Sülwesta bei Lakritzens

Diesen wunderbaren Neujahrsgruß des wunderbaren Neil Gaiman hat mir meine wunderbare Berliner Freundin Lotte per WhatsApp geschickt und ich möchte ihn an euch weitergeben:

newyearneil

Danke, Lotti!

Da wir die stupide Ballerei am Jahresende hassen, verbrachten wir die Sülwesta-Nacht bei meinem Bruder im Schwäbischen. Er lebt mit seiner Familie in einer mittelalterlichen Stadt, mitten im historischen Stadtkern. Dort ist Feuerwerk verboten, wegen der denkmalgeschützten Fachwerkhäuser. So hatten wir einen gemütlichen Familienabend und eine recht ruhige Nacht (abgesehen davon, daß die Kinder absolut nicht ins Bett wollten, weil sie dieses Mal die Erlaubnis hatten, bis Mitternacht aufzubleiben). Der kleine Herr Sonntag bekam eine Abendgassi-Runde bei Feuerwerk, denn außerhalb der verbotenen Zone  knallte es wie gewohnt. Herr Sonntag steckte das aber sehr cool weg.

Am Neujahrsmorgen verstand ich plötzlich all die Familientweets, die der Blogger und Buchautor  Christian Hanne sammelt und  jeden Freitag in seinem Blog Familienbetrieb präsentiert – zu meiner großen Freude.

Um acht Uhr nämlich öffnete sich „leise“ die Zimmertür und zwei flüsternde Kinder, die sich sehr laut Mühe gaben, leise zu sein, standen an meinem Bett (Eltern wissen, was ich meine). Die beiden begleiteten mich getreulich zum Klo (was ich dem  kleinen Herrn Sonntag mühsam abgewöhnt habe) und verschwanden dann, um heimlich als Überraschung den Frühstückstisch zu decken. (lieb gemeint und sehr süß, aber laut. 😉 ) Ich resignierte um halb neun, wankte in die Küche  und legte mir eine Kaffeesonde. Nach dem Frühstück beschlossen Brüderchen und der Prinz, 2017 mit einem Neujahrslauf einzuweihen. Prinz und ich packten unseren Kram und alle zusammen fuhren wir zu Elsbeth, der Schwiegermutter meines Bruders, die eine ganz großartige und tolle alte Dame ist. Wir alle haben sie sehr gern. Die beiden Läufer zogen sich dort um und hauten ab in den Wald. Elsbeth schaut seit Jahren im  ZDF regelmäßig das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, das ist bei ihr eine feste Institution im Terminkalender. Ich setzte mich zu ihr, um mit ihr zusammen zu schauen. Das Konzert gefiel mir sehr, zumal ich in den Genuß kam, den neuen Dirigenten der Wiener Philharmoniker, Gustavo Dudamel, zu erleben. (@Renata: Hast du’s gesehen???)  Der Junge ist großartig, ich bin begeistert!

Nach der Rückkehr der zwei Sportler machten der Prinz, Herr Sonntag und ich uns auf die Heimreise. Der kleine Herr Sonntag kippte auf dem Rücksitz erst einmal um und pennte fest weg. Er liebt Kinder und hatte die wilde Zeit mit Ihnen genossen. Ich auch, aber es war so verdammt kalt im Schwäbischen! Immerhin kamen wir aus minus vier Grad zurück in ein erträgliches minus eins. Das Haus war muckelig warm, die Katzen hungrig und wir müde.

Damit sind jetzt leider auch die  „Weihnachtsferien“ des Prinzen vorbei. Wir haben die zehn freien Tage miteinander soo sehr genossen!  Nun, dafür freuen wir uns jetzt auf Ostern, denn dann wollen wir wieder nach Norden, ins geliebte „Ollnburch“. Da wir mit Hund ja nicht mehr nach Harkebrügge in die bisherige Ferienwohnung dürfen, haben wir in der Nähe von Barßel einen kleinen Bauernhof gefunden, der nicht nur eine ebenerdige Ferienwohnung hat, sondern auch Hunde erlaubt. Das wird klasse. (Wir waren schon einmal dort und haben uns sehr wohl gefühlt.)

Ich wünsche euch ein mit Glück, Freude und Gesundheit angefülltes neues Jahr und einen guten Start in die erste Woche des neuen Jahres!

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Fümpf!

Sooo… allmählich hab‘ ich mich erholt von der Feier meines fünften Geburtstages, den wir – wie alle Jahrestage des Hallamati – am Freitagabend im Tivoli, dem großartigsten italienischen Restaurant in Worms, feierten.

(@Herr Norden: da würden wir mit dir auch gern mal essen gehen – wie wäre es, wenn du dich an deinem kommenden Geburtstag von uns dorthin einladen ließest? Melde dich doch mal dazu…)

Ivo und seine Frau Giovanna, die Besitzer des Restaurants, kennen mich und die Hallamati-Geschichte und verwöhnen uns daher immer ganz besonders. Man merkt, daß ihnen das Freude macht. (Ivo ist Gastronom mit Leib und Seele.) Giovanna schlug als „aperitivo“ einen Aperol Sprizz vor, den wir gerne nahmen. Aperol Sprizz hatten wir im Juni 2011 in Venedig sehr oft getrunken, daher verbinden wir das Getränk etwas wehmütig mit der Stadt. (Natürlich haben wir es später auch noch oft getrunken, aber diese sehr intensive Venedig-Woche war unser letzter Urlaub vor dem Hallamati und ich bin dankbar für die herrlichen Erinnerungen, und ein Glas Aperol Sprizz erweckt diese gleich zum Leben.) Ich hatte mal wieder Luuuuust auf Gnocchi – Ivo grinste und bot mir Gnocchi mit Kürbisfüllung an. War mir recht – Hauptsache, mit möglichst dickmachender Sauce drüber, wies ich ihn an, denn der unbekannte Infekt des letzten Sommers hat mich auf 56 Kilo zurückgeworfen (bei 1,70 Meter Größe!). Der Prinz hatte Lust auf Fisch. Ivo grinste, verschwand kurz und kehrte mit einem Teller zurück, auf dem  – uäh! – ein toter Fisch lag (keine Ahnung, was für einer – Carsten, wir hätten dich gebraucht! (Haben aber auch schlicht vergessen, Ivo zu fragen.) „Möchtest du den?“ fragte Ivo, „gegrillt, mit Zitrone, Thymian, Basilikum….?“ Der Prinz war einverstanden, daher verschwand der Fisch zum Glück gleich wieder in der Küche.

Giovanna half uns bei der Auswahl des Weines, die dieses Mal absolut einfach war und schnell ging: Obwohl ich deutlich Miss Sophies Anweisung „We’ll have white wine with the fish, James.“ im Ohr hatte, winkte Giovanna lachend ab und sagte: “Rot paßt immer.“ Mir paßt das auf jeden Fall, denn ich bin kein großer Weißwein-Fan. Primitivo gab es also, köstlich und wirklich immer und überall passend. Zu den Gnocchi auf jeden Fall, die jetzt endlich vor mir standen. Gnocchi bestehen ja aus Kartoffelteig und irgendwie hatte es der Magier in der Küche fertiggebracht, aus dem Kartoffelteig kleine Bälle zu formen, die er mit Kürbis gefüllt hatte. (Der kann bestimmt auch gut Origami-Tiere falten 😀 ) Zum Nachtisch erbat ich mir Tiramisú. Rosario, der ältere Kellner, der schon so lange zum Tivoli gehört, wie ich mich zurückerinnern kann und der den Prinzen und mich ein bißchen „adoptiert“ hat, brachte es zusammen mit einem zweiten Nachtischteller und einer zweiten Gabel, damit der Prinz mitnaschen könne. Der Abschied war wie immer herzlich und liebevoll. Giovanna und Ivo drückten uns noch eine bunte Papiertüte in die Hände, die, wie sich zu Hause zeigte, eine Flasche Prosecco enthielt. “Damit feiert ihr noch etwas“, lautete Giovannas Anweisung. Mehr „Allohol“ traute ich mich aber nicht, wegen der Medikamente. Dafür vermißte ich sehnlichst Opas unerschöpfliche „Underberg“-Vorräte, denn ich war zum Platzen angefüllt. Schlafen klappte trotzdem erstaunlich gut.

Es war wieder einmal – trotz des eher traurigen Anlasses – ein wunderschöner Abend, und wie jedes Mal, sagten wir uns: „Nur einmal im Jahr im Tivoli ist viel zu wenig!“ Wir werden jetzt einfach ein paarmal weniger zu Pepe e Sale oder zum Thai gehen und uns dafür öfter im Tivoli verwöhnen lassen. Das gleicht sich aus – und wenn der Hallamati uns etwas gelehrt hat, dann ist es das:

Egal, was dir widerfährt, das Leben ist trotzdem wunderschön, also genieße es und koste es bewußt aus!

Das haben wir in diesen fünf Jahren gelernt und praktizieren es sehr bewußt.

Der Chefarzt in der ersten Rehaklinik riet uns damals: “Schaffen Sie sich kleine Inseln!“

Das tun wir, immer wieder, mit schönen Städtetrips oder sonstigen Ausflügen, gutem Essen, Konzerten und was uns sonst noch Freude macht. Und: Jede schöne Erinnerung bringt etwas Licht in jede schwierige Situation!

Der Prinz und ich sind sehr froh, daß wir gelernt haben, bewußt zu leben und bewußt Freude zu genießen. Seltsam ist nur, daß wir das ausgerechnet dem Komikerpärchen von nebenan zu verdanken haben, die sich und ihr Leben so hassen, daß sie nur an Zerstörung, Haß  und Rache denken können. Nun… das Leben ist eben manchmal seltsam. Ist mir recht – solange es so schön bleibt, wie es jetzt ist.. (Dafür können wir selbst sorgen – und tun es auch!)