Die Geschichte vom Soldaten

Im vorletzten Beitrag geht es um Lektüre in der Schule. Carny schrieb dazu, dass sie im Unterricht auch Stücke gehört haben.

Das hat mich an die Geschichte vom Soldaten erinnert, von Igor Stravinsky. Die habe ich mit ungefähr Mitte 20 zum ersten Mal gehört. Erzähler war Klausjürgen Wussow, der den meisten heute leider nur als Professor Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik bekannt ist, der aber ein hervorragender klassischer Schauspieler war. Er hat lange Zeit am Wiener Burgtheater gespielt. (Carny: auch den Faust!)

Die Cassette mit der Geschichte vom Soldaten blieb nach meiner Scheidung zurück, ich wollte auch nichts mehr aus dieser Zeit besitzen, also machte ich mich irgendwann auf die Suche nach der CD. Zu meiner Verblüffung fand ich sie nicht – es gibt viele verschiedene Aufnahmen, ich hörte in einige hinein, aber: ich war geprägt auf Wussows Stimme und Intonation und kein anderer Erzähler konnte es mir recht machen.

Da ich auch nicht wusste, wann und auf welchem Sender der Exmann die Cassette aufgenommen hatte, schrieb ich kurzerhand einen Brief an Klausjürgen Wussow und fragte nach. Zu meinem Erstaunen kam nicht einfach eine schriftliche Antwort – er rief kurzerhand an. War sehr nett und benutzte die schöne Kombination von Vornamen und „Sie“, was ich sehr mag. Leider nicht mehr bekannt oder üblich bei jüngeren Menschen.

Die Aufnahme hatte damals der WDR gemacht und Herr Wussow sagte, sie sei neben der Radiosendung nie veröffentlicht worden. Aber der Sender habe sowas immer im Archiv und ich könne dort nachfragen. Soweit er wisse, machen die einem auch Kopien. Und falls ich was rauskriegte – er sei auch an einer interessiert.

Ich erinnere mich noch, dass ich beim WDR nachfragte (damals alles noch umständlich per Brief, nix Internet und Mail), und bekam auch Auskunft. Weiß noch, dass es horrend teuer war und der Preis mich ziemlich erschreckte, aber ich erinnere mich nicht mehr, was es kosten sollte. Für mich jedenfalls damals zuviel.

Ich gab aber die Daten und Kontaktdetails an Herrn Wussow weiter. Leider verlor sich der Kontakt dann wieder, weil er krank wurde und danach auch immer wieder im Krankenhaus war.

Klausjürgen Wussow hab ich als Kind schon als Kurier der Kaiserin gesehen, leider nie auf einer Theaterbühne. Er war ein netter, gutherziger Mensch, trotz der vielen negativen Presseberichte. Er spendete sehr viel von seinem Geld und gründete ein Kinderkrankenhaus, in dem Eltern bei ihren krebskranken Kindern wohnen können.

Langer Rede kurzer Sinn: manche Dinge mag man nur von dem Menschen hören, von dem man sie das erste Mal gehört hat. Habt ihr auch sowas? Musik oder Sprache? Bei mir ist da noch das Klavierkonzert Nr. 5 von Beethoven – geht nur mit Glenn Gould unter Stokowski. Alle anderen klingen „falsch“. Mag albern sein, ist aber so.

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Ein Kommentar zu “Die Geschichte vom Soldaten

  1. *kram-im-Gedächtnis* – Zuerst fielen mir nur „Macbeth“ und „Cat on a hot tin roof“ ein, die wir als Theaterstück bzw. Film im Englischunterricht gesehen haben.

    Aber da war auch noch die Platte, die wir in der Oberstufe im Grundkurs Deutsch hörten: Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“. Ich weiß nicht mehr, wer der Sprecher war, aber die Stimme höre ich heute noch. Unglaublich eindringlich intoniert, die Verzweiflung und das Drängende des Textes fühlte man körperlich.

    Ein Lichtblick im Unterricht der eher ungeliebten Deutschlehrerin!

    Danke für den Hirnzellenanschubser!

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