Le morte du Bär (Teil 1)

So. Hier kommt nun der Bericht zu Bärchens und Pippileins Tod, ihr Lieben. Ich habe schon mehrere Anläufe genommen, daher die lange Stille – es tat und tut einfach zu weh. Wir versuchen uns daran zu gewöhnen, in einem Tag ohne Bärchen klarzukommen (und ich in Nächten ohne eine kleine schwarze Katze auf meinem Bauch).

Dass der Pupsibär nicht mehr lebt, hatte ich ja schon kurz geschrieben. Nach dem Zusammenbruch an Ostern hatten sich seine Nieren ganz gut nochmal erholt, er hatte sogar zugenommen (mit einer süßen kleinen Speckfalte im Nacken). Aber obwohl wir seine Diät streng einhielten – so schwer es uns manchmal auch fiel -zeigte er vor wenigen Wochen wieder Anzeichen, daß seine Nieren sich nicht ganz so gut erholt hatten wie gehofft. Am 17.November fiel uns auf, daß er nicht mehr fressen wollte, daß ihm die Futterbrocken einfach aus der Schnauze fielen. Er magerte ab und wurde erschreckend schwach. Nur seine „Praline“, wie der Prinz es nannte, seine Goldrute-Tropfen für die Nieren und die Tablette fürs Herz, dargereicht auf einem Stückchen Brot mit Leberwurst, die forderte er jeden Morgen unerbittlich ein (Hey – LEBERWURST! Das erlaubte die Ärztin sogar…) Aber oft stand er einfach da und starrte vor sich hin, während er wie betrunken hin und her oder vor und zurück schwankte…Er konnte nur noch ganz langsam in kleinen tapsigen Schrittchen gehen. Es tat weh, ihn so zu sehen. Dann begann er wieder schrecklich aus dem Maul zu riechen, u.a. nach Urin. Er schlief viel und suchte ständig unsere Nähe. Er verlor zunehmend die Kontrolle über seine Blase, plötzlich tauchten überall Pfützen auf, für die er sich schämte. Das zerriß uns schier das Herz, wir trösteten ihn und wischten es einfach weg. Wir gaben ihm so viel Liebe und Zärtlichkeit wie nur möglich. Das genoss er zwar, aber er schlief sehr viel. Jeden Tag wurde er schwächer und elender. Das tat uns unbeschreiblich weh. Schließlich riefen wir die mobile Tierärztin an, um sie um ihre fachliche Einschätzung zu bitten, ob wir das Pupsibärchen erlösen sollten. Sie untersuchte ihn und erklärte, der Bär fühle sich zwar wohl elend und ihm sei übel, aber er habe, soweit sie es beurteilen könne, keine Schmerzen. Daher sehe sie noch keinen Grund zum Einschläfern („das setzt mir auch immer zu“, gestand sie). Heute, im Nachhinein, wissen wir, dass es ein guter Zeitpunkt gewesen wäre, denn es war eigentlich allen klar, dass er unheilbar todkrank war. Nur der Prinz und ich klammerten uns noch an einen Hoffnungsschimmer (den es in Wirklichkeit nie gegeben hat). Am folgenden Abend fanden wir auf seinem Schaffell einen handtellergroßen Blutfleck, den wir uns nicht erklären konnten. Die Blutflecken tauchten immer öfter auf, kleiner als der erste, aber dicht an dicht verteilt auf dem ganzen Fell. Der Prinz vermutete, das Blut komme aus der Schnauze, aber der Bär ließ ihn nicht hineinsehen. Zu diesem Zeitpunkt trug der Prinz das Bärchen jeden Abend die Treppe hinauf ins Schlafzimmer und morgens wieder hinunter, weil der Kleine ruhiger war, wenn sein geliebtes Herrchen bei ihm war. Da der Prinz um sechs Uhr aufsteht, bin ich in den letzten Wochen mit aufgestanden, obwohl ich um diese Uhrzeit zu nichts in der Lage bin. Aber der Bär hätte, sobald der Prinz aus dem Haus war, nach mir gesucht und sich die Treppe hoch geschleppt… und ihn mit nur einem aktiven Arm runtertragen- das wäre mir nicht möglich gewesen. Also war ich um sechs unten und verbrachte den Tag mit dem Herzenshundi, der vor Erschöpfung fast die ganze Zeit schlief, selbst wenn ich Ergo- oder Physiotherapie hatte.  Pippi saß oft mit hängendem Kopf bei ihm. Wir sahen immer wieder, daß ihm rote Speichelfäden aus dem Maul tropften. Am Freitag (26.11.) rief der Prinz die Tierärztin nochmals an. Sie sagte, sie sei allein in der Praxis, ihre Helferinnen seien krank, aber der Prinz könne mit dem Bärchen gern kommen. Sie habe noch eine Not-OP und könne nicht weg. Der Prinz sagte im Büro alles ab und kam nach Hause. Er nahm den Korb mit dem verdutzt dreinblickenden Bärchen und fuhr los Richtung Praxis (diese ist im Tierheim integriert). Am Mittag rief er an. „Sie sagt, es habe keinen Sinn mehr“, sagte er. „Das Maul ist voller blutiger Geschwüre, und er hat jetzt Schmerzen. Sie kann ihm nochmal ein Antibiotikum spritzen, aber das wäre nur eine Verlängerung seiner Qual. Wir sollten ihn erlösen.“ Damit hatten wir gerechnet, so fiel die Entscheidung zwar schwer, aber in Übereinstimmung. Nur: Ich saß ja zu Hause und hatte keine Möglichkeit, schnell hinfahren zu können (Dani hatte Spätschicht und war nicht zu Hause). Wir beschlossen, daß der Prinz ihn im Arm halten solle. Ich weinte sehr und rief meine Schwester an, die mich liebevoll auffing <3.  Bärchens Nieren hatten ihre Arbeit eingestellt. Da sie ihren Job, nämlich das Ausfiltern und Ausleiten von Harnsäure und Harnstoff, nicht mehr erledigen konnten, versuchte Bärchens Körper, diese Substanzen anderweitig auszuscheiden, nämlich über die Haut und die Schleimhäute. Daher roch er auch öfter nach Urin und die aggressiven Substanzen verursachten die blutigen Geschwüre in der Maulschleimhaut. Am letzten Tag wollte er gern noch etwas fressen, konnte die Futterbrocken vor Schmerzen aber nicht im Maul halten. Der Prinz ging wieder zurück in die Praxis. Da er einen Sondertermin hatte, war das Wartezimmer leer. Dorthin zog er sich mit Bärchen zurück, den er auf einer Decke auf dem Schoß hielt. Die Ärztin legte Bärchen in eine Narkose (der Prinz sagte, er habe seine Erleichterung spüren können). Die übliche Spritze ins Herz wollte sie gern umgehen, daher suchte und fand sie am Vorderlauf eine Vene, in die sie behutsam Narkosemittel nachspritzte, bis das Bärchenherz einfach stehenblieb. Der Prinz sagte, der Bär habe noch einmal tief geatmet, dann habe sich sein Körper ganz entspannt und er habe sogar zufrieden ausgesehen. Jetzt, wenn wir darüber sprechen, sind wir innerlich ruhiger, weil so klar ist, daß wir Bärchen mit der Euthanasie einen Gefallen getan haben. Denn auch das gehört zu der Verantwortung, wenn man ein Tier zu sich nimmt: ihm zu helfen, wenn es das selbst nicht mehr kann, und es gehen zu lassen, wenn die Qual zu groß wird, statt egoistisch festhalten zu wollen aus falsch verstandener Liebe… Der Prinz legte Bärchen in seinen Korb und brachte ihn nach Hause.  Hier verbrachten wir noch einige Stunden mit ihm, der noch so frisch und lebendig wirkte, als schlafe er nur. Wir informierten Dani, dass wir noch am Nachmittag mit ihm nach Woquard fahren wollten, um ihn da zu beerdigen, wo er am glücklichsten war.

Teil 2 findet ihr hier

Ein Kommentar zu “Le morte du Bär (Teil 1)

  1. Sonst stille Leserin, aber nun ein mitfühlender Kommentar
    Ich kann so so gut nachempfinden, was Ihr gerade durchmacht.
    Viel Kraft und Stärke für Euch, sowie ein gesegnetes, froh- und mutmachendes Weihnachtsfest wünsche ich.
    Bea

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s