Ostern im Lüttje Huus (Nachtrag)

Wieder war es eine gute Entscheidung, erst nachmittags zu fahren, denn wir kamen am 11.April ( Donnerstag) gegen Mitternacht im Lüttje Huus an, völlig streßfrei, über eine leere Autobahn. Herta hatte schon die Heizkörper aufgedreht (sie ist wirklich ein Goldstück!). Ralf, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG,) hatte uns kurz vorher per Mail die Info geschickt, daß die IG-Mitglieder am Samstag eine Fahrt durchs Dorf machen und Material für das Osterfeuer (Grünschnitt, Holzreste…) einsammeln wollten. Darauf freute sich der Prinz schon. Die Leute in der IG sind, wie der Prinz sagt, „eine lustige Truppe“. Der Traktor mit dem Anhänger fuhr von Haus zu Haus (bei eisigem Wind!) Auf dem Hänger saßen frierend die Sammler, meist schon auf Haufen gesammelten Brennmaterials. Die Spender legen ihr Material vor ihrem Haus ab (und sind dankbar, es so leicht loszuwerden). Es besteht die Übereinkunft, daß die Sammler das Grundstück selbstverständlich betreten dürfen, um das Zeug auf den Anhänger zu laden. Ist alles eingesammelt, geht es weiter zu dem Feld, das Tinus für das Osterfeuer zur Verfügung stellt. Dort schichten die Sammler das gesammelte Zeugs zu einem riesigen Haufen auf (etwa drei mal fünf Meter Grundfläche, die Höhe kann ich schlecht schätzen, ist aber wesentlich höher als ich!).

Anschließend an die harte Arbeit trafen sich alle noch mal „kurz“ im Gemeindehaus, das nur wenige Schritte vom Lüttje Huus entfernt steht. Dort gab es, wie der Prinz mir erklärte, als er in seinen Mittagsnickerchen – Sessel sank, „Gansch viele Jägermeischder“. (wie ich später herausfand, waren darunter wohl auch etliche „Kurtsche“ 😀 😀 😀

Am Freitag kam Herta, wie sie das oft tut, zum Tee herüber. Da sahen wir Ralf, den Vorsitzenden der IG, zu Hertas Haustür laufen. Der Prinz öffnete schnell das Fenster. „Ralf? Herta ist hier bei uns“, rief er. Ralf drehte um und kam schnell zurück. In schnellem Platt regelten er und Herta noch einige Details zu ihrem Feuer-Beitrag. (Ich bin gerade dabei, Plattdüütsch zu lernen, aber Herta redet mir noch zu schnell 😉 )

Nach der Sammelaktion sollte es für alle etwas zu Essen im Gemeindehaus geben, um 12 Uhr.

„Hör mal, Ralf“, sagte ich, du kennst den Ablauf doch – gibt es für mich eine Möglichkeit, irgendwo zu helfen, auch mit einer Hand? (Denn selbstverständlich wissen hier alle 180 Nachbarn Bescheid, daß die Frau, die jetzt in Beckmanns Haus wohnt, einen „Gehirnschlag“ hatte und deswegen behindert ist). Das war nicht soo klug von mir, denn der arme Ralf wurde tödlich verlegen, wand und wand sich und wußte nicht, was er sagen sollte. Hier in unserem Wormser Dörfchen gehen die Leute inzwischen ganz natürlich mit mir um, ohne Verlegenheit. Herta bemerkte Ralfs Not, kam zu mir, stupste mich an und sagte lächelnd: „Du – ich mach‘ da nix!“ Ich sagte zu Ralf: „Ach, weißte – ich komm einfach rüber und guck mal, was ich tun kann.“ Ralf war sehr erleichtert. Wie sich aber herausstellte, hatte die IG bei einem Metzger Gulaschsuppe für alle bestellt. Diese gab es – pfuiba! – in Plastikschüsseln, so daß Geschirrspülen wegfiel. Dann wurde es düster und stürmisch draußen und es gab erstmal Schnee, dann Hagel. Einfach nur widerlich. Der Prinz schaute kurz bei mir rein und sagte: „Willst du wirklich rüberkommen? Die sitzen alle draußen!“ Damit war das Thema für mich erledigt 😀

Es war auch niemand böse, daß ich mich bei diesem Wetter vornehm zurückhielt.

Der Prinz hatte mir eine Portion der Gulaschsuppe mitgebracht, aber der Koch hatte viel Paprika hineingetan und Paprika ist für mich das widerlichste und überflüssigste Gemüse unter Gottes Sonne.) Ein ekelhafter Geschmack! (*winkt mit einem Broccoli zu Herrn Norden rüber*) :D)

Zum Glück ißt der Prinz das gerne und kümmerte sich um meine Suppe.

Am Samstag waren wir noch bei Edda und Tinus eingeladen – und ich bin hingelaufen! Das klingt wohl großartiger, als es ist. Ein normal laufender Mensch geht die Strecke – rund 250 Meter – wohl in fünf Minuten – zehn, wenn er gemütlich langsam geht. Ich habe 40 Minuten gebraucht. Ok, das Bein war müde, weil wir gerade vom Deich kamen, aber der Weg erschien mir dennoch sehr lang. Edda und Tinus drückten und küßten mich und sagten mir, sie seien sehr stolz auf mich hach Das tat gut! Edda machte Tee, für den ich sehr dankbar war. Dazu gab es Zitronenkuchen und Mandelkekse und ich schlug ordentlich zu 😀 Das Wetter war warm und sonnig – sensationell! Gut zwei Stunden lang saßen wir auf der Terrasse und beobachteten die Vögel in der großen alten Eibe, in und unter der Tinus ihnen Futter-und Nistplätze anbietet. Der Prinz und ich beschlossen, im Garten des Lüttje Huus ebenfalls Nistkästen aufzuhängen. Auch ein „Insekten-Hotel“ haben wir geplant, und ich hätte dazu gern einen Nistkasten für Fledermäuse.

Hier in unserem Wormser Häuschen kommen die Vögel trotz Futterangebotes nicht in den Hof, weil da Micia und Pippi herumlaufen. Umso mehr freue ich mich auf lange gemütliche Sommerabende auf der Lüttje-Huus-Terrasse!

Nach Tee und Süßkram fühlte ich mich gut genug, um den Weg von Tinus‘ Hof zu uns nochmal zu laufen. Und schaffte es auch gut!

Dann kam der Karsamstag und mit ihm mein Cousin Mike mit Frau, Tochter und seinem Vater (Hans ist für mich ein großer Bruder; sozusagen das „Gegenstück“ zu Gerrit, dem Bruder meines Vaters, der im letzten Jahr starb, nur eben auf der mütterlichen Seite.)

Noch vor unserer Abreise zum Lüttje Huus hatten der Prinz und ich hier im Wormser OBI eine ganz flache Duschtasse, eine Duschentür und eine Duschenwand für‘s lüttje Huus bestellt, zum Abholen bei OBI in Emden. Große Überraschung: Der Emder OBI lieferte uns den Bausatz per Spedition bis an die Haustür. DAS nenne ich mal Service und Kundenbindung!

Mike und der Prinz arbeiteten gemeinsam an der Dusche. Zu zweit ging es so schnell, daß wir danach noch Zeit hatten, alle zusammen zu Ottos Leuchtturm nach Pilsum zu fahren. Mit dem Auto kommt man nicht ganz ran an den Turm. Aber ein Stück entfernt ist ein Parkplatz, von dem aus man auf dem Deich zum Turm laufen kann. Auf dem Parkplatz steht ein Imbißwagen, ein Familien-Unternehmen, dessen Inhaber köstliche Pommes, Backfisch und viele andere leckere Sachen anbieten.Auf der Seite des Wagens kann man die Zeichnung eines Ottifanten bewundern, mit einer sehr lieben Widmung von Otto. Wir luden meine Familienbande zum Essen ein und saßen gemütlich in der Sonne. Das war eine schöne Nachmittagsstunde!

Der Prinz und ich freuen uns an unserer wunderschönen neuen Dusche, schaut mal hier, das ist die alte:

duschalt

Man sieht, daß der Einstieg hoch ist (31 Zentimeter, zu hoch für mich, dazu war die Duschtasse auch sehr tief.)

Hier dagegen die neue Dusche:

duschneu

Die braunen Fliesenauf der Stufe  sind rauh, also rutschfest. Mike hat die Dusche so konstruiert, daß ich von der Stufe aus auf der gleichen Ebene mit der sehr flachen Duschtasse bin. Endlich duschen ohne Streß! \o/

Abends am Karsamstag war Osterfeuer bei Tinus, es brannte schon, als wir eintrafen. Ein wenig schauten wir noch und quatschten ein bißchen mit verschiedenen Leuten, die sich freuten, daß wir gekommen waren. Mike sagte begeistert:“Ich finde es so toll, wie herzlich die euch hier aufnehmen!“ Dann war es für die vier aber Zeit zum Aufbruch, es sind immerhin drei Stunden Fahrt zurück in den Pott.

Als das Feuer größtenteils abgebrannt war, setzten wir uns zu den anderen in die Scheune. Wir schätzten, daß das ganze Dorf anwesend war (bei 180 Einwohnern nicht schwierig). Zum Glück fand ich einen Sitzplatz am Rande einer der Sitzbänke, denn Bierzelt-Garnituren sind für mich schwierig, vor allem mit der Orthese am linken Bein. Zwei Frauen rückten und machten mir Platz, sie waren sehr herzlich. Der Prinz beschaffte mir ein Bratwurst-Brötchen und ein alkoholfreies Bier, dann war er schon im Gespräch mit der „Rentner-Gang“ der IG. Die nette ältere Dame neben mir stellte sich als die Frau des Ortsvorstehers vor (sie ist also das Woquarder „Gegenstück“ zu meiner hiesigen Filmfreundin, witzig!) Herta saß einen Tisch hinter mir. Immer, wenn ich mich zu ihr umdrehte, strahlte sie mich an. Sie freute sich, daß wir uns wohlfühlten.

Übrigens hören wir immer öfter die Frage:“Wann kommt ihr denn nun?“ Sie warten wirklich darauf, daß wir endlich nach Woquard ziehen! Das ist SO lieb!!! Wir haben schon so oft erklärt, daß der Prinz noch ein paar Jahre arbeiten muß, bis er in den Ruhestand gehen bzw. „Altenteiler“ werden kann, wie die Friesen sagen…mal kommt die Antwort „Och, doch noch so lange? Schade!“ Oft lacht die Person auch und sagt:“Na, das Woquarder Autokennzeichen habt ihr ja schon!“ (Unser kleiner treuer Nissan steht immer in der Einfahrt, so wissen alle, daß wir mal wieder da sind. Er trägt das KFZ-Kennzeichen“WO“ (für Worms, das passt natürlich auch prima für Woquard 😉 ).

Am Osterfeuer-Abend setzte sich ein Mann zu uns, der uns anstrahlte und sich vorstellte: “Ich bin Werner, Hertas Sohn!“ Der Prinz und ich freuten uns, ihn zu treffen (der Prinz kennt Werners Bruder Hinrich schon seit einer Weile). Werner bestand darauf, uns seine Tochter und seinen Sohn vorzustellen, und wir hatten es schön gemütlich und sehr lustig zusammen, zu Hertas großer Rührung und Freude. „Da könnt ihr euch aber “von“ schreiben, daß Werner sich so einfach zu euch gesetzt hat!“ sagte sie (Offenbar ist Werner eher ein etwas stiller Mensch, der nicht so locker auf Fremde zugeht). Werner fragte, wie wir mit der plattdeutschen Sprache zurechtkämen. Ich erklärte ihm:“ Geht ganz gut, und wenn es mal hakt, schummele ich mich mit Niederländisch durch.“ Werner lachte und nickte. „Ja, das geht immer,“ sagte er. Was ich interessant finde: Tinus erzählte mal, daß in seiner Jugend ( er ist 78) das Gesangbuch in der Kirche komplett in Niederländisch gedruckt war. Die beiden Sprachen sind sich wirklich sehr ähnlich. Als ich Werner erzählte, daß ich sogar ein Plattdeutsch-Lehrbuch besitze und damit übe, war er völlig fasziniert. Wir vereinbarten, daß er mal zum Tee anklingelt und ich ihm das Buch dann zeige.

Der Ostermontag war so warm und sonnig, daß wir zum ersten Mal mit einem Bier im Garten sitzen konnten – wunderbar! Der Prinz ließ dafür sogar sein neues Lieblings-Werkzeug liegen: eine Machete. Am hinteren Ende unseres Gartens gibt es so etwas wie eine Dornröschen-Hecke aus Brombeerranken und Efeudschungel. Darunter verbergen sich die zusammengefallenen Reste einer kleinen Holzhütte, in der der Erbauer des Lüttje Huus in den 40er Jahren Kaninchen gehalten hatte.

Die Grundstücke sind so geschnitten, daß Hertas Schlootnachbar ganz hinten im Gartenbereich auch unser Schlootnachbar ist. Dieser alte Herr hat nun Angst, daß das Efeu in seinen Schloot-Anteil fallen und ihm damit Mehrarbeit verursachen könne. So pingelig-nervig das auch klingt – eigentlich ist er ganz nett und locker,wie der Prinz sagt. Er ging mit dem alten Herrn zur Hasenstall-Ruine, ließ ihn sein Herz ausschütten und versprach ihm, den bösen Efeu zu entfernen. Das tat er auch mit viel Elan und Spaß, mit seiner neuen Machete, die wirklich ein respekteinflößendes Werkzeug ist. Sie schneidet mühelos durch dicke Brombeerranken und verholzte Efeu-Äste, sehr beeindruckend! Jetzt liegt die Hasenstall-Ruine einigermaßen frei und wir sind noch nicht sicher, ob das alte Holz im nächsten Jahr ins Osterfeuer kommt oder ob wir es aufbewahren wollen, bis wir richtig einziehen, denn dann wird es zwei Kaminöfen im Huus geben und wir sind vielleicht froh um das Heizmaterial. An den Platz des Hasenstalles soll mal ein Gartenhaus treten,

nach Möglichkeit dieses hier:

gartenhaus_oxford

(c): Gartenhaus-GmbH – danke für die freundliche Genehmigung!

 

Nun, am Dienstag nach Ostern trennten wir uns (wie immer widerwillig) vom Lüttje Huus und von Edda, Tinus und Herta und schafften es in sagenhaften fünf Stunden zurück nach Worms. Die Katzenmädels waren entzückt, daß wir wieder da waren. Ich hatte mein Pippilein sehr vermißt, vor allem beim Einschlafen. Freundin und Lieblingsnachbarin Wiltrud hatte die beiden gefüttert, so waren die Mädels schön entspannt. Erst gegen halb zwei fielen wir ins Bett. Beide Katzen warteten darauf, daß ich endlich unter der Bettdecke verschwinden möge, als plötzlich die Luft im Schlafzimmer in einem lauten Geschrei und Fauchen explodierte: Pippi warf Micia raus! Sie blieb die ganze halbe Nacht eng bei mir liegen, ohne sich zu bewegen ❤ .

Seit wir zurück sind, geht das Pippilein schon gegen 21 Uhr ins Bett und wartet auf mich. 😀

Das nächste Mal werden wir über Fronleichnam dort sein (kein Feiertag in Niedersachsen), und der jüngste Bruder meines Vaters und seine Frau werden uns besuchen, darauf freue ich mich!

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