Un bon jour à Metz!

Ihr Lieben,
am letzten Freitag hatten wir einen großartigen Tag in Metz! Bisher kannte ich die Stadt nur vom Vorbeifahren, bei Besuchen unserer Bekannten in deren Feriendomizil in Lothringen. Wer in erreichbarer Nähe wohnt, dem empfehle ich einen Ausflug in diese wirklich tolle Stadt mit ihrer großartigen Atmosphäre! Metz erinnert ein wenig an Strasbourg, der Kanal, der durch die Stadt fließt, bietet malerische Ausblicke von den blumengeschmückten Brücken, die fast alle zu urgemütlichen Bistrots und Cafés führen.

Wir kamen bei strahlendem, warmem Sonnenschein an. Es war leider einer meiner doofen Schmerztage, an denen Bein und Schulter links im Minutentakt rumspinnen und wirklich sehr wehtun. Aber die Apotheke am Platz vor der Kathedrale hatte was für mich (Da reichte zum Glück mein Minimal-Französisch aus).

Mit etwas Orangina im Café nebenan konnte ich das Mittelchen einnehmen und entspannen. In der Kathedrale (um es zeitgemäß auf Denglisch zu sagen: Neugotik at its best! : – ) war gerade eine Hochzeit. Ich bewundere ja Frauen, die locker und normal wirkend auf Bleistiftabsätzen gehen können – aber hier kamen gerade mehrere aus der Kirche, bei deren Pumps es mir als Barfußschul-Betreiberin den Magen umdrehte. Eine der Stöckeldamen hatte Absätze, mit denen sie jemanden hätte erstechen können! Ich denke, die waren sicher zehn Zentimeter hoch. Der Prinz schätze sie auf neun, aber spannender als diese Frage war, wie sie über das historische Kopfsteinpflaster( = riesige Steine, breite Fugen dazwischen!) wackelte. (wenn ich bedenke, dass Meryl Streep und Goldie Hawn in dem Film „Der Tod steht ihr gut“ in solchen Schuhen rennen – und dazu noch Treppen rauf und runter…) Die Französin jedenfalls wackelte filmreif, bewältigte das Pflaster aber ohne Stürze und gerissene Sehnen, zum Glück. Bravo. Besser als Kino und sehr unterhaltsam, so beim Kaffee in der Sonne.

Wir hatten Hunger und warfen unser begehrliches Auge auf den „Marché Couvert, eine Markthalle in U-Form, die vor der Kathedrale steht (und mit Rollstuhl super zu befahren ist). Wer schon einmal in Frankreich oder Spanien in so einer Markthalle war, weiß, welche Unmengen an frischen Köstlichkeiten da ausliegen. Wir waren hungrig und daher glücklich, als wir einen Bäckereistand entdeckten, der heiße Sachen frisch aus dem Ofen verkaufte. Der Prinz wählte eine Mini-Quiche (handtellergroß) und ich eine gefüllte Blätterteigpastete. Mit unserer Beute setzten wir uns draußen auf eine uralte Bank aus gelbem Sandstein (aus dem Metz überwiegend erbaut ist) in die Sonne.

Wir hatten die Front der Kathedrale und den linken Turm im Blick, mümmelten unser Ofenzeugs und der Prinz erklärte mir den Unterschied zwischen Gotik und Neugotik. Ich liebe das, ich finde Architektur so spannend (außer Glas mit Beton) und der Prinz kennt sich da wirklich gut aus.
Natürlich wollte ich die Kirche von innen sehen – umwerfend! Schaut mal hier bei Tante Wiki rein, da bekommt ihr einen Eindruck. (klickt auch auf die Fotos zum Vergrößern!) Also, sich für ein stilles Gebet zurückziehen, das ist nicht leicht, denn es sind viele Touristen mit Fotoapparaten da. Es traf sich wunderbar, dass die Sonne so kräftig schien, denn das brachte die wunderschönen Glasfenster brillant zum Leuchten. Wir sagen ja immer „das finstere Mittelalter“, aber in Wirklichkeit war diese Zeit, wie der Prinz immer betont, eine farblich sehr leuchtende und prächtig- intensive Phase. Übrigens: die Kathedrale hat auch herrliche Chagall- Fenster! Das Brautpaar dieses Morgens hatte wirklich Glück mit dem Wetter; die Atmosphäre in der Kirche war durch das einfallende Sonnenlicht atemberaubend. Ich zündete, wie ich das in Omas Angedenken immer tue, noch zwei Kerzchen an. Den Rest des Tages verbrachten wir damit, einfach gemütlich durch die sehr hübsche Innenstadt zu bummeln, hier und da mal ein Käffchen zu trinken oder etwas zu knabbern oder ganz einfach Schaufenster zu gucken. Der Prinz ist ja ein richtiges Mädchen, er kann stundenlang durch die Galeries Lafayette stromern. Das mache ich gern mit, trotz der eiskalt geschalteten Klimaanlage. Ist immer interessant.
Hinterher entdeckte ich einen ganz kleinen Wohnacessoires-Laden, bei dem mir mein britisches Herz aufging: Lauter Zeugs wie Hocker, Sofadecken, Bettüberwürfe mit Union Flag-Motiv (Union Jack heißt die britische Flagge nur auf See ; – ) …ich hätte mich doll und dusselig kaufen können. Ich seufzte vor dem Schaufenster und bekam irgendwann mit, dass der Prinz nicht mehr da war. Dann stand er plötzlich breit grinsend neben mir und hielt mir eine Tüte hin, in der ein Kissen lag, so eins. ( Bei uns heißt das einfach „Sofakissen“, aber in der Gegend, aus der der Prinz stammt, nennt man solche kleineren Kissen „Fritzchen“ : – ) Ich war sehr glücklich und gerührt über dieses liebe Geschenk. (Der Prinz ist in seiner tiefsten Seele ein Franzose, so wie ich eine Britin bin, und er bringt mir oft britisch thematisierte Dinge mit, obwohl er die Engländer eigentlich nicht mag). Ich benutze das Kissen jetzt vor allem dazu, nachts den linken Arm hochzulagern, damit die blöde Subluxation nicht unterstützt wird.
Das Tollste (und leider auch das Teuerste) in dem Schaufenster waren Duschvorhänge mit einem Fotomotiv, das den Elizabeth Tower (ehemals „Big Ben“) und davor einen der typischen roten Busse zeigt. Irgendwann riss ich mich aber doch los und wir erkundeten noch ein wenig die verzweigten Seitengässchen der Innenstadt von Metz. Zum Schluss frönten wir noch einer alten Leidenschaft, die wir uns in unserem ersten Südfrankreich-Urlaub angewöhnt hatten: Der Prinz kaufte Baguette und Saint Agur Crème (Saint Agur ist ein unbeschreiblich köstlicher Blauschimmelkäse, den es auch als einen cremigen Streichkäse gibt, in kleinen 150-Gramm-Töpfchen. Die holen wir im Supermarkt, dazu Baguette und etwas Rotwein,stellen das Auto an einer ungestörten Ecke ab und genießen unser Mittags- oder Abendessen, je nachdem. Wir brechen etwas vom Baguette ab, tunken das Stück ins Cremetöpfchen und futtern, bis wir pappsatt sind. Dazu Rotwein direkt aus der Flasche, herrlich dekadent:D Hinterher ist das Auto natürlich total vollgekrümelt : – )

Ich bin ja so gar nicht für das Essen von Weißbrot zu haben, aber die Franzosen machen einfach großartige Baguette, und ich liebe sie!

Es war ein ganz, ganz herrlicher Tag in Metz, mit französischem Flair und Essen – wie ein kleiner Frankreich-Urlaub. So etwas werden wir jetzt öfter machen, wir sind ja mit dem Auto, wie man in Norddeutschland sagt, „in einer großen Stunde“ in Frankreich von hier aus. Und eineinviertelstunde Fahrt für ein kurzes völliges Abschalten ist ja nicht zu viel, oder?

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