Petras Fragen # 5

Petra stellt in ihrem Blog Voller Worte regelmäßig kleine Fragen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, für deren Beantwortung man aber manchmal schon etwas denken und vor allem bei sich selbst hinterfragen muß. Ich möchte diese Fragen hier für mich beantworten und euch, wenn ihr Lust habt, einladen, eure eigenen Antworten zu finden und sie, entweder hier oder bei Petra, als Kommentar einzustellen.

Wie spät ist es?

Eine merkwürdige Frage, gell? Tja, wie spät ist es? Wie weit bist du? Hast du all das gemacht, was du wolltest?

Nein, merkwürdig finde ich diese Frage gar nicht, eher komplex und kniffelig.

„Hast du all das gemacht, was du wolltest?“ klingt mir auch etwas nach Sterbebett und großem Fazit vor dem Tod.

Mein Leben ist ja nicht zu Ende, es hat mit dem Hallamati nur eine ganz neue, sehr überraschende Wendung genommen. Mit dieser Wendung haben sich auch einige meiner Perspektiven und Ziele verschoben bzw. neu gebildet. So habe ich gelernt, geduldig zu sein. Ich kann jetzt Lebensfreude sehr tief und intensiv empfinden. Meine Ziele und Wünsche sind „ruhiger“ geworden. Statt wie früher täglich zu joggen und dabei vom Marathon zu träumen, finde ich inneren Ausgleich beim Schreiben. Auch hier gehe ich in Ruhe kleine Schritte: wie viele Leute, die gern schreiben, habe ich mir früher gewünscht, mal einen Bestseller-Roman zu landen – ein ziemlich gewöhnlicher, alltäglicher Traum, nicht?

Derzeit ist es nun so, daß ich statt an einem Roman an einem Sachbuch zum Thema „Reiki“ schreibe, an dem ein Verlag bereits Interesse angemeldet hat. (Was nicht heißt, daß sie es ganz sicher drucken, das muß man erst sehen!)

(Doch, den Roman schreibe ich übrigens auch, das ist eine recht witzige Geschichte für sich: Meine Schwester hatte in ihrem örtlichen Wochenblatt eine Kleinanzeige entdeckt, in der jemand einen ghostwriter für einen Roman suchte. Sie schickte mir die Anzeige und ich bot dem Inserenten meine Mitarbeit an. Inzwischen sind wir fröhlich bei der Sache, telefonieren stundenlang und haben wahnwitzige Ideen für das Buch. Es sieht so aus, als sei hier ein neuer, sehr warmherziger Freund in mein Leben getreten. Jedenfalls verstehen wir uns prima und er wird uns bald besuchen kommen. (Renata fragte mich kürzlich, warum er das Buch nicht selbst schriebe? Ganz einfach: Er ist Italiener, lebt schon sehr lange hier und spricht fließend Deutsch, allerdings traut er sich nicht zu, gleich ein Buch auf Deutsch zu schreiben, deshalb suchte er sich lieber Hilfe.)

Ja, was habe ich noch nicht gemacht? Ich wollte früher unbedingt mal raus ins Weltall, hatte mich in den 80ern auch mal beworben, als die ESA Astronauten suchte (das scheiterte allerdings am fehlenden Hochschulabschluß, ich habe ja nicht studiert).

Das tut mir nicht mehr leid, die Leidenschaft für Astronomie und Kosmologie ist zwar noch da, aber sie beherrscht nicht mehr meine beruflichen Wünsche. Einen aktiven Vulkan habe ich auch noch nicht bestiegen. Ich weiß, daß ich körperlich nicht immer so eingeschränkt sein werde, wie ich es jetzt gerade bin. Ärzte und Therapeuten sagen mir immer wieder, daß bei mir noch sehr viel Heilungspotential da sei. Zudem hatte ich in der besagten Nacht das Glück, daß das OP-Team in Mannheim mich sofort und sehr professionell operiert hat, so daß sie noch größeren Schaden von mir abgewendet haben (Danke dafür!). So waren meine Heilungschancen von Beginn an besser als bei anderen Patienten in der gleichen Lage. Ich hatte großes Glück. So bin ich zuversichtlich, daß ich – mit Geduld – in absehbarer Zeit wieder gesund sein werde, wieder werde normal laufen und beide Hände benutzen können. Alles, was ich dazu brauche, ist Geduld und Durchhaltevermögen bei den Therapien, also im Training. Mit anderen Worten: einfach so weitermachen wie bisher!😀 Falls ich also – warum auch immer – nicht mehr auf den aktiven Vulkan klettere – na und?!

Andere Wünsche haben sich dafür erfüllt: Ich lebe mit der großen Liebe meines Lebens zusammen, auf dem Land, in einem schnuckeligen Häuschen (auch wenn das im Winter ein verdammt kaltes Häuschen ist : – )), seit meiner Kindheit sehne ich mich nach einem Hund, wir haben den bezaubernden kleinen Herrn Sonntag!

Also, um Petras Frage nochmal zu stellen: Wie spät ist es?

Für mich ist genau der richtige Zeitpunkt.

Mir geht es gut, ich bin glücklich und zufrieden und dankbar dafür. Mein Leben ist erfüllt und reich (mag kitschig klingen, ist aber so.) Ich habe tolle Freunde (immer noch, trotz des blöden Hallamati) und eine klasse Familie. Trotz der Einschränkungen habe ich es wieder geschafft, mir eine kleine, aber feine Praxis aufzubauen. Ein Verlag wartet auf mein Manuskript.

Fazit: Alles geschafft.

Es ist die richtige Zeit. Meine Zeit.

 

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