… der Prinzenpapa …

… ist abgereist. Gestorben, meine ich damit. Ganz überraschend, in der vorletzten Nacht.

Er war ja, wie ich schrub, in der Weihnachtszeit in seiner Wohnung gestürzt, deswegen hatten wir den Urlaub früher beendet. Papa war dann eine Weile in einer Klinik, wo er sich gut erholte. Wir besuchten ihn dort, so oft es uns möglich war. Papa zu einer Reha zu überreden, war nicht so einfach. In der Nähe seines Wohnortes gibt es eine geriatrische Fachklinik. Das Konzept „Reha“ war Papa aber irgendwie unheimlich, er konnte sich das nicht so recht vorstellen. Zudem hatte er, wie das bei alten Menschen oft ist, die Sorge, er könne dort zur Last fallen. „ Papa, die Therapeuten dort werden dankbar sein für einen agilen Patienten wie dich, der täglich noch etliche Kilometer spazieren geht!“, beruhigte ihn der Prinz. Zum Schluss war Papa in der Rehaklinik sehr zufrieden. Anfangs bekam er einen Rollstuhl. Als sie dort aber sahen, wie fit er noch war und wie er sich zunehmend erholte, nahmen sie den Rolli zurück und gaben ihm einen Rollator, der ihm ganz gut gefiel (zumal er damit unauffälliger als mit dem Rolli in die Konditorei um die Ecke ausbüxen konnte ; – ))

Wir besuchten ihn weiterhin jedes Wochenende und machten dann kleinere Ausflüge in die Umgebung mit ihm, zum Bummeln und Kaffeetrinken. Der Prinz holte ihm bei diesen Gelegenheiten oft Dinge aus seiner Wohnung, die er brauchte. Am 20. Februar wurde er 84, das begingen wir mit einer schönen kleinen Familienfeier in einem italienischen Restaurant, das gefiel ihm.

Am vergangenen Wochenende luden wir ihn zum Kaffee in das Café einer alten Burg in der Umgebung ein, wo wir gemütlich Zupfkuchen aßen und dabei den grandiosen Blick ins Tal genossen.

Aber… geahnt hat er wohl etwas, der Papa. Denn er hatte kürzlich zu Hause dem Prinzen gezeigt, wo er in der Wohnung Geld versteckt hatte und wo verschiedene Papiere und Unterlagen waren, mit dem Hinweis „Falls es mal gebraucht wird“… Vor etwa drei Wochen begleiteten wir ihn zum Friedhof, zum Grab der Prinzenmama. Versonnen stand er davor und nickte ihr zu: „Ich komm’ auch bald“, sagte er. „Damit lässt du dir aber bitte noch Zeit, Papa, ja?!“ sagte ich. Er grinste mich nur schelmisch-liebevoll an.

Nun sieht es tatsächlich so aus, als hätte er das geschafft. Drei Jahre ist sie nun tot, und er hat es nicht verwunden, bis zuletzt nicht. Immerhin – 60 Jahre Ehe, das ist schon eine Menge Zeit.

Der Arzt der Rehaklinik rief den Prinzen gestern Morgen an und erklärte ihm, dass eine der Krankenschwestern den Papa auf der Kontrollrunde um vier Uhr morgens tot in seinem Bett gefunden habe. Da keine Todesursache erkennbar war, hat die Kripo eine Obduktion angeordnet. Die war heute. Ergebnis: Herzinfarkt. Er habe „sehr friedlich“ ausgesehen, sagte der Arzt. Also hat er wohl einen recht leichten und schnellen Tod gehabt, wie seine Frau damals. Vermutlich hat sie schon auf ihn gewartet: „Heinz! Komm!“ Ich schätze, der Papa war ganz froh, endlich wieder rumkommandiert zu werden. Auch er will verbrannt werden, die Urne kommt dann zu der seiner Frau mit ins Grab. Das macht wieder der wunderbare Bestatter, der vor drei Jahren die Beisetzung der Prinzenmama organisiert hatte. Der Prinzenpapa war ein liebenswürdiger, bescheidener, stiller Mensch mit viel Herz und Humor. Er hatte mich gern und stellte mich, wenn wir in der Stadt Leute trafen, die er kannte, immer mit den Worten „Das ist meine Schwiegertochter“ vor – obwohl der Prinz und ich ja gar nicht verheiratet sind. Aber der Papa sah mich als Familienmitglied. Er wird mir fehlen. Und, ganz ehrlich: ich empfinde es als Privileg, ihn gekannt zu haben.

5 thoughts on “… der Prinzenpapa …

  1. Oh, mein herzliches Mitgefühl für euch beide. Es erschreckt mich immer, wenn ich so etwas erfahre, denn mein Vater wird dieses Jahr auch 84 und die Mutter 82… Und ich kann es mir so überhaupt nicht vorstellen. Ich werde das mit dem Sterben wohl nie verstehen. 😦 Alles Liebe

  2. Mein ganz herzliches Beileid euch beiden. Du schreibst so liebevoll. Er ist nicht weg, solange jemand in Liebe an ihn denkt. Mein Schwiegervater ist letztes Jahr auch einigermaßen überraschend gegangen und vielleicht treffen sie sich ja jetzt da oben. Von mir auch alles Liebe und viel Kraft an euch.

  3. Herzliches Beileid an euch beide. Ich hoffe, es ist tröstlich für euch, dass er so friedlich und wohl auch selbstgewählt wieder zu seiner geliebten Frau gehen konnte. Alles Liebe, Doris

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