Se Unterschied

Wer hier schon länger mitliest, weiß, daß ich unheilbar anglophil und ein ergebener Fan der englischen Königin bin. Kürzlich fiel mir wieder einmal auf, daß ich nicht nur rasend schnell älter werde, sondern sozusagen bereits eine Omma bin 😀 Ich hatte mir bei Juhtjup eine Doku über die inzwischen seit unfaßbaren 70 Jahren anhaltende Ehe zwischen Her Majesty und HRH The Duke of Edinburgh (also Prince Philip) angeschaut. Dazu gab es Filmausschnitte aus Nachrichtensendungen, die Her Majesty  im Laufe der Jahre zusammen mit anderen Staatsoberhäuptern zeigten. Dabei war auch ein sehr kurzer Ausschnitt, in dem sie mit Helmut Kohl sprach, seines Zeichens peinlichster deutscher Politiker ever (abgesehen von den Clowns der NSAfD). Der Kohl-Ausschnitt ist sehr kurz, man hört ihn aber im Hintergrund sprechen, wie er Her Majesty erklärt: „Se Unterschied is in se Bildung.“ Doch, ganz ehrlich! Das ist ein wörtliches Zitat! Die Dolmetscherin schaut da auch etwas verzweifelt drein, übersetzt es dann aber wohl irgendwie. Lustig wurde es, als ich in den Kommentaren zum Video die Frage las: „Stimmt es, dass Kohl kein Englisch konnte?“ Diese Frage schien mir von einem jüngeren Menschen zu kommen, der Kohl nicht mehr live erlebt hat. Das gab mir das „Boah, bin ich alt!“ – Gefühl.
Allerdings kommt in mir, wenn ich „se“ statt „the“ höre, immer so ein „Boah, ich will dich umbringen!“ – Gefühl hoch. Der Prinz weiß das, und wenn er in alberner Stimmung ist und mich ein bißchen foppen will, dann erzählt er mir was auf Englisch, und zwar, indem er alles Wort für Wort übersetzt. Das ist Absicht, und er lacht immer sehr, wenn ich mich dann in Qualen winde, entsetzt „Oh mein Gott!“ flüstere und ihn anflehe: „Bitte, Schatz, sag sowas niemals, wenn Muttersprachler dabei sind – BITTE!“ „Na, mal sehen“, grinst er dann und zieht schonmal den Kopf ein, falls ich mit Gegenständen werfe 😀

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Ein Kommentar zu “Se Unterschied

  1. Liebe Frau Lakritze, auch ich würde mich als anglophil bezeichnen, auch bei mir sträubt sich das Nackenhaar, wenn ich höre, wie das „ti-äitsch“ in ein „zz“ verwandelt wird und jemand mit schöner Selbstverständlichkeit seine deutschen Gedanken schmerzfrei ins Englische überträgt, aber …
    Vor Jahren verbrachten wir regelmäßig einige Tage in Kent in unserem Lieblings-B&B, bei unserem Lieblingsgastgeber, der sich sehr gerne mit dem Lieblingsmann über Fußball und andere Männerthemen unterhielt. Die Herren verstanden sich prächtig, auch wenn beim Lieblingsmann in Bezug auf Aussprache, Satzbau und Wortwahl einiges im Argen lag. Kommunikation ist das Zauberwort, die Natives sind da sehr tolerant und freuen sich über die Bereitschaft des Gastes, in ihrer Sprache zu kommunizieren. Sie erwarten keine perfekten Sätze, sie helfen zwanglos, wenn das Gegenüber nach passenden Wörtern sucht.
    Das haben wir so immer wieder erlebt bei unseren zahlreichen Urlauben auf der Insel.
    Herzliche Grüße und „make it goodly“ 🙂

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