Hohe Tannen wiesen die Sterne

Während nebenan gerade mal die Schlagbohrer und Preßlufthämmer schweigen, denke ich an die zwei alten Tannen, die auf dem Klärchen-Grundstück standen. Sie wohnten genau am Übergang vom Hof zu dem großen Wiesengrundstück, das in den letzten Jahren oft als Pferdeweide verpachtet war. Die beiden Tannen waren riesig hoch, sie überragten die Scheune unserer Vermieter (und Klärchens Häuschen sowieso). Sie waren die ersten Bäume, die ich wahrnahm, als wir vor zwölf Jahren hier einzogen und ich zum ersten Mal aus der dämmrigen Scheune ins helle Sommertageslicht des Gartens der Vermieter trat. Das Fällen dieser prächtigen Bäume haben wir gar nicht mitbekommen, es muß wohl gleich nach dem Verkauf des Anwesens passiert sein. Für viele Menschen sind Bäume ja nur etwas, das „Dreck macht“, Licht wegnimmt oder im Weg steht. Das „Ding“ kann also weg, da wird kein Gedanke verschwendet, schon gar nicht an die Tiere, die den Baum brauchen. Unser Vermieter erzählte uns letztens, daß die Habichte, die hier wohnen, wohl immer in den Tannen übernachtet haben. In der ersten Nacht, als die Tannen verschwunden waren, seien die Habichte die ganze Nacht schreiend über dem Garten gekreist.

„Ist ja verständlich“, sagte Jürgen, der sehr tierlieb ist, “Stell dir vor, du gehst mal eben eine halbe Stunde weg, um was zu erledigen, und wenn du zurückkommst, ist dein Haus weg.“

Schlimm wird der Verlust wohl auch für die unzähligen Stare sein, die sich gegen Sommer-Ende immer in den Tannen gesammelt haben. Der Prinz und ich haben es geliebt, an milden Abenden mit einem Glas Wein im Hof zu sitzen und dem tausendstimmigen Tschilpen und Zwitschern von gegenüber zuzuhören.

Am letzten Samstag röhrte hier nebenan stundenlang der Häcksler, in dem auch Zweige der Tannen landeten. Die abgeschlachteten Bäume und Sträucher füllten gehäckselt zusammen einen ganzen großen Container. Heute machten zeitweise Preßlufthämmer und Schlagbohrer dezent auf sich aufmerksam. Der Prinz schätzt, daß bis zum Ende der Woche da drüben alles platt sein wird. Schade.

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Tschüß, Häuschen :'(

Unser Pippikind wird wohl in absehbarer Zeit ihr Refugium verlieren, darlings, und zwar das schnuckelige kleine Backsteinhäuschen, das neben unserem Haus steht und von dem ich in diesem Beitrag schonmal geschwärmt habe. Wie gesagt, ist das Häuschen nach dem Tod seiner Besitzerin an eine Erbengemeinschaft von fünf Geschwistern gegangen, von denen nur zwei hier im Dorf leben. Eine davon ist C., die das Pippikind einige Male aus dem Hof „gerettet“ hat. Die fünf hatten es schwer, sich zu einigen, was mit dem Haus und dem riesigen Grundstück, das dahinter liegt, geschehen solle. Zum Verkauf konnten sie sich laut C. nicht so recht durchringen. Da ich ja die verrückte Idee hatte, das Häuschen in eine Reikipraxis umzuwidmen, hatten wir mit C. lose vereinbart, daß sie uns Bescheid gäbe, wenn ein Verkauf konkreter würde.

Jetzt ist es wohl doch schneller gegangen als gedacht. Vor ein paar Tagen sagte der Prinz, er habe einen Mann gesehen, der das Häuschen besichtigt habe. Wir dachten nicht weiter darüber nach; ich hoffte nur, daß keine im Hof fußballspielenden Kinder einziehen würden.

Aber dann erzählte uns Jürgen, unser Vermieter, dass „auf Klärchens Acker“, wie er das Grundstück hinter dem Häuschen nennt, gebaut würde. (Der hintere Teil grenzt an seinen Garten.) Und tatsächlich ist dort ein Einfamilienhaus projektiert (Platz wäre auf dem Grundstück locker  für drei Häuser). Nun, das kann uns egal sein, wenn auch die Pferde, die zeitweise dort stehen, erstmal angenehmer sind als menschliche Nachbarn. Wir sehen das Grundstück nur bei unseren Gassirunden mit Herrn Sonntag, von der Straße aus, ansonsten sind wir durch die Scheune von dieser Seite her fast völlig abgeschirmt. Um das neue Haus zu sehen, müßten wir durch die Scheune hindurch in den Garten gehen, und so neugierig sind wir nun auch nicht 😉 Fest steht allerdings, wie wir von einigen Nachbarn bei der Feier des 50. Geburtstages unserer Bekanten  erfuhren, daß das süße alte Häuschen verschwinden wird. Auch der neue Besitzer wird wohl gleich gesehen haben, was der Prinz schon sagte: Grundstückswert minus Abrißkosten für das Haus. Und, wie ich ja schon erzählte, lägen die Sanierungskosten für das Schnuckelhäuschen weit über seinem Wert (es ist feucht, hat keine Heizung, nur Öfen, das Dach muss neu gedeckt werden). Das Häuschen wird also leider “plattgemacht“, wie C. es formulierte. Wann? Keine Ahnung. Aber ich werde es vermissen. Jetzt, nach so langer Zeit des Leerstandes, ist es ringsum mit Wildwuchs überwuchert, Brombeeren streiten sich mit Hagebutten und anderen Pflanzen um den Platz, man könnte Dornröschen hineinsetzen, so romantisch wirkt es. Vorn, an der Seite zur Straße, steht ein prächtiger Schwarzdorn. Die Fassade des Hauses ist hübsch ornamentiert mit Mustern aus hellen und dunklen Backsteinen. Der neue Besitzer kommt wohl aus dem persönlichen Umfeld der Erben, denn auf dem Markt ist das Haus nicht.

Etwas macht mich sehr wehmütig: Das Haus hat, weil seine Besitzerin „sehr sparsam“ war, seit Jahrzehnten keinen Handwerker mehr gesehen. (Es gibt nicht einmal eine Klingel außen, weil „das kostet ja Strom“). Nun werden Handwerker kommen, aber sie werden es zerstören. Ich werde das Häuschen vermissen ☹. ( Ja, Häuser haben für mich eine Seele, deswegen biete ich auch Clearings an).

 

spannender Abend

Boaah.. zweieinhalb fesselnde Stunden habe ich heute Abend schon vor dem Fernseher geklebt, ihr Lieben, und mir eine Doku gegönnt, die ich schon ewig  lange sehen wollte:

James Camerons Die Geister der Titanic,von 2003. Hat jemand von euch den Film schon gesehen?

Der Regisseur ist der gleiche James Cameron, der 1993 den Kassenschlager „Titanic“ mit Leo di Caprio und Kate Winslet gedreht hat (den ich immer noch nicht gesehen habe!).

Cameron hat mit einer Crew von Wissenschaftlern, zwei Tauchbooten sowie zwei ferngesteuerten Tauch-Robotern (namens „Jake“ und „Elwood“) das Wrack der realen Titanic in 4000 Metern Tiefe ausfindig gemacht, an der Stelle, an der sie 1912 sank. Die Doku zeigt, wie die Männer – je drei pro Tauchboot – aufs feinste aufeinander abgestimmt und hochprofessionell miteinander arbeiten, das Wrack von außen ableuchten und filmen und schließlich die Tauchbots zum Filmen hineinschicken. Hier beginnt das große Gänsehaut-Gefühl! Die Wandschnitzereien und Buntglasfenster im Speisesaal der ersten Klasse sind noch perfekt erhalten, auch der geschwungene Treppenaufgang. Jake und Elwood schwimmen, soweit möglich, auch in einige Passagierkabinen hinein und filmen die Reste der Betten, Kommoden und einige persönliche Gegenstände. Alle Männer der Expedition haben detaillierte Kenntnisse über das Schiff, wissen also immer genau, wo die Tauchbots gerade herumschwimmen.

Ich bin noch ganz ergriffen von den wehmütigen Bildern, zumal ich verrückt bin auf Unterwasser-Archäologie und jede Gelegenheit wahrnehme, Dokus zu diesem Thema zu schauen, zum Beispiel von Franck Goddio. Dicke „Guck-Empfehlung von mir!

 

 

Was Schönes in der Post

dadshirt

Foto (c): guardiangelcollection

Das Foto zeigt den Rücken des Shirts.

Gibt es bei guardianangelcollection.com, in verschiedenen Farben und mit unterschiedlichen Texten. Der Kundenservice ist großartig, ich bin begeistert von der Firma.

Erst bei der Bestellbestätigung per Mail sah ich, daß ich versehentlich Größe S statt M bestellt hatte. Ich fragte per Mail zurück, ob das noch zu ändern sei. War kein Problem. Julie, die mich betreute, ist sehr nett und zuvorkommend. Große Empfehlung!

Pepys, nochmal

Obwohl ich immer noch überwiegend mit dem Kindle lese, my darlings, schleppe ich doch erfreulich oft schon wieder „echte“ Bücher mit mir herum und nutze dabei als Lesezeichen, was immer sich zwischen zwei Buchseiten legen läßt.  Soeben entdeckte ich in einem Buch einen Zettel, auf dem ich mir notiert hatte:

1660 / 1.7. und 13.10.

Diese Notiz bezieht sich auf die Tagebücher von Samuel Pepys, die mein Onkel, der am vergangenen Dienstag beerdigt wurde, mir (vermutlich in Vorahnung seines Todes) geschenkt hatte. Ich hatte ihm gemailt, daß ich schon mit dem Schmökern begonnen hatte, da kam die Antwort:

„Liebe Nicole,

wenn Du schon das Pepyssche Tagebuch liest so solltest Du einmal die

Einträge

1660 01.07 und 13.10 vorziehen.

Liebe Grüße

Gerrit

Natürlich tat ich das. Die Einträge waren aber nicht anders als das, was Pepys üblicherweise notiert hatte: wie es im Büro gewesen war, wem er in der Stadt begegnet war, wer daheim zu Besuch vorbeigeschaut hatte, mit wem er was besprochen hatte, daß er beim Schneider seine neue Jacke abgeholt und auf dem Heimweg in der Stadt noch eben einer Hinrichtung zugesehen habe (1660, da war das nichts Besonderes.) Für mich war aus den beiden Aufzeichnungen nichts Besonderes zu erkennen und ich verstand nicht recht, warum Gerrit der Meinung gewesen war, ich solle sie vorab lesen. Ich nahm mir aber vor, ihn zu fragen. Den Zettel zog ich heute aus einem Buch von Alan Bennett, in dem ich ihn als Lesezeichen benutzt hatte. Ich sah den Zettel, erinnerte mich und dachte „Aah ja, gleich nach dem Frühstück mal Gerrit mailen und ihn fragen! Und sofort kam er, der Schlag der Erkenntnis: Nein, du kannst ihm keine Mails mehr schicken. Er ist nicht mehr da. So eine Scheiße. Er fehlt mir.

 

 

1114

Heute Mittag war ich etwas wehmütig, my dearies, denn heute war die Beerdigung meines Lieblingsonkels,G.,  über den ich hier im Blog kürzlich schon etwas erzählt hatte.

Leider konnte ich nicht dabei sein, da ich ja autotechnisch nicht mehr mobil bin.  (Zugfahren geht alleine noch nicht wieder.) Weder der Prinz noch mein Bruder hatten die Möglichkeit, sich den Tag freizunehmen. Da die Beerdigung in einem Friedwald im Ruhrgebiet war, konnte mich auch sonst niemand mitnehmen, denn alle, die dabei waren, leben noch im Ruhrgebiet. Und eine Strecke von je 360 Kilometern hin und zurück zu fahren, um eine einzige Person zu transportieren – das hätte dem Onkel nicht gefallen, denn er war ein überzeugter Umweltschützer. Er unterstützte Greenpeace und war gegen Autos (obwohl er gut 30 Jahre lang bei Mercedes in Stuttgart gearbeitet hatte (in der IT)). Alle seine Reisen organisierte er mit dem ÖPNV (ich bewunderte ihn dafür, diese Geduld hätte ich nie aufgebracht!) Er unterstützte UNICEF und SOS Kinderdorf ; solange ich mich erinnern kann, kamen zu Weihnachten und zum Geburtstag UNICEF-Karten von ihm. Er vergaß es niemals. Während seiner Bundeswehrzeit war er bei der Marine und schrieb mir Postkarten aus seltsamen Ländern (Rußland, Bulgarien und andere Namen, die mir damals noch  nichts sagten). Er war da mit einem U-Boot unterwegs. Es würde ihm sicher gut gefallen, daß seine Asche jetzt in einem Wald beerdigt ist, unter den Wurzeln einer Eiche, in einer kompostierbaren Urne. (Die Zahl 1114 in der Überschrift ist die Nummer des Baumes, unter dem seine Asche liegt.)

Also legte ich um 13.00 Uhr, als die Beerdigung beginnen sollte, einige stille Gedenkminuten ein, zündete eine Kerze an und sprach ein wenig mit ihm. Er aß kein Fleisch, trank weder Kaffee noch Alkohol und rauchte nicht. Hätte er diese verf***te Lungenfibrose nicht bekommen, hätte er vielleicht ganz schön alt werden können. So waren es nur 67 Jahre. Ich habe heute noch eine Ausgabe des Buches „Der kleine Lord“ von 1956 von ihm. Er hat meine Lesebegeisterung immer unterstützt und gefördert. Sein jüngerer Bruder, B., der nun alles organisiert hat, erzählte meiner Schwester, wie unser Vater seine beiden Brüder „praktisch gezwungen“ (Zitat B.) habe, sich Lese-Ausweise bei der Stadtbücherei zu holen und regelmäßig zu lesen. Da ich meinen Vater sehr früh verloren habe, hat sich seine Liebe zu Büchern und zum Lesen über seine Brüder auf mich übertragen. Auch in dieser Hinsicht werde ich G. in sehr liebevoller Erinnerung behalten und die Bücher, die er mir hinterlassen hat, ehren und hegen und pflegen (und oft lesen!)

Ingrid, noch einmal…

Heute ist der neunte Juni und damit der Geburtstag meiner unbekannten Tante Ingrid – einer Tante, die ich nie kennenlernte, weil sie schon als Baby starb. Von ihrer kurzen Existenz weiß ich nur durch die Erzählungen meiner Oma. Ingrids kurze, aber wehmütige Geschichte habe ich in diesem Blogbeitrag festgehalten.

Ich hätte meine Tante Ingrid gern kennengelernt. Sie wäre heute wohl etwas über Mitte 70 Jahre alt. Interessantes Detail am Rande: Der jüngste Bruder meiner Mutter heiratete später eine Frau namens Ingrid. Oma freute sich zunächst sehr, weil sie, wie sie sagte, nun doch noch eine Tochter mit dem Namen Ingrid bekommen hatte. Leider kühlte sich das Verhältnis zum Schluß sehr ab, weil sich meine angeheiratete Tante als charakterlich „ziemlich daneben“ herausstellte und sehr hart, kalt und gemein gegenüber Oma und Opa wurde (typischer Familienkram, wie es ihn überall gibt, ich belästige euch damit nicht.)

Jedenfalls – heute ist Ingrids Geburtstag, ich denke an sie und zünde ein Kerzchen für sie an. Ich spreche mit ihr und überlege, was für ein Mensch  sie wohl geworden wäre und ob wir uns heute wohl gut verstehen würden…)

Gibt es so eine Geschichte auch in eurer Familie?  Mögt ihr sie erzählen? In eurem Blog (wenn vorhanden) oder hier in den Kommentaren?