Jauchzet, frohlocket, und preiset die Tage!

Heute Abend, gegen sechs, my dearies, düsen wir wieder ab in die zweite Heimat. Jürgen, unser wunderbarer Vermieter, füttert die Katzenmädels und sorgt dafür, daß sie in der Baller-Nacht im Haus sind. Die Heizung im Lüttje Huus hatte zwischendurch mal wieder den Geist aufgegeben, aber nur, wie der von Herta sofort gerufene Techniker feststellte, weil kein Wasser mehr drin war. Also keine Katastrophe. „Du zeigst mir, wie das mit dem Nachfüllen geht, damit ich das weiß!“  hat Herta dem Prinzen erklärt. Ist sie nicht ein Goldstück?! Gestern Abend habe ich noch mit Werner, Hertas jüngerem Sohn, telefoniert. Wir möchten Herta gern ewas zu Weihnschten schenken, kennen aber ihre Interessen nicht soo genau, und mit einem Geschenk für Bella wollten wir uns auch nicht zufriedengeben. Werner wußte gleich was: Einen kleinen Präsentkorb schlug er vor, mit alkoholfreiem Glühwein zum Beispiel (daß Herta, die Protestantin, keinen Alkohol trinkt, hatten wir schon mitbekommen, daher ist Wein hier aus der Gegend als Geschenk auch nicht passend.) Herta liebe Niederegger Marzipan, verriet Werner weiter, und „Was Duftendes“. Wir werden ihr da noch etwas Schönes zusammenstellen, denn vor dem 24. müssen wir wohl nochmal einkaufen – wir wollen noch einen einigermaßen günstigen DVD-Spieler fürs Lüttje Huus anschaffen, denn Weihnachten feiern, ohne „Notting Hill“ zu schauen – das geht für uns nicht! Das ist unser Weihnachts-Kultfilm!

Vor dem 24. bauen wir natürlich noch unseren Baum auf, dabei spielt in voller Lautstärke Bachs herrliches Weihnachtsoratorium (siehe Überschrift ; ) ) Ich liebe es!  In Bach kann ich voll und ganz aufgehen.

Wir lesen uns Anfang Januar wieder – ich wünsche euch allen ein schönes Weihnachtsfest und ein glückliches und mit viel Lachen und Liebe angefülltes 2020!

Ihr rockt!!!

Fieses, mieses Wetter

haben wir hier, darlings: grau und naß und kalt. Ist das bei euch auch so? Zudem gibt es einige untrügliche Indizien dafür, daß der Winter kommt: Der kleine Herr Sonntag fordert seinen Schlafplatz jetzt wieder unter der Bettdecke ein statt obendrauf, und wir haben die Katzentoilette wieder im Haus aufgestellt. Beim Frühstück leuchtet mir die Tageslichtlampe den Winterblues weg, schon im dritten Jahr jetzt, seit der Prinz sie mir geschenkt hat ❤ . Ich sitze mit drei Lagen Kleidung am PC und trinke nur heiße Sachen wie Kaffee, Tee und Horlicks (das ist ein englisches Malzgetränk, so etwas wie das britische Äquivalent zu Ovomaltine, und sehr lecker).

Meine Erleichterung darüber, daß der für mich schlimmste Monat des Jahres, der November, vorbei ist, ist groß. Ja, klar wird der Dezember nicht besser, Winter ist Winter. Aber immerhin: Bald werden die Tage wieder länger! Und ich freue mich auf Weihnachten! Wie meist, muß ich nach Anweisung des Prinzen meine Wunschliste bei Tante Amazonien noch etwas eindampfen 😉 . Nach Weihnachten ( das wir wieder im Lüttje Huus verbringen werden) kann ich langsam anfangen, mich auf meinen Geburtstag zu freuen. Auch diesen werden wir im Lüttje Huus feiern, denn er fällt dieses Mal auf den Rosenmontag. Da wir ja sowieso immer vor dem Karnevalsgedöns flüchten, paßt das gut. (Auch hier: Eindampfen der Wunschliste!) Ja, und ab dann hoffe ich sehnsüchtig dem Frühling entgegen.

Dann möchte und werde ich mehr Zeit im Hof verbringen, denn ich lerne gerade eine neue Fremdsprache: Rumänisch.  Grund: Im letzten Jahr haben wir bei einem Sommerfest eines unserer Winzer hier eine supertolle und nette Frau kennengelernt, Stefania. Sie ist gebürtige Rumänin und wir drei haben uns sofort sehr gut verstanden. Wir treffen uns jetzt regelmäßig, und ich als wilde Hobby-Linguistin habe sie gefragt, ob sie mir beim Lernen helfen wolle. Sie freute sich sehr und sagte zu. Natürlich habe ich mir bisher erst einige Basis-Ausdrücke angeeignet, wie „Guten Tag/Abend“ und so weiter. Aber es macht Spaß! Ich will auf jeden Fall weitermachen. Rumänisch hat große Ähnlichkeit mit Italienisch, die Grammatik ähnelt aber eher der lateinischen. Sehr faszinierend also! Stefania spricht sehr gut Italienisch, so können wir manchen Vergleich von dort herbeiziehen.

17.oo Uhr und schon stockdunkel draußen! Orrrr – ich HASSE diese Jahreszeit! Jetzt schaue ich mir dafür bei Juhtjuhp noch einige Videos mit dem genialen und sympathischen Martin Rütter an, um mich dafür zu schämen, was wir bei unserem Bärchen alles falsch machen 😀

 

 

 

 

 

Weihnachtsbäckerei für Renata!

Einen kuscheligen ersten Advent wünsche ich euch, ihr Lieben, und dir, Renata – für dich habe ich eine besondere Entdeckung gemacht (es war der Prinz, um genau zu sein).

Singende Kinder sind mir ja eine Folter, eigentlich (l’enfer, c’est les autres), und Rolf Zuckowski gleich dreimal.

AAABER es gibt nichts, das Otto mir nicht versüßen kann! Hier also das Lied „In der Weihnachtsbäckerei“ mit Ottooooo!

 

Leute gesucht, die zeichnen können!

Ihr Lieben!

Petra, die das (sehr lesenswerte!) Blog Voller Worte führt, möchte gern einige Geschichten aus ihrer Kindheit in einem Buch zusammenfassen und sucht dazu Leute, die ihr zu den Texten Zeichnungen anfertigen. „Nichts Großes, nur ein Zwischenspiel, damit es nicht so dröge wird“, sagt sie. In ihrem Blog findet ihr Petras Kontaktdaten. Also, wer Lust hat, melde sich bitte bei Petra!

Bärchens Schlafzoo

alletiere

widdershins gegen den Uhrzeigersinn:

das Grau-weiße an seinem Hintern: Katze

darüber, braun: Pferd

Über dem Pferd, braun-schwarz-weiß: Hund (der größere der zwei, die er hat)

An seiner Nase, rosa: das neue Schwein.

Es fehlen: der kleinere seiner beiden Hunde & sein Teddybär 🙂

Ladies and Gentlemen – meet the world’s most outrageously pampered dog 😀 😀 😀

 

 

Danke, Petra! :D

Dieser Dank, meine Lieben, geht an Petra vom Blog „Voller Worte“, für ihren wunderbaren Beitrag von gestern.

Den Beitrag habe ich heute beim Frühstück gelesen (Ich habe das Blog abonniert und bekomme neue Beiträge morgens per Mail) und schallend gelacht – wäre Petra gerade hier gewesen, hätte ich sie heftig umarmt für ihre herrliche, schlagfertige Antwort.

Zudem hat mich die Geschichte an eine sehr unangenehme Episode meiner Jugend erinnert: Ähnlich wie der „mein Sohn ist Kardiologe“ – Sohn, hätte ich eine „meine Tochter ist Stewardess“- Tochter werden sollen. Das war zu Anfang der 80er Jahre.

Nein, den Berufswunsch „Stewardess“ (Heute heißt das ja Flugbegleiterin) hatte ich nie. Ich wäre gern Automechanikerin (heute: Mechatroniker) geworden. Reaktion der Mater: „Du mit deinen zwei linken Händen – ich lach mich kaputt!“ Ich äußerte diesen Wunsch nie wieder. Nun, für die Mater war die Sache klar: Ich war gut in Fremdsprachen, beherrschte Englisch und Spanisch (auch für Handel und Wirtschaft), also war klar, dass ich beruflich etwas mit Sprachen machen würde. Außerdem war ich ihr zu eigenständig (ganz schlimm für Narzissten!) und sie war bestrebt, mich schnellstmöglich aus dem Haus zu bekommen. So drückte sie mir eines Tages eine Stellenanzeige in die Hand, die sie aus der Tageszeitung ausgeschnitten hatte: Die Lufthansa stellte neue Stewardessen ein. „Los, bewirb dich da!“, lautete ihr Befehl. Nicht einmal ansatzweise die Frage „Guck mal hier, könntest du dir das für dich vorstellen?“  Wozu denn auch – SIE wußte ja, was für mich richtig war. Ich wollte das nicht, ich hatte das Gefühl, in einem Alptraum zu sein. Folgsam schrieb ich die Bewerbung und erhielt zu meinem Schrecken eine Einladung. Also mit dem Zug nach Düsseldorf, von dort mit dem Flugzeug nach Frankfurt, zur Lufthansa- Zentrale. Das Bewerbungsgespräch war eine Katastrophe. Ich hatte ja von Zuhause keinerlei Selbstwertgefühl mitbekommen, und die implizite Drohung der Mater, sie ja nach außen hin gut dastehen zu lassen, schwebte über mir. Ich war schweißnaß vor Aufregung, ich zitterte und hatte bei den mündlichen Sprachtests mehrere Blackouts.  Bewerber für den Beruf des Flugbegleiters sollen natürlich souverän, cool und einigermaßen selbstbewußt sein, also  verabschiedeten sie mich baldigst – freundlich, aber auch mit ein wenig Mitleid, das spürte ich wohl. Als nach einigen Tagen die Absage kam, tobte die Mater, ich war nur unendlich dankbar und erleichtert.

Nachsatz: Ich habe später, als ich schon mit dem Ex lebte, einen Auto-Technik-und-Pannen-Kurs für Frauen absolviert, bei einer KFZ-Meisterin. Auch wenn das heute nicht mehr geht  wegen der Einpfotigkeit, ich habe oft selbst Reifen gewechselt und Luftfilter getauscht. Bis heute hätte ich gern eine eigene kleine Oldtimer-Werkstatt… und bis heute liebe ich den Geruch von Metall und Öl und bin gern in Autowerkstätten.

Aber zurück zu Petra und ihrer wunderbaren Antwort an diese blöde Frau: Petra, du hast meinen Tag gemacht! Danke! Grüß Carsten und Wiebke ganz herzlich  – ich hoffe, wir sehen uns bald! ❤ ❤ ❤

September im Lüttje Huus

Eine ganze, luxuriöse Woche im Lüttje Huus, meine Lieben – wie lange hatte ich mich darauf gefreut! (okay, das stand seit unseren zwei Juli-Wochen hier fest, aber jeder Tag, den wir nicht im Lüttje Huus sind, ist für uns kein richtiger Tag. Ja, so sehr lieben wir unser Schnuckelhäuschen schon, und so sehr fühlen wir uns hier zu Hause 😀

So lief die Woche ab:

Freitag, 13.9.

Abfahrt gegen 18.00 h, erstaunlich gut in der Zeitplanung für uns zwei Chaoten! Ankunft nach ruhiger Fahrt (keine Schwertransporte!) um Mitternacht am Huusje. Schnell in die Heia, denn wir waren alle drei erschlagen. Aber, Freude aufs Frühstück: Herta, unsere „Friesenmama“, wie wir sie nennen, hat uns eine Frischhaltebox mit Pflaumenkuchen in die Küche gestellt ❤ .

Samstag, 14.9. und Sonntag, 15.9.

An beiden Tagen dekadent lange geschlafen und lange gefrühstückt. Leider schon kühles Wetter (für mich olle Friertante sehr kalt, – ich trage Fleecejacke und Hoodie, während die meisten Nachbarn noch im T-Shirt rumlaufen! Aber: die Sonne scheint, da ist die Temperatur egal, man trägt T-Shirt!

Am Sonntag schaut, wie gewohnt, mittags unsere Herta rein. Sie strahlt: ohne Krücken! Am nächsten Freitag darf sie die Dinger offiziell in die Ecke stellen und frei herumlaufen. Wir kochen Tee und quatschen. „Gestern hatte ich Steckrüben zu Mittag“, sagt Herta. „Das war lecker.“ Ich frage nach, aber bekomme aufgrund ihrer Beschreibung kein genaues Bild davon, wie Steckrüben aussehen. Ihr Mann habe die so gern gegessen, sagt sie. Ich frage, wie sie und ihr Mann sich kennengelernt haben (ich frage das oft; ich liebe Kennenlern-Geschichten.) Herta lacht herzlich. Das war kurz nach dem Krieg. Sie war 17 und nach ihrem Gitarren-Unterricht mit dem Fahrrad auf dem Heimweg (die Gitarre hielt sie mit der Hand fest).

Kurz vor ihrem Dorf standen an der Straße zwei Jungs, die sie aus der Nachbarschaft kannte. Sie hielt an und die drei plauschten ein wenig. Einer der Jungs wollte sie foppen und zog ihr einen ihrer Schuhe aus. Er weigerte sich lachend, ihn zurückzugeben. Herta wurde wütend.

Herta: „Gib mir meinen Schuh (mien Schauh) zurück, oder ich zieh‘ dir die Gitarre über’n Kopp!“ (Op Platt klang das natürlich netter, aber das kriege ich leider nicht mehr hin…)

Der Junge grinste. „Machst du nicht.“

Herta: * BÖNNNNK*

(Erzähler: Es wurde eine glückliche Ehe. Sie bekamen drei Kinder.)

Auch am Sonntag: Ein Jahr Lüttje Huus! Heute vor einem Jahr haben wir das Haus vom Ehepaar Beckmann übernommen. Unsere Vereinbarung, in Kontakt zu bleiben, ist jetzt auf Frau Beckmann beschränkt, da ihr Mann ja leider im Dezember danach einen tödlichen Unfall hatte. Wir denken oft an ihn, wenn wir uns über unser Häuschen freuen.

Der Prinz hatte weise vorausgeplant und eine Flasche Sekt mitgenommen, die wir zusammen genüßlich leerten.

Montag,16.9.

Der Prinz bringt, inspiriert von Herta, eine Steckrübe vom Einkaufen mit. Ich bin verwundert, daß das Ding rund ist, der Name hatte mir etwas Länglich-Spitzes suggeriert, wie eine Möhre.

Ich probiere ein Stück – es schmeckt gut, wie Kohlrabi! (Oder, wie Oma es sagte: “Kollerabi“. Ach, ich vermisse Oma so sehr!)

Der Prinz stückelt die Rübe, kocht die Würfel weich und zaubert mit dem Pürierstab, etwas Milch, Salz und Sahne ein köstliches Püree. (Leider haben wir keine Muskatnüsse.) Dazu gibt es leckeren Backfisch im Bierteig aus dem Ofen. (Auf Rotbarsch und Seelachs bin ich nicht allergisch, zum Glück!)

Nachmittags ist wie immer Treffen der „Fab Four“ – wir fahren zu Edda und Tinus rüber. Ja, wir fahren, statt zu laufen, denn es stürmt so sehr, daß es uns fast unheimlich ist. Tinus’ Gutshaus ist von altem Baumbestand umgeben, dort ist das Rauschen sehr laut. Kommentar Edda: “Eigentlich ist es in Ostfriesland ja unmöglich, von einem Baum erschlagen zu werden, aber hier bei uns kann dir das wohl passieren.“

Tinus erzählt mit Stolz eine schöne Anekdote aus der Kirche: Ein Gottesdienstbesucher hatte sich bei der Pfarrerin über Tinus beschwert: „Der Mann geht nie mit zu „Koffie na Kark“ (gemeinsames Kaffeetrinken nach der Sonntagsmesse) – der geht immer gleich nach Hause!“

„Ja, wissen Sie“, hatte die Pfarrerin dem empörten Mann erklärt, „der Mann ist frisch verheiratet, der möchte gern schnell wieder nach Hause!“

Es ist zu rührend, wie stolz und glücklich Tinus darüber ist, daß er nun wieder Eddas Ehemann ist!

Abends wieder das neue Ritual: „Deichi“! Natürlich ist es schon wesentlich kühler, als es im Juli war, aber der herrliche Salzgeruch in der Luft macht mich wieder richtig glücklich – und die Beine wissen noch, wie es geht. Auf dem Deich ist auflandiger Wind, das Watt glitzert und leuchtet im Turner’schen Sonnenuntergang. Der Prinz und ich sind wieder mal einfach nur glücklich, daß unser großer Traum sich erfüllt hat und wir bald Ostfriesen sein werden.

Dienstag, 17.9.

Seit wir im Juli in Emden in dem wundervollen Eiscafé „Valentino“ waren, träume ich von der frischen Waffel mit Vanilleeis, Bananenscheiben, Sahne und Eierlikör, die ich dort verputzt hatte. Der Prinz fährt nochmal mit mir hin. Ich mag Emden gern, es ist eine nette und gemütliche Stadt mit sehr freundlichen Leuten. Klar, Otto kommt ja hierher!

Der Prinz findet Valentino sofort wieder (den Mann kann man überall aussetzen, der weiß immer, wo er ist, wie Opa! sagenhaft!), und die sehr nette Bedienung erkennt uns gleich (das liegt natürlich an Olli dem Rolli 😉) Unser kleiner Herr Sonntag benimmt sich mustergültig, liegt bei Herrchens Füßen und ist still, weil, solange er nicht bellt, immer wieder ein Stück getrockneten Entenbrustfleisches runterfällt (rein zufällig, natürlich!). Der Prinz und ich trinken in Ruhe unseren Latte (Il latte, der Milch, remember?), ich bekomme dazu die Waffel mit Eis und Banane und der Bär seine Entenbrust-Streifen (Dank an Herrn Rossmann 😀 ).  Danach gucken wir natürlich die neuen Otto-Ampelmännchen an – suuuuper! Holladi-hit-ti! Leider steht die Sonne schon so tief, daß sie auf den Ampeln  blendet und Fotos nicht gelingen ☹

Abends wieder Deichi. Mein Gleichgewichtsgefühl wird besser! Auf der Deichkrone nette Hunde mit netten Besitzern. Zum Glück dürfen auf unserem Teil des Deiches Hunde nicht nur mit gehen, sondern sogar frei herumlaufen, das ist ein besonderes Privileg! Grund: Die Schafe können derzeit nicht raus up diek, weil bei der Schäferei eine größere Baustelle ist. Der Deich soll ein Stück erhöht werden. Auf der anderen Seite, am Campener Leuchtturm, sind sie damit schon fertig.

Mittwoch, 18.9.

Heute wollen wir endlich das „Ewige Meer“ besuchen, oder, wie es hier heißt, das „Eversmeer“ (so heißt auch die Gemeinde dazu). Das Eversmeer ist ein Hochmoor, durch das ein Holzbohlenweg führt, den man nicht verlassen darf, da im Moor Vögel brüten. Außerdem gibt es dort Kreuzottern und seltene Salamander und Pflanzen. Im Juli waren wir schon einmal dort, aber ohne Rolli, da bin ich an dem langen Fußweg vom Parkplatz zum Startpunkt des Holzbohlenweges gescheitert. Deswegen haben wir heute Olli den Rolli mitgenommen. Der Holzbohlenweg ist sehr gut zu befahren, allerdings immer noch wegen Reparaturarbeiten weitgehend gesperrt. Alle paar Meter stehen Informationstafeln mit Bildern, die die Pflanzen des Moores beschreiben. Landschaftlich ist es wunderschön, und da das Wetter mild ist, haben wir einen wunderbaren Nachmittag. Später fahren wir nochmal schnell rüber nach Emden. Dort gibt es einen bekannten Discounter für Matratzen und Bettzeug. In diesem Geschäft hatten wir im Juli günstig eine sehr gute Matratze für mich erstanden. Heute sollen es Winter-Bettdecken sein, denn in der Nacht friere ich jetzt schon. Im Laden ist die gleiche sympathische Verkäuferin wie im Juli, eine sehr nette Frau, die sich gut auskennt und uns prima berät. Zufrieden ziehen wir mit zwei herrlich dicken, aber doch leichten Bettdecken davon.

Der Prinz verschwindet gleich in der Fressnapf – Filiale nebenan und kehrt mit einem kleinen blauen Brustgeschirr für Hunde zurück. Es ist das gleiche Geschirr, das unser Mausebär bekam, als er zu uns zog. Auf meinen fragenden Blick hin erklärt er mir: „Herta hat erwähnt, daß sie für Bella auch mal ein Geschirr kaufen will. Und da wir nie so genau wissen, was wir Herta mal schenken könnten, bekommt sie eben was für Bella.“ Das ist eine sehr gute Idee, finde ich. Am Abend, es ist schon dunkel, geht Herta mit Bella zum Abendgassi bei uns am Haus vorbei. Der Prinz flitzt durch die Küchen-Außentür hinaus und fängt sie ab. Ich höre, wie er ihr erklärt, warum sie dieses Geschirr für Bella von uns bekommt. „Danke schön!“ sagt sie überrascht, und ich kann die Freude in ihrer Stimme hören. Das macht mich auch glücklich.

Die folgenden Tage bis zum Sonntag, an dem wir zurückmüssen, verbringen wir mit Ruhe  und Lesen zu Hause, abgesehen von kleinen Trips zum Deich rüber. Ich spüre immer deutlicher, daß meinem rechten Knie das Treppensteigen immer schwerer fällt, zumal es ja die Orthese am linken Bein mit ihren 1,3 Kilo Zusatzgewicht auch noch hinaufhieven muß. Kurz: Jede Stufe tut höllisch weh. Ich versuche das Bein zu entlasten, indem ich nur dann Gewicht darauflege, wenn es im rechten Winkel ist und indem ich mich gleichzeitig mit etwas Schwung am Geländer hochziehe. Hinuntergehen tut genauso weh, egal, ob vorwärts oder rückwärts. Ich versuche, das Gewicht auf das linke Bein mit der Orthese zu legen und so hinabzusteigen. Es ist eine wacklige Sache, funktioniert aber. Unten steht eine Frau, die mir lächelnd den hochgereckten Daumen zeigt.

„Gut gemacht!“ sagt sie und lacht. „Ich habe Sie von oben beobachtet – und Sie bewundert. Weiter so!“ Gerührt und freudig überrascht bedanke ich mich. Während der Fahrt zurück zum Lüttje Huus strahle ich und fühle mich motiviert.

Geplant ist, dass Schwesti und ihr Mann am Sonntag im Huusje eintreffen, um ein paar Tage Urlaub zu machen. Ich hoffe, daß zwischen ihrer Ankunft und unserer Abreise noch etwas Zeit bleibt, um ein bißchen zusammen zu sitzen und Tee zu trinken. Aber leider kommt uns ein dienstliches Problem meines Schwagers dazwischen. (Sein Chef hat es vermasselt, nicht er!) So können die zwei erst starten, als wir schon auf der Piste sind. Wir fahren traditionsgemäß erst bei unserem jungen Ehepaar vorbei, um uns zu verabschieden. Tinus hat unser Autochen schon aus dem Küchenfenster gesehen und kommt uns entgegen. (Ich bin immer wieder baff, wie verdammt groß so ein 1,90-Meter-Kerl ist.) Edda hat eine Freundin zu Besuch, die sie schon seit der Grundschule kennt, Regine. Diese stürmt uns strahlend entgegen mit den Worten:“Schon soo viel von euch gehört!“ Wir freuen uns, sie zu treffen, denn Regine ist wirklich sehr sympathisch. Für mich ist das Spannendste: Sie lebt in Cornwall! Ihre Tochter ist da irgendwann hingezogen und so zog Regine einfach mit. Ich beneide sie glühend. Der Prinz weiß, was in mir vorgeht, lacht und verrät den dreien, daß in Worms auf dem Küchentisch ein Handbuch der Cornish Language liegt (ja, ich bin verrückt, ich weiß es! 😀 Und ja, Cornish ist eine keltische Sprache, also werde ich es vermutlich niemals richtig beherrschen… aber ich bin manchmal eben unheilbar optimistisch…)

Mit vielen Umarmungen und Küssen, wie immer, verabschieden wir uns von Edda und Tinus und sehr herzlich von Regine, die wir hoffentlich bald mal wiedersehen.

Auch auf der Rückfahrt sind freundlicherweise keine Schwertransporte unterwegs, und so landen wir nach sechs Stunden glatter Fahrt wieder bei unseren Katzenmädels, die uns gelassen und wohlgenährt empfangen (Ich habe mein Pippilein sehr vermißt und bin froh, daß die Nächte hier wohl recht mild waren, wie unser Vermieter mir versichert hatte). Der nächste Trip zum Lüttje Huus ist um den 1.November herum geplant (kein Feiertag da oben, aber die haben den Reformationstag). Einen Monat müssen wir jetzt durchhalten, das schaffen wir!