Netter Besuch

Am Samstag hatten der kleine Herr Sonntag und wir einen sehr coolen Nachmittag im Saarland.

Am 3. Dezember letzten Jahres hatte ja das Mittagsmagazin einen kleinen Beitrag über mich gesendet, anläßlich des internationalen Tages der Menschen mit Behinderung. Nach diesem Beitrag haben einige Leute mit mir Kontakt aufgenommen, zum Beispiel Elke und Fritz, mit denen wir uns in Oldenburg trafen.

Kurz darauf erhielt ich noch eine Mail von Willy, einem pensionierten Tierarzt, der seit einem Schlaganfall die gleichen Symptome hat wie ich (Halbseitenlähmung links). Typisch Mann, wurde es gleich technisch. Er hat das gleiche E-Rolli-Modell wie ich, den e-fix, und wollte wissen, wie ich damit Bordsteinkanten hochkomme, die höher als fünf Zentimeter sind. Eine gute Frage, denn die Vorderräder des Rollis sind kleine Plastikräder, die nicht so viel abkönnen wie die großen, die aus Gummi sind. Ich antwortete, dass ich Bordsteine nach Möglichkeit rückwärts rauf- und runterfahre, da fangen die großen Gummiräder das meiste ab und die kleinen Kunststoffräder rollen einfach mit. Von da an tauschten wir regelmäßig Mails aus. Für gestern luden uns Willy und seine Frau Gaby (Namen geändert) zum Kaffee zu sich ins Saarland ein. Da sie eine Rottweilerhündin haben und Hunde lieben, war unser kleiner Herr Sonntag natürlich auch willkommen, zumal ich vorab ein Foto von ihm gemailt hatte – und wer kann seinem Gesicht schon widerstehen?😀 (Sogar Stefanie, meine Ergotherapeutin, liebt ihn, obwohl sie allergisch auf Hunde und Katzen ist!)

Gaby hatte köstlichen Kuchen gebacken und wunderbaren Darjeeling gekocht. Wir genossen, während sich die beiden Hunde miteinander bekannt machten. Die Rottweilerhündin, Luzie, ist ein Koloß von 47 Kilo, hat das den Rottis eigene liebe Knutschgesicht und ist bezaubernd und sehr schmusig. Sie freute sich sehr, daß unser Kleiner zu Besuch war, und forderte ihn wild herumspringend zum Spielen auf. Herr Sonntag fand das ziemlich einschüchternd und bellte verlegen (er bellt viel, wenn er unsicher ist und nicht weiß, wie er reagieren soll.) Gaby löste das ganz einfach: sie öffnete die Terrassentür uns ließ beide Hunde raus in den Garten, der einen sehr großen Rasen hat, über die gesamte Frontfläche des Hauses. Dort tobten die zwei wie verrückt herum, sich umkreisend, Spielzeuge umher werfend, bellend, es war einfach schön, da zuzusehen❤ . Unser Kleiner raste herum wie ein Karnickel auf ecstasy, da sah man deutlich sein Windhund-Erbe. Er liebt es über alles, zu rennen (wir müssen unbedingt die Ballschleuder wiederfinden!)

Willy und ich tauschten uns aus über unsere Rehas und  Therapien und gaben uns gegenseitig Tipps dazu, wie wir klarkommen mit dem Alltagskram und darüber, ob und welche Umbauten im Wohnbereich oder Hilfsmittel man braucht und welche nicht unbedingt. Neugierig war ich auf seinen „Haupt-Rollstuhl“. Er hatte mir geschrieben, daß er neben dem e-fix noch einen „Optimus Zwei“ habe. Nun ist der „e-fix“ ja nur ein elektrischer Zusatzantrieb, kein Rolli-Modell an sich, der Optimus Zwei aber schon. Ich unheilbarer Geek dachte bei diesem Namen natürlich sofort an ihn❤😀

Der Optimus stand auf der Terrasse, ich durfte ihn mal testen und war mordsmäßig beeindruckt: abgesehen von den dicken Ballonreifen hat das Ding richtige Scheinwerfer, Rücklichter, einen Rückspiegel und – Blinker!!! Boah. Er ist aufrüstbar für 15km/h (dann braucht er ein Versicherungskennzeichen. Saucool. Allerdings kann man ihn nicht mal eben falten und ins Auto stecken wie meinen.

(Ich mußte mir erstmal vor Augen führen, daß Willy ein ganzes Stück härter betroffen ist als ich, und schämte mich etwas.) Auf jeden Fall war der Erfahrungsaustausch sehr hilfreich für uns beide (vor allem beim Thema „kleinere Tätigkeiten im Haushalt/Alltag“) Auch der Prinz und Gaby, die ja sozusagen beide als „Pfleger“ fungieren, hatten gute Gespräche und tauschten sich intensiv aus, ebenso wie die Hunde, die sich sehr mochten (Leider ist Luzie sterilisiert; ich hatte schon Bilder von Sonntag/Luzie-Welpen im Kopf😀😀😀 ) Auf der Rückfahrt lag unser Kleiner eng zusammengerollt hinten auf seiner Decke und schlief tief und fest, zufrieden mit dem Nachmittag

Es ist immer wieder schön für mich, andere Betroffene kennenzulernen und mich mit ihnen austauschen zu können. Und sowohl Fritz und Elke in Norddeutschland als auch jetzt Willy und Gaby im Saarland sind eine schöne, sympathische Bereicherung unseres Bekanntenkreises.

 

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