Das Möbelhaus. Eine Odyssee.

Als ich meine Praxis einrichtete, beschloss ich, die Möbel und die Küche dafür nicht beim Schweden zu kaufen, sondern ein Wormser Familienunternehmen zu wählen. Nettes kleines Möbelhaus in der Stadt, persönliche Betreuung, da kann man immer mal hinkommen, wenn was ist. Wie bei Bücher Bessler, meinem herzbesten Buchhändler. Dachte ich so.

Die Realität dachte anders.

Zuerst war ich sehr angetan – nachdem ich bei zwei „Küchenstudios“ sehr herablassend behandelt worden war, weil ich nur eine Teeküche mit einem finanziellen Limit wollte, wurde ich im Möbelhaus sehr freundlich empfangen und beraten. Das Limit ließ sich nicht ganz einhalten, aber es war ok.

Kühlschrank und Spülmaschine musste ich allerdings selbst besorgen, weil die Geräte, die der Verkäufer mir anbot, preislich jenseits von Gut und Böse lagen. Hallo – ich habe keine Familie mit fünf Kindern, die ich täglich versorgen muss, es ist eine Teeküche, in der Gäste mal Kaffee trinken und ich muss nicht zwei Drittel des Preises für einen Namen zahlen…

Bis zur Kaufvertragsunterzeichnung lief alles wunderbar – Beratung bei den Büromöbeln vom Chef selbst, sehr zuvorkommend, er kündigte auch an, zur Praxiseröffnung kommen zu wollen („Sowas machen wir bei unseren Kunden immer gerne, uns ist die persönliche Beziehung wichtig“).

Küchenmontage: als nach einer Stunde noch niemand da war, rief ich an. Erreichte nur die Buchhaltung, die fragte nach. Der Termin war schlicht vergessen worden. Die Monteure wurden hastig aus dem Aufbau einer Musterküche im Geschäft abgezogen und zu mir geschickt.

Die Spülmaschine, die ich gekauft hatte, passte nicht, es musste von der Front unten ein Stück rausgeschnitten werden, damit sie sich öffnen ließ. Der Kühlschrank passte auch nicht richtig.

Im Gespräch mit dem Chef erfuhr ich: natürlich hätte ich die beiden Geräte auch preiswert über ihn beziehen können, dann hätten die Modelle auch gepasst.

Warum der Verkäufer mir das verschwiegen hat und mir nur die teuren Modelle zeigte? „Er hatte private Probleme zu der Zeit.“ Ja nee, is klar.

Das Beste an dem Gespräch war, als ich mich wegen des vergessenen Termins beschwerte: „Da bin ich nicht verantwortlich, Küche macht der Herr X.“

Ein Geschäftsführer, der sich für Pannen in seinem Geschäft nicht verantwortlich fühlt. Klasse.

Ich sagte ihm: „Sie sind der Geschäftsführer, Ihnen gehört der Laden, Sie SIND verantwortlich.“

Antwort: „Ja, was erwarten Sie jetzt von mir, Frau Lakritz, soll ich mich erschießen?“

Aktenschrank: Der Schrank war das letzte Stück einer auslaufenden Reihe und stand in einer Ecke neben der neuen Möbelserie. Ein wirklich schöner Schrank. „Gekauft wie besehen“ stand dran, was bei der netten Beratung durch den Chef für mich auch völlig ok war. Mit anderen Worten: ich hatte Vertrauen, dass der Schrank ok ist.

In der Praxis stellte sich dann raus: die Möbelpacker hatten die Regalbretter – wie im Geschäft – mit der sauberen Seite nach oben gelegt. Unten drunter und innen im Unterteil des Schrankes: riesige rote Flecken, in den Lack eingezogen. Sieht man beim normalen Hinschauen nicht, hatte ich auch in der dämmerigen Ecke im Laden nicht gesehen.

Am 12. Juni dann die Eröffnung (niemand vom Möbelhaus da). Dann hatte ich Luft und schrieb dem Chef des Möbelhauses einen Brief, in dem ich dokumentierte, wie der Status war und dass ich vor der Restzahlung gerne nochmal mit ihm sprechen wolle – über einen Nachlass.

Keine Reaktion.

Wochen später: die Buchhaltung ruft an. Da wäre noch eine Restzahlung für Küche und Schrank offen…

Ja, sagte ich, da hätte ich dem Chef einen Brief geschickt und den möge er bitte erstmal beantworten.

Wochen später: die Buchhaltung ruft an. Da wäre noch eine Restzahlung für Küche und Schrank offen… der Chef mache ihr Druck und Ärger deswegen.

Ich bat sie, dem Chef zu sagen, er möge bitte erstmal seine Hausaufgaben machen, den Brief lesen und sich bei mir melden.

Der Chef habe den Brief nicht bekommen, sagte sie nach Rückfrage. Vermutlich sei er gleich an den entsprechenden Verkäufer weitergegangen.

Leute – wenn ich Geschäftsführer bin und ein Brief geht an mich persönlich, namentlich, und der wird an mir vorbeigeleitet – dann würde ich mal gut aufräumen bei mir im Haus. Jungejunge.

Ich faxte der Buchhalterin den Brief mit der Bitte, ihn dem Chef direkt auf den Schreibtisch zu legen.

Dann überwies ich den Restbetrag minus 700 Euro Nachlass, den ich schriftlich aufführte und einzeln für jede Position begründete und schickte das ans Möbelhaus.

Wochen später: nicht zu fassen – eine Mail vom Chef des Möbelhauses, in der er sich vielmals entschuldigt und die Schuld an allem auf seine Mitarbeiter abwälzt. Super.

Den Schrank wolle er abholen und in der Werkstatt überholen lassen.

Die Spülmaschinenfront sei bereits bestellt und werde sofort ausgewechselt.

Da der Mann merkwürdigerweise nicht erreichbar ist, wenn ich anrufe, schrieb ich per Mail zurück:

– der Schrank steht im Büro, in dem auch meine Besprechungsecke für Klienten ist. Er  enthält alle meine Aktenordner und Bücher, soll ich die auf dem Boden stapeln? Tolles Bild für Klienten.

– um den Schrank rauszutransportieren, müsste der Schulungsraum komplett ausgeräumt werden, weil man da durch müsste. Hall0? Zeit? Kosten?

– die Front für die Spülmaschine ist sinnlos, er hätte besser vorher mal bei den Monteuren oder bei mir nachgefragt – eine normale Front sperrt die Maschine beim Öffnen. Das muss so bleiben mit der Lücke oder ich bräuchte eine neue Spülmaschine, die er mir sicher nicht schenken wolle, oder?

Bitte, schrieb ich, ich habe jetzt Wochen an Ärger, verschwendeter Zeit und Frust in diese Sache investiert und mir wäre es am liebsten, wir könnten jetzt alles so belassen und die Sache beenden.

Wochen später: ein Anruf vom Azubi, die Spülmaschinenfront sei da und ich solle bitte einen Montagetermin nennen.

Ich holte tief Luft und erklärte dem Azubi kurz das technische Problem und die Sinnlosigkeit dieser Aktion.

Ok, sagte er, er wolle mit dem Chef reden und sich wieder melden.

Heute: Azubi ruft an und sagt: der Chef sagt, die lässt sich montieren, das geht.

So haben wir jetzt einen völlig sinnlosen Montagetermin ausgemacht – gesetzlich gesehen muss ich ihm ja die Chance der Nachbesserung geben. Ich bin gespannt auf den kommenden Mittwoch, wenn die Monteure das sehen und feststellen: die Front war mal genau die, die sie jetzt mitgebracht haben. Der Monteur damals musste sie kürzen und genau das müssten sie jetzt mit der neuen Front auch tun.

Aber der Chef meint ja, das geht.

*gnaaaa*

Die nächste Küche ist von IKEA.

Advertisements

14 Kommentare zu “Das Möbelhaus. Eine Odyssee.

  1. achje, Ärger mit Möbelhäusern.

    bei uns geht das entspannter (für mich), so wie gestern:
    die Liebste geht ins Möbelhaus zwecks Schrank und Garderobe auszusuchen, ich aufs Sofa.
    tada, ich habe gar keinen Ärger mit Möbelhäusern…
    🙂

    (aber grundsätzlich ein möglichst schnell zu ersetzender Chef, der da von deinem Möbelhaus)

  2. Tu mir und dem Einzelhandel einen Gefallen und versuche es erst bei nem anderen Familienunternehmen.

    So schlechte Erfahrungen sind meines Erachtens in kleineren Unternehmen eher selten.

    Normaleweise gibt man sich als Familienunternehmen mehr Mühe, weil jeder Kunde wichtig ist.

    Bei dem Möbelhaus war aber wohl der (Holz-) Wurm drin. 😉

  3. Markus: den kann man leider nicht ersetzen, dem gehört der Laden. Wie das so oft ist: Vater baut’s auf, Sohn ist ungeeignet, muss als Sohn aber übernehmen und fährt das Ding in den Graben. Siehe Rheinmöve, schönes Möbelunternehmen hier in Worms.

    Lobo: ok… wenn wieder was ansteht, schau ich mich um. Deinetwegen 😉

  4. Auweia! Schlimmer geht immer anscheinend. Erfahrungen sind da um gemacht zu werden. Jedenfalls wünsche ich Dir eine gute Zeit und einen Satz starker Nerven.

  5. meinst du die Leiste die unter der Spülmaschine und der ganzen Front her geht?
    Die kann man tatsächlich montieren, muss aber entsprechend tief sein und ggf nochmal ausgeschnitten dass die Klappe ganz auf geht.

    Allerdings finde ich unmöglich, dass sie dir nicht zuhören. Wenn du Nein sagst, dann heißt das Nein. DU bist doch die Kundin und es soll so sein wie du es dir wünschst.

  6. Ich habe mir meine mal angesehen heute um zu sehen ob da was ausgeschnitten ist. Wir hatten das Problem ja auch aber ich hatte meinen handwerklich geschickten Vater, der die Küche eingebaut hat.

    Die Leiste sitzt sehr weit hinten, direkt an den Füßen der Schränke und es sind noch 2-3 cm Platz nach oben (Schränke sind ganz hoch gebaut weil wir beide groß sind). Den Freiraum sieht man aber nicht, da die Leiste ganz hinten ist. Nur wenn man sich auf den Boden legt 😉

    So musste die Leiste bei uns nicht ausgeschnitten werden und selbst wenn, man hätte es nicht gesehen weil die Leiste eben so weit hinten ist.

  7. Hmmmm, eigentlich wollte ich bei Ikea nie wieder ….
    Ich bestellte online ein Schlafsofa und bekam per e-Mail einen Anliefertermin mit einem Zeitfenster von 7 bis 14 Uhr vorgegeben, sollte dieses Fenster nicht einhalten können, würde Ikea auf meine Kosten neu anliefern.

    Mit meinem Chef gekämpft, damit ich diesen Tag meinen letzten Urlaub bekam. Um halb 11 Uhr an diesem Tag dann ein Anruf der Spedition: Man hätte festgestellt, dass nur das Polster da wäre, das Gestell fehlt. Teillieferung möglich, aber ich müsste komplett bezahlen. Lehnte dankend ab und fragte Ikea per e-Mail, wieso die INFO, dass die Ware nicht komplett, wie extra bestätigt, geliefert werden könne, erst während des Zeitfensters erfolgt. Urlaub hatte ich nun keinen mehr und verlangte die Anlieferung außerhalb meiner Arbeitszeit, denn das sei durchaus möglich, wie mir der Spediteur versichert hatte.

    Neues Schreiben von Ikea mit 3 möglichen Anlieferterminen aber beharrlichem Bestehen auf das Zeitfenster.

    Ich schrieb zurück, dass ich das Zeitfenster nicht akzeptieren könne, hätte Ikea mich rechtzeitig informiert, hätte ich meinen Urlaub nicht angetreten und somit den Tag noch zur Verfügung gehabt. Ich suchte mir einen Termin aus, gab die Uhrzeit vor und schrieb, dass die Kosten für evtl. weitere Anlieferungsversuche zu Lasten von Ikea gehen würden.

    Der Tag kam, von Ikea hörte ich nichts. Erst eine Woche später meldete sich jemand tel. und wollte einen neuen Termin, natürlich mit Zeitfenster 7-14 Uhr vereinbaren.

    Teilte ihm mit, dass ich wegen Ikea nun keinen Urlaub mehr habe, die Ware nicht Ikea-Wunschgemäß annehmen könne und daher vom Kauf zurücktreteten müsse, da ich nicht in meiner Abwesenheit das Sofa in strömenden Regen vor die Haustür gestellt bekommen möchte.

    Und auf einmal gings. Sofa wurde pünktlich geliefert, erst wurde noch wegen Aufbau gezickt, aber nachdem ich ihm die Ikea-Bestätigung, dass Aufbau inkl. unter die Nase hielt, erfolgte auch der.

    Und nach 1 Tag wurde nach anfänglichem Misstrauen das Teil auch von der schnurrenden Wärmflasche in Betrieb genommen. 🙂

  8. Sehr schön auch, wenn ein mannshoher Kühlschrank, der an seinen endgültigen Platz in der Küche geliefert werden soll, von zwei schnaufenden Monteuren im Wohnzimmer abgestellt wird – mit der Bemerkung, das sei so vereinbart. 😉
    War aber kein Familienunternehmen, sondern ein Internetkauf. Der Hinweis darauf, dass dann die Nachnahme nicht gezahlt werden kann, wirkt in solchen Fällen Wunder. 🙂

  9. …oh ha, sag mal, das Möbelhaus ist aber nicht zufällig das hinterm Bahnhof?…ich könnte da nämlich auch erzählen, weswegen die eine Küchenschublade kürzer wurde, als vorgesehen und überhaupt…würde so manches erklären…

  10. Mondblume: ja genau, Möbel Gradinger hinterm Bahnhof. Der Monteur ist gerade hier und montiert eine neue Blende für die Spülmaschine und hat den Auftrag, das gesamte ausstehende Geld mitzubringen… wenn es nicht so traurig wäre, würde ich lachen.

  11. …ja, ich glaub, ich würd heulend mitlachen oder umgekehrt. Oh wei, oh wei, da werd ich dir in nächster Zukunft mal ne Geschichte dazu erzählen. Es ist wirklich traurig und nur noch zum Kopfschütteln…Und der Chef war wirklich der C.G. Gradinger persönlich und keine Vertretung?…

  12. Mondblume: ja, es war und ist (es folgt noch ein Artikel dazu) Herr G. C. Gradinger „Meine Mitarbeiter sind schuld, die sind unfähig“ persönlich. Bin sehr gespannt auf deine Geschichte.
    Übrigens: als der Einbau war, bin ich zwischendurch rüber ins Café, um den wirklich sehr guten und tüchtigen Monteuren einen Kaffee zu holen. Als ich von dem vergessenen Montagetermin erzählte, sagte die Bedienung: „Ach, haben Sie beim Gradinger gekauft? Die sind bekannt für sowas.“ Na toll.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s