Freitagsfrust für Herrn Sonntag

Vorgestern, also der Freitag, brachte für den kleinen Herrn Sonntag einen blöden Abend, denn seine Menschen meinten, unbedingt mal wieder etwas tun zu müssen, das er haßt: sie gingen in einem Restaurant essen. Der Grund, den wir ihm natürlich nicht begreiflich machen konnten, war, daß der Prinzensohn seinen 22. Geburtstag feierte. Er macht derzeit in Heidelberg eine Ausbildung zum Fotografen, an der er viel Freude hat. Daß er das Talent seines Vaters geerbt hat, zeigt sich daran, daß er bereits seinen ersten größeren Auftrag hat: eine Hochzeit. Dieses Thema diskutieren Profifotografen sehr kontrovers; die einen nehmen eine Hochzeit gern als Möglichkeit für einen schnellen Nebenverdienst mit, andere würden sich lieber ohne Betäubung Fingernägel rausreißen lassen, als sich eine Hochzeit hinter der Kamera anzutun.

Wir holten den Junior in seiner Wohnung in Heidelberg ab. Eigentlich wollten wir dort in der Stadt auch essen gehen, doch das Lokal, an das der Junior gedacht hatte, war geschlossen. Leider war auch der „schwarze Walfisch“ schon zu, ein Café/Bistro, das der Prinz und ich sehr gern mögen. Also holte der Prinz sein Handy raus und bat Siri, uns ein Lokal in der Nähe rauszusuchen. Siri fand einen Inder. Da wir zu meinem tiefen Frust schon an zwei Thai-Lokalen vorbeigefahren waren, freute ich mich jetzt auf indisches Essen, das ich sehr liebe. (Wenn ich hungrig bin, kann ich sehr unausstehlich werden, das liegt in unserer Familie. Fragt meine Geschwister. : -) ) Im letzten Moment fiel dem Prinzen das Vapiano ein. Zu unserer Verblüffung fand Siri jedoch kein Vapiano in Heidelberg. Wir wußten aber, daß es in Mannheim eins gibt. Da Heidelberg und Mannheim nur eine kurze Strecke auseinander liegen, schlug der Prinz vor, daß wir den „birthday boy“ ins dortige Vapiano einladen. Der Junior freute sich. Herr Sonntag nicht. Er mag es nicht, wenn so viele Menschen an einem Ort zusammen sind, das verunsichert ihn. Zudem fand er unseren Sitzplatz doof: das Mannheimer Vapiano hat Tische im Erdgeschoß und im ersten Stock. Unten war kein Platz mehr, also gingen wir rauf. Dort oben stehen Tische entlang des Treppenschachtes, der mit einer Glaswand eingefaßt ist. Das war dem Kleinen sehr unheimlich, weil er das Glas wohl nicht richtig wahrnehmen konnte. Erst als der Prinz mit dem Schuh gegen die Scheibe tappte, kapierte der Kleine, daß er nicht hinunterfallen konnte, setzte sich unter den Tisch und beobachtete fasziniert die Leute auf der Treppe unter sich😀 Wie meistens bei Vapiano, entschied ich mich für mein geliebtes Tacchino Picante, ein köstliches Pastagericht mit Chili-Orangen-Sauce. Beim Essen stellten der Prinz und ich aber fest: Vapiano ohne unsere Freundin Edda fühlt sich merkwürdig „falsch“ an, obwohl es schön war, auch mal mit dem Prinzensohn unterwegs zu sein. Natürlich führten die beiden Jungs  ununterbrochen Fachgespräche über Kameramodelle, Objektive, Beleuchtung, Fotobearbeitung in Lightroom und über Tricks, wie man Hochzeitspaare kreativ fotografieren kann. Unser kleiner Herr Sonntag war sehr erleichtert, als wir mit dem Tiramisú endlich fertig waren und uns auf den Rückweg machten.

 

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