Omas Plätzchen

Petra bloggte kürzlich einen Beitrag, den sie Drinnenbeschäftigungen“ nannte und in dem es unter anderem auch um das Backen von Plätzchen geht.

Die Vorweihnachtszeit ist für mich immer „Oma-Sehnsuchts-Zeit“. Früher kamen jedes Jahr Weihnachtspäckchen von Oma (sie benutzte dafür immer Schuhkartons, die sie nach dem Schuhekauf sorgfältig aufhob).

Drinnen waren Weihnachtssüßigkeiten aller Art, eine Weihnachtskarte (von beiden, Oma und Opa, unterschrieben), ein Geldgeschenk und das Wichtigste, auf das wir uns das ganze Jahr gefreut hatten: Omas Schwarz-Weiß-Gebäck! Ihr kennt das sicher, diese Plätzchen aus hellem und mit Kakao verdunkeltem Teig, den man zu unterschiedlichsten  Mustern kneten kann. Oma hatte karierte Muster und Schneckenhaus-geringelte.  Der „Kick“ an Omas Plätzchen, das Besondere, das Oma-Eigene, war: Oma buk die Plätzchen in einem Gas-Backofen, an dem sie das „Feintuning“ nicht ganz im Griff hatte. So hatten ihre Plätzchen immer einen ganz, ganz leicht angebrannten Beigeschmack. Nicht unappetitlich – im Gegenteil! Dieser Hauch von „leicht angebrannt“ war herzhaft-lecker und gehörte zu ihren Plätzchen dazu. Das war die typische Oma-Note des Gebäcks. Außerdem waren die Plätzchen deswegen immer etwas dunkel „überhaucht“.

Wenn Oma ein Päckchen schickte, füllte sie die Plätzchen in diese durchsichtigen Konditorei-Tütchen. Hatten wir  – der Prinz und ich – das Glück, Oma  vor Weihnachten noch persönlich sehen zu können,  überreichte sie uns jedem ein Jutesäckchen mit Namen und einem aufgeklebten Glanzbild (kennt ihr die noch – Glanzbilder?) und ermahnte uns mit gespielter Strenge: „Aber alles gerecht aufteilen! Nicht zanken, hört ihr?!“

Trotzdem: Da ich ja eine leidenschaftliche Süß-Frühstückerin bin, waren die Plätzchen bei mir nach kürzester Zeit weg. Der Prinz dagegen brauchte ewig, bis er überhaupt mal eine seiner Tüten öffnete. Also mußte ich das logischerweise für ihn tun – klar, ne?! Natürlich flehten seine Plätzchen mich an, sie zu essen, und gutmütig, wie ich manchmal sein kann, erbarmte ich mich ihrer. Der Prinz, die alte Petze, verpfiff mich umgehend. „Omma, die Nicole hat alle meine Plätzchen gegessen! Ich hab‘ kein einziges abbekommen!“ jammerte er am Telefon. Ich bekam natürlich „Schimpfe“ von Oma  😉

Ja… seit acht Jahren vermisse ich nun Omas und Opas Weihnachtspäckchen… Da Opa, der Gründliche, sie verpackte, waren sie meist in mehrere Lagen dicken Packpapiers eingewickelt und mit mindestens zehn Metern Paket-Klebeband  gesichert (man weiß ja nie…) ❤ ❤ ❤

Opa starb im April 2008, Oma folgte ihm im Juli darauf. Und wenn ich jetzt rosa Wolken am Himmel sehe, dann weiß ich: Oma backt Plätzchen.

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