Petras Fragen # 9

Petra stellt in ihrem Blog Voller Worte regelmäßig kleine Fragen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, für deren Beantwortung man aber manchmal schon etwas denken und vor allem bei sich selbst hinterfragen muß.

Ich möchte diese Fragen hier für mich beantworten und euch, wenn ihr mögt, einladen, eure eigenen Antworten zu finden und sie, entweder hier oder bei Petra, als Kommentar einzustellen.

Kannst du auch anders?

Uuh. *tief durchschnauf* Ja, kann ich. Kostet manchmal Kraft, aber ich kann auch „anders“. Anders als das mir anerzogene „immer still und lieb und unauffällig sein“.

Achtung: der folgende Text könnte als „Selbstmitleid“ interpretiert werden – das sei dem jeweiligen Leser selbst überlassen  (–> Meinungsfreiheit). Ich schreibe niemandem vor, wie er mein Blog zu lesen hat, ich habe keine geladene Waffe.

Ich bin aufgewachsen mit den Sätzen „Stell dich nicht so an“ und Red‘ nicht so einen Quatsch“. Diese Sätze sitzen immer noch tief. Sie haben bewirkt, daß ich schon als kleines Kind gelernt habe, meine Gefühle nicht zu zeigen. Bis heute tue ich das nur in Gegenwart des Prinzen, denn das geht nur mit Vertrauen.

Denn „Stell dich nicht so an“ sagt ja „Was du empfindest, ist eh Quatsch, das kann ja niemand ernst nehmen, du bist dumm, wenn du die Situation nicht so siehst wie ich.“ So lernte ich früh, Mißhandlungen und Ungerechtigkeiten stumm hinzunehmen. In der Schule machte mich das zu einem idealen Mobbingopfer der Kinder aus den sozialen Brennpunkten, denn meine Beschwerden bei Lehrern führten maximal zu einem mahnenden „du-du“ mit erhobenem Zeigefinger, worüber die Täter nur lachten. Heute kann ich mir erklären, warum immer noch häufig Leute versuchen, mich zu mobben: Mobber sind Menschen, die sich klein und wertlos fühlen, wie der Dunning-Kruger-Effekt nebenan oder der kleine lockenköpfige Mäusepimmel an der Uni Mannheim, der mich 2014 aus der Wiedereingliederungsmaßnahme hinausintrigiert hat. Da mir von klein auf eingeprägt wurde, ich sei dumm, unwichtig und nicht weiter ernst zu nehmen, führte das dazu, daß ich mein Leben lang (als Kind und Jugendliche) gar nicht erst den Versuch machte, für mich selbst einzutreten. Bis heute bin ich in manchen Fällen sträflich gutmütig und lasse mir mehr gefallen, als ich sollte. Mobber sehen in mir sich selbst gespiegelt und hassen das. Da sie schwach sind, suchen sie sich vermeintlich Schwächere, an denen sie ihren Lebensfrust auslassen können. Für den lockenköpfigen Mäusepimmel an der Uni war ich in zweierlei Hinsicht ideal: a) behindert und b) angewiesen darauf, daß die berufliche Wiedereingliederung erfolgreich lief. Diese sabotierte der Zwerg – mit gehässiger Freude. Er war zum Schluß doch recht verwundert und still, als er merkte, daß ich mich durchaus zu wehren weiß… Nun, er ist vermutlich sein Leben lang ausgelacht worden, weil er so klein ist… mich wundert immer noch, wie die Personal-Barbie einen so enorm zu kurz geratenen Mann auf eine Führungsposition setzen konnte.

In der Familie macht es mir bis heute Probleme, wenn ich meine eigenen Ansichten vertrete. Denn – wie es mir ja schon als Kind klargemacht wurde – ich bin zwar da, aber weder wichtig noch ernst zu nehmen. Red nicht so einen Quatsch.

Also, um Petras Frage zu beantworten:

Ja, ich kann auch anders. Aber meist sehe ich, daß sich der Kraftaufwand nicht lohnt. Weil mein Gegenüber zu dumm ist, zu begreifen, wovon ich rede. Und die Person es selten wert ist, daß ich kostbare Lebenszeit auf sinnlose Diskussionen verschwende (siehe auch Stichwort „Arschlochfilter“). Ich mache dann meist einfach die Tür zu und kümmere mich um das, was wirklich wichtig ist. Um mich selbst, zum Beispiel.

4 thoughts on “Petras Fragen # 9

  1. Danke für deine ehrliche schonungslose Antwort. Ich liebe dich dafür – nicht wörtlich nehmen, okay. Es tut einfach gut zu lesen, dass ich nicht allein dastehe. Irgendwie tröstlich

  2. Top Nicole
    Als ich in der Klinik ankam und meine Probleme und Beschwerden, körperlich wie psychisch, schilderte , sagte meine Therapeutin….und über allem steht das Wort Mutter…
    Das Erlebte sitzt so tief , es prägte mein ganzes Leben bis heute.
    Aber ich arbeite genau wie du daran und entwickele mich weiter.
    Wir schaffen das 😘

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