Frau Mini-Lakritze liest Wilhelm Busch

Dass ich dieses Bild heute herausgesucht und eingescannt habe, ist Herrn Buddenbohm geschuldet, der einen wunderbaren Beitrag zu Wilhelm Busch geschrieben hat und den man unbedingt gelesen haben sollte: hier.

Das Kleid, das ich auf dem Foto (Opa hat fotografiert) trage, es war aus rotem Kunstleder, sagt mir, dass ich da etwa acht Jahre alt war. Aufgenommen im Wohnzimmer meiner Großeltern. Opa rauchte damals noch Zigarren. Der Aschenbecher hatte bunte Beine.

Der Wälzer auf meinem Schoß ist der erste von zwei Bänden einer Busch-Ausgabe, die mit Max und Moritz beginnt. Das war das erste, was ich las. Dann arbeitete ich mich Geschichte für Geschichte weiter, das meiste verstand ich noch gar nicht, aber die Zeichnungen und zum Teil sehr schrägen Handlungsstränge faszinierten mich.

In dem Buch waren auch Farbaufnahmen seiner Gemälde, die ich als Kind sehr düster und einschüchternd fand. Sie waren mir ein bisschen unheimlich.

Viel später, vor etwa fünf Jahren erst, begegnete mir die biblische Geschichte von Bileam und seiner Eselin. Und ich erinnerte mich: in diesem Buch da oben hatte ich sie schon gelesen und angeschaut! Mich empört über den doofen Bileam, der seinen Esel schlägt.

Heute morgen im Zug begegnete er mir wieder, der Herr Busch: ich las für die Prüfung einen Text über die Gicht und ihre Entstehung. Früher wurde sie „das Zipperlein“ genannt. Und unter diesem Namen hatte ich sie schon kennengelernt. Siehe oben. Kapiert hatte ich den Zusammenhang zwischen dem fetten, üppigen Abendessen des reichen Mannes und seiner abendlichen Schmerzen im Fuß nicht, wie auch, in dem Alter. Heute morgen fand ich die Zeichnungen des Herrn Busch mit dem dicken gichtgeplagten Mann in meinem Lehrbuch.

Danke, Herr Buddenbohm – es freut mich sehr, dass Sohn I jetzt auch zu den Busch-Fans gehört.

 

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6 Kommentare zu “Frau Mini-Lakritze liest Wilhelm Busch

  1. Ich glaube, ich habe dieselbe, nein, die gleiche Busch-Ausgabe. Ein Geschenk von Tante und Onkel. Kurz darauf bekamen wir als Hausaufgabe, ein Gedicht – irgendeines – von Wilhelm Busch auswendig zu lernen. Ich wählte einen Auszug aus der frommen Helene. Und noch ein Déjà-vu: Das Sofakissen mit Knick in der Mitte 🙂

  2. Ja, das Kissen existiert leider schon lange nicht mehr, heute hätte ich es sehr gerne auf meinem Sofa. :-))

    Und demnächst werde ich mich ins Ruhrgebiet begeben und mich – nach drei Jahren – endlich von dem Haus verabschieden, in dem meine Großeltern lebten. Bisher hab ich’s nicht fertiggebracht, aber jetzt bin ich soweit.

    Herrn Buddenbohms Beitrag hat mich aber dazu gebracht, dass ich unbedingt wieder Busch lesen möchte. Das Buch hat heute mein Bruder, ich werde es mir leihen für eine Weile (ich könnte auch eins kaufen, aber das gute alte Kindheitsstück ist mir lieber). 🙂

  3. Das Kindheitsstück in 2 Bänden ist noch übers Internet zu beziehen. („Eingeleitet mit dem Essay von Theodor Heuss ‚Die großen Deutschen‘ – das ist doch die Ausgabe, nicht?)

  4. Pingback: Frau Lakritze hat was gefunden | Lakritz und Schokolade

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