Der Abend des allgemeinen Mampfens

Gestern Abend hatten wir mal wieder das Vergnügen, im Tivoli zu essen, denn der Prinz hatte beruflich etwas zu feiern, das es verdiente, würdig begangen zu werden.

So lange wir noch nicht raus haben, wie wir Besuche in Restaurants/Cafés etc. für den kleinen Herrn Sonntag  streßfreier gestalten können, so daß  er dort nicht ständig bellt, muß er leider zu Hause bleiben. Mir tut das immer weh, wenn er uns aus dem Fenster nachschaut, aber das ist eine Sache, die auf der „unbedingt dran arbeiten“ – Liste steht (für Tipps sind wir dankbar!) Wie uns aber das heimlich aufgestellte mp3-Diktiergerät verrät, heult er nicht, wenn wir weg sind, sondern läuft nur herum. Er scheint die meiste Zeit einfach zu verschlafen, bis wir zurückkommen, denn wir finden oft ein Schlafnest aus verschiedenen Decken auf der Couch😀 Das ist ja immerhin ein bißchen beruhigend, trotzdem denken wir dann den ganzen Abend an ihn und hoffen, daß wir ihn bald mitnehmen können. Aber größere Menschenansammlungen sind einfach nicht seine Sache, egal wo. Das ist wohl das Windhund-Erbe in ihm. Er ist sehr, sehr sensibel.

Im Tivoli jedenfalls fiel mir die Wahl, wie immer, schwer.  Giovanna, die Chefin, beschloß, daß wir zum Essen  einen Nero D’Avola trinken sollten. Da gehorchten wir gern. Als Ivo, ihr Mann, zum Aufnehmen unserer Bestellung kam, sagte ich: „Ivo, ich hab sooo Lust auf Gnocchi!“ (Ich sagte ja schon einmal hier als Tipp an Leute, die in der Gegend wohnen, daß es im Tivoli die weltbesten Gnocchi gibt. ; – ))

Ivo bekam bei diesen Worten sofort glänzende Augen und sagte „Schatz (Wir kennen uns seit 34 Jahren, da ist ein „Schatz“ schon ok ; – )) , möchtest du mal was probieren? Was hältst du von Gnocchi mit Salbei, frischem Olivenöl und Artischocken, den letzten Artischocken der Saison?“ Ich hatte, offen gestanden, keine Ahnung, wie Artischocken schmecken, ich wußte nur, wie sie aussehen. Aber ich stimmte zu, weil es im Tivoli immer ganz wunderbar schmeckt.

Es schmeckte auch wirklich traumhaft, wie immer, bis eben auf das Artischocken-Zeugs 😀 Das begeisterte mich gar nicht.

Ja, das ist so eine Eigenheit bei mir: ich habe, was Essen betrifft, eher einen sehr simpel gestrickten Geschmack.  Die meisten Dinge, die bei anderen als köstlich gelten, schiebe ich beim Essen an den Tellerrand (oder sage gleich, daß ich sie bitte nicht im Essen haben möchte): Zwiebeln, Paprika, Oliven und all  so‘n Zeugs, glücklicherweise ißt der Prinz das für mich auf, und gerne, so wirkt es nicht unhöflich, wenn es auf dem Teller zurückbleibt. Auf Meeresfrüchte und viele Fische bin ich stark allergisch, die kann ich also guten Gewissens ablehnen (ich esse ja eh keine Tiere.) Also, als „Dame von Welt“ wäre ich komplett verloren😀😀😀 (hell, na und?! Ich bin ein Pottkind!)

Zum Nachtisch gab es ein himmlisches Tiramisú, das jemand im staff dort selbst herstellt. „out of this world“, würde meine englische Freundin Christina sagen.

Mühsam wälzten wir uns gegen halb zehn  zum Auto  und düsten heim, wo uns nicht nur ein aufgeregt bellender Herr Sonntag am Fenster erwartete, sondern auch der kleine Ianto, unser Gastkater, der vor unserem Tor saß! Normalerweise taucht er gegen 20 Uhr abends auf, weil ich dann meist seinen Napf auf die Außentreppe stelle. Jetzt war es schon 22 Uhr, er war also sicher hungrig.

Als wir ausstiegen, ergriff er wie immer  erst einmal die Flucht, beruhigte sich aber wieder, als wir ihn riefen. Inzwischen scheint er unsere Stimmen mit „Essen“ zu verbinden. Und wo immer er auch herstammt, es steht fest, daß er dort nichts zu fressen bekommt, denn er fällt immer mit großer Gier über sein Essen her, es tut richtig weh, das zu sehen. Gestern Abend war er so hungrig, daß er sich auf weniger als einen halben Meter an mich heran traute! Der Napf (eineinhalb Dosen!) war in Sekunden leer. Der Kleine ist wirklich verzweifelt. Ich hoffe sehr, daß er mal zu uns ziehen wird.

Das ist übrigens auch so eine Sache, bei der ich sehe, daß der Prinz der Traummann meines Lebens ist: er unterstützt die Ianto-Aktion. Er fragt mich sogar abends, ob ich Ianto schon gefüttert habe❤❤  Kürzlich kam er strahlend vom Hof herein und sagte: „ Der kleine Kater ist da. Der hat ja so ein süßes Gesicht. Ich geb‘ dem jetzt erstmal was zu essen.“

Der Exgatte dagegen hätte mich mit verkniffenem Mund über die  „Geldverschwendung“ belehrt.  Eine Dose Futter pro Abend… doch, das hätte der als Geldverschwendung angesehen. (Ergo: Er hat es mehr als  verdient, daß er jetzt ein Ex ist!!)

Vielleicht überwindet  Ianto ja seine Angst und zieht zu uns – wie der gute alte Streifi damals, den wir immer noch sehr vermissen. Micia und Pippi machen allerdings Ianto die Sache etwas schwer, indem sie ihn angreifen, wenn er zu nahe kommt. Bei Streifi trauten sie sich das damals nicht, obwohl er schon elf war und  gar keine Zähne mehr hatte. Streifi hat das wohl mit seiner Ausstrahlung gemacht, seiner Alterswürde und seiner Seniorität. Zwei Winter lang hatten alle drei die kalte Zeit  gemeinsam auf der Heizung verbracht. Streifi konnte sein Futter nicht richtig verwerten und war deswegen klapperdürr. Eine Frau aus der Gegend hier, die schon damals mein früheres Blog kontrollierte mitlas, meldete Besitzansprüche an Streifi an, akzeptierte aber seine Anwesenheit bei uns (vermutlich, weil es ihr ganz recht war, daß wir ihn fütterten und seine Tierarztkosten trugen.) Ich fragte sie einmal per Mail,  zu welchem Tierarzt sie mit ihm ginge… sie wußte ja durch mein Blog vom Highlander und log antwortete, der sei auch ihr Tierarzt. (Nur existierte der Name der Frau gar nicht in der Kartei des Highlanders, und er hatte Streifi noch niemals vorher gesehen… seltsam.) Also, mit Katzen haben wir schon so einige interessante Geschichten erlebt, ich würde die gern mal aufschreiben, denn es waren alles besondere Katzen, die es verdient haben, daß sie nicht vergessen werden. Zum Glück gibt es Fotos von ihnen allen, so könnte ich durchaus ein kleines Buch daraus machen… ja, daran hätt‘ ich wohl Spaß!

 

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