1114

Heute Mittag war ich etwas wehmütig, my dearies, denn heute war die Beerdigung meines Lieblingsonkels,G.,  über den ich hier im Blog kürzlich schon etwas erzählt hatte.

Leider konnte ich nicht dabei sein, da ich ja autotechnisch nicht mehr mobil bin.  (Zugfahren geht alleine noch nicht wieder.) Weder der Prinz noch mein Bruder hatten die Möglichkeit, sich den Tag freizunehmen. Da die Beerdigung in einem Friedwald im Ruhrgebiet war, konnte mich auch sonst niemand mitnehmen, denn alle, die dabei waren, leben noch im Ruhrgebiet. Und eine Strecke von je 360 Kilometern hin und zurück zu fahren, um eine einzige Person zu transportieren – das hätte dem Onkel nicht gefallen, denn er war ein überzeugter Umweltschützer. Er unterstützte Greenpeace und war gegen Autos (obwohl er gut 30 Jahre lang bei Mercedes in Stuttgart gearbeitet hatte (in der IT)). Alle seine Reisen organisierte er mit dem ÖPNV (ich bewunderte ihn dafür, diese Geduld hätte ich nie aufgebracht!) Er unterstützte UNICEF und SOS Kinderdorf ; solange ich mich erinnern kann, kamen zu Weihnachten und zum Geburtstag UNICEF-Karten von ihm. Er vergaß es niemals. Während seiner Bundeswehrzeit war er bei der Marine und schrieb mir Postkarten aus seltsamen Ländern (Rußland, Bulgarien und andere Namen, die mir damals noch  nichts sagten). Er war da mit einem U-Boot unterwegs. Es würde ihm sicher gut gefallen, daß seine Asche jetzt in einem Wald beerdigt ist, unter den Wurzeln einer Eiche, in einer kompostierbaren Urne. (Die Zahl 1114 in der Überschrift ist die Nummer des Baumes, unter dem seine Asche liegt.)

Also legte ich um 13.00 Uhr, als die Beerdigung beginnen sollte, einige stille Gedenkminuten ein, zündete eine Kerze an und sprach ein wenig mit ihm. Er aß kein Fleisch, trank weder Kaffee noch Alkohol und rauchte nicht. Hätte er diese verf***te Lungenfibrose nicht bekommen, hätte er vielleicht ganz schön alt werden können. So waren es nur 67 Jahre. Ich habe heute noch eine Ausgabe des Buches „Der kleine Lord“ von 1956 von ihm. Er hat meine Lesebegeisterung immer unterstützt und gefördert. Sein jüngerer Bruder, B., der nun alles organisiert hat, erzählte meiner Schwester, wie unser Vater seine beiden Brüder „praktisch gezwungen“ (Zitat B.) habe, sich Lese-Ausweise bei der Stadtbücherei zu holen und regelmäßig zu lesen. Da ich meinen Vater sehr früh verloren habe, hat sich seine Liebe zu Büchern und zum Lesen über seine Brüder auf mich übertragen. Auch in dieser Hinsicht werde ich G. in sehr liebevoller Erinnerung behalten und die Bücher, die er mir hinterlassen hat, ehren und hegen und pflegen (und oft lesen!)

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