Ein Kind bekommen: SO oder SO?

my dearies, heute beschäftigt mich ein eher philosophisches Thema, dasThema Kinderkriegen bzw. die Motivation dazu:

NEIN, ich bin nicht schwanger und gedenke es auch nicht zu werden (Hey, ich bin eine ältere Lady, ok?! : – ))

Viele von euch sind Eltern, da muss ich nichts dazu sagen, wie riesig die Verantwortung ist, wenn man feststellt: oops, schwanger…bekommen wir das Kind, ja oder nein? Denn das kleine Wesen da ist oft eben nicht nur zufällig und ungeplant entstanden:

Vor kurzem traf ich in der Stadt eine frühere Arbeitskollegin, mit der ich in den 90er Jahren in einer Firma in der Pfalz zusammengearbeitet hatte. Ich hätte sie nicht mehr erkannt, aber sie sprach mich sofort an. Ich freute mich über das Wiedersehen und wir gingen in ein Café. In ihrer Begleitung war ein hübsches junges Mädchen von17 Jahren, die ich schnell und korrekt als das Wesen identifizierte, das damals, als ich die Firma verließ, noch den Bauch ihrer Mutter sehr gerundet hatte. Das Mädchen ist das Opfer einer typischen „geplanten Frust-Schwangerschaft“. Die Ex-Kollegin, ich nenne sie hier Tina (Bettina), war damals sehr unzufrieden mit ihrem Job, fand aber nichts anderes. Sie lebte bei ihren Eltern, mit denen sie oft Auseinandersetzungen hatte. Der Chef im Büro ging ihr ganz besonders auf den Keks. Oft genug rauschte sie nach einem Gespräch mit ihm zu uns ins Büro, knallte die Tür hinter sich ins Schloss und zischte:“ Mann!!!! – wenn der mich weiter so nervt – dann werd‘ ich schwanger!!!“

Uschi, meine andere Kollegin, und ich schauten uns dann nur an. So gern wir Tina mochten, keine von uns konnte sie sich als Mutter vorstellen. Doch Tina hatte ihren Plan. Sie hatte keinen Bock mehr aufs Büro, sie wollte zu Hause raus… der einzige Weg dazu war: Stefan musste sie heiraten. Wir hatten Stefan bei einem Betriebsfest getroffen: netter, stiller junger Mann, Elektriker – und gegen die entschlossene Tina hatte er nicht den Hauch einer Chance, wenn sie im „Panzer-Modus“ war. Ich verließ die Firma, als Tina im neunten Monat war, bekam die Geburt ihrer Tochter also nur noch per Erzählung mit. Was ich von den Kolleginnen, mit denen ich in Kontakt blieb, ebenfalls hörte, war, dass Stefan, gedrängt von seinen und von Tinas Eltern, seiner „Verpflichtung“ nachkam und Tina heiratete, was allerdings zur Folge hatte, dass er bald, um in der riesigen Verantwortung nicht zu ertrinken, Drogen nahm. Das letzte, was ich hörte, war, dass er heroinsüchtig sei. Kurz darauf starb er an einer Überdosis. Mir tat das sehr Leid für diesen wirklich netten jungen Mann, der einfach nur seinen Platz in dieser Welt gesucht hatte. Nun saß ich also mit Tina im Café, neben mir Saskia, ihre Tochter, die traurig und nicht sehr selbstbewusst wirkte. Im Gespräch merkte ich schnell, woran das wohl lag: Tina setzte ihre Tochter ständig herab, mit kleinen spöttischen Bemerkungen und Spitzen, die dem Mädchen sichtbar wehtaten. Mir war schnell klar: Tina hatte an Saskia eine feste Erwartung gehabt: Das Baby sollte ihr eine Ehe verschaffen, Freiheit von ihren zu strengen Eltern, und endlich das Leben, von dem sie immer geträumt hatte. Nur: Stefan war damit überfordert. Und Tina gab die Schuld dafür, dass ihr Plan gescheitert war, nicht etwa ihren überzogenen Erwartungen, sondern ihrem Mann und ihrer Tochter. Das bedeutet für Saskia: Sie ist erst 17, wird aber ihr Leben lang der Liebe und Anerkennung ihrer Mutter nachlaufen, ohne sie je zu bekommen. Tina war weit entfernt davon, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sie Stefan gezielt verführt und mit der Schwangerschaft geplant in eine Falle gelockt hatte. Im Gegenteil: Sie stellte die Situation so hin, dass Stefan ein erfahrener Frauenheld gewesen sei, der sie, das naive Mädchen, verführt und geschwängert habe. Sie wirkte sehr verbittert. Mich erschreckte das, denn Tina war in unserer gemeinsamen Bürozeit eine fröhliche und lustige, kluge Frau gewesen, voller Ideen und Unternehmungslust. Und Saskia wird ihr Leben lang dafür büßen müssen, dass sie nicht den Erwartungen entsprochen hat. Sie wird von ihrer Mutter niemals den Satz „Ich hab dich lieb“ hören, geschweige denn“ Ich bin stolz auf dich“ (selbst wenn sie, wie sie es plant, Jura studieren und mit Bestnoten abschließen sollte).

Aber es geht auch anders: Vor einiger Zeit fand ich ein Blog wieder, in dem ich zu den Zeiten meines früheren Blogs, „The Wolfmother Wallpaper“ (das es ja nicht mehr gibt, weil ich es zu meinem eigenen Bedauern 2007 gelöscht habe), regelmäßig mitgelesen hatte. Zu meiner Überraschung entdeckte ich in diesem wiedergefundenen Blog einen Hinweis darauf, dass der Autor in der Zwischenzeit Vater geworden ist. Ich fragte neugierig-gespannt nach und erklärte auch gleich kurz, warum ich für einige Jahre aus der Bloggerwelt verschwunden war. Zu meiner Freude kam kurz darauf eine Mail: er erinnerte sich tatsächlich an mich und meinen früheren Bloggernamen. Und ja, das Kind ist tatsächlich seins. Er habe nie Kinder haben wollen, schrieb er, fand aber eines Tages, dass es doch schade sei, diese Welt wieder zu verlassen, ohne ein Kind zu haben. So sei dann eben, „ganz bewusst und mit viel Liebe ein ganz besonderes Wesen entstanden.“

Ganz ehrlich? Bei dieser Formulierung bekam ich feuchte Augen. So geht es also auch! „Sie ist ALLES für mich“, schrieb er. Die Kleine hat es gut. Sie ist ohne Erwartungen gezeugt worden, nur, um geliebt zu werden. Sie wird mit dem Gefühl aufwachsen, erwünscht und wertgeschätzt zu sein. Sie wird sich niemals dumm oder wertlos fühlen müssen.

Was meint ihr dazu? ihr Eltern, vor allem?

( off to get some more coffee)

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2 thoughts on “Ein Kind bekommen: SO oder SO?

  1. Ich habe zwei kleine Kinder und ich bekomme immer eine Wut, wenn ich lese, wie Eltern das Leben ihrer Kinder verpfuschen können. Das erste, was meine Kinder gelernt haben, war, dass sie geliebt werden. Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste, was Eltern ihren Kindern auf den Lebensweg mitgeben können.

  2. Da stimme ich dir von ganzem Herzen zu, Kathrin! Es ist schlimm für ein Kind, wenn es spürt, dass es mehr geduldet ist als alles andere… Die Welt kann froh sein um Mütter wie dich!

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