Angepisst

Ihr Lieben,

im Moment bin ich etwas (sehr ) angepisst und frage mich, ob das an meiner eigenen, vielleicht zu großen, Naivität liegt. Hintergrund: am 26.12., wir waren auf der Fahrt in den Urlaub, hatte der Prinz einen Herzinfarkt. Zum Glück hat er schnell und gut reagiert: er fuhr einen Rastplatz an und als sich der Tumult in der Brust beruhigte, fuhr er noch die paar Kilometer nach Bad Kreuznach, wo er lange gelebt hat und sich gut auskennt. Dort lieferte er sich selbst in die Diakonie ein.Ich habe mich noch niemals so nutzlos gefühlt – Autofahren kann ich frühestens in eineinhalb Jahren wieder, wenn überhaupt,;ich konnte also nichts tun als daneben zu sitzen. Es war schrecklich…

Im Krankenhaus legten sie ihm zwei Stents und nun ist er wieder munter, mein Schatz. Seit dem 30. ist er wieder hier zu Hause. Was bin ich froh!!!

Und warum bin ich so sauer? Ganz einfach:so viele Leute aus dem Freundes- und Bekanntenkreis haben a)nach dem Hallamati und b) jetzt nach des Prinzen Kunststück

vollmundig betont, dass ich mich jederzeit an sie wenden könne, wenn ich Hilfe bräuchte, „egal was“.  Nun war mein Bruder  einige Tage bei mir, als der Prinz im Krankenhaus war. Der Prinz wird jetzt sehr bald in die dringend notwendige Kur abkommandiert werden und dann für den gesamten Januar in Heidelberg in einer Kurklinik sein. Mein Bruder schlug mir vor, eine Helferliste zu erstellen, in der Freunde, Bekannte und auch Nachbarn (gute, vertrauenswürdige, natürlich;) aufgeführt sind, an die ich mich wegen verschiedener Belange wenden kann, wie Einkaufen, Besuch (Kontakt), mich zum Prinzen nach Heidelberg fahren, gucken, ob ich ok bin. Außerdem werde ich mich jeden Morgen bei Brüderchen telefonisch an- und abends abmelden. Dazu sind einige Nachbarn in der Liste, die fußnah wohnen(z.B. unsere Vermieter), die Kai anrufen kann, falls ich mich mal nicht melden sollte. Die liebste Nachbarin gegenüber  will für mich mitkochen, für sie ist es ganz klar, dass sie mich jeden Tag zum Essen rüberholt, super, oder? Was mich jetzt traurig gemacht hat: ich habe die Idee mit der Liste per Mail an einige Freunde geschickt und gefragt, ob sie bereit wären, bei den genannten Optionen mal einzuspringen.Ergebnis: die meisten sind gerne bereit, mich auf einen Kaffee zu besuchen (und bei der Gelegenheit auch was aus dem Rewe mitzubringen), aber beim Thema“Heidelberg-Fahrt“ sieht es schon sehr mager aus, mit viel Herumgedruckse. Da bleiben die liebste Nachbarin, unsere Vermieter und mein Bruder übrig. Tja. da verdaue ich grad dran… Was meint ihr dazu? War ich zu naiv, die Leute wirklich auf ihre Versprechen festlegen zu wolllen?Sollte man sowas nicht tun? Ist das schlechte Etikette? (Andererseits hat die bayrische Nachbarin von schräg gegenüber schon Weihnachtsplätzchen gebracht… und ich weiss, dass sie mich jederzeit beim Trainigsspaziergang begleiten wird, keine Frage, die Vroni ist ein Schatz, ich muss nur anrufen 😉

Das allesklingt jetzt sehr jammerig und selbstmitleidig, ich weiss – sorry! Aber ich bin a) durch den sch***** -Hallamati(so generell) und b) durch den prinzlichen Schrecken gerade etwas „wackelig“ 😉 Dafür werden aber meine Eltern kommen, sobald feststeht, wann der Prinz in die Kur abdampft, und mein Bruder wird an den Wochenenden nach mir sehen.Das ist ein Trost…

Also, ich werde während der ganzen Zeit „beschützt“ und gut umsorgt sein – und das tut gut zu wissen!

5 thoughts on “Angepisst

  1. Wenn man wirklich Hilfe braucht zeigt sich, wer die wahren Freunde sind und dann sollte man auch rigeros ausmisten! Es ist wirklich schade, dass man von dem was man gegeben hat, meistens nichts zurück bekommt! *drück dich* ich bin nicht nahe genug, sonst könntest Du auf mich zählen!

  2. Hallo liebe Lakritzefrau und Prinz,

    na, das jetzt auch noch, zu Weihnachten ein Herzinfarkt… Ich freue mich, dass es Euch noch gibt und Ihr beide weitermacht, ich hoffe, noch ganz lange. Irgendwann muss der ganze Schicksalskram ja mal aufhören, oder?

    Die Meinung der Leser (also auch meine) zu den Reaktionen aus dem Bekanntenkreis war gefragt:

    ‚Egal was‘ ist bestimmt nicht bis zum Ende durchdacht in dem Moment, wo es ausgesprochen wurde („Ich brauche 6 Monate Eure Wohnung, Ihr habt doch damals gesagt…“).
    ‚Nachbarin, unsere Vermieter und mein Bruder‘ ist schon ganz toll, finde ich. Ich könnte wohl auf meinen Bruder zählen, aber Vermieter und Nachbarin sind ein Extrabonus. Ich habe aber auch eine liebe Nachbarin, die halbtags unseren Sohn genommen hat, als ich so krank war, dass ich Pflege brauchte und mein Mann nicht noch mehr leisten konnte.
    Diese Nachbarin hat irgendwie immer was gut bei mir, ich bin ihr so dankbar und freue mich immer, wenn ich etwas für sie tun kann. Aber es ist nicht egal, was. Das ist es immer nur bei Menschen, die einem bedingungslos nahestehen.
    Auch die Nicht-Heidelberg-Fahrer sind bereit, ihren Teil beizutragen.
    Vielleicht ist das weniger, als gebraucht wird. Trotzdem ist es nett von Ihnen, wenn sie helfen (wenn sie es tatsächlich TUN), auch wenn sie nicht nach Heidelberg fahren wollen. Vielleicht nur nicht so generell und auf Abruf?

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass pauschale Zusagen (klar fahre ich Dich jederzeit hin) schwierig sind, aber konkrete Ansinnen (kannst Du mich dann und dann da und da hin…?) spätestens bei der fünften Anfrage Erfolg haben.

    Falls das nicht reicht: Gibt es nicht die Möglichkeit, professionelle Hilfe zu bekommen? Es ist ja nun wirklich nicht von der Hand zu weisen, dass Ihr Hilfe braucht.

    So, muß hier zuhause jetzt weitermachen und schaue später wieder ‚rein.

    Ich habe es vermieden, ‚Du‘ oder ‚Sie‘ zu sagen – ich sage lieber Du, habe mich aber nicht getraut. Darf ich ‚Du‘ sagen oder soll ich lieber förmlich bleiben?

    Liebe Grüße
    Yaspiz

  3. *mal aus einer anderen Ecke piepse*
    Sie schaffen es immerhin andere Menschen anzusprechen und zu fragen- sogar ein bisschen an-einzufordern, wenn, wann und wie genau sie evtl. Unterstützung brauchen- ja die Resonanz ist zu wenig und nicht hilfreich und Sie sind jetzt verärgert… aber wie wäre es, wenn sie nicht einmal eine diese hohlen Phrasen hätten zu hören können?
    Vielleicht ist ihrem Umkreis auch nicht ganz klar, wie wichtig es jetzt für Sie (beide) wäre, wenn Sie jemanden hätten…?

    es grüßt eine Stimme aus dem Off 😉

  4. Hm… schwierig…

    Ich könnte mir vorstellen, wenn ich eine Liste mit mehreren Optionen erhalte, wäre meine erste Wahl sicher auch etwas, dass schnell und eventuell auch öfter durchzuführen ist. Vor allem, wenn ich dann noch sehe, dass besagte Liste an mehrere Leute gegangen ist.

    Wenn ich allerdings von bestimmten, mir nahestehenden Menschen angesprochen werde:“Fährst Du mich bitte dann und dann da und dort hin?“, dann mache ich das mit Freuden, obwohl ich beim Fahren immer 1000 Tode sterbe.

    Manchmal muss man vielleicht nur ein wenig konkreter werden und dem Gegenüber eine Chance geben.

    Ich hoffe, dass du und der Prinz jetzt bald mal durch seid mit den Schreckensmeldungen und sich eure Gesundheit zur vollen Zufriedenheit einpedelt!

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