Ergo: Pipi (nicht Pippilotta!)

Der kleine Herr Sonntag ist jetzt seit einem guten Dreivierteljahr bei uns. In dieser Zeit hat er zwei Mal ins Haus gepinkelt. Nicht toll, aber auch nicht schlimm. Für neun Monate sind zwei Mal Pinkeln kein Drama, finde ich.

Das erste Mal war vor ein paar Wochen. Da entdeckten wir morgens eine Pfütze direkt am Fuße der Toilette. Undicht war nichts, ergab ein Check des Sanitärmöbels.

Katzenpisse hätte strenger gerochen, und wir waren es sicher nicht… blieb also nur der Kleine. Er verriet sich auch gleich durch schuldbewußtes Ducken und flehende Blicke. Uns war schon klar, daß er wirklich Not gehabt haben mußte, denn er ist prima stubenrein und gibt immer Bescheid, wenn er muß, dann strullt er mal schnell im Hof an die Mahonien oder die Kirschlorbeeren, wenn wir gerade nicht mit ihm in die Felder gehen können.

Daß er also direkt an die Toilette gepieselt hatte, zeigte, wie klug er ist, sagte der Prinz damals. „Er weiß genau, wozu das Klo da ist, er kriegt ja mit, daß wir auch zu diesem Zweck dahin gehen“, sagte er. (Ja, der kleine Herr Sonntag begleitet uns getreulich aufs Klo.) Also, die Absicht war löblich. Hätte er gewußt, wie er es anstellen sollte, er hätte sicher direkt ins Klo gepinkelt. Da bin ich sicher. Es war ja auch wirklich kein Drama – wir beruhigten das Mausebärchen und wischten die Pfütze auf.

Gestern Morgen wollte ich das Hoftor aufschließen, damit die Ergotherapeutin leichter hereinkommen kann, da glänzte mir im Flur unmittelbar vor der Haustür eine Pfütze entgegen. Ein Teil war schon unter der Tür hindurch nach draußen geflossen. Ich seufzte ergeben, denn ich war mir nicht gleich klar, wie ich das wegbekommen sollte. Der kleine Herr Sonntag war schuldbewußt und sehr besorgt, ich könne böse mit ihm sein. Aber: wer kann mit diesem Stück Hundezucker böse sein?! Ich nicht! (Der Prinz auch nicht, aber der war eh arbeiten.) Ich beruhigte den kleinen Hund also, indem ich ihm erklärte:“ Ist schon in Ordnung, Mausebär. Von der Logik her hast du’s ja richtig gemacht. Durch diese Tür geht es raus zum Pieseln, das weißt du. Du wolltest es richtig machen, nur wir doofen Menschen haben deine Signale verpennt. Da kannst du nichts dafür. Alles gut, mein Schatz.“ Langsam beruhigte er sich. (Er muss sehr großen Druck gehabt haben, der arme Kleine, sonst hätte niemals in die eigene Hütte gepinkelt!) Kurz darauf klingelte schon Stef, meine Ergotherapeutin. Ich warnte sie durch Zuruf vor der Pfütze, sie hatte sie aber schon bemerkt und sagte: „Klasse. Soll ich dir das schnell wegwischen oder nehmen wir es als Therapie?“ Ich entschied mich natürlich für die Therapie. Das sah dann so aus, daß Stef aus dem Abstellraum den Putzeimer und den Aufwischlappen holte (der bei uns im Ruhrpott „Aufnehmer“ heißt – wie sagt ihr dazu?) und den Eimer halb mit heißem Wasser füllte. (Ja, das hätte ich selbst tun sollen, aber die Therapie-Einheiten haben nur eine halbe Stunde…)Mit der rechten Hand hielt ich den Eimer am Griff vor meinem Bauch fest und versuchte, auch die linke Hand zu beteiligen, die zierte sich aber. Also zogen wir in den Flur und Stef legte den Wischlappen über die Pfütze. Mit dem linken Fuß wischte ich mit dem Lappen auf, möglichst nur mit Vor-Zurück-Bewegungen, ohne Seitenschwung (den will ich mir ja abgewöhnen.) Stef übernahm es tapfer, den Lappen immer wieder im Wasser auszuschwenken und auszuwringen. Ich wischte mit dem Fuß. Ein Teil des Sonntagspipi war unter der Tür hindurch auf die Außenstufen und von dort in den Hof gelaufen. Kein Problem – für sowas hat Mutter Natur Gießkannen wachsen lassen😀 Unsere hatte der Regen der letzten Tage gut gefüllt, damit schwenkten wir die Treppe ab. So – alles wieder ok!

Aber der kleine Herr Sonntag blieb den ganzen Tag bedrückt. Nachmittags war Hubert, mein Physiotherapeut, da (er brachte eine Schale Erdbeeren mit!). Ich erzählte ihm von der speziellen Ergotherapie. Der kleine Herr Sonntag verstand genau, daß ich über seine Pfütze sprach, denn er schmiegte sich sehr verlegen an Huberts Knie.

Seine Stimmung besserte sich erst, als ich ihm im Hof sein Bällchen warf. Daß der Prinz wieder eine sehr späte Schulung halten mußte und nicht zur gewohnten Zeit nach Hause kam, machte es nicht besser. Heute ist er wieder gewohnt munter, unser kleiner Mausebär. ( Mir ist immer noch nicht klar, warum ich einen dünnen Windhundmix mit kurzem, dünnem Fell als „Bärchen“ bezeichne…)

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