Von Häusern und Menschen

Mitte Februar, my darlings, hatte ich einige Male über das süße alte Backsteinhäuschen geschrieben, dessen Schicksal nach dem Tod seiner Besitzerin, die Klara hieß (hier im Dorf „Klärchen“), ungewiß war, weil die fünfköpfige Erbengemeinschaft sich nicht einigen konnte, was sie mit dem Haus tun sollten. Kaufinteressenten gab es mehrere (uns eingeschlossen), sie alle hatten aber keinen Erfolg. Im Januar erfuhren wir, daß sie es nun doch einem Familienmitglied überlassen hatten. Der Prinz, der früher lange im Baugewerbe gearbeitet hat, sagte, daß auf dem Grundstück gut fünf Reihenhäuser Platz hätten (das langgezogene Grundstück geht von hier aus einmal durch die Länge des Häuserblocks und endet gegenüber auf der Nordseite direkt neben dem Haus unserer Vermieter).“Wenn der neue Besitzer Geschäftssinn hat“, sagte der Prinz, „dann knallt er fünf Reihenhäuser auf den Platz und verkauft sie.“

Mitte Februar starb das Häuschen dann. Acht Stunden brauchte der Baggerführer, dann war der Platz leer. Die Arbeiter waren von morgens um acht bis nachmittags um vier zugange. Zuerst deckten sie das Dach ab, dann sägten sie die Dachbalken heraus. Der Bagger hatte nun leichtes Spiel. Er legte die Wände einfach um.Einmal fiel eine so hart um, daß hier der Boden wackelte und Micia und das Pippilein erschreckt wegflitzten. Der nächste Tag wurde nochmal laut.Die Arbeiter zerkleinerten das Holz und die Steine, weil das im Bau alles wiederverwendet wird. In Nullkommanix sahen wir beim Abendgang mit dem kleinen Herrn Sonntag, daß neben dem Haus unserer Vermieter schon eine Bodenplatte gegossen war.(Auch dieses künftige Haus, so wie das nun leere Klärchen-Grundstück, war bereits projektiert und wartete auf Käufer. Die waren auch schnell da und haben sich als sehr nette kleine Familie herausgestellt. Wir haben uns einige Male sehr nett unterhalten und der Prinz und ich freuen uns schon, sie bald öfter zu sehen.

Vorgestern hatte ich die Freude, mit dem Besitzer des neuen Nachbarhauses zu sprechen,ein sehr netter junger Mann. Er stammt hier aus der Gegend und kennt unser Dorf sehr gut, er hat hier viele Bekannte und Freunde.(Ich nehme an, er weiß daher auch, wo er sein Haus hin baut und mit welchem Risiko.) Wie auch das Haus an der Nordseite, wird dieses hier ein Fertighaus. Noch in diesem Monat soll es gestellt werden, erzählte er mir. Was mich verblüffte: für den Kran, der die Hauswände vom Transporter holt und aufstellt, mußte er natürlich beim Ordnungsamt eine kurzzeitige Sperrung unseres Straßenteiles beantragen, auf die Länge zweier Häuser. Für die Stadt kein Problem, die Erlaubnis bekam er sofort. Der Kranführer erklärte ihm dann aber erstmal, daß ihm das bißchen Straße nicht genüge, denn er müsse „ganz dicht ran“. So mußte unser neuer Nachbar tatsächlich den Streifen vom Rand der Bodenplatte bis zum Bürgersteig aufschütten und verdichten. Sein Vater half ihm dabei (ebenfalls ein sehr Netter).

Soweit zu den Häusern, nun zu den Menschen 😀

Eine der Töchter unserer Vermieter,T, hat Im Juni ein Baby bekommen, für unsere Vermieter das erste Enkelkind. Entsprechend groß sind Freude und Aufregung.

Interessant und amüsant: Die Nachricht von Ts Schwangerschaft hatte sich natürlich in Windeseile im Dorf verbreitet. Und, faszinierenderweise, gleichzeitig das Gerücht, wir müßten deswegen ausziehen, weil T, ihr Mann und das Baby mehr Platz bräuchten. Tja, da müssen wir leider einige Hoffnungen zunichte machen.Es ist genug Platz da für alle 😉 Eng könnte es erst bei einem weiteren Baby werden, sagte unser Vermieter. In den letzten Wochen sprach uns immer wieder mal jemand aus dem Dorf an:“Ihr müßt raus, hab ich gehört? Was macht ihr denn jetzt?“ Wir erklären dann jedes Mal geduldig, daß wir nicht ausziehen müssen, weil in dem Haus, in dem auch Ts ältere Schwester mit ihrem Lebensmenschen wohnt, reichlich Platz ist. Wir steckten T und ihrem Mann eine Baby-Glückwunschkarte in den Briefkasten. Postwendend schickte sie uns eine Mail mit Babyfoto. Daraufhin begab sich zwischen dem Prinzen und mir folgendes Gespräch:

Ich: „Och, süß, guck mal Schatz – der Kleene hat voll Ähnlichkeit mit seinem Opa!“

Prinz: (guckt mir über die Schulter): Hm. Ja, findest du?“

Ich: „Klar, im Gesicht sieht er ihm voll ähnlich.Findest du nicht?“

Prinz: „Nee. Er hat ja keinen Bart.“

Tüff-täää.

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