bootcamp, Woche 1, Tag4

Ich hatte gestern und heute einige erhellende Erkenntnisse, Ihr Lieben:

In den eineinhalb Jahren seit dem Hallamati habe ich gewaltige Fortschritte gemacht, nur war mir das nicht klar, weil die Fortschritte so klein sind und ich so ungeduldig bin.

Vorletzte Nacht kam die Nachtschwester zu mir und fragte, ob ich möchte, dass sie regelmäßig nachts nach mir schaut. Nett, nicht? Haha, sie bot mir auch an, morgens um fünf Uhr (!!!) nach mir zu sehen. Wie lehnt man so was höflich und freundlich ab, wenn man noch im Halbschlaf ist, ohne allzu entsetzt zu erscheinen? Nun, irgendwie gelang es mir. Ich dankte ihr herzlich und sie sagte:“ Wie auch immer, wenn Sie nachts Hilfe brauchen, zum Beispiel beim Umdrehen im Bett, klingeln Sie gerne, ich komme dann und helfe Ihnen.“ So lieb sind die hier, toll, was? Und mir dämmerte am Morgen danach: Es gab, ganz am Anfang, in der ersten Klinik, eine Zeit, in der ich tatsächlich nachts klingeln musste, wenn ich mich im Bett umdrehen wollte. Inzwischen brauche ich niemanden mehr, ich schlafe wie ein Stein. Das ist so großartig. Die zweite Erkenntnis hatte ich heute früh beim Duschen: Die Duschen hier in den Zimmern sind natürlich behindertengerecht, also ebenerdig.

Das heiß, dass in einer Ecke des Bades der Boden etwas abschüssig ist und die Fliesen in einem kleinen Abfluss  für die Dusche münden. Dort fiel mir heute Morgen ein Handtuch herunter. Ich bückte mich und hob es auf… und dann erst dämmerte mir: Ich habe mich auf einem nicht-planen Boden gebückt – und bin nicht umgefallen!!! Diese Bodenneigung auszugleichen, und noch dazu gebückt, das hätte mein Gehirn vor  ein paar Monaten noch nicht geschafft. Ich wäre einfach umgefallen.

Zudem – tadaaa! – habe ich hier zum ersten Mal seit dem Hallamati wieder im Stehen geduscht statt im Sitzen. Luxus pur. Seltsam, an was man sich so gewöhnt, wenn’s nicht anders geht.

Ich habe heute Nachmittag zum ersten Mal Wassergymnastik und jetzt sollte eigentlich Visite sein… Ich geh mal schauen, was da los ist.Weitere Meldungen folgen   😉

So, alles klar. Sehr netter Chefarzt, der mir, wie der Orthopäde gestern, versichert hat, dass der Therapieplan jetzt auf mich abgestimmt werden soll. Er entschuldigte sich sogar dafür, dass ich gestern für die Wanderung und die Ataxiegymnastik eingeteilt wurde, obwohl das beides für mich im Moment noch zu schwierig sei. Die sind echt nett und aufmerksam hier. Ich denke, ich habe es gut getroffen mit dieser Klinik. Nur das mit dem Heimweh muss ich noch gebacken kriegen.

4 thoughts on “bootcamp, Woche 1, Tag4

  1. Herzlichen Glückwunsch zu den Fortschritten!
    Es freut mich, dass es langsam wieder besser geht, auch wenn ich nur ein zufälliger Leser des Blogs bin.
    Mein einziger Vergleich ist eine Verletzung am Finger, die mich monatelang am Bouldern gehindert hat – und wenn es ein Luxusproblem und in der Einschränkung keinesfalls vergleichbar ist, so kenne ich die Ungeduld sehr gut.
    Alles erdenklich Gute weiterhin!

  2. Es ist schön, ihren Aufenthalt in der Reha mitlesen zu können. Ich freue mich mit Ihnen über viele kleine und große Fortschritte.
    LG vom linken Niederrhein.

  3. Ich kann Dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich für Dich freue!!!

    Nicht in erster Linie, weil Du dort so gut versorgt bist.
    Und auch nicht, weil ich das Gefühl habe, dass Du dort KÖRPERLICH noch so richtig gute Fortschritte machen wirst.

    Nein – vor allem freue ich mich wahnsinnig, dass es Dir dort durch all die kleinen Aha-Erlebnisse endlich bewusst wird, wie VIEL Du und Dein Körper innerhalb der vergangenen Zeit geschafft, bewältigt und gelernt haben.

    Denn dies war, so schien es mir, immer die Hauptproblematik: alle Außenstehenden konnten Deine Verbesserungen erkennen. Und erst recht, wenn zwischen den Besuchen und Wiedersehen immer Zeit vergangen war.
    Aber Du selbst warst/bist einfach zu nach dran, um zu erkennen, wie viel Du schon gelernt und Dich regeneriert hast.

    Pfeif doch auf „noch nicht Wandern können“ oder Ähnliches!
    Es ist doch ein Geschenk, dass Dir nach und nach klar wird, was Du KANNST und nicht, was Du NICHT kannst!

    Ich drücke Dich ganz doll,
    Kuss
    Yvonne

  4. Oh hier bist du. Hab dich gefuuuunnndeeeeeen! 😉

    Du hast wirklich schon tolle Fortschritte gemacht, der Hallamati war keine Kleinigkeit, vergiss das nicht. Ich bin fest überzeugt, dass du in der Reha noch viele weitere Fortschritte machst. Das wird schon.
    Wie war die Wassergymnastik? 🙂

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s