Aktualisierung

Boah, wieder lange nix geschrieben hier… Die letzten eineinhalb/zwei Wochen haben viel Kraft gekostet. Am 11.März war ja, wie ich schrub, frühmorgens der Prinzenpapa gestorben, in der Rehaklinik. Bis wir in der Klinik ankamen, war seine Leiche bereits bei der Staatsanwaltschaft in Mainz (wegen der nicht gleich offensichtlichen Todesursache musste eine Obduktion gemacht werden), aber eine sehr nette und herzliche Krankenschwester hatte bereits seine Kleidung in seinen Koffer gepackt, so dass wir alles einfach ins Auto mitnehmen konnten. Die Ärzte und Schwestern waren etwas schockiert, denn dass jemand in einer Rehaklinik stirbt, in der ja eigentlich Patienten sind, denen es schon besser geht, ist wohl eher selten.

Am Samstag darauf trafen wir uns mit den Prinzenkindern in der Friedhofskapelle, wo der Bestatter den Papa sehr liebevoll aufgebahrt hatte. Der Papa hatte in einer Kleinstadt gelebt, wo jeder jeden kennt. Der Bestatter ist in dieser Stadt geboren und aufgewachsen und kennt – allein durch seinen Beruf – ebenfalls fast alle Familien im Ort. Den Papa hat er oft auf dem Weg zum Friedhof getroffen, wenn dieser das Grab seiner Frau besuchte. So hatte er es geschafft, den Papa genauso anzuziehen, wie er immer ausgesehen hatte, mit seiner graublauen Windjacke, der ausgebeulten Jeans, den Turnschuhen und vor allen Dingen: mit seiner so vertrauten dunkelblauen Basecap, die er immer trug, egal bei welchem Wetter. Ein kleines bisschen fremd wirkte der Papa schon, im Sarg… aber die Mütze machte das wett. Wir haben ihm noch etwas mitgegeben: Der Papa war ein leidenschaftlicher Sudoku-Fan. Da er tagsüber immer in der Stadt unterwegs war, schnitt er sich aus der Morgenzeitung die Sudokus heraus und klebte sie auf ein passend zurechtgeschnittenes Stück Pappe, das er in seiner Jackentasche mit sich trug, zusammen mit einem Bleistift, an dessen Ende er ein Stück Radiergummi befestigt hatte. Wenn er unterwegs war, saß er oft unten an der Rheinpromenade auf einer Bank und löste sein Sudoku. Ich fand beides, Sudoku und Bleistift, neben seinem Essplatz und nahm es mit. In der Kapelle gab ich beides dem Bestatter, der sie unter Papas gefaltete Hände schob. So kann er jetzt auf seiner Wolke schön entspannt rätseln.

Nach dem Abschied fuhren wir mit den Prinzenkindern zu Papas Wohnung, damit sie sich ein Andenken mitnehmen konnten. Merkwürdig, wie endgültig leer und verlassen eine Wohnung sich anfühlt, wenn man weiß, dass die Bewohner nicht nur mal eben einkaufen sind, sondern für immer weg… Die Prinzentochter zieht demnächst in ihre erste eigene Wohnung und war daher sehr froh über etwas Geschirr und andere Haushaltsgegenstände, vor allem die Waschmaschine. Der Prinzensohn übernimmt Papas alten, aber noch fitten kleinen Ford Fiesta (auch wenn das kein „cooles“ Auto ist; – )) Wir haben den Wäschetrockner adoptiert. Die Diakonie wird dafür sorgen, dass die Möbel an bedürftige Menschen abgegeben werden, zum Beispiel Flüchtlinge. Papa war ein sehr gutherziger Mensch, er hätte das sicher gutgeheißen.

In der Woche danach machte ich den Fehler, mir den Film „Awakenings“ mit Robin Williams anzusehen, und stellte dabei fest, dass mich sein Tod mehr getroffen hatte, als ich glaubte. In fact, ich habe ihn noch immer nicht verdaut. Selbst unter dem hässlichen struppigen Vollbart war das Lächeln so typisch, so „Robin-y“, dass ich mit nassen Augen vor dem Fernseher saß, die ganze Zeit. (note to self: Nicht – repeat – NICHT „Dead Poets Society“ gucken.)

Nun ja, und am 12.März, einen Tag nach Papa, starb ja Terry Pratchett… Das traf mich sehr hart. Ich war nicht nur traurig, ich war sauer. Stinkwütend. Na, irgendwann werde ich DEATH ja auch mal über den Weg laufen. Dann sage ich ihm meine Meinung.

Also, kurz: etwas viel Tod in der letzten Zeit. Eine Pause wär‘ jetzt mal schön.

Gestern haben wir die Asche des Prinzenpapas in einer hübschen Urne zu der seiner Frau gesellt. Es war eine sehr liebevolle und feierliche Beerdigung. Viele Menschen kamen, vor allem Nachbarn, frühere Arbeitskollegen vom Papa, und Verwandtschaft, von denen ich viele noch gar nicht kannte. Es war schön zu sehen, wie beliebt der Papa gewesen war. Als wir abends heimkamen, war ich sehr erschöpft. Gerade, als ich in die Dusche schlüpfen wollte, kam der Prinz ins Bad und erzählte mir aufgeregt die Neuigkeiten über das abgestürzte GermanWings-Flugzeug – also, dass möglicherweise der Copilot den Absturz bewusst herbeigeführt hat. Das hat mir den Rest gegeben – ich habe dann in der Dusche erst einmal eine Weile geheult. Heute bin ich immer noch melancholisch, aber es ist schon wieder ganz gut. Nachher wird das Riesensofa abgeholt, das ich hier angeboten hatte, dann muss oben einiges umgeräumt werden. Also, Allons-y! (bzw.: Geronimo!) ; – ))

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s