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Die Aktion „ 20 facts about me“ habe ich im Blog von Ronja Sakata entdeckt und sofort in meiner Blog-to-do-Liste notiert, ob wohl ich keine Ahnung habe, ob ich 20 (!) Punkte über mich finden kann, die öffentlich aufschreibenswert wären. (Na, bestenfalls ergibt sich wieder ein bisschen Kontroll- und Stalker-Futter – und man soll seinen Mitmenschen ja Gutes tun : – ))

Also, here goes:

Eins

Ich habe Hyperakusie. Das ist eine (oft schmerzhafte) Überempfindlichkeit gegen laute, harte, scharfe und spitze Geräusche. Bemerkt hat das der HNO-Arzt in der saarländischen Reha-Klinik, in der ich im Sommer 2013 war. Eine Weile trug ich probeweise (sauteure) Hörgeräte, die solche Geräusche selbständig herausfiltern, das hob meine Lebensqualität beträchtlich an. Aber leider übernahm die Krankenkasse nur einen so kleinen Teil der Kosten, dass die Geräte unerschwinglich blieben. So meide ich jetzt einfach Orte wie das IKEA-Restaurant oder Ecken mit vielen Menschen, vor allem mit kleinen Kindern, die müde und weinerlich sind.

Zwei

Seit einigen Tagen weiß ich, dass ein Aberdeen-Terrier der Hund ist, den ich bisher als Scotch Terrier kannte.

Drei

Wenn ich Hunger habe, werde ich unausstehlich. Ganz, ganz ungünstig ist die Kombination Hunger – Müde – Kalt. Das hat niemand verdient, mich dann ertragen zu müssen. Fragt den Prinzen : – ))

 

Vier

Ich kenne die Regel „Iss nicht, während du etwas Viereckiges vor dem Gesicht hast (TV, PC, Auto-Windschutzscheibe)“ – esse aber trotzdem massenhaft Süßkram beim Filmegucken.

Vier

Ich finde Hugh Grant sehr sexy, wenn er tanzt und/oder auf einer Bühne steht.

Fünf

Ich bin Mitglied bei Peta und hasse Zirkusse und Zoos aus tiefster Seele.

Sechs

Ich liebe Elefanten. (Deswegen Punkt Fünf ; – ))

Sieben

Ich kann bei meinen Lieblingsfilmen ( Field of Dreams und Love, actually) ganze Szenen mitsprechen. Der Prinz lacht sich darüber kaputt – ich würde zur Mörderin, wenn mich jemand so nerven würde.

 

Acht

Ich würde so gern wieder Baseball spielen können.

 

Neun

Ich bin stark allergisch auf Fisch und Meeresfrüchte. Aber da ich eh vegan lebe, macht das nichts.

Zehn

Wenn es kalt ist, schlafe ich mit vier (ja, VIER) aufgeheizten Körnerkissen. Unter zwei Bettdecken. Mit Flanell-Schlafanzug. Und Socken. (Und Katze, oben auf allem drauf.)

 

Elf

Obwohl mir die armselige Statistik der Gewinnchancen im Lotto bekannt ist, habe ich immer noch nicht aufgehört, auf einen Gewinn zu hoffen. (mit genau dieser Naivität machen die ja Ihren Umsatz, ne? ; – ) Nun… aber ich könnte dann studieren, Anglistik oder Medizin…

Zwölf

Meine Großeltern sind seit sechs Jahren tot und ich vermisse sie immer noch schrecklich.

 

Dreizehn

Dito mein Vater (seit 32 Jahren tot).

 

Vierzehn

Ich möchte so gern wieder richtig laufen können – lange Strecken, weil ich dem Prinzen so gerne London und New York zeigen möchte.

Fünfzehn

Ich hätte gern einen Garten und ein Juliani-Schwein.

 

Sechzehn

M,,,,,.üöö ( das war Pippilotta, sie lief über die Tastatur – was sie damit über mich verraten will, müsst ihr sie schon selbst fragen, hehe)

 

Siebzehn

Ich habe eine masochistische Neigung dazu,, ausgerechnet Samstags auf die Schwachsinnsidee zu verfallen, bei IKEA Ideen sammeln oder in der Rheingalerie (Einkaufszentrum) beim Thailänder essen gehen zu wollen. Ich hab‘ da echt einen Knall.

 

Achtzehn

Hier ist Schluss. Mehr fällt mir nicht ein. Wer das Stöckchen haben möchte, hebe es auf und werfe es weiter, wie immer.

 

 

 

 

 

 

 

In der letzten Woche hatten wir einen klasse Samstag in Mainz. Wie Speyer, hat auch Mainz eine wunderbare Atmosphäre, wir mögen die Stadt sehr. Am vorletzten Samstag war mein Bruder mit seiner Frau und den Kindern bei uns, da blieben wir aber hier im Dorf und beschränkten uns auf den hiesigen Spielplatz. Wie meist, gab es zwischen Marie und Paul Gemurre und Streit, wer auf meinem Schoß im Rolli mitfahren durfte. (Ich halte mich da immer ganz salomonisch raus und lasse das meinen Bruder schlichten ; – )

Mainz, also: vor einigen Tagen sagte der Prinz zu mir: „ Ich habe in Mainz ein sehr nettes, neues Kaffeehaus entdeckt. Es heißt… eh… Lummerland.“

„Das klingt doch sehr sympathisch“, sagte ich. „Sollten wir bei Gelegenheit unbedingt erforschen.“

Am nächsten Tag mailte mir der Prinz die URL der Webseite des netten Kaffeehauses – und hier zeigt sich wieder seine Fähigkeit, Filme zu verwechseln, die bei mir schon so oft zu so viel Heiterkeit geführt hat, denn: das Kaffeehaus heißt nicht Lummerland, sondern Lönneberga : – )))) Das sei doch wurscht, meinte der Prinz gelassen, „ ich habe beides nicht gesehen.“…

Da wir Mainz wegen seiner gemütlichen Atmosphäre genauso gern mögen wie Speyer, fuhren wir am Samstag gleich hin. Wie immer, wenn lange Wegstrecken auf Asphalt oder Gehwegplatten zu erwarten sind, traute ich mich das nicht zu Fuß – soviel Kraft hab‘ ich noch nicht wieder – sondern wich auf den Rolli aus (geht in Mainz sehr gut). Das Lönneberga hat draußen zwar einen Rolli-Lift, war aber so dicht besetzt, dass der Prinz, der als Scout vorging, keine Chance für uns sah. Also frühstückten wir im Lomo (Für Mainz-Fans: Am Ballplatz), das aber leider die Toiletten im Kellergeschoß hat und sich damit – wie etliche andere gastronomische Betriebe in Worms und Speyer auch – für mich disqualifiziert hat. Leider. Denn das Essen(auch das Frühstück!) ist klasse im Lomo.

Beim Zurückbummeln zum Auto kamen wir hier vorbei, Überreste eines römischen Tempels, die Bauarbeiter 2003 bei den Buddelarbeiten für eine Tiefgarage gefunden hatten. Die Stadt Mainz hat damals glücklicherweise erkannt, was für ein Schatz da zutage getreten war, und hatte die Restmauern konservieren und für Besucher mit einem Glasboden bedecken lassen. Die Fundstelle ist heute ein Museum, großartig präsentiert. Auch für Rollipiloten, habe ich zufrieden festgestellt, ist die Ausstellung prima und leicht zugänglich. Der Verein „Initiative Römisches Mainz“ betreut die Ausstellung und ihre Besucher. Herr Michael Scherf vom Verein hat uns mit viel Liebe, Engagement und Fachkenntnis hindurch geführt. ( Danke, Herr Scherf, war toll!) Rheinland-Pfalz ist gespickt mit Resten römischer Kultur, denn obwohl die Römer auf uns, die „barbari“, herabsahen, mochten sie doch die Landschaft und das Klima hier ganz gerne. Mein Hobby und meine Leidenschaft ist eigentlich das römische Britannien, aber grundsätzlich kann man mich immer kriegen, wenn es um Römisches geht. Sobald wir zu Hause ankamen, holte ich motiviert das Lateinbuch raus, das ich faule Socke sträflich vernachlässigt habe und fand heraus, dass der Historische Verein Worms ein Buch über die Römer in Worms herausgebracht hat, das jetzt mir gehört : – )))

Am vergangenen Samstag hat uns der Prinzenvater besucht. Wir freuen uns immer sehr, wenn er herkommt. Er ist 83 Jahre alt, aber fit wie ein Turnschuh und sehr gut zu Fuß. Er hatte etwas über Speyer gesehen oder gelesen und wollte die Stadt gerne kennenlernen. Wir mögen Speyer sehr gern, wegen des mediterranen Flairs, und nutzen jede Gelegenheit, mit Besuchern hinzufahren. So waren wir in den letzten Wochen bereits mit meinen Eltern, den Kindern des Prinzen und mit der Lakritzenbruderfamilie dort.

Für mich ist das Wichtigste an Speyer die Tiramisú-Torte von Frau Nigri. Wir kennen und lieben Frau Nigri seit vielen Jahren. Ihre Tiramisú-Torte ist legendär, aber das Rezept rückt sie nicht raus. : – ) Frau Nigri ist eigentlich Deutsche, aber mit einem Italiener verheiratet. ( Wer die Torte versuchen möchte: Eiscafé Nigri, Maximilianstraße 82 ( = Fußgängerzone Speyer, Nähe Dom)). Wir gehören inzwischen zu den alten Kunden, die mit Umarmung begrüßt werden.

Natürlich gehört auch immer ein Besuch im Speyrer Dom dazu. Der Speyrer Dom wurde, im Gegensatz zum Wormser Dom, als reines Prestige-Objekt gebaut und sieht daher viel schöner aus, heller und leichter. Konrad II. hat da ganz schön angegeben: – ) – aber es hat sich gelohnt! Ich habe von Oma den Brauch übernommen, in jeder Kirche ein Kerzchen anzuzünden, und das mache ich immer noch so.

 

Vor Dom und Nigri hatten wir Papa noch zu einer Pizza eingeladen und schlossen den Tag mit einem gemütlichen Bummel durch die malerischen Nebengäßchen mit ihren vielen kleinen Läden ab. Papa war sehr angetan von dem Ausflug. Er macht das ganz gerne, sich einfach mal in den Zug oder Bus setzen und spontan irgendwohin fahren. Seit er Witwer ist, sucht er sich auch ganz gezielt Beschäftigung, die ihn geistig fit hält. Neue Orte kennenlernen, Sudokus der schwersten Klasse lösen, Englisch pauken. Papa beeindruckt mich immer wieder. In diesem Jahr hat er übrigens dem Prinzen zum Geburtstag zum ersten Mal keine Karte, sondern eine Mail geschickt. : – ) Klasse, ne?

Wow. Ein klasse Tag war das heute. Der Prinz ist 51 geworden und damit immer noch zwei Jahre jünger als ich : – ) Wie es seit vielen Jahren Tradition an unseren Geburtstagen ist, haben wir uns beide frei genommen. Ich habe den Prinzen traditionsgemäß zum Frühstück eingeladen. Heute waren wir in Darmstadt, im tollen Café Chaos. (einfach Tante Google fragen, das Café hat leider keine Webseite.) Die hier haben aber eine Webseite, und ich habe dem Prinzen für seine künftigen Frühstücke das hier geschonken. Süß, ne? : – ) Wir hatten ein sehr leckeres Frühstück im Chaos, dann dämmerte uns, dass montags ja die Museen geschlossen sind und wir daher den geplanten Vormittag auf der Mathildenhöhe streichen konnten. Doof. Dafür hatte der Prinz die geniale Idee, den Rückweg über den Spessart und den Odenwald zu nehmen. Das brachte uns eine fantastische Landschaftstour ein, entspannt und begeistert. In Seligenstadt setzen wir mit der Fähre über den Main in den Spessart. Ich war noch nie im Spessart und könnte mir gut vorstellen, da zu wohnen. „Nee. Könntest du nicht.“, sagte der Prinz. „Hast du eine Ahnung, wie das hier im Winter ist?“ Ok. Kälte ist für mich immer ein überzeugendes Argument. JAAA DOCH. Ich weiß sehr gut, dass es auch auf Mallorca kalt sein kann – ich habe auch dort im Januar schon Eis von den Autoscheiben gekratzt. Und trotzdem werde ich eines Tages dahin auswandern. Böh. *grins*
Auf der Rückstrecke durch den Odenwald sah ich den Hinweis auf Bad König. In die dortige Klinik kam ich im Dezember 2011 vom Mannheimer Klinikum zur Früh-Reha. Ich bat den Prinzen, an der Klinik vorbei zu fahren, weil ich wissen wollte, ob ich etwas wiedererkenne. Aber… nichts. Diese Zeit liegt im Nebel für mich, ich erinnere mich nur noch etwas vage an einige besonders liebe Schwestern und Pfleger. Der Prinz erzählte mir einige Dinge („hier sind wir oft entlang gelaufen, du saßest noch im Rollstuhl, ich habe dich geschoben…“), aber ich konnte mich an nichts erinnern. Ein merkwürdiges Gefühl ist das, so ein Filmriss. Dennoch: Ein großartiger Tag! (Aber jetzt ist es fast schon 23 Uhr und die Heia ruft; – ))

Na wow, werdet ihr denken, meine Lieben, hätten wir ja gar nicht gedacht, dass die Frau Lakritze lesen kann! Und dann noch Bücher…*grins*
Für mich ist das aber was ganz Tolles, weil: ich habe gerade zum ersten Mal seit Dezember 2011 wieder ein echtes Buch gelesen, eines aus Papier! Als ich nämlich am 15. November 2011 aus dem Koma erwachte, wusste ja niemand so genau, in welchem Zustand ich sein würde. Der Prinz war die ganzen vier Koma-Tage an meiner Seite gewesen und nun versuchte er, mit mir zu kommunizieren. Sprechen konnte ich noch nicht, weil ich noch den Beatmungsschlauch in der Luftröhre hatte (die Narbe von dem Luftröhrenschnitt ist inzwischen fast spurlos verheilt.) Es zeigte sich sehr schnell, dass ich alles, was man mir sagte, verstand. Ich erinnere mich an die Tage nach dem Aufwachen nur sehr vage, das Meiste habe ich vergessen. Ich lernte aber schnell, mit dem Prinzen schriftlich zu kommunizieren – ich krakelte fürchterlich unleserliche Hieroglyphen auf einen Schreibblock, die der arme Prinz mühsam entziffern musste : – ) der Prinz wollte mir so viel wie möglich helfen und brachte mir Bücher, die ich allerdings mit einer Hand gar nicht halten konnte, da Taschenbücher die blöde Neigung haben, immer wieder von alleine zuzuklappen – das erschwert das Lesen sehr! So kam der Prinz auf die brilliante Idee, dass ich es mal mit einem Kindle versuchen solle. Ich hatte mich vorher immer vehement gegen E-Books ausgesprochen, weil: Papierbuch ist Papierbuch, und nur das ist echt! So ein blödes Elektronik-Dings kommt mir nicht ins Haus! Nun, jetzt war die Situation eben anders. Es zeigte sich schnell: Lesen und das Gelesene verstehen, das klappte so gut wie vorher, zu meiner Freude auch mit dem Englischen. Das ist nicht selbstverständlich, denn ich lernte später einen Schotten kennen, der in Darmstadt lebte und Küster war. Er sprach fließend Deutsch, konnte aber nach dem Schlaganfall nur noch sein heimatliches Englisch/Schottisch sprechen – das Deutsche war aus seinem Gedächtnis gelöscht. Unheimlich, nicht?
Nun, wir haben eine Engländerin in der Lakritzenfamilie, die extra mit ihrem Mann aus Kanada kam, um mich zu besuchen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie mir schon den Schlauch aus der Luftröhre gezogen und ich hatte langsam wieder sprechen gelernt. Nun merkte ich, dass auch das Englisch-Sprechen genauso fließend lief wie vorher, keinerlei Gedächtnisverluste – ich war so erleichtert!
Ich genoss das Kindle sehr: es wiegt kaum was und das Umblättern per Tastendruck war für mich Luxus pur – versucht mal, ein Taschenbuch nur mit einer Hand zu halten und umzublättern! , – ) Bis jetzt habe ich auch nur per Kindle gelesen (außerZeitschriften und Zeitungen). Als mein treues erstes Gerät den Geist aufgab, schenkte mir mein Onkel das Nachfolgemodell, das Paper White.
Während unseres Kurzurlaubs im Bruderhaus in der Nähe der Schwäbischen Alb entdeckte ich auf dem Remittendentisch einer Buchhandlung das großartige Buch Lehrerkind: Lebenslänglich Pausenhof , von Bastian Bielendorfer. Der Klappentext reichte, dass ich mir beinahe vor Lachen in die Hose pinkelte und ich kaufte das Buch. Da es recht wenig wiegt, bekam ich vom Halten keine Krämpfe im Daumengelenk. Dafür ist es so sauwitzig geschrieben, dass ich viele, viele Lachanfälle bekam und sofort den zweiten Band lesen wollte: Lehrerkind: Lebenslänglich Klassenfahrt. Das war ebenfalls eine sehr, sehr gute Kaufentscheidung, obwohl ich jetzt doch wieder zum Kindle zurückgekehrt war ( Es lässt sich halt im Bett so gut lesen…)

Also, ich lese wieder Papierbücher! Das ist ein Fortschritt! Ok, die Seiten muss ich offen halten, indem ich etwas Gewichtiges quer über das Buch lege, und Lesen geht nur am Tisch wirklich gut, aber trotzdem.

Und Bastis Bücher lege ich euch sehr an‘s Herz! Brilliant, witzig, und sehr klug! Weitere Lesetipps folgen – da müsst ihr durch : – ))

PS: Und hier wieder der Service-Tipp für unsere neuen Mitleser: Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, den 18. Juli, zwischen 19.40 und 20.12 Uhr ABENDS/ zu Hause : – )

Haha, nein, Omma Lakritze lehnt nicht im offenen Fenster, Kissen unter den Ellbogen, und schimpft mit anderen Rentnern über „Heutzutage“. ; – )))

Nein, es geht vielmehr um eine Erkenntnis und einen Entschluss, den ich als Resultat daraus gefasst habe (fassen MUSSTE, aus Selbstschutz.)

 

Am Mittwochabend der letzten Woche  war ich im Kampfsport-Training. Und es war total klasse. Wie ich sofort sah, ist Kuk Sool Won eng mit Tae Kwon Do verwandt. Es war ein Gefühl, als käme ich nach langer Zeit nach Hause – alles so vertraut. Meister Kwon empfing mich erfreut und stellte mir netterweise einen Stuhl mitten in die Gruppe (die mich glücklicherweise sehr nett und gelassen behandelte, da sie meine Behinderung ja schon durch Daniel kennen). Daniel war übrigens leider gerade an diesem Abend nicht da. Der Dojang (= Trainingsraum) ist mit Tatami-Matten ausgelegt (weiß jemand, wie man das richtig ausspricht? Welche Silbe von „Tatami wird betont?)

Die Gruppe war schon mitten im Aufwärmtraining, und das war sooo vertraut.. sogar die Begriffe sind gleich, wie zum Beispiel das Kommando „ap-chagi“ – aber klar: Kuk Sool Won und Tae Kwon Do sind  beides koreanische Sportarten. Meister Kwon erklärte mir, ich solle einfach zuschauen und, wenn ich Lust hätte, versuchen, eine Übung mitzumachen. Dazu zeigte er mir eine Haltestange an der Wand, in meiner Schulterhöhe, zum Festhalten. Ich schaute eine Weile zu und dachte oft “Ach ja, das konnte ich ja auch mal…“ Irgendwann fasste ich Mut, griff zur Haltestange und versuchte ein paar Übungen, vor allem den ap-chagi, den ich früher ziemlich gut beherrscht habe. Aber nach wenigen Minuten des Versuchens wurde mir deutlich, wie eingeschränkt mein Bewegungsradius noch ist und wie desolat meine Balance, zumal der linke Fuß sich unter Belastung kaum kontrollieren lässt – er ist noch sehr stark spastisch, er möchte sich dauernd auf die Außenseite drehen und die Zehen haben keine Lust, gerade zu bleiben – und das A und O bei diesen Sportarten ist ja ein fester, stabiler Stand auf beiden Fußsohlen. Ich konnte mich nicht dagegen wehren, dass mir die Tränen kamen, und ich versuchte es verlegen zu kaschieren, indem ich so tat, als müsse ich niesen und husten, damit das Taschentuch in meiner Hand nicht auffiel.

Meister Kwon aber hatte mich wohl über die Spiegelwand unauffällig im Auge behalten, denn plötzlich stand er bei mir und sagte in seiner stillen, herzlichen Art: „Wissen Sie, wenn wir mit unserer linken Seite arbeiten, ist das für uns alle schwer, so wie für Sie. Sie sollten nicht frustriert sein. Üben Sie einfach weiter. Sie machen das sehr gut”. Dann klopfte er mir auf die Schulter und ging weiter. Da ging mir erst auf, wie oft ich mein jetziges Leben mit dem früheren Leben vergleiche, als alles noch gut war. Und mir wurde klar: das darf ich nicht mehr tun. Klar, ich bin weit gekommen für eine, die vier Tage lang im Koma gelegen hat, und ich bin durchaus froh darüber und zufrieden damit, was ich schon wieder alles tun kann. Aber die Vergleiche mit dem, was mal war und was ich mal tun konnte, das muss aufhören. Es liegt an mir – ich akzeptiere, was ist – oder meine Seele wird daran zerbrechen.

Ich denke, Akzeptanz habe ich schon ganz gut erreicht – es macht sogar Spaß, auszuprobieren, was ich alles noch so tun kann wie früher (wie die Geräte am Trimm-dich-Pfad und die Kinderschaukeln auf dem Spielplatz im Wormser Wäldchen).

UND: Akzeptanz darf niemals gleichbedeutend mit Aufgeben sein – denn aufgeben werde ich niemals! Ich will wieder laufen und beide Hände normal benutzen können – dafür bin ich auch bereit, sehr hart zu trainieren, und wenn es mich körperlich noch so fertig macht. „Von nix kommt nix“, sagt man bei uns im Ruhrpott, und es wird Zeit, dass ich den Kampfgeist, den ich von Mutter und Oma geerbt habe, mal zu voller Blüte erstrahlen lasse ; – )

Also, Frau Lakritze schreibt jetzt hundert Mal an die Tafel:

Ich soll mich nicht mit früher vergleichen.

Haltet mir die Daumen, dass ich das hinkriege.

 

 

P.S:Service-Hinweis

Dieser Blogbeitrag wurde geschrieben am: Mittwoch, den 16.Juli (meinem freien Tag!)

Ort/Zeit: ZU HAUSE, NACHMITTAGS : – ))))

Möööööönsch – endlich ist dieser bescheuerte Fußball-Hype wieder überstanden! Das ganze Theater hatte den Vorteil, dass der Prinz und ich im Juli ganz nett Geld eingespart haben, denn wir gehen öfter mal abends spontan essen oder tagsüber ins Eiscafé, und in allen unseren bevorzugten Gaststätten stehen Fernseher herum, weil ja in der Gastronomie allgemein der naive Irrglaube herrscht, ohne Zwangsbeschallung blieben die Gäste weg. Für uns hieß das diesen Monat, dass wir kaum ausgegangen sind, nicht mal zu unserem geliebten Thai, denn der liegt direkt an der Public-Viewing-Hölle in der Stadt.

Aber auch aus einem anderen Grund bin ich froh, dass das Theater vorbei ist: ich muss diese  grottenhässlichen Flaggen nicht mehr an den Autos sehen – und vor allem nicht mehr diese oberpeinlichen Rückspiegel-Kondome.

Dass Deutschland gestern abend gewonnen hat, habe ich daran gemerkt, dass mitten in meiner Einschlaf-Phase irgendwo im Dorf Feuerwerke losballerten.

„Jedem Dierken sein Pläsierken“, hat Oma immer gesagt, und:“Unser Herrgott hat ‚nen bunten Tiergarten.” Ich werde zurzeit mit einem Taxi-Unternehmen zur Arbeit gebracht, das gehört zum Wiedereingliederungsprogramm. Meine derzeitige Fahrerin, Paulina, ist Argentinierin – und Fußballfan. Also hat sie mich heute früh (MONTAG!!) ohne Punkt und Komma zugeschwallt mit Details zum Spiel: Wer in welcher Spielminute was gemacht und dafür welche Karte bekommen hat. Erst als sie realisierte, dass ich fast schlief vor Langeweile, wurde sie ruhig. Leute, ich labere euch doch auch nicht mit Baseball-Spielergebnissen zu…?

Ich fragte Paulina zwischen drin aus purer Verzweiflung: „Magst du eigentlich Baseball?“ – in der verzweifelten Hoffnung, das Thema wechseln zu können.

„Jaaaa!“ sagte sie begeistert. „Als ich jung war, in der Schule – da habe ich Volleyball gespielt!“*aaargh*

Ok… das nennt man wohl einen Schuss in den Ofen…morgen werde ich sie gnadenlos zulabern mit Spielergebnissen „meiner“ White Sox – Inning für Inning, die letzten zehn Jahre, denn das hat Paulina mir am letzten Donnerstag angetan, in Bezug auf Fußball (NEIN, ich weiß nicht, wer neunzehnhundertschlagmichtot im Halbfinale gegen Uruguay gespielt hat! *ächz*)

Nun – es ist vorbei, und ich bin sehr dankbar dafür. Man kann wieder unbelästigt essen gehen oder das Radio einschalten. Schön.

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