Ent oder: warum Enttäuschung gut ist

Nein, keine Bäume aus dem Herrn der Ringe ;), sondern eine Begründung, warum „ent“ etwas Gutes ist, also Begriffe wie: ent-täuscht, ent-larvt, ent-deckt.

Hat die Lakritze jetzt ‘n Sparren locker?, mögen einige von euch nun denken. Enttäuscht werden soll was Positives sein? Die hat sie doch nicht mehr alle… und doch bin ich über euch zu dieser Erkenntnis gekommen. Da staunt ihr, was? 🙂

Ja, eure liebevollen und klugen Kommentare zu meinen letzten, etwas weinerlichen Beiträgen hier haben mich sehr zum Nachdenken bewegt und mir geholfen, meinen Standpunkt nochmal zu überdenken – danke dafür!

Ich fange mal an mit dem Begriff“enttäuscht“. Warum war ich so sauer auf die Leute, die mir zuerst Hilfe für Notsituationen zugesagt und sich dann mit Ausreden herausgewunden haben?

Warum ist man dann sauer? Klar: weil man von diesen Menschen ein bestimmtes Bild im Kopf hatte und diese Menschen sich nun mit ihrem Verhalten, das so ganz anders ist, als man es erwartet hatte, dieses Bild abstreifen. Denn es entspricht nicht ihrer Realität.

Ich habe mir von diesen Menschen ein falsches Bild gemacht, habe mich damit also selbst getäuscht, mir etwas vorgemacht, weil ich die Situation gerne so sehen wollte. Die Menschen reagieren nun ganz anders, ich bin verblüfft – und ent-täuscht, das heißt: die Täuschung ist weg und ich sehe nicht mehr das Wunschbild, sondern die Realität. Das mag manchmal schmerzhaft ernüchternd sein, ist aber sicher auch mal ganz gesund.

Das Gleiche kann man auf die anderen Begriffe anwenden: ent-deckt: meine Deckung ist weg, ich kann mich nicht mehr verstecken, sondern muss mich der Situation/Verantwortung stellen Das kann einem helfen, zu reifen. ent-larvt ist eigentlich das gleiche Wort. Eine „Larve“ ist einmal das alte Wort für „Maske“, und wie beim Insekt sieht man nicht, was sich darin/dahinter verbirgt. Ist die Maske fort, sieht man das wahre Gesicht (und das ist vielleich hässlicher, als man

es sich bisher vorgestellt hatte…).

Also, diese Menschen haben genau genommen das  gute Recht, sich gegen das Bild zu wehren, das ich ihnen in meiner Naivität übergestülpt habe, indem ich darauf vertraute, dass sie ihre Hilfeangebote ernst meinten -die können ja nichts dafür, dass ich so naiv und gutgläubig bin (wenn ich mich recht erinnere, hat mich meine Mutter früher, als ich noch ein Teenie war, schon ermahnt, dass ich zu gutgläubig sei ;)). Sie haben mir also im Grunde mit ihren plötzlichen Rückzügen geholfen, meine selbstgemachte Täuschung aufzuheben und wieder einen klareren Blick für die Realität zu bekommen.

So, gleich wird die liebste Nachbarin von gegenüber mit leckerstem Mittagessen hier klingeln…Heute abend hab ich zum letzten Mal Reha-Nachsorge, muss jetzt also nicht mehr in Kälte und Dunkelheit abends raus ins kalte Auto und nach Ludwigshafen fahren, schön!(Obwohl ich mit der Freundin, die mich immer dahin gefahren hat, gerne auf dem Rückweg einen kleinen Stopp beimThai-Bistro eingelegt habe….mnjammmm…;)

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2 Kommentare zu “Ent oder: warum Enttäuschung gut ist

  1. also wenn gerade irgendjemand weinerliche Blogeinträge schreiben darf dann bist wohl du das.
    ob oder wie viel das hilft ist eine andere Frage und musst du selber für dich entscheiden. 🙂

    ich hab das gerade erst alles gelesen, das ist schon heftig bei euch momentan.
    Dir – und natürlich auch dem Prinzen – weiterhin gute Besserung!
    🙂

  2. Und eine Ent-Scheidung führt zwar manchmal auch zur Scheidung, aber zunächst mal bewirkt sie, daß man nicht mehr innerlich geschieden, also gespalten und hin- und hergerissen ist.

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