Das Flüchtlings-Büsi

Die Schweizer oder Schweiz-nahen unter euch wissen natürlich, was ein Büsi ist – ich selbst habe das Wort von meiner Zürcher Freundin Renata gelernt: Ein Büsi ist in der Schweiz eine Katze, also eine „Mieze“, wie wir Deutschen sagen. „Büsi“ ist ein Kosename, wie „Mieze“ (oder eben „micia“ in Italien *grins*)

Jedenfalls: seit einigen Wochen haben wir ein hungriges Jungkätzchen zu Gast in unserem Hof. (Zumindest vermuten wir das.) Ich füttere es mit durch, es ist aber leider sehr, sehr scheu. Also keine Chance auf Adoption, fürchte ich. Das Büsi ist etwa seit Mitte Oktober da. Es ist schwarz, hat gelbe Augen und sieht exakt aus wie Pippi. Die Ähnlichkeit im Gesicht ist so frappierend, dass ich ihm schon automatisch die Terrassentür geöffnet habe. Erst an der panischen Flucht habe ich gemerkt, daß das gar nicht Pippilein sein konnte. Tatsächlich entdeckten wir um diese Zeit herum im Dorf Suchplakate von TASSO, auf denen ein schwarzer Klecks mit zwei Spitzen obendrauf abgebildet war. Der Klecks sollte eine junge schwarze Katze namens „Juli“ sein, mit einem weißen Flecken auf der Brust. Verschwunden war sie in unmittelbarer Nähe unseres Hauses.

In den folgenden Tagen und Wochen kam sie immer mal wieder vor die Tür (das ist so eine Doppelglastür, die vom Büro über vier Stufen hinab in den Hof führt.) Als der November so scheußlich kalt begann, stellte ich ihr abends  eine Schüssel Futter raus, die morgens immer blank geschleckt war. Wenn die arme Kleine schon frieren mußte, so konnte ich wenigstens sicher sein, daß sie einmal am Tag richtig satt wurde (ich hoffte allerdings, und hoffe es immer noch, daß sie den Weg in die Scheune kennt und weiß, daß sie da im Stroh schlafen kann.)

Ich überlegte in den folgenden Tagen, ob ich die auf dem Plakat angegebene Handynummer anrufen sollte. Aber was sollte ich den (vermutlichen) Besitzern sagen? „Ja, hier kommt ab und zu mal eine kleine schwarze Katze vorbei, aber sie ist superscheu und läuft bei der geringsten Bewegung panisch weg, sie könnte die Katze vom TASSO-Plakat sein, aber wir sind nicht sicher, weil sie nicht mal lange genug still hält, dass wir sehen können, ob sie einen weißen Flecken auf der Brust hat. Wir sind lediglich sicher, daß der Vater unserer Pippilotta auch hier seine Gene gestreut hat. Sie können sich ja gerne mal abends in unseren Hof setzen und abwarten, ob sie sich her traut. Ist bei der Kälte sicher toll.“ Nee, oder? Der aktuelle Stand ist, daß ich nach wie vor jeden Abend eine Dose Kafu in einen Extra-Napf fülle und diesen auf die Treppe stelle. Morgens ist er leer. Die Kleine ist nicht wählerisch, sie nimmt auch Hundefutter (ich stelle raus, was der kleine Herr Sonntag nicht aufgegessen hat). Ich bin mir nicht mal sicher, wer nun das Futter immer aufißt – das Büsi, eine andere Katze, Ratten,der Igel? Vielleicht haben wir ja auch Marder oder sowas im Hof? Bei dem vielen Gebüsch könnte alles Mögliche unerkannt hier wohnen. Leider sind Micia und Pippi sehr territorial, so wird hier wohl keine verirrte Katze einziehen. Jedenfalls hoffe ich für alle heimatlosen Katzen, die hier unterwegs sind, daß es schnell wärmer wird. Der Prinz und ich sind uns einig: Das Futter spenden wir gerne, egal, wer der nächtliche Essensgast ist. Ich wünsche der Kleinen, daß sie nach Hause findet ( wenn sie nicht schon längst zurückgekehrt ist!)

2 thoughts on “Das Flüchtlings-Büsi

  1. Liebe Nicole

    Ach wie herzig. Das arme Büsi – aber zum Glück hat es zu euch gefunden. Darf ich dir übrigens auch jetzt – so spät noch – zu Deinem Geburtstag ganz herzlich gratulieren? Ich wünsche dir von Herzen weiterhin einfach von allem nur das Beste.

    Bei uns gibt es leider Trauriges zu vermelden: Unser liebes Büsi hatte einen Darmverschluss, den wir zwar operieren lassen konnten, aber der Laborbefund danach war niederschmetternd. Lymphom. Zellveränderungen im Lymphsystem, in der Bauchsp.Drüse und im Darm. Ich weigere mich zwar noch, zu akzeptieren, dass wir unser Büsi wohl bald verlieren werden, aber es müsste ein Wunder geschehen. Wer glaubt, kann Berge versetzen. Ach… *seufz* Die Liebe ist grad daran, sich von der OP zu erholen (vor 11 Tagen). So langsam findet sie ernährungstechnisch wieder zur Normalität zurück. Chemo wollen wir ihr ersparen – sie hat jedesmal so Stress beim Tierarzt. Bleibt Cortison. Das machen wir nun und so scheint es momentan recht gut zu gehen. Sie möchte raus und darf eigentlich noch nicht. Aber wenn die Sonne scheint, begleiten wir sie die paar Schritte – so hat sie auch weniger Frust. Sie ist noch anhänglicher geworden und krabbelt immer gleich auf meine Beine, wenn ich mich zu ihr aufs Bett setze. Auch nachts weicht sie nicht von meiner Seite. Ich weiss, ich sollte nicht traurig sein, weil sie das merkt. Zwischendurch schaffe ich es, dem Krebs die Zähne zu zeigen und zuversichtlich zu sein, aber der Kloss im Hals ist jeweils schnell zurück… :..(

    Zurück zu eurem Flüchtlings-Büsi: Ich half mal jemandem in vergleichbarer Situation, ein solches Büsi einzufangen. Brauchte dazu aber eine Lebendfalle und viel Zeit. Aber nach 5 Stunden tappte sie in die Falle und so konnte ich sie zum Tierarzt bringen, der sie auf einen Chip untersuchte und gleich auch operierte, entwurmte und impfte, damit sie nicht Junge bekommt… Sie hat zum Glück alles gut überstanden und wird nach wie vor von den Leuten gefüttert. War übrigens auch ein schwarzer Winzling.

    Eure Kleine findet die Scheune bestimmt – ach, die armen Dinger – hätten doch auch gern Anschluss und Streicheleinheiten. Vielleicht könnt ihr, wenn es hoffentlich endlich wieder wärmer wird, mit der Zeit mehr draussen sein, so dass sie sich an euch gewöhnen kann. Ein bisschen zutraulicher werden Wildlinge schon, aber es braucht halt viel Zeit… ich drücke euch fest die Daumen!

    Viele herzliche Grüsse – und drückt uns bitte auch die Daumen… Danke!

    Renata & Miss Marple, genannt Schnügi

    PS: Bist du eigentlich auch auf WhatsApp?

    sie liebt die Sonne…

    >

  2. oh wie herzig!
    wenn ich mich mal in die Lage derer versetze, die das arme Büsi vermissen, dann würde ich mich schon freuen wenn sich jemand meldet, der es vermutlich gesehen haben könnte.
    Man macht sich so viele Sorgen, wenn ein geliebtes Tier nicht da ist.

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