Das Rosinenbrötchen

oder Es ist alles nur eine Phase heißt das aktuelle Buch von Maximilian Buddenbohm, dessen Geschichtensammlung Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein ich hier schon empfohlen habe. Und empfehlen möchte ich auch das neue Buch.

Während das Travemünde-Buch (also das mit dem Meer) ein Ausflug in seine Kindheit und Jugend ist, knüpft Maximilian Buddenbohm mit dem Rosinenbrötchen an sein erstes Buch Zwei, Drei, Vier – Wie ich eine Familie wurde an, das ebenfalls im Sankt-Ulrich-Verlag erschienen ist, hier zu finden.

Wir treffen also wieder auf Sohn I und Sohn II, was mich sehr freut, da ich ein bekennender Fan von Sohn I bin. (Der Gerechtigkeit halber muss ich klarstellen, dass Sohn II noch zu klein ist, um mit mehr als ausgesprochener Fresslust und der Neigung, seinen Vater ins Bein zu beißen, von sich reden macht. Das kommt aber sicher noch.)

Es sind wieder witzige und oft verblüffende Geschichten, die zum großen Teil aus dem Herzdamenblog bekannt sind. Vielleicht sind sie aber auch nur für mich verblüffend und für alle, die Kinder haben, nur witzig und ansonsten völlig normal. Zum Beispiel, wenn Sohn I aus einer Heiligenlegende lernt, dass es ok ist, seine Klamotten kaputtzuschneiden. Erfahrene Eltern kennen das sicher, wenn da plötzlich bei dem Kind so eine Comic-Glühbirne über dem Kopf aufleuchtet und in dem Kinderhirn Synapsen einklicken, von denen man wahrlich nie gewollt hätte, dass sie einander jemals berühren.

Für mich als kinderlose Leserin sind diese Geschichten natürlich in erster Linie sehr unterhaltsam – was auch an Buddenbohms Art zu schreiben liegt. Ich mag es, wie er Geschichten aufbaut, Leser bewusst auf eine falsche Fährte führt und ihnen dann aus einer ganz anderen Ecke eine aberwitzige Pointe serviert.

Aber ich schwanke beim Lesen auch regelmäßig zwischen Wehmut und Horror. Einerseits – es ist offenbar fantastisch, Kinder zu haben und es gibt in diesen Geschichten viele Momente, in denen ich überlege, ob ich nicht doch hätte zuschlagen und ein, zwei Ableger bekommen sollen. Andererseits denke ich beim Lesen immer wieder „Oh Gott. Ist das gut, dass mir das erspart gebleiben ist – die armen Kinder, die mich als Mutter gekriegt hätten. Das hätte ich nicht durchgestanden.“

Aber das ist hier ja so wie mit den Kindern in der Verwandtschaft: man findet es toll, dass es sie gibt, muss sie aber nicht selbst erziehen. Sehr praktisch und angenehm.

Und jetzt kommt ein Geständnis, das mich und den Prinzen gleichermaßen betrifft. Als erklärte Fans von Sohn I geben wir hiermit zu, dass es zwei Sätze gibt, die Einzug in unseren täglichen Sprachgebrauch gefunden haben. Die Sätze stammen aus der sprachlichen Anfangszeit, als Sohn I noch seine ganz eigene Syntax besaß.

Da ist einmal: „Hab ich gefrühstückt!“ (Die Geschichte, in der das vorkommt, ist die erste im Rosinen-Buch.) Nachdem wir uns, als die Geschichte erschien, darüber schier abgerollt haben, ist der Satz leider bei uns hängengeblieben und wird nun auch in Varianten wie „Hab ich eingekauft!“ oder „Hab ich Hof gefegt!“ benutzt.

Der zweite Satz betrifft das Arbeiten mit Computern. Sucht einer von uns etwas auf dem PC oder irgendwas klappt nicht und man findet die Lösung, kommt ein erleichtertes: „Ah. Klickst du Apfel.“ (Diese Geschichte steht in Zwei, Drei, Vier.) Und das, obwohl es nur – und noch nicht lange – einen Apfel-Laptop im Haus gibt, allein unter lauter Fenstergeräten.

Ich hoffe sehr, dass Sohn I das niemals liest.

Übrigens: meine Lieblingsgeschichte ist die mit dem Müllmann. Und ich sage mit Absicht nicht mehr. Bitte Buch kaufen und selber lesen. Lohnt sich, rundum. Dicke Empfehlung von mir.

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