Aller guten Hunde sind drei: Der kleine Herr Sonntag

My dearies,

nachdem unsere Versuche, einen Hund zu adoptieren, zweimal unglücklich geendet haben (für den Hund und für uns), lebt nun seit dem letzten Donnerstag Domingo bei uns. Das ist er:

domifront

„Domingo“ ist das spanische Wort für „Sonntag“. Daher heißt er bei uns „Der kleine Herr Sonntag“.: – ))) Er ist neun Jahre alt, aber topfit.

Und nein, er kommt nicht aus Spanien, sondern hier aus Worms. Er ist ein Scheidungshund. Wir haben ihn von seiner Besitzerin übernommen. Sie ist nach der Trennung von ihrem Mann in eine andere Stadt gezogen. Sie muss jetzt arbeiten gehen und kann währenddessen den Hund nicht allein lassen. Und hier wird es interessant:

Einige von euch erinnern sich vielleicht noch an den hiesigen Gnadenhof, für den ich mal Spenden gesammelt habe, weil die Pferde und Esel Unterstände zum Schutz gegen Regen und Sonne brauchten?
(Viele von euch haben damals  gespendet – DANKE! – und ich kann euch verraten: Carrie, die Besitzerin des Hofes, konnte von dem Geld tatsächlich einige Unterstände anschaffen, die den Tieren eine große Wohltat sind!)

Also, Domingos Ex-Besitzerin rief Carrie, die auch im Tierheim mitarbeitet, auf dem Gnadenhof an und bat um Rat wegen der Abgabe des Hundes, weil sie ihn nicht ins Tierheim geben wollte. Wir hatten, nachdem wir Balou wieder zurückgeben mussten, das Tierheimpersonal wissen lassen, dass das Thema „Hund“ für uns deswegen nicht erledigt sei, wir aber einen Hund bräuchten, der sozialisiert ist (wie unsere Freundin Yvonne uns geraten hatte: entweder ein Scheidungshund oder einer, dessen Besitzer gestorben ist, also ein ruhiger Hund, gerne auch älter, der einfach nur ein Zuhause möchte.). Das Personal im Tierheim hatte mich zu Balous Zeiten sowohl mit Gehstock als auch mit Rolli gesehen und können die Lage einschätzen, sie hatten uns versprochen, sich zu melden, sobald ein passender Hund hereinkäme.

Als Carrie nun den Anruf erhielt, reagierte sie sofort. Sie rief den Prinzen an: „Ich hab einen Hund für euch!“. Das war am vergangenen Donnerstag. Wir trafen uns bei Carrie. Angekündigt hat ihn Carrie als „Domenico, so ein französischer Hütehund“.

Ich fragte: „Meinst du einen Berger des Pyrénées?“

„Jajaa, sowas hat sie gesagt“, rief Carrie. Au weia, dachte ich. Groß,stark, lange Haare. Herdenschutztrieb. Schwierig…. Aber sehen wollten wir ihn auf jeden Fall, zumal das Drumherum gut klang: aufgewachsen in einer Familie mit Kindern und einer Katze, lieb, sanft, schmusig…
Also fuhren wir zum Gnadenhof, wo die Truppe schon auf uns wartete. Mir fiel vor Verblüffung die Kinnlade runter, als ich statt eines hüfthohen Flokati, auf den ich gefasst war, das hier sah:

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Ein etwa 40 Zentimeter hoher Mischling, mit deutlichem Windhund-Anteil. Es stellte sich heraus: Die Ex-Besitzerin Birgit und ihr Mann hatten den Hund vor zehn Jahren als Welpen in Frankreich von einer Bäuerin gekauft, deren Berger-Hündin unerwünschte, nicht-rassereine Welpen bekommen hatte. Die Hälfte der Jungen habe lockiges Fell gehabt, erzählte Birgit, die Ex-Besitzerin. Aber sie und ihr Mann wollten einen kurzhaarigen Hund.
Und wieso nennt man einen französischen Hund „Domenico“? (Italienisch für „Sonntag“)? wollte ich wissen. Da stellte sich dann heraus, dass er nicht Domenico, sondern Domingo (Spanisch für „Sonntag“) heißt. Ist ja schnurz – beides bedeutet Sonntag : – ))
Wir hatten sofort ein gutes Gefühl mit dem Kleinen. Wir tauschen Telefonnummern mit Birgit aus, die uns noch eine riesige Tasche mit Futter, Näpfen, Leine usw. in die Arme drückte und mit ihrem Freund abzischte. Wir zeigten dem kleinen Herrn Sonntag erstmal das Haus. Er durfte überall rein und rumgucken. Hin und wieder fiepte er etwas und guckte uns verwirrt an. Klar, für einen Hund, der mit einem Kindergarten- und einem Grundschulkind gelebt hat, muss es bei uns furchtbar still und langweilig sein ; – )) Wir lenkten ihn mit Futter ab; Nadine hatte uns ein paar Dosen seiner Lieblingsmarke eingepackt, zu unserer Erleichterung hatte er wenigstens guten Appetit. Auf Carries Geheiß hatte Birgit uns eine kleine Liste geschrieben mit Domingos Vorlieben und Abneigungen, wie liebste Futtersorten und – gaaanz wichtig: „Er schläft im Bett!“ stand da. Na, das ist ja für uns wohl gar kein Problem 😀 Nach so vielen Jahren des Lebens unter Katzenpfoten ist man daran gewöhnt, dass einem das Bett nicht mehr allein gehört (deswegen hatte ich in der Klinik auch Schlafstörungen!) Kurz: der kleine Herr Sonntag war ruck-zuck unter meiner Bettdecke. Ja, unter. Keine Ahnung, wie er da atmen konnte! Er schläft tief und fest die ganze Nacht unter der Decke, in meinen Kniekehlen, ohne sich auch nur einmal zu rühren :D.

Jetzt ist seine erste Woche bei uns voll – und wir sind sehr glücklich mit dem Kleinen. Er ist liebevoll, klug und lustig. Autofahren ist überhaupt kein Problem für ihn, er schläft die meiste Zeit auf der Rückbank. In der Hundeschule hat er gut aufgepasst, die wichtigsten Grundlagen kann er prima. Es macht ihm Spaß, mit uns unterwegs zu sein, und er lernt schnell Neues. Mit Hündinnen kabbelt er sich ab und zu, Rüden ignoriert er (es sei denn, die bellen ihn an, dann blafft er zurück). Er betet den Prinzen an, das war bei Balou auch so – der Prinz ist ein natürlicher Alpha. Er hat sich aber gut daran gewöhnt, dass der Prinz tagsüber zum Arbeiten weg ist, und springt vor Freude wie ein Flummi, gut eineinhalb Meter hoch, wenn sein geliebter Rudelchef heimkommt. Es ist wirklich rührend.

Mit den Katzen läuft es wunderbarerweise auch gut: Er gibt sich große Mühe, sie zu ignorieren. Man sieht, wie schwer ihm das fällt, er zittert am ganzen Leib und fiept vor Aufregung, beherrscht sich aber. Dafür bekommt er jedes Mal dickes Lob. Die Katzen bleiben im Haus, wenn er da ist, sogar im gleichen Stockwerk. Sie haben ihn scheinbar von Anfang an als „ungefährlich“ eingeschätzt. Micia ist dabei unglaublich cool: Sie sitzt einfach reglos da und starrt ihn nieder. Ihre erste Amtshandlung, als der Hund einzog, war, dass sie seinen Napf leerfutterte. (Das war das erste Mal, dass ich eine Katze Hundefutter fressen sah!) Man konnte ihr die abgrundtiefe Verachtung deutlich ansehen.

Sie bleibt inzwischen auch meist sitzen, wenn beim kleinen Herrn Sonntag der Instinkt einklickt und er bellend auf sie zu flitzt.. Er bremst sich dann selbst fast sofort aus und guckt uns schuldbewusst an – er weiß genau, dass die Katzen tabu sind.

Ich fühle mich da immer wie bei ALF – erinnert ihr euch noch? „Mitglieder der Familie werden nicht gefressen!“ 😀

Jedenfalls: Bisher läuft es ganz prima mit uns und dem kleinen Herrn Sonntag und wir sind sehr happy, dass es nach Balou und Gina doch noch einen Hund gibt, der perfekt zu uns passt. Übrigens: Der Rolli interessiert ihn null! Ich habe ein sehr gutes Gefühl, dass der kleine Herr Sonntag und wir ein klasse Team werden. : – )

Mit seinen Kulleraugen bringt er alle Herzen zum Schmelzen:

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6 Kommentare zu “Aller guten Hunde sind drei: Der kleine Herr Sonntag

  1. Dann drück ich mal die Daumen, dass es diessmal so wird und bleibt, wie sich alle das von Herzen wünschen – der kleine Domingo allen voran…

  2. Hach! Das freut mich jetzt aber mal so RICHTIG!!!! Er sieht hinreißend aus und es scheint, als hätte sich eure Geduld und EURE Lernwilligkeit bezahlt gemacht. 🙂 Viel Spaß euch allen!

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