Hasse Aua gemacht?

Es ist im Grunde eine unendliche Quelle für Anekdoten, wie andere Menschen mit mir umgehen, wenn ich im Rolli unterwegs bin. Ich benutze ihn ja jetzt zu meiner Freude zunehmend weniger, nur noch, wenn ich weiß, dass längere Wegstrecken zu bewältigen sein werden, zum Beispiel, wenn wir zum Bummeln in eine andere Stadt fahren, wie Mainz oder Speyer, oder der Besuch in einer Einkaufspassage ansteht, deren harte Granitfußböden mich nach spätestens 50 Metern schachmatt setzen. Trotzdem sind genau diese Orte scheinbar die beliebtesten Plätze für Kinder, um Fangen zu spielen. Gestern bei IKEA: ich öddel‘ da so hinter einem jüngeren Paar her, da rammt mir von hinten voll was schmerzhaft in die Nieren. Ein rennendes Kind, wie sich zeigte, das nicht rechtzeitig bremste und praktisch im vollen Renn-Schwung hinten in den Rollstuhl prallte. (Meine Nieren sind noch da, danke.) Die Eltern drehten sich gleichzeitig um. Der Vater fragte mitfühlend das Kind: „Hasse Aua gemacht?“ Ohne weiteren Kommentar gingen die beiden weiter. Im selben Moment prallte das nächste Kind seitlich an den Rolli. Ein Geschwisterkind, ließ das identische Kleid vermuten. Diesmal drehte sich die Mutter um und fragte das Kind: “Hasse Aua gemacht?“ Keines der Elternteile oder der Kinder kam im Entferntesten auf die Idee, mal zu mir wenigstens „Entschuldigung“ zu sagen. Das ist das Problem in Deutschland: Ich möchte manchmal gern zu Eltern sagen: „Haben Sie Ihrem Kind nicht beigebracht, dass man behinderte Menschen nicht anstarrt, als seien sie Zirkusponys?!“ Denn das passiert oft, egal, ob ich mit Rolli oder zu Fuß mit dem Gehstock unterwegs bin: Kinder bleiben vor mir stehen und starren mich mit offenem Mund an.

Aber: wenn man Eltern bittet, ihren Kindern wenigstens ein bisschen Benehmen beizubringen, gilt man sofort als Kinderhasser. Und das bin ich nicht. Ich finde Kinder klasse. Solange ihre Stimmen mir keine körperlichen Schmerzen zufügen, jedenfalls ( Hyperakusie). Aber im Großen und Ganzen schon. Also: Ja, ich hatte Aua gemacht, jedenfalls meine Nieren. Micia und Pippi jedenfalls hatten Hurra gemacht, wie der Beitrag vor diesem hier zeigt : – ))))

Advertisements

6 Kommentare zu “Hasse Aua gemacht?

  1. gut, ich bin nicht mit Rolli unterwegs, darum ist das ein krummes Beispiel.

    aber ich habe mittlerweile absolut keine Probleme mehr damit Kindern und den dazugehörigen Eltern gleich mit (oder anders rum) zu sagen das sie nicht von hinten den Hund schubsen, anschreien, treten, mit einem Stock schlagen oder mit dem Roller in 20 cm Entfernung vorbei fahren sollen und dabei am besten noch klingeln.
    das ist bei unseren ganzen neuen Arschloch Nachbarn nämlich normal, scheinbar.

    gut, die mögen mich alle nicht.
    da kann ich allerdings hervorragend mit leben.

  2. Ich habe jetzt was ganz Anderes erwartet: dass ein Kind dich grübelnd angeschaut hat und dich dann gefragt hat: „Hasse Aua gemacht?“. …
    Schon traurig, dass nicht mal die Eltern wissen, was Anstand ist – wie sollen es denn da ihre Kinder lernen?? 😦

  3. Markus: wenn das nochmal vorkommt, dass so eine Kackbratze MEINEN SÜSSEN BILL belästigt/erschreckt/nervt, ruf mich, ich komm‘ dann sofort und binde das Balg an ’nem Jägerhochstand fest und warte drauf, dass Jagdgegner das Ding umschmeißen : – )

  4. oh, sehr gerne!
    Hochstände gibt es genug in unmittelbarer Entfernung und Jagdgegner, ach, die organisiere ich hier noch problemlos. 🙂

  5. ach so, Bill, ich komme ja zu nichts, also wie immer…

    so ganz von den Medikamenten kommen wir dann doch nicht runter, aber gegen die eine Extra Wurst am Tag, mit der Tablette drin von wegen der Blutplättchen, hat der ja dann eigentlich doch nichts und so klappt das an sich ganz gut.

  6. Also. Im letzten Urlaub sahen wir bei mcdoof einen Kleinwüchsigen Mann hinter der Theke stehen und meine Grosse war sehr neugierig und fragte mich, warum der Mann so klein sei (natürlich so laut, dass es alle hören konnten) und ich schämte mich entgegengesetzt meiner Befürchtungen solchen Situationen gegenüber nicht, sondern erklärte Emi, dass es sehr viele verschiedene Menschen gibt. Grosse, kleine, dicke, dünne usw. Und dass es auch sonst langweilig wäre, wenn alle Menschen gleich wären. Sie gab sich mit der Erklärung zufrieden und der Mann sagte zu mir „Endlich mal eine Mutter , die ihrem kind eine Antwort gibt und nicht beschämt, das kind zum Schweigen bringt.“ Ich finde das“Anstarren“ von Kindern gar nicht schlimm. Das ist die natürliche Neugier. Man muss ihnen nur beibringen, dass anders aussehende Menschen auch normale Menschen sind, dann starren die irgendwann eh nicht mehr. Bei Erwachsenen finde ich das allerdings schlümm 😊

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s