Ich arbeite mit einer Kollegin zusammen, die an sich wirklich eine sehr nette und warmherzige Person ist. Sie ist prima.
Außer, wenn sie im Mutti-Modus ist.
Diese Kollegin ist – was ja nichts Schlechtes ist – eine leidenschaftliche “Mutti”. Ihre beiden Kinder sind 22 und 26, aber sie hat das noch nicht so ganz begriffen. Sie ist ein halbes Jahr jünger als ich und bezeichnet sich auch selbst als “Mutti”.
Das ist alles gut und schön und ihre Sache, aber sie schafft es im Büro nicht, den Mutti-Modus abzustellen und geht mir und der Lieblingskollegin mit ihren Erziehungsversuchen oft auf den Senkel.
Ich komme meist mit der Bahn, wenn ich doch mal das Auto nehmen muss – seltener Fall -, dann parke ich am Rheinufer und laufe ins Büro.
Heute morgen hab ich den Zug verpasst, der normale fährt wegen Bauarbeiten nicht, also war das Auto die einzige Lösung. Fuhr vor die Uni, für’s Rheinufer war es zu spät und fragte die Kollegin, ob ich heute mal ihren Parkplatz nutzen darf. (Sie braucht ihn nur Montags.)
Als ich ihre Augenbrauen hochgehen sah, bereute ich die Frage schon. “Du wolltest ja am Rhein parken, nicht?” sagte sie im Mutti-Tonfall.
Ich hab mich dann für die Belästigung entschuldigt, meinem Chef Bescheid gegeben und das Auto schnell an den Rhein runtergebracht.
Gut, der Mutti-Modus ist eine Sache, auch meiner anderen Kollegin geht es auf den Keks, wenn sie mit uns in einem Tonfall redet, der suggeriert, wir seien sechs Jahre alt.
Er ist noch nachvollziehbar, weil die Kinder alles waren und sind, was sie hat und sie gerade dabei ist, in ein Loch zu fallen, weil die Kinder jetzt groß sind und auch der Jüngste jetzt auszieht. Da bin ich ihr nicht böse, wenn’s auch nervt.
Das andere, was ich absolut nicht verstehe, ist: wo ist das Problem, den Parkplatz für vier Stunden abzugeben, wenn man ihn doch gar nicht braucht?
Ich meine – hallo?! Da ist ein leerer Parkplatz in der Garage und ein Mensch, der diesen Parkplatz braucht. Und den gibt man jetzt nicht her, weil …? Ja, warum? Ihrer Meinung nach muss ich mich besser organisieren und damit ich das lerne, kriege ich jetzt den Platz nicht?
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: es geht nicht um den Parkplatz an sich. Es geht darum, jemandem etwas nicht zu geben, das man selbst nicht mal braucht, nur um den anderen dazu zu bringen, dass er so lebt, wie man selbst denkt, dass er leben sollte.
Das ist eine Einstellung, die ich nicht nachvollziehen kann. Und das beschäftigt mich im Moment, das Auto ist völlig wurscht.
(Die Kollegin hat übrigens sehr wohl gemerkt, dass das Scheiße war, was sie da gebracht hat.)