Willkommen, Balou

sagen meine Schwester Heike und ihr Mann mit dieser wunderschönen Zentangle-Karte. Ich habe mich sooo gefreut!

Danke, Ihr zwei Süßen!!! ❤️❤️

karte

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Wie man kleine Füchse größer macht

Der kleine Fuchs fährt ja zu unserer Freude sehr gern Auto. Nur ist er eben ziemlich klein, also kurzbeinig. Und obwohl unser Auto nur ein Kleinwagen ist, hat der Fuchs ein Problem, auf den Rücksitz hoch zu kommen. Ich sagte mal scherzhaft, dass wir ihm dann eben so einen Tritt kaufen müssten, wie die für Kinder, damit sie im Bad besser ans Waschbecken heranreichen können.
Der Prinz fand die Idee gut, und da er leidenschaftlich gern für seinen geliebten kleinen Rotfuchs Zeugs einkauft, fuhr er umgehend zum blaugelben Möbelschweden und besorgte dem Fuchsi das hier.

Und was soll ich sagen? Balou ist so clever, der hat sofort begriffen, wozu das Ding da ist, und seitdem ist er immer ganz souverän mit einem Hops auf dem Rücksitz : – ))

Abenteuer- Mittwoch

Boah, der Tag gestern war ganz schön Kraft raubend, aber interessant und hatte einen leckeren Abschluss: – ))

Die Hundetrainerin war geschlagene zwei Stunden da, von 12.00 – 14.00.

Sie heißt Bettina Bumb und macht das einfach großartig. Zudem werde ich von Yvonne noch ein Päckchen mit Literatur dazu bekommen, wie wir den kleinen Fuchs erziehen und mit viel Spaß beschäftigen können, der ist nämlich sehr agil und intelligent und möchte geistige Herausforderung. Suchspiele liebt er, zum Beispiel.

Frau Bumb brachte uns viel Interessantes bei, zum Beispiel, wie gewisse Situationen aus der Sicht des Hundes aussehen, warum ein Hund bestimmte Dinge genau so tut und nicht anders, usw. Das gab uns zum Teil einen ganz neuen und hilfreichen Blick aus Balous Sicht auf unser Zusammenleben und unser Haus. Beim nächsten Termin will Frau Bumb mit uns und Balou üben, mit dem Rolli unterwegs zu sein, so dass ich auch mit einer Hand die Leine und die Steuerung des Rollis hinbekomme. (Zum Glück stört sich Balou ja am Rolli gar nicht.)

Da gestern auch seine neue neongelbe Namensplakette mit unserer Adresse und Telefonnummer in der Post war, spendierte ihm der Prinz ein neues Halsband (passend zu Brustgeschirr und Leine: -)), damit er sie jetzt tragen kann.

Wieder daheim, erhielt der Prinz einen Anruf vom Tierheim. Die Tierärztin war dran. Das Medikament für die Babesiose, unter der unser kleiner Fuchs leidet (oder eben nicht leidet, er ist putzmunter) war ursprünglich in Deutschland gar nicht erhältlich, nur in Frankreich. Deswegen wollte uns das Tierheim zuerst auch noch zwei Wochen warten lassen bis zur Adoption. Wir hatten ihnen angeboten, notfalls schnell nach Straßburg rüber zu düsen ( sind ja in eineinhalb Stunden da) und das Zeug abzuholen, aber der Tierärztin war eingefallen, in der Tierklinik Frankenthal nachzufragen, da die mit Medikamenten sehr gut ausgestattet sind. Und – tadaaa! – sie hatten es da! Die Ärztin hatte dankenswerterweise bereits einen Termin für uns ausgemacht. Balou muss diese Spritze zweimal bekommen, dann sollten alle Blutparasiten tot sein.
Wir warnten die Tierärztin in der Klinik gleich, dass Balou sich nicht hochheben lässt (keine Ahnung, wie die Tierheim-Ärztin ihn auf den Behandlungstisch bekommen hat!), aber sie sagte, die Spritze könne sie ihm auch am Boden geben. Allerdings scheiterte schon ihr Versuch, ihm ein Thermometer einzuführen, um die Temperatur zu messen: er knurrte sie sehr wütend an – und biss sie in die Hand. ( keine Wunde, nur geschnappt). Sie sagte ganz ruhig“ Okaay… Maulkorb!“ Aber sobald Balou den Maulkorb sah, begann er wie wild zu toben, er sprang, wand sich, bellte, knurrte grollte und schnappte. Er muss damit wohl früher schlechte Erfahrungen gemacht haben, und wieder tat es uns leid, dass wir nur so wenig über seine Vergangenheit im Süden wissen. Der Kleine tobte so wild, dass die Ärztin ihre Azubine nach einer „Stange“ schickte ( so ein Ding, wie es die Hundefänger benutzen, eine Stange mit einer Schlaufe am Ende, die um den Hundehals gelegt wird, die Stange hält den Hund auf Abstand und schützt vor Bissen). Unser Kleiner schrie und tobte ganz fürchterlich, ich war den Tränen nahe, aber auch erschreckt, wieviel Zorn- und Wut-Power in dem kleinen Kerl steckt. Ich dachte, mein Herz müsse jeden Moment brechen, wirklich. Unser armer kleiner Fuchsi! Die Ärztin nutzte das Durcheinander, um ihm schnell die Spritze in den Oberschenkel zu geben. Da seine Muskeln aber gerade sehr angespannt waren, tat ihm das natürlich sehr weh und ich war schon wieder nah am Heulen. Aber die Mission war damit ja erledigt und die Azubine lenkte Balou schnell ab, indem sie eine Dose mit Hundekeksen schüttelte. Unser kleines Fressmonster zockte drei große Kekse von ihr ab: – )) Zu Hause bekam er eine große Portion Abendessen mit Hüttenkäse drin, den er heiß liebt, und ganz viel Lob für seine Tapferkeit. Die Frau Lakritz und der Herr Schokoladenprinz gönnten sich noch ein Eis bei der Casa del Gelato in Offstein. (Ja, für Alessios Eis lohnt es sich, abends nochmal ins Auto zu steigen.)

Vor dem Schlafengehen drehten wir drei nochmal eine Runde durchs Dorf – Balou ignorierte alle Katzen und Hunde, die uns begegneten… warum kann er das hier zu Hause nicht auch tun? *seufz*

Nun müssen wir Balou noch beibringen, dass er noch eine Spritze braucht, um ganz gesund zu werden…!

Balous Einzug Teil 2

Der Balou-Einzugstag gestaltete sich – wegen unserer Unerfahrenheit in der Hundeerziehung – noch ein bisschen aufregend für uns alle, aber dank meiner Freundin Yvonne haben wir das gut hinbekommen: Irgendwann hörten wir aus dem Wohnzimmer ein aufgeregtes Bellen und Jaulen. Als wir nachschauten,stand Balou vor der Couch und kaute hastig und gierig etwas Braunes, aus seiner Schnauze guckte Stanniolpapier. Da hatte der kleine Scheißer doch tatsächlich ein Stück Schokolade entdeckt und es samt Verpackung zu verschlingen versucht – mea culpa in diesem Fall, Süßkram kann nur von mir stammen!

Der Prinz und ich gerieten gleichermaßen etwas in Panik. Der Prinz hatte gelesen, dass Schokolade Gift für Hunde ist (was stimmt) und ich sah wegen des harten Stanniols schon perforierte Darmwände und Einblutungen in den Bauchraum vor mir (das Heilpraktiker-Studium ist noch sehr lebendig : -)). Der Prinz versuchte, Balou das Zeug wegzunehmen. Aber der Kleine ist ein Mittelmeerhund und hat immer um sein Essen kämpfen müssen, so kassierte der Prinz einen Biss in die Hand. Da er seit dem Herzinfarkt vor zwei Jahren Blutverdünner nimmt, hörte das auch erstmal nicht auf zu bluten. Der Prinz verband sich und ich erzählte das über Facebook Yvonne, die zwei Hunde hat. Ihr Rat: Balou bekommt Essen nur aus der Hand und nur gegen Leistung, also „Sitz“ oder „Platz“. Auf große Sünden wie Schnappen nach uns oder Katzenjagen steht die Höchststrafe: Ausschluss aus dem Rudel, also Auszeit vor der Tür.

Balou, das war deutlich zu sehen, schämte sich schrecklich. Er wusste genau, dass er den Prinzen nicht hätte beißen dürfen. Wie wir von den Pflegern im Tierheim wissen, ist er wegen genau solch einer Aktion schon einmal ins Heim zurückgebracht worden. Davor hatte er jetzt ganz offensichtlich große Angst. Er schlich dem Prinzen auf Schritt und Tritt nach. Sobald sich der Prinz setzte, schmiegte sich Balou an sein Knie uns schaute ihn so flehend an, dass dem Prinzen das Herz schmolz. Dazu leckte der Kleine noch verstohlen über den Verband, als wolle sagen „Tut mir wirklich leid!“ Es war herzerweichend. Es dauerte mehrere Stunden, bis Balou sich beruhigt hatte und glauben konnte, dass wir nicht planten, ihn deswegen ins Tierheim zurückzugeben ( zumal der Fehler ja bei uns und unserer Unerfahrenheit lag). Das Füttern aus der Hand klappte dann allerdings hervorragend, Balou tat alles, was wir wollten, und ich konnte ihm sogar den Napf beim Fressen wegnehmen, ohne dass er sich muckte.

Kurz darauf allerdings lief eine arglose Pippilotta durch die Küche. Balou tickte aus und stürzte sich mit Kriegsgeheul auf sie. Das Pippikind war natürlich schneller. Wir auch – Balou saß in Nullkommanix vor der geschlossenen Haustür im Hof (das ist ein Bereich, der immer im Schatten liegt, wegen des riesigen Hoftores, bei der Hitze also recht angenehm). Nach einer halben Stunde ließen wir ihn wieder rein. Er war so klein, dass er unter dem Teppich hätte Trampolin springen können. Wir waren genauso froh wie er, dass er wieder drin war (aber das musste er ja nicht wissen ; – )). Die Strafe wirkte jedoch – als Pippi ihn später von oben die Treppe hinab beobachtete, tat er verlegen so, als sähe er sie gar nicht. Nun, das mit den Katzen klappt noch nicht so gut, aber er hat gelernt, dass die beiden tabu sind. (Klugscheißer-Einwurf: „tabu“ stammt von dem hawaiianischen Wort „kapu“, das bedeutet „verboten“ und wird auf der ersten Silbe betont.: – ))

In einer halben Stunde, um 12.00, kommt die Hundetrainerin, die das Tierheim uns spendiert hat, dann gehen wir das an. Bericht folgt!

In dem Balou bei uns einzieht

So, heute Morgen haben wir ihn feierlich abgeholt, unseren neuen Hausgenossen. Das Tierpflegerteam hat ihn feierlich verabschiedet – sie alle haben Balou gerne und freuen sich so für ihn, dass er ein Zuhause gefunden hat. Überhaupt, weder die im Tierheim noch wir können verstehen, wie ein so charmanter, hübscher und bezaubernder Hund zwei Jahre in einem Tierheim sitzen konnte, ohne dass sich jemand für ihn interessierte?! Dafür werden wir ihn jetzt bis an sein Lebensende lieben und verwöhnen, das haben wir uns geschworen. Und ihm.

Gestern haben wir ihm eine neue Leine und ein passendes Brustgeschirr gekauft – uuund ein Planschbecken! Wegen der großen Hitze hatte ihn die Tierärztin im Heim unter einer leichten Narkose geschoren, weil er unter der Wärme so gelitten hatte. Im Rofu Kinderland guckten wir nach so einem runden aufblasbaren Kinderplanschbecken für ihn, aber die waren alle ausverkauft. Dann folgende Szene im Baumarkt/Gartencenter nebenan:

Prinz: „Ich suche ein Kinderplanschbecken zum Aufpusten, so ein rundes.“

Verkäufer:“ Ja! Wir haben da aber nur noch eine, ähm, begrenzte Motiv-Auswahl“…

Prinz: „Macht nix, ist für einen Hund.“

Verkäufer, erleichtert lachend: „Ach so… na, dann wird ihn das hier wohl nicht stören“… drückt dem Prinzen eine Packung in die Hand, in der sich dieses Planschbecken befindet:

imwasser

Ist das Ding nicht der Hammer?!?! Disney, rosa UND drei Prinzessinnen… was will Hund mehr?!

(Jetzt muss er wenigstens nicht mehr versuchen, heimlich in den Koi-Teich der Vermieter zu hüpfen : – )) Die Vermieter haben ihm übrigens zum Willkommen eine Kuscheldecke, einen Tennisball und einen großen Kauknochen geschenkt. ❤ Sie haben selbst vier Hündinnen aus italienischen Tierheimen und standen daher von Anfang an dem „Projekt Balou“ positiv gegenüber. „ Hättet ihr einen Hund vom Züchter statt vom Tierheim genommen“, sagte unser Vermieter, „den hätten wir euch auch erlaubt – aber nicht verziehen.“ Solche Leute sind das, und deswegen leben wir auch schon seit zehn Jahren und sehr gerne in ihrem Häuschen an der Südseite des Grundstückes (am 15. Juli waren es genau zehn Jahre.)

Balou!!!!!!

rolliklein

Ihr Lieben, ich bin überglücklich – unsere Vermieter sind einverstanden, das heißt: Wir dürfen den kleinen Rotfuchs adoptieren! Am Samstag, also am 8.August, zieht er hier ein! Seine beiden Probetage hier im Haus hat er sehr souverän bestanden, er ist ein gaaaanz ruhiger Zeitgenosse – fast ein kleiner Buddha, denn er ist ganz leicht übergewi-ääh, untergroß : – )))

@Markus, du wolltest wissen, wie es mit den Katzen lief – nnnnajjjjaaaaa… ; – ))

Man muss dem kleinen Hund zugutehalten, dass er die Katzen ignoriert hat, so wie er auch andere Hunde, Jogger und Radfahrer ignoriert. Allerdings hatten sich die Katzen jeweils in eine Maueröffnung in der Wand des früheren Pferdestalls und des Ex-Ziegenstalles gesetzt, etwa drei Meter über dem Boden und den Kleinen von da oben aus böse angepöbelt. Ich lasse ja üblicherweise nix auf meine Mädels kommen, aber das war fies, das muss ich zugeben. Der kleine Fuchs tickte schier aus und stieg die Wand hoch, wir konnten ihn kaum beruhigen. Der Prinz sagte: „ Also…. Katzen sind Arschlöcher.“ Stimmt, das können sie sein – vor allem, wenn sie ihr Territorium schützen, wie Pippi, die besonders fies pöbelte : – ))

Der Prinz war neugierig, wie sich Balou im Auto verhält, und wollte eine kleine Probestrecke mit ihm fahren, „nur bis zur nächsten Ausfahrt“. Und was soll ich sagen – like a total boss saß Balou in der Mitte der Rückbank und guckte zwischen den Rückenlehnen der Vordersitze hindurch sehr interessiert auf die Autobahn, egal, wie schnell wir fuhren. Sehr cool. Die Autobahn, übrigens, führte rein zufällig nach Speyer, so dass der Prinz mich noch zu Frau Nigri auf ein Stück Tiramisu-Torte einlud (OMNOMNOM!). Wir hatten Balou bereits am Samstag ein Spielseil gekauft, das er nun alle paar Sekunden dem Prinzen vor die Füße warf, um dann wahrhaft furchterregend zu knurren und kopfschüttelnd am Seil zu zerren. Das machte ihm einen Heidenspaß ❤❤!

Ach ja.. er hat einen meiner Therapie-Bälle gefunden:

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Der Ball hat angefangen!!!

Weniger Spaß machte es mir, dass sich unterwegs die Schleppleine ständig im Rad oder der Fußraste des Rollis verfing. Das gab dem armen Hund immer einen heftigen Ruck, denn der Kleine trabt sehr zügig. Aber ich löste das ganz einfach: eine Anfrage im Schlaganfall-Forum brachte mir ganz schnell eine Lösung, nämlich dieses Ding hier, und bin gespannt, ob und wie es funktionieren wird.

Inzwischen haben wir wie bescheuert für ihn eingekauft: Näpfe, das Seil, nach Körbchen gucken wir noch, ein Leckerli-Beutel, den man sich an den Gürtel klemmen kann… und er bekommt ein schickes Brustgeschirr, denn das vom Tierheim ist ihm zu warm. Hach, ich könnte mich in diesem Fre**napf-Laden doll und dusselig kaufen für meine Viecher : – ))

Wir haben bereits – angepasste Bürger, die wir sind 😛 –das Anmeldeformular für die Hundesteuer online runtergeladen und brav ausgefüllt – hey, 108 Euronen kassiert die Stadt Worms für einen Hund! Geht’s noch?!

Update 5.8.: im Tierheim haben sie heute unser Füchschen geschoren, weil er mit seinem dicken Fell so unter der Wärme litt. Weil sie den Verdacht hegten, er könne Morbus Cushing haben, testeten sie sein Blut. Er hat Babesiose, eine parasitäre Blutkrankheit, die durch Zecken übertragen wird, aber behandelt werden kann. Zuerst sagten sie uns im Tierheim, dass sie ihn noch zwei Wochen dabehalten wollten, wir ihn also am Samstag noch nicht bekommen. Als sie aber sahen, dass wir Balou deswegen nicht im Stich lassen, wie es wohl viele Leute tun würden, berieten sie nochmal untereinander und sagten, er könne seine Tabletten auch hier bei uns einnehmen ( dann packen wir ihm die eben in ein Stück Fleischwurst, was soll’s…)

Er ist bereits jetzt unser Hund und wir lieben ihn!!!!

Die Leute im Tierheim mögen uns, glaube ich, und unterstützen uns. So wollen sie uns z.B. eine Stunde mit einer der Hundetrainerinnen spendieren, die ehrenamtlich im Heim arbeiten. Mit ihr werden wir üben, wie ich mit Balou sicher mit dem Rolli über die Schwelle des Hoftores komme und wieder hinein, ohne dass er auf die Straße läuft (die ja leider ganz dicht am Haus vorbeiführt und die uns schon das Leben einer Katze ( RIP Missy) gekostet hat.) Ich bin fast jeden Tag mit dem Rolli im Dorf unterwegs und habe die Torschwelle gut im Griff, aber mit Hund und Schleppleine… das muss ich noch üben : – ))

Wie gefällt er euch,unser kleiner Fuchs?

 

Unser kleiner Firefox

Darlings,

unser Leben ist am vergangenen Samstag unversehens reicher geworden. Es hat sich, genauer gesagt, durch ein kleines Ehrenamt bereichert – um einen kleinen Fuchs. Wir nennen ihn „unser kleiner Firefox“.

Hintergrund: am letzten Samstag lag neben meiner Kaffeetasse ein gefaltetes Zeitungsblatt, so gefaltet, dass mich gezielt das fröhliche Gesicht eines Rottweilers anlachte. Ich schmolz sogleich dahin, denn ich liebe Rottis und ihr breites Lachen. Es stellte sich heraus, dass das Foto zu einer der Anzeigen des Tierheimes gehörte, mit denen die immer bekanntgeben, wer gerade besonders dringend ein Zuhause sucht. Der Rotti heißt Piet und ist ein Jahr alt. Der Prinz hatte mir den Artikel hingelegt, weil wir seit der Zeit mit Flash nie aufgehört hatten, über einen Hund nachzudenken. Und da Piet erst ein Jahr alt ist, argumentierte der Prinz, könne man ihn sicher noch zu einem Behinderten-Begleithund erziehen. Das wäre sicher möglich; mein Großvater väterlicherseits war blind und hatte Rottweiler als Blindenhunde (ich habe ihn leider nicht mehr kennengelernt, er starb, als ich noch ein Kleinkind war). Aber wer sollte den Rotti für uns schulen, war die große Frage? Ich traue mir das nicht zu, so schwerfällig, wie ich mit der Behinderung nun mal bin. Wenn schon, habe ich seit Flashy immer gesagt, sollte es ein kleiner Hund sein, gern auch ein Senior, der nicht mehr allzu schnell läuft und nicht mehr viel Auslauf braucht. Wir könnten ja einen Ausflug zum Tierheim machen und mal einen Blick auf Piet werfen, lockte der Prinz. Das Tierheim liegt sehr idyllisch an einem parkartigen Wäldchen nahe dem Rheinufer, da kann man auch schön spazieren gehen. Wir fuhren also hin, sagten dem wirklich bezaubernden Piet guten Tag und dann sahen wir – ihn. Er lachte uns an und wir waren verloren. Zufällig ist Samstag auch der Tag für all die ehrenamtlichen Gassigeher, also Leute, die sich bereit erklären, in ihrer Freizeit Tierheimhunde auszuführen, damit die armen Viecher Bewegung und etwas Sozialkontakt haben. Der für Balou zuständige Pfleger war gleich mit einer Leine da und – wupps – waren wir mit dem Kleinen im Wald. Ich war zu Fuß dabei, mit den knöchelhohen Lowas. Zu meiner Überraschung ging alles sehr prima: Balou ist zehn Jahre alt, aber noch sehr agil. Er läuft flüssig und wendig. Und: sobald die Leine sich strammt, bleibt er sofort stehen. Zuerst setzte er sich mal in Ruhe hin und beobachtete genau, was es mit meinem komischen Laufen auf sich hat. Der Gehstock beeindruckte ihn gar nicht (vor dem haben Hunde öfter mal Angst). Ich konnte mit Balou super laufen, nur dass ich Leine und Stock zusammen mit der rechten Hand halten musste, war doof. Aber er ist sooooo süß! Er himmelte den Prinzen von der ersten Minute an an : )

Er war wohl in einer Hundeschule gewesen, denn Sitz, Platz und Fuß kennt er (und er besteht hinterher auf einer Belohnung! : – ) Toll ist: er ignoriert Jogger und fremde Hunde – es sei denn, die Hunde pöbeln ihn an. Dann macht er schnell klar: „Ey, Alda, isch weiß, wo dein Haus wohnt!“

Am nächsten Tag, dem Sonntag, planten wir noch einen Spaziergang mit Balouchen ein, diesmal mit Rolli. Erstaunlicherweise interessierte ihn der Rolli überhaupt nicht, dabei erlebe ich so oft, dass Hunde Angst davor haben oder sehr verunsichert sind. Der Pfleger vermutet, dass die alte Dame, bei der Balou lebte, in einem Rollstuhl gesessen haben könnte. Das könnte seine Gelassenheit erklären. Der Elektromotor des Rollis schafft sechs Stundenkilometer, wenn der Untergrund glatt ist, kann also recht flott fahren. Ich legte die Schleppleine einfach um die linke Armstütze des Rollis. Balou hält da prima mit, er trabt zügig mit und bricht nur öfter mal schnell links oder rechts aus, um eine Duftmarke zu setzen oder zum „Zeitunglesen“, da muss ich dann sehr schnell reagieren und bremsen und mit ihm an den Wegesrand fahren, wo er gelassen pinkelt und dann mit großer Show die markierte Erde mit den Hinterpfoten in hohem Bogen herumschleudert. Er ist klein, unser rotes Füchschen, aber es mangelt ihm nicht an Selbstbewusstsein, gut so! Status Quo: wir sind nun offiziell befördert. Wir sind offiziell Balous höchsteigene Gassigeher. Aber dass ich die linke Hand noch immer nicht voll benutzen kann, das frustriert mich zutiefst – im Umgang mit der Leine zum Beispiel, und das Bedienen des Leckerli-Beutels, das geht alles derzeit noch nur rechts und das nervt so. Ich arbeite ja viel mit der linken Hand, aber die Fortschritte sind so langsam und so klein. Aber der kleine Hund macht mit seiner Liebenswürdigkeit so viel wett. ❤ Morgen laden wir ihn mal hierher zu uns nach Hause ein und stellen ihn den Katzen vor. Bin gespannt!