Ein Abschied technischer Art

steht uns bevor, meine Lieben: unser treuer kleiner Nissan Note hat es nicht mehr über den Tüff geschafft. Es sind nicht nur die 378.000 Kilometer auf dem Tacho, sondern viele kleinere „Alterserscheinungen“ wie Leuchten, Bremsen, Auspuff, etc. Das erklärte uns Franz, ein guter Bekannter hier aus dem Dorf, der vor seiner Rente KFZ-Meister war und der aus Liebe zum Schrauben, Tüfteln und Reparieren immer noch kleinere Sachen an Autos repariert. Er hat in den letzten Jahren unsere Autos über den Tüff gebracht: erstmal geprüft, welche Mängel da sind, das notwendige Material gekauft, alles in Ordnung gebracht und das Auto zur Überprüfung gefahren. Franz hat einige Jahre selbst beim Tüff gearbeitet und kennt die Abläufe dort genau. Nachmittags hat er uns das Auto dann mit neuer Tüff-Plakette vor die Tür gestellt und den Schlüssel samt Rechnung in den Briefkasten geworfen. Nur diesmal mußte er uns erklären, daß unsere Zeit mit unserem kleinen silberfarbenen Begleiter dem Ende zugeht.

Wir hatten das schon geahnt und waren nicht überrascht. Nur wehmütig sind wir. Wie oft hat der Kleine uns zuverlässig und ohne eine Panne von Rheinland-Pfalz nach Niedersachsen gebracht – zuerst ins Ammerland, nach Harkebrügge, später nach Ostfriesland… Der Prinz hatte für alle Fälle schon darüber nachgedacht, welches Auto als Nachfolger in Frage kommen könnte. Wichtig ist, daß der Rolli in den Kofferraum passt… und der Prinz träumt schon lange davon, auf dem elend langen „Ostfriesenspieß“ (der A 31) einfach den Tempomat einschalten zu können, während ich mich nach einer Sitzheizung sehne. Franz versprach uns, sich umzusehen. Allerdings war Dani, das Energiebündel, schneller. Sie wußte, daß einer ihrer Arbeitskollegen sein Auto verkaufen möchte, und rief ihn sofort an. Er schickte ihr umgehend einige Fotos, die wir recht ansprechend fanden.

Das Auto ist ein schwarzer Mazda 5, den Friedhelm wegen „Änderung der Lebensumstände“ verkauft. Letzten Samstag kam er mit dem Auto zu uns. Dani kochte Kaffee. Lange saßen wir zu viert in ihrer Küche und redeten über Gott und die Welt. Eine Probefahrt mit dem Mazda begeisterte uns: Ich kann wegen der höheren Sitze viel besser ein-und aussteigen, die hinteren Türen sind Schiebetüren (ebenfalls ein langgehegter Wunsch des Prinzen). Und jaaa! – er hat einen Tempomat und Sitzheizung!! eins!elf! Morgen, am Samstag, fährt Dani den Prinzen nach Darmstadt (dort wohnt Friedhelm), damit unser neuer Mitbewohner hier einziehen kann (bzw. auf meinen Behindertenparkplatz vor dem Haus). Nein, ich fahre nicht mit, denn dem Bärchen geht es derzeit nicht gut und wir möchten nicht, dass er länger allein im Haus ist (seine Nieren scheinen wieder Probleme zu machen). Den kleinen Nissan würde ich gern verschenken – Danis Enkel (17), der bei ihr lebt, macht gerade seinen Führerschein. Aber der Prinz wandte ganz richtig ein, daß der Kleine nicht mehr über den Tüff kommt. Und was soll ein Führerscheinanfänger damit? Das stimmt natürlich. Also wird ihn wohl für sehr kleines Geld jemand kaufen, der ihn zum Ausschlachten nutzen wird. Scheußlich. Ich fühle mich wie eine Verräterin. Kennt ihr das Gefühl?

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