Der Backofen mit Fell

darlings,

gestern Abend (Sonntag) kamen wir hier auf unsrem Ferienhof in Barßel bei Oldenburg an, bei herrlichstem und superwarmem Sonnenschein. Heute ist es leider sehr kalt, mit schneidendem Wind ☹.

Da sie uns in Harkebrügge als Mieter ja nicht mehr wollen (es sei denn, wir kommen ohne Hund, und da können sie warten, bis die Hölle zufriert), haben wir hier auf dem kleinen Bauerhöfchen eine supertolle Ferienwohnung gefunden, die ideal ist: völlig ebenerdig, gemütlich und hochwertig eingerichtet , landschaftlich herrlich gelegen und passend zu unserem Budget (uuund: niedriger Einstieg in die Dusche! Yay für mich!). Als wir ankamen, waren die Vermieter noch unterwegs, aber der Schlüssel steckte von außen, so daß wir schonmal einziehen konnten. Die Tochter war gerade kurz da, weil sie nach ihren Westernpferden sehen wollte, die noch auf dem elterlichen Hof stehen (und um die der kleine Herr Sonntag einen großen Bogen machte). Sie begrüßte Herrn Sonntag enthusiastisch und erzählte, daß ihr Hund Bobby im letzten Oktober mit 18 Jahren an Krebs gestorben sei. Das tut uns sehr leid, denn Bobby war ein freundlicher kleiner Kerl, den wir gern mochten. Der kleine Herr Sonntag fand alles hier ungeheuer aufregend, sowohl die Wohnung als auch den Hof. Nur die Kühe, die dem Nachbarn gehören und die jedes Jahr hier in der Scheune überwintern, waren ihm unheimlich. Er kam aus dem Schnuppern gar nicht mehr heraus und flitzte mit breitem Lachen übers ganze Gesicht wie angestochen hin und her. Alles sooo spannend! Er spürte natürlich auch, daß der Prinz und ich entspannt waren und uns freuten, hier zu sein (vor allem, als die bestellte Pizza kam und der Prinz die mitgebrachte Flasche Syrah geöffnet hatte).

Heute nach dem Frühstück zeigte der Prinz dem kleinen Herrn Sonntag den Hof, hatte aber nicht bemerkt, daß die Kaninchen der Tochter in ihrem (ausbruchsicheren) Freigehege neben der Pferdekoppel unterwegs waren. Bei Herrn Sonntag brach natürlich der Jagdinstinkt des väterlichen Galgo-Anteils durch. Er rannte wild bellend um das Gehege und war völlig taub für die Rufe des Prinzen. Die Karnickel sind Hunde gewöhnt, sie kennen Bobby und Malou, die kleine Hündin der Nachbarn. Auf Herrn Sonntags Radau reagierten sie höchstens mit Klopfen auf den Boden.

Der Prinz hatte sich gestern Abend beim Rennen mit dem Mausebären einen Muskel gezerrt und kam humpelnd ins Haus, um den Stofflöwen zu holen, den das Bärchen zu Weihnachten bekommen hat (und der natürlich mit in den Urlaub mußte).

„Der Kerl hört wie ein Backofen!“ sagte der Prinz genervt. (Das ist eine Redensart in seiner Heimatstadt für Kinder, die ungehorsam sind.)

Mit dem Löwen lenkte er den Kleinen soweit von den Kaninchen ab, daß er ihn anleinen konnte. Dann gab es eine Standpauke für Herrn Sonntag, in der er dem Kleinen klar machte, daß „Komm“ nicht nur ein Zufallswort ist, sondern eines, das hundeseits eine Reaktion erfordert. Danach strafte er den Kleinen für den Rest des Tages mit Ignorieren. Das war eine harte Strafe für den Mausebären, die er aber sehr offensichtlich  genau verstand.

Leicht fiel es dem Prinzen nicht, das war deutlich zu sehen. Denn der kleine Herr Sonntag kann sehr, sehr flehend gucken mit seinen großen braunen Kulleraugen.

„Jaa, du brauchst gar nicht so zu gucken!“ sagte der Prinz jedes Mal, wenn ihn der bittende Hundeblick traf, „du Backofen mit Fell und Ohren-Attrappen! Wenn ich „Komm her“ sage, dann mußt du kommen, das ist wichtig! Wenn  mal ein Auto auf dich zufährt, kann das dein Leben retten!“ Der Mausebär seufzte dann tief auf und legte sich ergeben wieder auf die Couch. Obwohl der Prinz recht hatte, tat mir der Kleine doch leid. Dem Prinzen aber auch, denn heute Abend ließ er sich endlich von der Reumütigkeit des Bärchens erweichen und nahm die ihm dargereichte Pfote an. (Es ist nicht zu fassen, wie herzerweichend sich unser Hund entschuldigen kann!) Der Prinz war mindestens so froh wie der Mausebär selbst, als er den Kleinen wieder knuddeln und zwischen die Ohren küssen konnte!

Morgen planen wir, unsere Freundin Edda zu besuchen, ich freue mich schon sehr. Micia und Pippi sind in der Obhut unserer Vermieter bestens aufgehoben, die jeden Tag zum Füttern ins Haus kommen. ( Die Damen sind draußen, bekommen aber drinnen zu essen, ganz nobel). Da können wir also ganz beruhigt sein. Ach ja- hier gibt es auch einen Kater namens Louie (der aber Hunde verhaut, mal sehen!)

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