Abschied von Micia

So, meine Lieben, da bin ich wieder. Zeit, von Micia zu erzählen, der Guten. Am Samstag, den 21. Mai, haben wir uns von ihr verabschieden müssen. Sie war etwa 15 Jahre alt und seit Ende 2007 teilte sie unser Leben. Vor einiger Zeit (im April) begann plötzlich ihr linker Hinterlauf unter ihr wegzuknicken. Dadurch fiel sie immer wieder auf die Seite. Das machte ihr Angst und sie ließ sich nicht mehr von uns anfassen. Auch die Treppe konnte sie nicht mehr gehen, durch das nachgebende Bein fiel sie eine Stufe hinunter und rollte dann um ihre Längsachse die ganze Treppe runter. Dani war dabei und geriet außer sich, weil es ihrer geliebten „Maus“, wie sie Micia nannte, so schlecht ging. Der Prinz schaffte es jedoch, mit Ruhe (und Schinken) Micia in den Transportkorb zu locken. Wir fuhren zum Highlander rüber, der die Muskulatur entlang ihrer Wirbelsäule abtastete. An zwei Stellen zuckte sie, gab aber keinen Laut von sich. „Da hat sie Schmerzen, vermutlich eine Zerrung oder Prellung“, sagte er. Micia bekam eine Spritze mit einem Schmerzmittel und wir Schmerztabletten für die nächsten Tage, die der Prinz ihr morgens zerbröselte und ihr mit Leberwurst- Schleckpaste vermischt reichte ( das nahm sie gerne!) Schon am nächsten Morgen lief sie sichtbar besser, noch langsam, aber stabil. Wir waren natürlich sehr erleichtert und beobachteten von da an mit Argusaugen jeden ihrer Schritte. Sie hob das linke Hinterbein aus der Hüfte heraus an und brachte es mit einer Halbkreis-Drehung nach vorn. (Bei Schlaganfallpatienten nennt man dies „Trendelenburg-Zeichen“. Ich hatte es anfangs auch noch, und es dauerte Wochen, bis ich es mir abtrainiert hatte.) Aber sie lief stabil und fiel nicht mehr um, das war uns wichtig. Sie kompensierte recht geschickt. Wenn sie auf die Couch wollte, zog sie sich mit den Vorderpfoten und -krallen hoch und nutzte das gesunde Hinterbein, um sich hochzustemmen. Beim Runterspringen kam sie noch manchmal aus dem Gleichgewicht, das bereitete uns Sorgen. Aber sie lief bereits wieder draußen herum und verbrachte viel Zeit bei Dani, die sie mit dem besten Futter verwöhnte und die vor Allem stundenlang mit ihr schmuste und spielte. Micia blühte zusehends auf, da sie jetzt alle Aufmerksamkeit und Leckerli für sich allein hatte. Bei Dani durfte sie auf der Couch liegen und fernsehen (Dani suchte ihr extra Tiersendungen heraus! :)).

Dann, irgendwann, tauchte ein riesiger schwarzer Kater in Danis Garten auf. Er war menschenscheu und flüchtete vor Dani. Micia allerdings verjagte ihn sehr wütend, mehrere Male (Wir haben ihn nie zu sehen bekommen, aber Dani hat von ihrem Wohnzimmer freie Sicht in den Garten und erzählte uns alles).

Am Morgen des 21.Mai, ich schlief noch, hörte ich Micia sehr laut rufen. Mein schlafbetüddeltes Gehirn interpretierte den Ruf als „ Hey! Dani hat mir kein Frühstück gemacht! Die pennt noch!“ Ich grinste und schlief weiter. Da stand der Prinz an meinem Bett und sagte: „Schatz – Micia geht’s nicht gut…“

Sie lag auf dem Bettvorleger vor seinem Bett und mauzte mich kläglich an – ungewöhnlich, da Micia eher eine stille Katze ist. Sie wirkte verängstigt und angelte mit den Pfoten nach meiner Hand. Sie wollte eindeutig, dass ich bei ihr bleiben sollte. Sie rollte sich auf den Rücken, dabei plumpsten ihre Hinterläufe mit einem unangenehmen Klacken auf die Bodendielen. Sie schrie auf. Das geschah noch einige Male. Dann versuchte sie, in ihr Schlafbettchen zu gelangen. Sie richtete den Oberkörper daran auf und versuchte, sich hinein zu ziehen. Aber sie konnte die Pfoten nicht strecken, diese knickten immer wieder ab. Da realisierten wir entsetzt, dass ihre Hinterläufe gelähmt waren. In ihrer Verzweiflung biß sie in meinenZeigefinger. Ihre Reißzähne waren verdammt scharf und die Wunde blutete recht stark. DerPrinz kam dazu und legte Micia in ihr Bett (das sie nach Bärchens Tod ganz selbstverständlich übernommen hatte). Ich desinfizierte die Wunde, während der Prinz Tierarztpraxen anrief und eine suchte, die uns am Samstag Morgen empfangen würde. Er fand eine, und zwar die, die vor einigen Jahren unsere „Weihnachtskatze“ gerettet hatte. Micia driftete zwischen Wachsein und Bewusstlosigkeit hin und her. Wir informierten Dani,die uns ein Tuch mitgab, damit Micia im Transportkorb vor dem kalten Wind geschützt war. Wir fuhren mit der ängstlich mauzenden Micia nach Ludwigshafen. Vor der Praxis sahen wir sofort: Die Treppe war für mich nicht zu bewältigen. Aber pandemiebedingt durfte sowieso nur eine Person pro Tier hinein. Als wir das Tuch vom Transportkorb nahmen, lag Micia bewusstlos da und atmete sehr schnell und flach. Es war eindeutig: Sie hatte sich auf den Weg gemacht… „Die Fahrt hätten wir ihr ersparen sollen“, sagte der Prinz traurig. Wir verabschiedeten uns von unserer Chefin… Er ging mit Micia hinein, ich blieb im Auto und wartete. Nach einigen Minuten kam eine WhatsApp-Nachricht von ihm: „Sie schläft jetzt“. Also lag sie in Narkose, dann würde es jetzt wohl schnell gehen. Ich schrieb Dani und benutzte sogar ein Wort, das für mich zu den „“Unworten“ gehört: „Sie geht gerade über die Regenbogenbrücke.“ Und fragte gleich:“Dürfen wir sie neben Pippi beerdigen?“ Dani schickte ein weinendes Emoji und schrieb „Ja, natürlich.“ Im übernächsten Auto sah ich am Steuer einen Mann sitzen, dessenFrau/Beifahrerin kurz vorher ebenfalls mit einem Transportkorb in die Praxis gegangen war. Ich sah, wie er auf sein Handy schaute und sich die Augen rieb. Da kam auch schon der Prinz mit der toten Micia und wir fuhren still zurück. Dani erwartete uns schon. Weinend streichelte sie ihre tote Freundin. Wir umarmten uns und weinten gemeinsam um unsere hübsche Streifenkatze. Am Nachmittag hob Dani für Micia ein Grab gleich neben Pippi aus, unter einem weißen Rosenbusch. Wie Pippi, hüllten wir auch die Chefin in ein Stück Baumwollstoff. Dani gab ihr das Stück Schnur mit,mit dem die beiden lange und intensive Fangspiele gespielt hatten. Sie legte ihr die Schnur zwischen die Vorderpfoten. Als das Grab zugeschüttet war,saßen wir noch lange in Danis Küche bei Kaffee, Wein und Aperol und tranken auf die schönen Jahre mit unserer Chefkatze. Sie fehlt uns sehr und wir sprechen oft von ihr. Ohne Le Bär, Pippi und Micia ist das Haus leer und mir fehlen die drei entsetzlich. Aber ein anderer Hund wird erst einziehen, wenn der Prinz im Ruhestand ist und mehr Zeit für den Hund aufbringen kann. Er ist ein workoholic und war oft einfach zu kaputt, um Le Bär den Auslauf geben zu können, den er brauchte (deswegen hat er immer noch ein schlechtes Gewissen). Und bei Katzen hat es sich erwiesen, dass die die Besten sind, die sich uns aussuchen, wie es Micia getan hat. Micia, das können wir guten Gewissens sagen, hat sich uns ausgesucht und wir hatten 15 schöne Jahre miteinander. Nun wollen wir es nicht erzwingen – wir möchten sehr gern wieder eine Katze haben. Aber wir wollen warten, bis es sich wieder ergibt. Wenn es sein soll, wird wieder eine kommen, da sind wir uns sicher. (pssst… so ganz im Geheimen hoffen wir auf den großen schwarzen Kater ;))

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