15.9.

An beiden Tagen dekadent lange geschlafen und lange gefrühstückt. Leider schon kühles Wetter (für mich olle Friertante sehr kalt, – ich trage Fleecejacke und Hoodie, während die meisten Nachbarn noch im T-Shirt rumlaufen! Aber: die Sonne scheint, da ist die Temperatur egal, man trägt T-Shirt!

Am Sonntag schaut, wie gewohnt, mittags unsere Herta rein. Sie strahlt: ohne Krücken! Am nächsten Freitag darf sie die Dinger offiziell in die Ecke stellen und frei herumlaufen. Wir kochen Tee und quatschen. „Gestern hatte ich Steckrüben zu Mittag“, sagt Herta. „Das war lecker.“ Ich frage nach, aber bekomme aufgrund ihrer Beschreibung kein genaues Bild davon, wie Steckrüben aussehen. Ihr Mann habe die so gern gegessen, sagt sie. Ich frage, wie sie und ihr Mann sich kennengelernt haben (ich frage das oft; ich liebe Kennenlern-Geschichten.) Herta lacht herzlich. Das war kurz nach dem Krieg. Sie war 17 und nach ihrem Gitarren-Unterricht mit dem Fahrrad auf dem Heimweg (die Gitarre hielt sie mit der Hand fest).

Kurz vor ihrem Dorf standen an der Straße zwei Jungs, die sie aus der Nachbarschaft kannte. Sie hielt an und die drei plauschten ein wenig. Einer der Jungs wollte sie foppen und zog ihr einen ihrer Schuhe aus. Er weigerte sich lachend, ihn zurückzugeben. Herta wurde wütend.

Herta: „Gib mir meinen Schuh (mien Schauh) zurück, oder ich zieh‘ dir die Gitarre über’n Kopp!“ (Op Platt klang das natürlich netter, aber das kriege ich leider nicht mehr hin…)

Der Junge grinste. „Machst du nicht.“

Herta: * BÖNNNNK*

(Erzähler: Es wurde eine glückliche Ehe. Sie bekamen drei Kinder.)

Auch am Sonntag: Ein Jahr Lüttje Huus! Heute vor einem Jahr haben wir das Haus vom Ehepaar Beckmann übernommen. Unsere Vereinbarung, in Kontakt zu bleiben, ist jetzt auf Frau Beckmann beschränkt, da ihr Mann ja leider im Dezember danach einen tödlichen Unfall hatte. Wir denken oft an ihn, wenn wir uns über unser Häuschen freuen.

Der Prinz hatte weise vorausgeplant und eine Flasche Sekt mitgenommen, die wir zusammen genüßlich leerten.

Montag,16.9.

Der Prinz bringt, inspiriert von Herta, eine Steckrübe vom Einkaufen mit. Ich bin verwundert, daß das Ding rund ist, der Name hatte mir etwas Länglich-Spitzes suggeriert, wie eine Möhre.

Ich probiere ein Stück – es schmeckt gut, wie Kohlrabi! (Oder, wie Oma es sagte: “Kollerabi“. Ach, ich vermisse Oma so sehr!)

Der Prinz stückelt die Rübe, kocht die Würfel weich und zaubert mit dem Pürierstab, etwas Milch, Salz und Sahne ein köstliches Püree. (Leider haben wir keine Muskatnüsse.) Dazu gibt es leckeren Backfisch im Bierteig aus dem Ofen. (Auf Rotbarsch und Seelachs bin ich nicht allergisch, zum Glück!)

Nachmittags ist wie immer Treffen der „Fab Four“ – wir fahren zu Edda und Tinus rüber. Ja, wir fahren, statt zu laufen, denn es stürmt so sehr, daß es uns fast unheimlich ist. Tinus’ Gutshaus ist von altem Baumbestand umgeben, dort ist das Rauschen sehr laut. Kommentar Edda: “Eigentlich ist es in Ostfriesland ja unmöglich, von einem Baum erschlagen zu werden, aber hier bei uns kann dir das wohl passieren.“

Tinus erzählt mit Stolz eine schöne Anekdote aus der Kirche: Ein Gottesdienstbesucher hatte sich bei der Pfarrerin über Tinus beschwert: „Der Mann geht nie mit zu „Koffie na Kark“ (gemeinsames Kaffeetrinken nach der Sonntagsmesse) – der geht immer gleich nach Hause!“

„Ja, wissen Sie“, hatte die Pfarrerin dem empörten Mann erklärt, „der Mann ist frisch verheiratet, der möchte gern schnell wieder nach Hause!“

Es ist zu rührend, wie stolz und glücklich Tinus darüber ist, daß er nun wieder Eddas Ehemann ist!

Abends wieder das neue Ritual: „Deichi“! Natürlich ist es schon wesentlich kühler, als es im Juli war, aber der herrliche Salzgeruch in der Luft macht mich wieder richtig glücklich – und die Beine wissen noch, wie es geht. Auf dem Deich ist auflandiger Wind, das Watt glitzert und leuchtet im Turner’schen Sonnenuntergang. Der Prinz und ich sind wieder mal einfach nur glücklich, daß unser großer Traum sich erfüllt hat und wir bald Ostfriesen sein werden.

Dienstag, 17.9.

Seit wir im Juli in Emden in dem wundervollen Eiscafé „Valentino“ waren, träume ich von der frischen Waffel mit Vanilleeis, Bananenscheiben, Sahne und Eierlikör, die ich dort verputzt hatte. Der Prinz fährt nochmal mit mir hin. Ich mag Emden gern, es ist eine nette und gemütliche Stadt mit sehr freundlichen Leuten. Klar, Otto kommt ja hierher!

Der Prinz findet Valentino sofort wieder (den Mann kann man überall aussetzen, der weiß immer, wo er ist, wie Opa! sagenhaft!), und die sehr nette Bedienung erkennt uns gleich (das liegt natürlich an Olli dem Rolli 😉) Unser kleiner Herr Sonntag benimmt sich mustergültig, liegt bei Herrchens Füßen und ist still, weil, solange er nicht bellt, immer wieder ein Stück getrockneten Entenbrustfleisches runterfällt (rein zufällig, natürlich!). Der Prinz und ich trinken in Ruhe unseren Latte (Il latte, der Milch, remember?), ich bekomme dazu die Waffel mit Eis und Banane und der Bär seine Entenbrust-Streifen (Dank an Herrn Rossmann 😀 ).  Danach gucken wir natürlich die neuen Otto-Ampelmännchen an – suuuuper! Holladi-hit-ti! Leider steht die Sonne schon so tief, daß sie auf den Ampeln  blendet und Fotos nicht gelingen ☹

Abends wieder Deichi. Mein Gleichgewichtsgefühl wird besser! Auf der Deichkrone nette Hunde mit netten Besitzern. Zum Glück dürfen auf unserem Teil des Deiches Hunde nicht nur mit gehen, sondern sogar frei herumlaufen, das ist ein besonderes Privileg! Grund: Die Schafe können derzeit nicht raus up diek, weil bei der Schäferei eine größere Baustelle ist. Der Deich soll ein Stück erhöht werden. Auf der anderen Seite, am Campener Leuchtturm, sind sie damit schon fertig.

Mittwoch, 18.9.

Heute wollen wir endlich das „Ewige Meer“ besuchen, oder, wie es hier heißt, das „Eversmeer“ (so heißt auch die Gemeinde dazu). Das Eversmeer ist ein Hochmoor, durch das ein Holzbohlenweg führt, den man nicht verlassen darf, da im Moor Vögel brüten. Außerdem gibt es dort Kreuzottern und seltene Salamander und Pflanzen. Im Juli waren wir schon einmal dort, aber ohne Rolli, da bin ich an dem langen Fußweg vom Parkplatz zum Startpunkt des Holzbohlenweges gescheitert. Deswegen haben wir heute Olli den Rolli mitgenommen. Der Holzbohlenweg ist sehr gut zu befahren, allerdings immer noch wegen Reparaturarbeiten weitgehend gesperrt. Alle paar Meter stehen Informationstafeln mit Bildern, die die Pflanzen des Moores beschreiben. Landschaftlich ist es wunderschön, und da das Wetter mild ist, haben wir einen wunderbaren Nachmittag. Später fahren wir nochmal schnell rüber nach Emden. Dort gibt es einen bekannten Discounter für Matratzen und Bettzeug. In diesem Geschäft hatten wir im Juli günstig eine sehr gute Matratze für mich erstanden. Heute sollen es Winter-Bettdecken sein, denn in der Nacht friere ich jetzt schon. Im Laden ist die gleiche sympathische Verkäuferin wie im Juli, eine sehr nette Frau, die sich gut auskennt und uns prima berät. Zufrieden ziehen wir mit zwei herrlich dicken, aber doch leichten Bettdecken davon.

Der Prinz verschwindet gleich in der Fressnapf – Filiale nebenan und kehrt mit einem kleinen blauen Brustgeschirr für Hunde zurück. Es ist das gleiche Geschirr, das unser Mausebär bekam, als er zu uns zog. Auf meinen fragenden Blick hin erklärt er mir: „Herta hat erwähnt, daß sie für Bella auch mal ein Geschirr kaufen will. Und da wir nie so genau wissen, was wir Herta mal schenken könnten, bekommt sie eben was für Bella.“ Das ist eine sehr gute Idee, finde ich. Am Abend, es ist schon dunkel, geht Herta mit Bella zum Abendgassi bei uns am Haus vorbei. Der Prinz flitzt durch die Küchen-Außentür hinaus und fängt sie ab. Ich höre, wie er ihr erklärt, warum sie dieses Geschirr für Bella von uns bekommt. „Danke schön!“ sagt sie überrascht, und ich kann die Freude in ihrer Stimme hören. Das macht mich auch glücklich.

Die folgenden Tage bis zum Sonntag, an dem wir zurückmüssen, verbringen wir mit Ruhe  und Lesen zu Hause, abgesehen von kleinen Trips zum Deich rüber. Ich spüre immer deutlicher, daß meinem rechten Knie das Treppensteigen immer schwerer fällt, zumal es ja die Orthese am linken Bein mit ihren 1,3 Kilo Zusatzgewicht auch noch hinaufhieven muß. Kurz: Jede Stufe tut höllisch weh. Ich versuche das Bein zu entlasten, indem ich nur dann Gewicht darauflege, wenn es im rechten Winkel ist und indem ich mich gleichzeitig mit etwas Schwung am Geländer hochziehe. Hinuntergehen tut genauso weh, egal, ob vorwärts oder rückwärts. Ich versuche, das Gewicht auf das linke Bein mit der Orthese zu legen und so hinabzusteigen. Es ist eine wacklige Sache, funktioniert aber. Unten steht eine Frau, die mir lächelnd den hochgereckten Daumen zeigt.

„Gut gemacht!“ sagt sie und lacht. „Ich habe Sie von oben beobachtet – und Sie bewundert. Weiter so!“ Gerührt und freudig überrascht bedanke ich mich. Während der Fahrt zurück zum Lüttje Huus strahle ich und fühle mich motiviert.

Geplant ist, dass Schwesti und ihr Mann am Sonntag im Huusje eintreffen, um ein paar Tage Urlaub zu machen. Ich hoffe, daß zwischen ihrer Ankunft und unserer Abreise noch etwas Zeit bleibt, um ein bißchen zusammen zu sitzen und Tee zu trinken. Aber leider kommt uns ein dienstliches Problem meines Schwagers dazwischen. (Sein Chef hat es vermasselt, nicht er!) So können die zwei erst starten, als wir schon auf der Piste sind. Wir fahren traditionsgemäß erst bei unserem jungen Ehepaar vorbei, um uns zu verabschieden. Tinus hat unser Autochen schon aus dem Küchenfenster gesehen und kommt uns entgegen. (Ich bin immer wieder baff, wie verdammt groß so ein 1,90-Meter-Kerl ist.) Edda hat eine Freundin zu Besuch, die sie schon seit der Grundschule kennt, Regine. Diese stürmt uns strahlend entgegen mit den Worten:“Schon soo viel von euch gehört!“ Wir freuen uns, sie zu treffen, denn Regine ist wirklich sehr sympathisch. Für mich ist das Spannendste: Sie lebt in Cornwall! Ihre Tochter ist da irgendwann hingezogen und so zog Regine einfach mit. Ich beneide sie glühend. Der Prinz weiß, was in mir vorgeht, lacht und verrät den dreien, daß in Worms auf dem Küchentisch ein Handbuch der Cornish Language liegt (ja, ich bin verrückt, ich weiß es! 😀 Und ja, Cornish ist eine keltische Sprache, also werde ich es vermutlich niemals richtig beherrschen… aber ich bin manchmal eben unheilbar optimistisch…)

Mit vielen Umarmungen und Küssen, wie immer, verabschieden wir uns von Edda und Tinus und sehr herzlich von Regine, die wir hoffentlich bald mal wiedersehen.

Auch auf der Rückfahrt sind freundlicherweise keine Schwertransporte unterwegs, und so landen wir nach sechs Stunden glatter Fahrt wieder bei unseren Katzenmädels, die uns gelassen und wohlgenährt empfangen (Ich habe mein Pippilein sehr vermißt und bin froh, daß die Nächte hier wohl recht mild waren, wie unser Vermieter mir versichert hatte). Der nächste Trip zum Lüttje Huus ist um den 1.November herum geplant (kein Feiertag da oben, aber die haben den Reformationstag). Einen Monat müssen wir jetzt durchhalten, das schaffen wir!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unfreiwillige Rückkehr

*Grummel*

Unwillig wie immer, ihr Lieben, haben wir uns schon vor einer Woche vom lüttje Huus getrennt und sind am letzten Dienstag um drei Uhr morgens hier in Worms eingetroffen, nach einer sehr langen und nervigen Fahrt (Baustellen und überbreite Schwertransporte mit 60 km/h). Hier ein kleines recap unserer halben Woche im friesischen Heimatdörfchen:

Tag 1 – Mittwoch

Unfaßbar, es ist tatsächlich warm und sonnig hier! Wir kamen Dienstag Nacht nach einer nervigen Fahrt um 0.30 h an. Der Mausebär flitzte vor Freude durchs Haus, sprang begeistert an uns hoch und wollte vor lauter Freude sofort „Tu so, als wolltest du mir meinen Ball wegnehmen!“ spielen. Es gab aber erst noch einiges für uns zu tun.Wir hatten beim letzten Mal, bevor wir wegfuhren, alle unsere persönlichen Sachen weggeräumt, da kurz darauf die Prinzentochter mit ihrem Lebensgefährten im Lüttje Huus Urlaub machen wollte. Kurz nachdem die beiden die Heimfahrt angetreten hatten (sie waren hellauf begeistert vom Huus, zu unserer Freude), rief Herta an und meldete, die Heizung sei mal wieder ausgefallen. Sie ruft in diesem Fall immer von sich aus den Techniker an, der dieses Mal nur schweigend auf den Schalter zeigte, der auf „Null“ stand. Es stellte sich heraus: Die Prinzentochter hatte gefroren und die Heizung etwas höher gedreht. Bei der Abreise wollte sie sie wieder zurückstellen, hatte aber versehentlich den Knopf auf Null gedreht. Also alles gut, der Techniker lachte nur und ging, ohne eine Rechnung dazulassen. Es dauerte etwas, bis wir unsere Sachen gefunden hatten und im Bett verschwinden konnten – da war es fast drei Uhr morgens. Dafür schlief ich bis um elf! Das ist für mich sehr lange. Herta hatte zwei Tage vor unserer Abfahrt noch angerufen und dem Prinzen Bescheid gegeben, daß sie am Mittwoch früh nach Emden ins Krankenhaus müsse. Sie bekommt ein neues Kniegelenk. Die Operation war gestern (Dienstag) und wir hoffen, daß es ihr gut geht. Aber eines ihrer Kinder, Hinrich, Werner oder ihre Tochter Gesa, wird uns sicher schnell Bescheid geben. Gesa nimmt auch Bella, Hertas süße dicke Jack-Russell-Hündin, solange in Obhut. Außerdem, sagte Herta, habe sie für uns gekocht und das Essen ins Gefrierfach des Kühlschrankes gestellt.Wir schauten nach und fanden einen köstlichen Eintopf aus pulled pork (oder beef), Kartoffeln und Möhren. Wunderbar!

Der Prinz stürzte sich gleich mit Wonne auf den Rasenmäher und mähte den Grünstreifen zwischen Hertas und unserer Einfahrt. (Im Garten mähte er auch, sehr ungern, denn er hätte gern eine Wiese mit ein paar bunten Blüten drin, aber Herta kriegt bei dem bloßen Gedanken schon die Krise :)). Da Hinrich bei uns mitgemäht hatte, mähte der Prinz nun auch gleich Hertas Rasen mit.

Abends waren wir wie immer bei Edda und Tinus eingeladen, und es gab eine riesige Überraschung: ganz beiläufig erwähnte Tinus in einem Nebensatz, daß er und Edda geheiratet hatten! Schon vor sechs Wochen, im April! Sie hatten es spontan und klammheimlich getan. Für beide ist es die zweite Ehe – miteinander. Ja, genau, die beiden waren früher schon einmal miteinander verheiratet, aber nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Sonja zog Edda, das Stadtkind, mit der Kleinen nach Oldenburg, weil das Leben auf dem ostfriesischen platten Land ihr einfach nicht lag. In Oldenburg kaufte sie eine ehemalige Hufschmiede und startete ihre eigene Schmiede. Hilfreich war ihr dabei, daß sie die erste Schmiedemeisterin Deutschlands und deswegen ein wenig bekannt war ( 1968 war ihr Berufsabschluß noch eine kleine Sensation und sie tauchte öfter in der Presse auf.) Mit ihrem geschiedenen Mann Tinus blieb sie freundschaftlich verbunden. Vor allem achtete sie sehr darauf, daß ihre Tochter einen guten Kontakt zum Vater hielt (!!!). Geburtstage, Abiturball – Tinus war überall dabei. Das war Edda wichtig(!) . Vor sieben Jahren nun wurden die beiden Großeltern einer Enkeltochter. Edda war glücklich und Tinus platzte vor Stolz. Ein weiteres Mädchen folgte schnell und da Sonja inzwischen mit dem Studium fertig war und als Lehrerin arbeitete, übernahm Tinus mit Wonne jederzeit die beiden Mädchen, wenn deren Eltern einmal Freizeit brauchten. Meist lud er Edda dazu ein, denn die Enkelkinder verbrachten natürlich viel Zeit auf Opas Bauernhof. Mit der Zeit kam Edda immer häufiger auf den ihr früher so verhaßten Hof, zumal zu den beiden Mädels im letzten Jahr noch ein Junge dazukam, der als zweiten Vornamen den seines Großvaters trägt. (Tinus kriegt sich kaum noch ein mit den Kindern, es ist zu und zu süß mitanzusehen!) Aber als der Kleine zur Welt kam, waren Edda und Tinus längst schon wieder heimlich ein Paar 😀 Mit der häufigen gemeinsam verbrachten Freizeit erwachte auch die alte Liebe langsam wieder, zuerst bei Tinus, dann auch bei (der widerstrebenden) Edda. ( Der Prinz und ich sind uns sicher, daß ganz Woquard schon über die Heirat Bescheid weiß, zumal die beiden von Beginn an ganz ungeniert Hand in Hand durchs Dorf spazieren gingen).

Tag 2 – Donnerstag – Fronleichnam, allerdings kein Feiertag in Niedersachsen. Ich hatte Lust auf Eis, also fuhren wir Richtung Emden. Dort gibt es ein Einkaufszentrum, das DOC (Dollart-Center), Da drin ist auch ein Eiscafé,das sich auf Spaghetti-Eis in vielen Variationen spezialisiert hat. Sie bieten sogar „Spaghetti Amarena“ an. Das mußte ich natürlich probieren, aber die Enttäuschung war groß. Die Amarenakirschen waren qualitativ recht minderwertig und das Eis schmeckte sehr mäßig. Ich bin eben Alessio – verwöhnt! Im dm-Markt kaufte ich mir noch schnell eine “Zuhälter-Sonnenbrille“, also eine mit verspiegelten Gläsern 😉 Leider fiel sie mir bald runter und eines der Gläser löste sich aus dem Rahmen. Doof, denn sie hatte 100-prozentigen UV-Schutz, und das hatte meinen Augen gutgetan. Dafür freute sich das Bärchen unsagbar, als wir so relativ schnell zurück waren. Der Mausebär schien Herta und Bella zu vermissen, und auch wir fanden es doof, daß keine Herta plötzlich „Moin!“ durch den Flur rief und sich mit uns zum Tee am Tisch niederließ. Ich rief Herta auf ihrem Handy an.Sie war recht munter und hatte die OP gut gepackt. Schmerzen, die hatte sie allerdings. „Aber ich bekomme starke Schmerztabletten“, verriet sie mir. Die Operation war am Dienstag gewesen und schon am Freitag hatten ihr die Physios Krücken in die Arme gedrückt und sie hinaus auf den Flur geschickt, zum Laufen! Nun – Hauptsache, das neue Kniegelenk hält und hilft! Wir hatten schon seit einer Weile bemerkt, daß Herta nach längerem Sitzen bei uns nur unter großen Schmerzen und sehr mühsam laufen konnte. Es war wirklich hohe Zeit für ein neues Kniegelenk gewesen.

Tag 3 – Freitag – Unser Haus-und-Garten-Genießer-Tag. Der Prinz mähte Rasen (gleich auch bei Herta mit) und nahm seinen Kampf gegen den Löwenzahn wieder auf, der fast die gesamte Einfahrt okkupiert hatte. Erlaubt ist nur „Rausreißen und Kratzen“ oder Abbrennen, Gift ist verboten (finde ich gut!), erklärte ihm der Verkäufer im Landhandel, des Prinzen persönliches Småland 😀 Der Prinz kaufte sich ein anderes Gerät zum Abbrennen der Pflanzen. Es stinkt genauso scheußlich wie der Flammenwerfer, den ihm Georg von gegenüber empfohlen hatte, aber der Prinz ist zufrieden. Als Nächstes machte er sich an den Windfang vor der Küche. Dort hatte Herr Beckmann die Wände repariert und verputzt. An einigen Stellen sah man noch den grauen nackten Putz, da stürzte sich der Prinz mit Wonne und weißer Fassadenfarbe drauf. Bevor das angekündigte Gewitter loslegen konnte, säte er noch schnell eine Packung Wildblumenwiese in unseren riesigen, aber etwas langweiligen Rasen ein. Der Regen tat dann (hoffentlich) das Seine, um die neuen Samen gut anzusiedeln. Herta wird die Krise kriegen – ihr ist ein adretter deutscher Rasen wichtig, die Bienen sind ihr nicht egal, aber Ordnung im Garten ist wichtiger! 🙂

Tag 4 – Samstag – Onkel-und Tante-Besuchstag!

Am frühen Nachmittag trafen die zwei ein und wir freuten uns wie immer riesig, einander zu sehen. Benno war gespannt auf das Haus. Wir führten die beiden natürlich gerne durch, quatschten gemütlich beim Tee und kamen auf das Thema Essen. Wir schlugen ihnen den leckeren Imbiß nahe dem Pilsumer Leuchtturm vor, bei dem wir schon am Karfreitag nach dem Umbau der Dusche mit meinem Cousin Mike und seiner Familie so lecker gegessen hatten. Der Prinz fand mit Tante Googles Hilfe heraus: Der Imbiß schließt um 17.00 Uhr. Wir trafen um 16.30 ein. Der Prinz bestellte für sein hungriges Weib Fritten, bekam aber die patzige Antwort: „Die Friteuse ist schon aus.“ Ich fragte nach einer Bratwurst. Wütender Blick. “Der Grill ist auch schon aus. Wir sind beim Feierabend machen.“ Na klasse, dachte ich, deutsche Liebenswürdigkeit – Vorsicht Kunde! Als ich mich abwandte, fiel der Besitzerin offenbar auf, daß sie sich gerade vier Kunden vergraulte. Widerwillig sagte sie, sie habe noch vier Brötchen da, die sie uns belegen könne. Auf die Frage nach dem Belag sagte sie: “Matjes, Bückling, Kotz und Würg*) (* Kotz und Würg waren zwei weitere rohe Fische, deren Namen ich vergessen habe – wie, bitte, kann man rohen Fisch essen – dazu noch mit rohen Zwiebeln?! Allein die Vorstellung ist für mich so ekelerregend, daß ich im Strahl meinen Mageninhalt von mir geben möchte!). Die Frau wischte weiter, ohne uns zu beachten. Aber inzwischen hatten die drei anderen eh schon beschlossen, die paar Kilometerchen nach Greetsiel weiterzufahren und dort in der Fischereigenossenschaft zu essen. Das machen der Prinz und ich seit Jahren, es ist ein liebgewordenes Ritual. Denn auf Seelachs und Rotbarsch (die dort sehr gut schmecken) bin ich nicht allergisch, die mag ich gerne und kann sie essen, ohne daß mein Körper heftig und unschön reagiert, um das vermeintliche Gift so schnell und nachdrücklich wie möglich loszuwerden 😉 .Unsere beiden Besucher verabschiedeten sich gleich draußen auf dem Parkplatz von uns, denn sie hatten ja noch einige Urlaubstage in Pilsum vor sich.

Tag 5 – Sonntag – Unseren letzten Tag nutzten wir bewußt zum Erholen und Ruhen im Garten. Dort planten wir noch ein bißchen, wie wir in Zukunft das Gelände gestalten wollen. Als die Sonne sich langsam ans Untergehen machte, schlug der Prinz einen „sundowner“ auf dem Deich vor. Dafür hatte er bereits zwei einfache Alu-Klappstühle besorgt und ins Auto gepackt. Bis ich die Treppe auf den Deich hinauf erklommen hatte, hatte der Prinz die Stühle oben schon aufgestellt und eine Flasche Rotwein geöffnet. Gemütlich saßen wir da oben,schauten zu, wie sich die untergehende Sonne golden im Watt spiegelte und genossen den Roten dazu. Immer wieder blieben Hunde mit ihren Menschen kurz stehen und wechselten ein paar freundliche Worte mit uns. Das wollen wir jetzt immer vor der Abfahrt machen. „Irgendwann, Schatz, müssen wir gar nicht mehr zurück“, sagte der Prinz schwärmerisch. Darauf stießen wir an. Der nächste Urlaub ist schon geplant, da nehmen wir aber etwas Stilechteres mit als sundowner, zum Beispiel eine Flasche Küstennebel 🙂 !