Die Whisky-Jungs

So, wie kürzlich angekündigt, my dearies, kommt hier die Geschichte, wie der Prinz und ich neue Freunde im Norden gefunden haben, nämlich die Whisky-Jungs, wie wir sie für uns nennen:

Das war schon im letzten Sommer, im August 2020. Wir drei waren auf dem Deich am Campener Leuchtturm unterwegs, mit Rolli. Kurz hinter dem Leuchtturm, Richtung zu uns rüber, steht eine Aussichts-Sitzbank, daneben eines dieser Bezahl-Ferngläser, mit denen man für 50 Cent weit übers Watt schauen kann, und eine touristische Schautafel, die einige Wattvögel und -pflanzen erklärt. Schon auf dem Hinweg Richtung zu uns (also nach Upleward) sahen wir im Vorbeilaufen auf der Bank drei Männer sitzen, die etwas aus kleinen Gläschen tranken und sich ruhig miteinander unterhielten. Ah, dachten wir, die haben Schnaps dabei, coole Idee. Bei Upleward geht der Prinz immer hinauf auf „unseren“ Deich und macht ein Watt-Foto, immer von der gleichen Stelle aus in die gleiche Richtung (wie Auggie in dem Film „Smoke“ das an seiner Ecke in Brooklyn tut). Danach gehen wir dann immer den Deich entlang zurück, bis Campen, und fahren nach Hause. Diesmal sahen wir, dass die Männer immer noch auf der Bank saßen. Der Prinz und Le Bär gingen einige Schritte voraus, da an dieser Stelle der Weg zum Parkplatz etwas abschüssig ist und ich da lieber langsamer rolle. Als ich an der Bank vorbeikam, konnte ich meine große Klappe nicht halten und sagte scherzhaft: „Na – also, ohne mich trinken, das geht ja wohl mal gar nicht!“ Wie angestochen schoß der außen Sitzende hoch und sagte eilig: „Ja – bitte, setzen Sie sich doch zu uns!“ Oh je, dachte ich, jetzt habe ich sie in Verlegenheit gebracht… und ich wollte auf keinen Fall aufdringlich sein, also lachte ich: „Nein, nein, danke – alles gut! Ich habe nur Spaß gemacht. Wir sind schon auf dem Rückweg, da unten steht unser Auto!“ Aber das ließ er nicht gelten: „Nein, wirklich – Sie dürfen sich gern zu uns setzen und etwas mittrinken. Sie sie sind herzlich eingeladen!“ Und in verschwörerischem Tonfall fügte er hinzu: „Wir trinken Whisky!“ Das gab den Ausschlag. „Ooh, Whisky!“, sagte ich erfreut. „Welchen haben Sie denn?“ Er strahlte. „Wir haben Ardbeg ten.“ „Ach nee, wie praktisch“, lachte ich. „Ardbeg ist der Lieblingswhisky meines Lebensgefährten!“ Und gerade da kam dieser, mit Hund an der Leine voran, schon auf uns zu. Er wollte sehen, wo ich so lange blieb. „Wir sind auf einen kleinen Whisky eingeladen!“, rief ich ihm entgegen. „Es gibt Ardbeg.“ “Ooh“, strahlte der Prinz. „Ardbeg! Meine Lieblingsmarke.“ Das freute unsere drei neuen Bekannten sichtlich. Der, der mich eingeladen hatte, goß uns schnell etwas in formschöne kleine tasting-Gläschen ein. Ardbeg ist (war) nicht so ganz mein Geschmack, und ich nippte nur etwas. Der, der mich eingeladen hatte (Machen wir es kurz: er heißt Rolf) bot mir noch eine zweite Marke an, die ich nicht kannte. „Ist der getorft oder ungetorft“? fragte ich und erntete damit ein entzücktes Strahlen auf allen drei Gesichtern. Mit der kann man über Whisky reden! Einself! Nur Rolf war etwas verlegen, weil sie nur getorften Whisky dabei hatten. Aber egal, wir waren mit den drei wirklich sehr netten und offenen Männern schnell in einem angeregten Gespräch. Die beiden anderen stellten sich als Uwe und Thorsten vor. Der Bär forderte und erhielt viel Aufmerksamkeit und wir redeten über Ostfriesland und Schottland, das alle drei recht gut kennen (sie haben mehrere Whisky-Seminare auf Islay mitgemacht, das ist die Insel, von der so bekannte Marken wie Laphroaig stammen (den ich inzwischen sehr liebe). Alle drei kennen unser Woquard, da sie alle in der näheren Umgebung wohnen. Sie treffen sich regelmäßig auf dem Deich oder unternehmen etwas zusammen, viel mit dem Rad. Wie es im Norden üblich ist, waren wir schnell beim „Du“. Gerne hätten wir die drei zu uns eingeladen, zu einem Whisky-Abend auf der Terrasse vor dem Berber-Ofen, den ich mir vor Jahren angeschafft habe und den wir letztes Jahr ins Lüttje Huus mitgenommen hatten. Aber die Corona-Regeln waren da noch sehr streng, so verlegten wir das Treffen in eine noch nicht absehbare Zukunft, „Wenn man sich wieder treffen darf“…

Seitdem waren wir oft auf dem Deich, haben aber die Jungs nicht mehr gesehen. Vermutlich haben sie sich wegen der Pandemie auch nicht mehr so oft getroffen. Dafür haben der Prinz und ich uns im letzten Urlaub mal auf die besagte Bank gesetzt. Da wir uns angewöhnt haben, auch immer etwas Whisky dabeizuhaben, machten wir dieses „Selfie“:

und schickten es mit lieben Grüßen an Rolf. Seine Antwort kam prompt: „Das gibt’s doch nicht!“ schrieb er. „Vorhin sind meine Frau und ich noch mit dem Fahrrad über den Deich gefahren, aber wir haben euch nicht gesehen. Wir müssen uns bald treffen!“ Wir stimmten zu und versprachen, uns zu melden, sobald wir wieder „oben“ sind. Das wird jetzt bald wieder sein – in den ersten zwei Augustwochen sind wir wieder „zu Hause“, wie wir es nennen. Denn genau so empfinden wir es. Und wir freuen uns schon wie verrückt.

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