Die Weihnachtskatze

 

Diese Geschichte habe ich vor einigen Jahren, als sie sich zutrug, schon einmal in meinem früheren Blog ( The Wolfmother Wallpaper) erzählt – vielleicht erinnert sich jemand von euch noch daran?

Also, das Jahr weiß ich nicht mehr. Meine Berliner Freundin Lotte war am 22. Dezember bei uns, um ihren 2. Reikigrad zu machen. Es war bitterkalt, kurz vor oder sogar am Gefrierpunkt. Wir drehten eine Abendrunde durchs Dorf. Als wir an dem Grundstück vorbeikamen, das ich hier erwähnt habe, hörte ich zu meinen Füßen einen jammervollen Mauz-Ton. Ich suchte und entdeckte in der Dunkelheit eine kleine schwarze Katze, die an der Hüfte im Tor eingeklemmt war. Ich drückte die Torflügel mit aller Kraft auseinander, aber die Katze blieb liegen. Horrorbilder von einer gequetschten Wirbelsäule und einer querschnittgelähmten Katze schossen mir durch den Kopf, das Wort „Einschläfern“ gesellte sich ungebeten dazu. Lotte klingelte heftig. Die Haushälterin kam heraus, traute sich aber nicht, die Katze anzufassen. Das Tor ist elektrisch und die Kleine hatte wohl noch versucht, zusammen mit einem Besucher-Auto durchzuwitschen und war dann zwischen die sich schließenden Torflügel geraten. Der Prinz war inzwischen die paar hundert Meter zu unsrem Haus gerannt und hatte eine Bananen Kiste geholt, die noch vom Umzug übrig war. Die Haushälterin war nicht begeistert, da an diesem Abend noch Gäste zum Essen erwartet wurden, aber die Katze tat ihr leid und sie holte sofort eine Decke für die Kiste und bot mir das Telefon und das Telefonbuch an, damit ich einen Tierarzt suchen konnte. Der dritte Anruf – in Ludwigshafen – war endlich erfolgreich, es war eine sehr nette Frau dran, die sagte, wir könnten sofort kommen.

Hiermit möchte ich – ungeachtet unseres wunderbaren Highlanders – der Tierarztpraxis Dr. Thomas Süß in Ludwigshafen-Oppau ein ganz dickes Lob aussprechen – die sind super!

Ich versuchte(mit dicken Arbeitshandschuhen) die vor Angst fauchende und spuckende Katze in den Karton zu legen, voller Angst, ich könnte den vermutlichen Schaden an der Wirbelsäule noch verschlimmern – da fuhr sie fauchend hoch und biss in meinen Daumen, sehr tief. Tat höllisch weh. Die Autofahrt war purer Stress für das arme Tier. Wie ein Jack-in-the box schoss sie alle Minute hoch und fauchte mir ins Gesicht. Das erschreckte mich jedes Mal fast zu Tode : – ) Lotte, die schräg hinter mir saß, und ich gaben der Katze gleichzeitig Reiki, aber das arme Tier war in seiner Panik so überdreht, dass es kaum nutzte.

In der Praxis erwarteten sie uns schon, eine sehr nette Tierärztin begrüßte uns und wurde von unserer Unfallkatze mit Hochschießen und Fauchen „begrüßt“. „Oha“, sagte die nette Ärztin,“ ich lege sie erstmal in eine leicht Narkose, damit ich sie in Ruhe röntgen kann.“ Sobald die Kleine schlief, trug sie sie ganz vorsichtig und liebevoll zum Röntgenraum, aus dem sie bald freudestrahlend zurückkehrte. „Alles in Ordnung!“ verkündete sie. „Die Wirbel sind unverletzt – schauen Sie, hier – wie Perlen auf der Kette!“ Und so sah das Röntgenbild auch aus, wie ich erleichtert sah. Die inneren Organe waren ebenfalls unverletzt und sahen normal aus. Also: Alles prima. Die Ärztin bot an, der Kleinen noch Zahnstein zu entfernen, da die Zähne sehr mitgenommen aussahen. Allerdings fielen ihr dabei einige der Zähne schon von allein in die Hand… „hmmm… die Katze schein älter zu sein, als sie äußerlich wirkt“, sagte die Ärztin und gab ihr noch eine Aufbauspritze.

„Übrigens“, sagte sie noch, das scheint mir eine wilde Katze zu sein… wenn sie morgen früh aus der Narkose aufwacht, werden Sie sie nicht anfassen können, Am besten lassen Sie sie, sobald sie wieder laufen kann, frei.“

Sie war sehr nett. Wir schauten zu dritt, was wir an Geld dabei hatten – es reichte. Die nette Ärztin berechnete die Behandlung so, dass wir hinkamen, so stellte sie nur eines der beiden Röntgenbilder in Rechnung. Eine Frau mit Herz! Danke!

Lotte schlief auf der Couch, ich verbrachte die Nacht in der Küche neben der bewusstlosen Katze, mit heftig pochendem Daumen, der unförmig angeschwollen war und sich immer heißer anfühlte .Aua.

Gegen vier Uhr morgens wachte die Katze auf. Zog sich jammernd aus der Kiste, versuchte zu laufen – und kippte immer wieder um. Wer Katze oder Hund schon mal hat operieren lassen müssen, kennt das ja, wie sie sich quälen nach der Narkose. Ich konnte es kaum mit ansehen, und da die Kleine vor lauter Panik schon wieder ganz außer sich war, legte ich sie vorsichtig in einen Karton auf eine weiche Decke. Sobald es dunkel um sie wurde, beruhigte sich das Katzi und wurde still, vielleicht schlief sie auch vor lauter Erschöpfung noch etwas. Ich döste auf meinem Armee-Klappbett auch noch ein bisschen, dann trieb mich die Unruhe raus. Sobald die Katze mich hörte, wurde das Jammern in dem Karton sehr laut und ich beschloss, sie laufen zu lassen. Ging vorsichtig, in Pantoffeln und Morgenmantel, mit dem Karton rüber durch die Scheune in den Garten unserer Vermieter. Lotte und der Prinz waren schon wach und gingen mit rüber, essen mochte die Katze nichts, kennt man ja. Ihr war sicher noch schlecht. Unsere Vermieter sahen uns durch die Terrassentür und kamen heraus, um zu fragen, ob wir Hilfe bräuchten. Da sie genauso tierverrückt sind wie wir und alles für hilfsbedürftige Tiere tun, gefiel ihnen die Geschichte sehr. Ich kippte den Karton ganz langsam, so dass die Katze sanft aussteigen konnte. Da standen wir, fünf Menschen in Bademänteln. Schlafanzügen und Pantoffeln, und eine kleine schwarze Katze, am 23.Dezember frühmorgens um sieben in einem mit Frost überzogenen Garten. Die Katze hinkte langsam davon, in Richtung des Mühlengrundstückes, wo wir sie gefunden hatten. Sie schaute sich noch ein paar Mal unsicher und etwas vorwurfsvoll zu mir um. Dann war sie weg. Ich telefonierte mit der Haushälterin und kündigte die Katze an. Dabei erzählte ich von der Tierarztpraxis und dass wir 70 Euro bezahlt hatten. Sie bot mir an, mir das Geld in den Briefkasten zu werfen. Wir warfen die Tierarztrechnung mit einigen freundlichen Zeilen an der Mühle in den Briefkasten. Am nächsten Morgen fand ich das Geld mit einem sehr netten „Danke schön!“ – Zettel in unserer Post.

Am Mittag rief die Haushälterin an. „Die Katze ist wieder da – und es scheint ihr gut zu gehen, sie frisst!“ informierte sie mich erfreut.

Wir denken noch oft an dieses Erlebnis und die Katze heißt bis heute „die Weihnachtskatze“ bei uns. Ich bin sehr froh, dass sie ihre Angst überwunden und uns auf sich aufmerksam gemacht hat. Sie wäre sonst erfroren, es war ein gutes Stück unter null Grad, das hätte sie nicht überlebt, und wer weiß, wann jemand sie da entdeckt hätte – 21.00 Uhr ist auf dem Dorf schon sowas wie tiefste Nacht, wir hatten einfach alle Glück, die Katze und wir, dass wir Menschen, noch Lust auf einen Spaziergang hatten. Ich bin dankbar, dass das gut ausgegangen ist.

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