Piff, Paff, Puff

*seufz* Es ist mal wieder soweit: Die Weinlese nähert sich und damit setzen die hiesigen Winzer auch wieder ihre automatischen Schussanlagen in Betrieb.

Das bedeutet: ab sieben Uhr morgens knallt es hier in unregelmäßigen Abständen, denn unser Dorf ist ein Weindorf, wir leben inmitten von Weinbergen. Das ist, landschaftlich gesehen, sehr schön. Allerdings fühlt man sich ab dem Ende des Sommers oft wie im Krieg, wenn es ständig rundherum knallt. Es nervt endlos ab – und zudem ist das Ganze so überflüssig wie ein Kropf. Ich habe hier im Dorf mal einen Winzer nach dem Sinn der Ballerei gefragt. Er erklärte mir, das Ballern diene dazu, Amseln und Stare von den Trauben fernzuhalten, da diese sonst – jetzt festhalten! – „die Ernte ruinieren“. Aha.

Nun, wir sind hier in Rheinhessen. Ich habe 20 Jahre lang in der Nachbarregion, in der Pfalz, gelebt. Die pfälzischen Winzer ballern nicht und ich habe in meinen 20 Jahren dort niemals von einer durch Amseln und Stare ruinierten Ernte gehört (und ich habe einen guten Teil dieser 20 Jahre für die Presse gearbeitet, das hätte ich mitbekommen ; .- ) Seien wir mal ehrlich: Amseln und vor allem Stare sind sehr intelligente Vögel. Beim ersten Knall erschrecken die vielleicht noch, lernen dann aber sehr schnell, dass da weiter nix passiert. Danach kichern die nur noch in sich rein und lassen es knallen. Ab dann nervt das Geknalle nur noch die Anwohner. Die Winzer verstehen das natürlich nicht.

@Christin: Falls du das hier gerade lesen solltest: wie oder was macht ihr in eurer Region? Knallanlagen? Netze?

Ich jedenfalls bin zurzeit sehr sauer und abgenervt, zumal die auch samstags und sonntags ab sieben Uhr morgens ballern. In der Pfalz haben jetzt manche Winzer Lautsprecher aufgestellt, aus denen Greifvogelschreie ertönen. Das können die Menschen in den anliegenden Wohngebieten aber nicht hören, weil die Töne sehr hoch sind. Zugegeben, das Geballere ist in den letzten zwei, drei Jahren besser geworden hier. Die Schalltrichter sind nicht mehr so direkt auf die Wohngebiete ausgerichtet und sie haben in diesem Jahr etwas später angefangen (Wir hatten schon Jahre, da ging das im Juli los). Aber ich werde froh sein, wenn die ihren Wein endlich drin haben. Die paar Wochen, in denen die halbe Nacht lang Vollernter und Riesentrecker mit Anhängern durch die Kurve vor unserem Haus dröhnen, gehen irgendwie rum. Außerdem freue ich mich auf den neuen Wein (lecker, lecker!). So hat alles seine zwei Seiten – ich lebe sehr gern auf dem Land, aber es kann auch nerven – in mehrerer Hinsicht.

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3 Kommentare zu “Piff, Paff, Puff

  1. Da bin ich! Also, so ein Vogelschwarm, der in einen Weinberg einfällt, kann den schon ziemlich leer fressen. 2012 haben die Vögel bei uns am Mittelrhein wirklich Schäden angerichtet, da waren die ersten 10 Meter in jeder Zeile oben am Wald einfach weggeputzt, da hing nur noch das Stielgerüst. Das war aber auch ein Jahr, wo es für alle Wildtiere wenig wildwachsendes Futter gab.

    Knallanlagen gibt es meines Wissens weder im Rheingau noch am Mittelrhein (bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege).
    Die Version mit den Greifvogelrufen kenne ich auch, eine Kollegin in Bacharach hat so einen Apparat, und das funktioniert auch gut, sagt sie.

    Wir hängen unsere Weinberge ringsum mit blauen Netzen ab, damit die Vögel wenigstens nicht seitlich reinfliegen oder auf dem Boden langhüpfen und dann Party in den Rebzeilen feiern. Manche Kollegen spannen auch noch lange Flatterbänder über die Zeilen, das funktioniert wohl ganz gut. Und es gibt auch einige, die die Zeilen komplett, also auch von oben, mit Netzen bespannen – was für ein Megaaufwand, auch kostenmäßig. Die Netze sind nämlich nicht billig.
    Die Netze halten übrigens auch Rehe und vor allem zwei- und vierbeinige Wildschweine ab, jedenfalls ein bisschen – Schweine sind ja auch nur Menschen und faul, und wenn es einen Weinberg gibt, der nicht abgehängt ist, räubert man da erst mal, bevor man sich den abgehängten Nachbarwingert vornimmt ;-).

  2. Wildschweine lieben Trauben! Die Kollegen mit Rotweinwingerten sind schon am Fluchen – da helfen dann Elektrozäune ein bisschen. Die sind aber teuer und auch beliebtes Diebesgut. Alles nicht einfach …

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