Frau Lakritze macht zwei Schritte

Nämlich: Fortschritte, die mich sehr, sehr freuen.

Fortschritt eins: am vergangenen Wochenende bin ich wieder in mein eigenes Zimmer im ersten Stock zurückgezogen. Hintergrund:

Wir wohnen auf einem Dorf, in einem150 Jahre alten Bauernhaus, in dem eine schmale und sehr, sehr steile Treppe („Hühnerleiter“) in den ersten Stock führt. Da oben hatte ich zwei Räume bewohnt, einen zum Schlafen und einen zum Abhängen auf dem BigSofa zwischen meinen Bücherregalen. Als ich im April 2012 aus der Klinik entlassen wurde, konnte ich noch kaum laufen, bzw. nur mit viel Angst und Unsicherheit. Der Prinz hatte schon vorher mit Hilfe meines Bruders sein Grafikbüro im Erdgeschoß geräumt und mir in diesem Raum ein gemütliches Zimmer zum Schlafen und Ruhen/Rumhängen eingerichtet.Dieser Raum ist nämlich völlig ebenerdig und für mich gut erreichbar, während z.B. zur Küche eine Stufe zu überwinden ist.

Und die Treppe war natürlich erst gar nicht in der Diskussion – zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch hin und wieder epileptische Anfälle (verursacht durch die Verletzung, die die Blutung im Hirngewebe verursacht hatte), und der Alptraum des Prinzen war, ich könne so einen Anfall auf der Treppe bekommen…. also verbot er mir die Treppe ganz einfach. Erst, als ich mit der Zeit sicherer laufen konnte und die Anfälle medikamentös sicher ausgeschaltet waren – letzter Anfall war im Juli diesen Jahres) –  (wozu auch die vier Wochen ambulanter Reha viel beigetragen haben), versuchte ich unter strenger prinzlicher Aufsicht, die Treppe hoch zu hinken: zuerst der rechte Fuß auf die Stufe, hochstemmen, linken Fuß nachziehen und wackelig daneben setzen. Rückwärts genauso, nur umgekehrt. (Also, auf dem linken – ehemals gelähmten – Bein kann ich ganz gut stehen und laufen, ich übe ja täglich ;)) Der erste Besuch in meinen Zimmern oben war etwas wehmütig: Man merkte den Räumen doch an, dass hier über ein Jahr lang niemand mehr gewohnt hatte, sie waren kalt und wirkten etwas vereinsamt. Der Prinz und ich sprachen oft davon, dass ich wieder nach oben ziehen könnte, aber die Treppe machte uns Sorgen, vor allem wegen der Nächte – fast jeder muss nachts mal auf’sKlo, ich auch… und wenn ich nun im verpennten dusseligen Kopp mal falsch trete und abstürze?

Letztes Wochenende, zu meinem Geburtstag, wurde ich dann aber mutig und verbrachte meine erste Nacht oben. Für die Treppe hatte ich mir knöchelhohe, fest sitzende Hausschuhe gekauft, mitReißverschluss vorne auf dem Spann und miteiner festen, stabilen Sohle, die mir auf den Stufen sicheren Halt geben. (Außerdem ist zum Glück das Treppengeländer rechts, so dass ich mit der unversehrten Hand gut und sicher zupacken kann. Das alles klappt auch ganz prima in der Nacht und ich bin sehr glücklich und begeistert, dass ich mein kleines kuscheliges  Sclafkämmerchen  unterm Dach wiederhabe.Das Pippikind ist ebenfalls begeistert, denn da oben schlafen wir in einem Futonbett,das so niedrig ist, dass eine kleine Katze es voll überblicken kann, wo noch Platz zum Einkuscheln bei Mama ist 🙂

Fortschritt zwei: Treppensteigen muss jetzt nicht mehr so umständlich sein wie vorhin beschrieben. Ich habe einfach mal geübt, „normal“ hochzugehen.Das findet das linke Bein noch etwas komisch, dass es jetzt plötzlich das ganze Gewicht alleine die Stufe hoch stemmen soll, aber: es geht!Ich kann ganz normal „über Kreuz“ die treppe raufgehen. Unglaublich für mich! Natürlich wirkt es optisch noch etwas ungeschickt und geht langsam,ABER es ist MEIN Fortschritt!Vor 15 Monaten wäre ich beinahe gestorben (sorry, liebe Nachbarn, dass ich euch diese Hoffnung versaut habe! ;)), und jetzt denken der Prinz und ich tatsächlich schon wieder über Wanderungen in der Pfalz nach. Drauf freue ich mich sooooo sehr und ich hoffe nur, dass es bald warm wird!Ich werde mir Wanderschuhe mit Klettverschluss kaufen, denn Schnürsenkel sind derzeit für mich noch(!) nicht zu managen 😉 Ich wrde die Schuhe dann hier natürlich vorstellen 🙂

Das Fazit, das Frau Lakritze euch hiermit ans Herz legen möchte:

Lasst euch nie, nie, niemals unterkriegen, egal, was passiert und egal, wie beschissen die Lage im Moment aussehen mag! KLAR!?!

Und wenn an der Lage Menschen schuld sind, die euch feindlich gesonnen sind, wie bei mir, lacht denen ins Gesicht! Meist sind solche Leute armselige Würstchen, die Mitleid verdient haben… (und die, wie in meinem Fall, vergessen, wessen Steuern ihr Hartz IV finanzieren…) Also, Ihr Lieben:Was immer gerade auch bei euch los sein mag:

Du packst das!

Das sagt dir das magische Lakritz :))

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11 Kommentare zu “Frau Lakritze macht zwei Schritte

  1. Danke Lakritz!!!!
    Du hast mir mein Herz in einer Situation gerade aufgehellt und mit Hoffnung bepflanzt.

    Ich danke Dir!
    (Ich weiss das damit nicht ich gemeint war, es tut trotzdem gut)

  2. Musste flennen, als ich Deinen Text gelesen habe…ich freu mich so für Dich / Euch !!! Habe zudem gerade eine Phase, in der die aufmunternden Worte einfach nur gut tun. Danke dafür!

  3. liebe frau lakritz,
    ich gratuliere ihnen von ganzem herzen –
    einmal nachträglich zum geburtstag –
    und zum anderen für die erklimmung eines weiteren
    meilensteines (öhm erklimmung der treppe). ich freue
    mich sehr für sie!
    viele grüße aus ihrer zweiten heimat.
    elvi

  4. Ich kann mich nur anschließen, ich gratuliere auch nachträglich zum Geburtstag und ganz besonders zur Wiedereroberung der eigenen Räume!
    Wünsche Ihnen/Dir das der Weg weiterhin stetig aufwärts führt!
    Und auch ich danke für die tollen und aufmunternden Worte!
    LG Uta
    (unbekannterweise)

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