bootcamp, kurz vor Schluss

Ihr Lieben,

übermorgen, am Samstag, den 24. August, ist mein Abreisetag aus dem bootcamp. In der letzten Zeit bin ich ganz schön in der Welt herumgekommen, zumindest hier in der Region. Der Prinz und ich hatten ja beschlossen, dass wir es uns jetzt schön machen, wann immer es geht (allein dafür, dass ich noch lebe).  Am Donnerstag nach der Trier-Reise war hier im Saarland Feiertag (Mariae Himmelfahrt, feiert sonst nur noch Bayern.) Der Prinz nahm sich den Tag Urlaub (er arbeitet in Rheinland-Pfalz, da ist das kein Feiertag.) Da ja im Saarland überall die Läden und Städte zu waren, fuhren wir kurz entschlossen rüber ins Pfälzische, denn der Prinz wollte gerne einmal nach Pirmasens. Ich kannte die Stadt auch noch nicht, nur dem Namen nach – es lohnte sich aber: das Wetter war toll und Pirmasens ist ein sympathisches, gemütliches Städtchen. Wir taten das, was wir bei schönem Wetter in einer Stadt am liebsten tun: wir hangelten uns von Café zu Café und genossen das Leben. Auf der Rückfahrt wollte der Prinz sich gern Zweibrücken ansehen. Dort hatte ich die Begegnung der dritten Art: In der Fußgängerzone lief mir ein Mops über den Weg, der ein Geschirr trug, so eins, auf dem seitlich manchmal „Steuerzahler“ steht oder „Extremschmuser“ oder „Knutschkugel“. Auf dem Geschirr dieses Mopses prangte in voller Pracht sein Name: nicht etwa „Frankie“, wie  es sich gehört hätte,“, sondern: Klaus-Kevin. Echt wahr – ich fuhr vor Lachen beinahe mit dem Rolli in eine Fußgängergruppe hinein. : – ) Ich ließ Klaus-Kevin passieren, obwohl ich eigentlich unterwegs jeden Hund abknutsche, der einigermaßen zugänglich ist .Dafür traf ich Joy, eine weiße Bullterrierhündin mit rosa Halsband, bei der unter dem weißen Fell ganz aparte schwarze Pigmentflecken hervorschimmerten Auf meine Frage, wie alt sie sei, sagte der Besitzer prompt: „Im Mai ist sie zwei geworden.“ Solche Antworten zeigen mir immer, dass ein Hund geliebt wird. Gehört habe ich auch schon, mit traurigem Unterton: „Oh, er ist leider schon sieben…“, das dann gefolgt von einem dicken Seufzer. Die Hundegespräche mit solchen Leuten sind die Schönsten für mich.

Das letzte Wochenende habe ich zu Hause verbracht. Die Katzen waren sehr entzückt, dass ich zurück war und begrüßten mich mit ungewohnt lautem Miauen. Allerdings fiel ihnen nach zehn Minuten ein, dass ich mich ohne ihre Genehmigung für mehrere Wochen aus dem Haus entfernt hatte (AWOL – absent without leave – abwesend ohne Genehmigung). Prompt drehten sie mir ihre kleinen Puschelärsche zu und stoppten sofort jegliche Konversation: -)

Am Samstag fuhren wir nach Weinheim und bummelten dort herum  (Meine Hunde-Ausbeute: eine hinreißende Rottweiler-Hündin namens Shana, fünf Jahre alt.

Ja, mal schauen, was mir der Rest der Tage  hier in der Klinik noch bringt… ich finde es wirklich klasse hier, freue mich aber auch sehr darauf, wieder zu Hause zu leben.

Letztens habe ich es mit einem Kochkurs versucht, der hier angeboten wird, Ein Mitpatient hatte erwähnt, dass er diesen Kurs besucht. Ich koche zu Hause ja auch für mich, allerdings eher kleinere, unkomplizierte Mahlzeiten, die man mit einer Hand bewältigen kann.(Und  ja, auch so kann man lecker. frisch und gesund kochen; – ) Als ich nun von diesem Kurs hörte, dachte ich sofort in ergotherapeutischen  Bahnen: Ein Kochkurs, in dem Leute mit Bewegungseinschränkungen Tricks lernen, die möglicherweise besser sind als die, die ich in meiner Küche nutze. Ich meldete mich sofort hocherfreut an und durfte schon kurz darauf in die Küche. Hier zeigte sich dann, dass bei mir der Wunsch der Vater des Gedanken gewesen war: Die  Kursleiterin war übermeine  Vorstellung eher etwas angezickt – in leicht beleidigtem Ton erklärte sie, sie habe keine Ausbildung “in so was“(womit sie Körperbehinderungen meinte; -) – sie sei Diätköchin. Ah so. Ich habe seit dem Hallamati-Tag  18 Kilo verloren, also danke schön, liebe Dame, ich versuche zur Zeit gerade, mit Hilfe der wunderbaren Firmen Niederegger und HARIBO ein paar der verlorenen Pfunde zurück zu bekommen…ok, ok – ich bin 1,70Meter groß, da sind, 60,08 (gemessener Wert heute früh) Kilo in Ordnung, wenn das auch schon leicht zum Untergewicht rüberreicht. Aber damit kann ich leben…: –  )

Schwieriger wurde es, als sie die Rezepte verteilte: Zwiebelsuppe, ein Fischgericht und Waffeln mit Kirschen. Die Waffeln fielen an mich. Sie kniff die Lippen, als ich erwähnte, dass ich Zwiebeln nicht mag und auf Fisch allergisch bin. (Jaja, das können viele Leute nicht gut ab, wenn ich nicht ihren Erwartungen entspreche: -)So schlecht wie nach dem Essen von Fisch wurde mir dann aber, als das „Kochen “losging: Da wurde deutlich, dass wir uns in einem Haus mit Massen-Großküche befanden: ok – in meiner Küche zu Hause gibt es auch keinen weißen Zucker(ich nehme braunen Rohrzucker oder Agavendicksaft aus dem Bio-Supermarkt) – aber Süßstoff?!?!?Im Leben nicht!!!!! Buäääh!

Das Schlimmste war aber das Tetra-Pack, das sie vor mich hinstellte: dass die dort nur H-Milch nutzen, und dazu nur fettfreie, ist klar – Großküchen, wie auch die meisten gastronomischen Betriebe, haben noch nie von der Existenz von normaler Frischmilch gehört (oder benutzen sie aus Geiz nicht).

Auf dieser Tetra-Pack- Schachtel stand aber nix von Kuh oder Bauernhof, sondern “Voll-Ei“ (!!!!)

Stolz erklärte mir die „Köchin“, dass 150Milliliter von dieser ekelerregenden gelben Klebepampe einem Ei entsprächen und kippte mir die Menge für drei angebliche Eier in die Schüssel. Zu meinem Erstaunen durfte ich Zucker hineintun – ok, weißen, aber immerhin. Ich hatte mich schon darauf gefreut, die „kitchen Aid“ zu benutzen, eine Küchenmaschine, die schon lange ihr Dasein auf meiner Wunschliste bei Tante Amazonien fristet : –  D Aber „nein, der Aufwand mit dem Saubermachen ist zu groß“, hieß es.Halloooo…? Ich hätte die schon saubergemacht, keine Angst!

Ich verabschiedete mich bald gefrustet und gelangweilt  aus dem Kurs und die Leiterin war sichtlich erleichtert : – )) Na, das war ein Reinfall…

Dafür war die letzte Musikstunde klasse: Victor hatte mir den Kontakt zu einer angehenden Musiktherapeutin vermittelt, Katharina, die in der Klinik eine Art Praktikum macht. Mit ihr setzte ich mich ans Klavier und wir suchten uns aus den Noten ein paar tolle Gospelsongs raus, die mit wahrer Lust schmetterten. Ich werde ihrem Rat folgen und mir zu Hause einen Chor suchen ( nein,keinen Gesangverein, auch wenn das hier auf dem Land einfacher sein dürfte – ich bin kein Vereinstyp.)

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