Wie verrückt

schneit es hier, mit heftigem Wind, der den Schnee in Wolken vom Dach des Pavillons bläst. Gestern habe ich endlich die Orthesenschuhe bekommen und konnte sie bereits „in echt“ testen (wir waren in Ludwigshafen eingeladen). Es ging gut, und eigentlich habe ich – orthesentechnisch gesehen – genug Mut für eine Gassirunde mit Herrn Sonntag, aber der Kleine warf einen Blick durch den Türspalt, guckte uns an… und drehte wortlos ab, zurück in die warme Küche 😀

Übersetzung: Gassi später heute, irgendwann 😉

Wie „wettert“ es bei euch?

++++

Update: Der Prinz hat gerade klar gemacht, daß er mich bei diesem Wetter auf keinen Fall zu Fuß laufen läßt – „viel zu glibschig, zu gefährlich“, sagt er. Er wird nachher noch alleine eine Runde mit Bärchen drehen. *mein Held*‘ ❤

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Pippi, die Ausbrecherkönigin

Ein kleines special für Renata 😀

Kürzlich hatte ich diesen Bericht angekündigt, darlings; eine Zeit lang hat sich Pippi nebenan im Hof selbst eingesperrt und uns damit halb verrückt gemacht:

Das Häuschen, das gleich neben unserem steht, gehört noch zum ursprünglichen alten Häuserbestand des Dorfes. Es ist ein süßes rotes Backsteinhäuschen mit gemütlicher, heimeliger Ausstrahlung. Die alte Dame, die darin wohnte, starb vor etwa drei Jahren. Wir hatten eine gute Beziehung zu ihr. Im Dorf nannte man sie nur bei ihrem Vornamen, also „die Klara“, oder, im hiesigen Dialekt, „es Klärche“.

Seit sie tot ist, steht das Haus leer. Die Erbengemeinschaft besteht aus einer Gruppe von fünf Geschwistern (Klaras Nichten und Neffen, sie hatte keine eigenen Kinder), die aber nicht alle hier im Dorf leben. Die fünf können sich nicht so recht einigen, was sie mit dem Haus anfangen wollen, zumal es durch und durch feucht ist und das Dach erneuert werden muß. (Ich hatte mal kurz überlegt, es mir als Praxis einzurichten, aber in einem feuchten Altbau hatte ich schon 2006 meine erste Praxis hier, und das hatte zu viele Nachteile, auch für die Klienten, so daß ich froh war, als ich ins Herrnsheimer Schloß umziehen konnte. Zudem ist das Haus sehr winzig, also eher uninteressant für meine verrückten Ideen 😉 ) Der Grundriß sieht dort drüben aus wie bei uns: Kommt man durchs Tor, liegt rechts das Wohnhaus, das die rechte Längsseite des schlauchförmigen Hofes bildet. Bei uns ist die linke Längsseite der frühere Kuhstall (heute Werkstatt), beim Klärche ist das die Rückseite unseres Hauses. Die hinteren Stirnseiten beider Höfe bilden Gebäude, hinter denen Land liegt. Bei uns ist das die Scheune, durch die man in den riesigen Garten unserer Vermieter gelangt. Beim Klärche ist es ein alter Schuppen, hinter dem ein großes Stück Grasland liegt, das hin und wieder als Pferdeweide verpachtet ist. Unser Hof ist unzugänglich, da durch die verschlossene Scheune hinten und das hohe Tor vorn geschützt, aber beim „Klärche-Haus“ kann eine Katze wohl problemlos von hinten durch die Wiesen über das Dach des alten Schuppens in den nachbarlichen Hof kraxeln. Das schaffte bereits im Juni auch unser neugieriges  Pippikind. Der Prinz und ich kamen spätabends von einer Vernissage  zurück, als wir hinter dem Hoftor an Klärchens Haus ein energisches „EO! EO!“ hörten. Das war eindeutig Pippilein, die um Hilfe rief. Unter dem Tor hindurchschlüpfen konnte sie nicht, wie bei unserem Tor, da ist kein Platz. Um das Haus kümmern sich zwei Schwestern, die in der Nähe wohnen. Das sind E., die mir öfter selbst gekochte Marmelade und Gelees bringt, und C., mit der mich eine herzliche Zuneigung verbindet.

Es war uns ein Rätsel, wie Pippi in den Hof gelangt sein konnte. Ich nahm an, daß C. im Haus gewesen war und Pippi versehentlich im Hof eingeschlossen hatte (das Pippikind ist sehr scheu, sie hatte sich wohl gut versteckt gehalten.) An diesem Abend mochte ich C. nicht so spät noch anrufen, sprach also dem Pippilein durch das Tor Trost zu (im Fahrrad-Unterstand ist sie geschützt)  und ging besorgt schlafen. Der nächste Tag war ein Samstag. Gleich nach dem Frühstück rief ich C. an und schilderte ihr die eingesperrte Pippi. C. lachte und sagte nur: „Ich komm‘“. Sie war zwei Minuten später mit dem Fahrrad da und schloß das Tor auf. Heraus schoß ein erleichtertes Pippilein, das bei C.s Anblick vor Schreck fast wieder zurück in den Hof geflitzt wäre – nicht, daß C. so ein schlimmer Mensch wäre – im Gegenteil! -, aber Pippi vermutet bei jedem fremden Menschen, sie könne gleich gefressen werden 😃 Ich war ebenso heilfroh wie mein Pippikind, daß sie wieder zuhause war. C. wehrte meinen Dank erstaunt ab – wie schon erwähnt, ist Nachbarschaftshilfe hier im Dorf eine Selbstverständlichkeit. Nun, das Pippilein war wieder da. Nur flitzte sie am Abend, als wir mit Herrn Sonntag zum Abend-Gassigang den Hof verließen, wieder raus. *seufz* Und richtig: Als wir zurückkehrten, kamen aus dem Nachbarhof die bekannten Rufe. Am nächsten Morgen rief ich C. an, die lachend kurz darauf klingelte. Der Prinz kam dazu, und wir untersuchten zu dritt den Hof, um herauszufinden, wie Pippi da hineingelangen konnte. Der kleine Schuppen zeigte sich als einzige Möglichkeit. Er ist niedrig genug, daß eine Katze von der Rückseite aufs Dach gelangen und vorne in den Hof hinunterspringen kann. Nur: das Dach steht etwas vor, also kann die Katze nicht wieder hinauf… C. schlug vor, Pippi ein Brett an das Dach zu legen, über das sie hinauflaufen könne. Der Prinz fand eins in unserem Hof. Leider ist es aber so dünn, daß es sich durchbiegt und federt, wenn es belastet wird. C. hatte die Idee, es von unten mit der grauen Mülltonne abzustützen, die ja nicht mehr genutzt wird. So bauten C. und der Prinz dem Pippilein einen Fluchtweg.

Prompt verschwand die kleine Fellnase am nächsten Abend wieder. Alles von vorn: EO-EO-Rufe aus dem Hof, ich an unserem Bad-Fenster (das in den Nachbarhof hinausgeht), dem Pippilein zurufend, es solle die Fluchtbrücke benutzen… ich hatte eine unruhige Nacht. Am nächsten Morgen rief ich zögernd C. nochmals an, die sich vor Lachen kaum einkriegte, weil mir das so peinlich war und ich mich dauernd entschuldigte. „Hab‘ dich doch nicht so, ich mach das wirklich gern!“ grinste sie und drückte mich. Pippi schien das mit der Brücke einfach nicht zu kapieren!

Aber: ich bin ja katholisch… und wir Katholiken haben den Vorteil, daß wir einen ganzen Stall voll freundlicher Heiliger haben, die man in den verschiedensten Situationen um Hilfe bitten kann 😃 Für Tiere ist – klar! – Franziskus von Assisi zuständig. Beim nächsten Pippi-Desaster setzte ich mich also mit dem heiligen Franzl in eine ruhige Ecke und bat ihn, dem Pippilein doch mal einen vorsichtigen Schubs auf das Brett hinauf zu geben. Denn der Prinz erklärte strikt, Pippi müsse das jetzt lernen, zumal ich C. bereits fünf Mal alarmiert hatte. Einmal war sogar W. gekommen, C.s Mann, der das Ganze ebenfalls zum Brüllen komisch fand. 😊

Jedenfalls: der heilige Franz scheint dem Pippikind die Lösung gut beigebracht zu haben. Sie verschwand noch einige Male, rief auch aus dem Hof um Hilfe, kam aber immer wieder allein zurück. Inzwischen ist das Ganze zur Routine geworden. Wir schauen regelmäßig nach, ob die Konstruktion noch steht.

(Gedanken am Rande: Es ist schade, daß die Sanierungskosten den Wert des Häuschens weit überschreiten würden, denn ich könnte es mir sehr gut als Praxis vorstellen. Aber das Haus hat seit Dekaden keinen Handwerker mehr gesehen, denn „es Klärche“ war für ihre strenge Sparsamkeit bekannt ;)… Das Haus hat keine Heizung, nur Öfen, und die Stromkabel…uaah, will ich gar nicht wissen…)
Jedenfalls kann unsere kleine schwarze Ausbrecherkönigin dank der „Fluchtbrücke“ jederzeit den Hof über das Schuppendach verlassen und hinten herum über die Wiesen wieder nach Hause kommen. Ich bin wirklich sehr froh über den Zusammenhalt und die Herzlichkeit der Nachbarn hier im Dorf!

Hase!

Der kleine Herr Sonntag hat Langeweile. Da es mit dem Gassi aber noch etwas dauern kann (der Prinz kocht gerade Mittagessen), sage ich zu Herrn Sonntag: „Na, dann bring deinen Ball!“, um ihm eine Freude zu machen. Sein ratloses Gesicht sagt mir, daß er keine Ahnung hat, wo der Ball sein könnte. Ich setze mich wieder an den PC. Kurz darauf stupst mich etwas am Knie an. Ich schaue unter den Schreibtisch und sehe den kleinen Herrn Sonntag. Er hat mir seinen Stoffhasen vor die Füße gelegt. Sein Gesichtsausdruck, leicht verlegen, sagt mir: „Den Ball hab‘ ich nicht gefunden, aber hier ist mein Hase, damit du nicht traurig bist.“ (Den Hasen haben wir ihm letzte Woche von IKEA mitgebracht, als Belohnung fürs Alleinbleiben ❤)

Sagte ich schon, daß unser Herr Sonntag der tollste Hund der Welt ist?! Große Liebe !!! einself!!! ❤ ❤ ❤

Herr Sonntag und der Sommer

Noch ein kurzer Zwischenbericht, my darlings, bevor ich endlich von Paxianers Besuch bei uns erzähle (der inzwischen auch schon gefühlte Jahrhunderte her ist…).

Erfreulicherweise hat ja nun doch der Sommer zu uns gefunden. Die Hunde in unserer kleinen Bloggerwelt reagieren ganz unterschiedlich auf die Wärme, wie zum Beispiel Sandra von Dreipunktecharlie und Chrissey von Kaya Bordercorgi beschreiben. Beide Blogs habe ich abonniert und damit habe ich das Vergnügen, die neuesten Berichte schon beim Frühstückskaffee lesen zu dürfen. Die langhaarige Kaya leide unter der Wärme, schreibt Chrissey. Dafür hat sie eine geniale Lösung gefunden, mit der die hübsche Kaya sehr glücklich ist. Was das ist, könnt ihr hier lesen 😃 Charlie dagegen scheint gar keine Rezeptoren zu besitzen, die ihm anzeigen, daß es warm ist, schreibt Sandra in diesem Blogbeitrag. Beide fragen danach, wie andere Hunde mit der Hitze umgehen.

Bei unserem kleinen Herrn Sonntag ist das sehr zweigeteilt. Das Pufibärchen ist ein Sonnenanbeter, er liebt Wärme. (Wärme aller Art, heißt das – deswegen kann ich froh sein, wenn ich im Winter unter der Bettdecke noch Platz bei den heißen Körnerkissen finde :D) Das schöne Wetter erlaubt es uns, die schwere Doppelglas-Terrassentür vom Büro in den Hof tagsüber mit einem Türstopper geöffnet zu halten. So können das Bärchen, die Chefin über alles und das Pippilein kommen und gehen, wie sie möchten. Das genießen wir alle sehr. Die drei, weil sie nicht ständig mit den Vorderpfoten an die Glasscheibe trommeln müssen, wenn sie raus oder rein wollen und der Prinz und ich, weil wir nicht alle zwei Minuten vom Schreibtisch aufstehen und die Tür öffnen müssen.

Der kleine Herr Sonntag also, der legt sich mit Vorliebe im Hof voll in die pralle Sonne und läßt sich braten. Da kommt wieder der Papa durch, ein spanischer Windhund. Dafür mag er sich aber überhaupt nicht gern in der Sonne bewegen, das ist ihm dann doch zu viel. Wenn das Zauberwort „Gassi“ fällt, ja, dann flippt er schier aus und kann es kaum erwarten, bis es losgeht.

Allerdings: Das kleine Häuschen, das wir gemietet haben, war früher Teil eines kleinen Bauernhöfchens, wie sie hier auf den Dörfern üblich sind. So ist der Innenhof begrenzt von ehemaligen kleinen Ställen und der früheren Scheune. Das heißt, wettertechnisch ist es im Hof geschützter als auf der Straße. Wenn wir also zur Gassirunde aufbrechen, kann die Sonne draußen auf der Straße ganz schön knallen, weil nur die Wohnhäuser etwas Schatten werfen. Das Bärchen zieht zur Schmiede rüber, um dort im Wildwuchs-Streifen hintendran seine wichtigsten pee-mails zu lesen und zu beantworten. Ab dann versucht er aber, im Schatten zu bleiben und sich so langsam wie möglich zu bewegen( Hunde-Beamtenmikado, sozusagen 😃 ) Zum Glück trinkt er viel Wasser und wir achten auch strikt darauf, daß im Hof und in der Küche immer ein voller Wassernapf für die drei steht. Die dicken Sandsteinwände halten das Haus innen kühl ( deswegen lief unsere Heizung noch bis Mitte Mai!), und es kann einen schon mal ein Hitzeschlag treffen, wenn man in den Hof hinaustritt. Aber das Bärchen liebt es, ganz windhund-gemäß, so what?

Liebe Grüße an Kaya, Charlie und Lis! ❤ ❤ ❤

 

 

Malou!

Erwähnt hatte ich sie ja schon kurz, darlings: die süße Malou, ein Mix aus Jack Russell-Terrier und Beagle. Sie gehört den Nachbarn hier und kommt täglich vorbei, um nach Eßbarem zu schauen (denn hat die typische Verfressenheit des Beagle geerbt). Malou ist durch  und durch fröhlich und freundlich, einfach bezaubernd, und sie kann sich so sehr freuen, daß man sich mit ihr freuen muß, denn sie lacht über ihr ganzes hübsches Gesicht und wedelt so heftig, daß ihr gesamter  Körper mitwackelt. Es ist ansteckend fröhlich. Der kleine Herr Sonntag hatte von der ersten Minute an keine Chance. Malou überrollte ihn förmlich mit ihrer Freude, als wir ankamen, und sofort tobten beide wild über die Wiese vor dem Haus. Jetzt kommt Malou jeden Morgen und holt ihn zum Spielen ab ❤.

Das ist Malou:

malou

Und hier toben die zwei:

MHS

Unsere  Ferienwohnung war früher die Tenne des Hofes, daher ist das Fenster im Wohnzimmer tief angebracht, weil diese Wand nicht so hoch ist wie übliche Normwände . Das heißt, daß Herr Sonntag mühelos seine Vorderpfoten auf die Fensterbank legen und hinausschauen kann (unser Hund ist ein Fensterrentner!). Er tut das immer, wenn wir Malou erwähnen, dann guckt er, ob sie draußen ist ❤ . Streit gibt es, wie gesagt, nur, wenn sie seinen Futternapf „reinigt“.

Heute früh  (Erzählung des Prinzen): Malou sitzt vor der Haustür und fiept nach ihrem neuen Freund. Herr Sonntag setzt sich vor das Bett, starrt  den schlafenden Prinzen an und fiept ebenfalls, unterstrichen mit „Whff“ ( so ein Prusten durch die Lefzen, Hundebesitzer kennen das). Prinz öffnet mühsam die Augen, Herr Sonntag fiept sehr aufregt und tänzelt unruhig umher („Malou ist draußen, du mußt mir ganz schnell die Tür aufmachen!“)  Ich schlief noch fest und bekam das nur wie von weit her mit. Wach wurde ich erst, als aus dem Wohnzimmer das Bellen erklang, das er nur macht, wenn der Prinz ihm sein Geschirr anlegt. Ich dachte, die beiden wollten eine Gassi-Runde drehen, aber als ich in die Küche wankte und nach Kaffee suchte, war der Kleine schon wieder drin. Der Prinz hatte ihn zu Malou hinaus gelassen und die beiden hatten getobt. Natürlich hatte Malou seinen Abendessen-Rest verputzt. Sein Geschirr trug er aber, darauf besteht der Prinz für den Fall, daß Herr Sonntag mal verloren gehen sollte. Denn am Geschirr hängt die Plakette mit seinem Namen und der Handynummer des Prinzen.

Wir sind froh, daß es die fröhliche kleine Malou hier gibt und Herr Sonntag so auch mal „hündischen“ Sozialkontakt hat. Zu Hause sind die anderen Hunde ja meist entweder hinter einem Zaun oder an der Leine. Und da diese Wohnung hier in mehrerer Hinsicht ideal für uns ist (ebenerdig, näher an Oldenburg als die bisherige), werden wir in Zukunft wohl häufiger hier sein.