Briefe an Julia

Unser Frankenthaler Lux-Kino hat mir heute seinen Newsletter geschickt. Zur Zeit haben sie Open-Air-Festival, das machen sie jedes Jahr in den Mauern einer malerischen Ruine, und heute ist Abschluss mit Briefe an Julia/Letters to Juliet.

(Die Lux-Kinos in Frankenthal und Neustadt/Weinstraße gehören den Kaltenegger-Brüdern, zwei Aficionados, die neben den gängigen Kassenschlagern viele richtig gute Filme laufen haben, öfter Regisseure und Schauspieler zu Gesprächen mit dem Publikum einladen, Themen-Filmabende mit passendem Essen veranstalten und generell ihr Leben für den Film leben. Sehr sympathische Menschen, engagiert und leidenschaftlich.)

Briefe an Julia hatte ich gar nicht mitbekommen, in den letzten Jahren gab es allgemein im Kino nicht mehr viel, was mich angesprochen hat und wenn, bin ich oft einfach nicht dazu gekommen. Dabei liebe ich es, ins Kino zu gehen.

Ich schaute mir also den Trailer an: Vanessa Redgrave spielt mit. Schon das wäre ein Grund für mich, den Film ohne weitere Informationen anzuschauen (gilt auch für Judy Dench, Meryl Streep und Susan Sarandon).

Ansonsten ist es eine schöne, romantische und vorhersehbare Liebesgeschichte, die aber in Verona spielt und das ist wiederum eine Gegend, die ich sehr liebe. Verona ist fantastisch.

Guck mal hier, sagte ich zum Prinzen, der gerade an meinem Zimmer vorbeikam und von den Klängen des Trailers hereingelockt wurde. Heute abend, Open Air, gehst du mit? Er schaute kurz zu und drehte sich um.

Hey, sagte ich, gefällt er dir nicht?

Nnnnajjjaaaa, sagte der Prinz.

Ist dir zu kitschig, hm? grinste ich.

Das wäre, höflich ausgedrückt, das, was ich sagen wollte, bestätigte der Prinz.

Ich musste lachen.

Darf ich dich ganz zart daran erinnern, dass du Email für Dich toll fandest? So toll, dass du letztes Silvester drauf bestanden hast, dass wir den unbedingt als Silvester-Event sehen müssen?

Jaaaa, sagte der Prinz, aber das war was anderes. Den Film mochte ich. Der hat mir gefallen. Ich fand die Geschichte gut, die da erzählt wird.

Ich musste noch mehr lachen. (Ich finde, dass Email für Dich einer der grottenschlechtesten Filme ever ist, aber er hat Meg Ryan, Tom Hanks und viele Bücher drin, das macht einiges gut.)

Schatz, sagte ich, Briefe an Julia ist eine genauso vorhersehbare Liebesgeschichte mit genauso vorhersehbarem Ende wie Email für Dich. Oder wie Während du schliefst. Ein netter amerikanischer Liebesfilm. Das Richtige für ein entspanntes Wochenende.

Jaaaa, sagte der Prinz. Aber… ich nehme den anders wahr.

Das stimmt und ich kann da nicht folgen. Denn: der Prinz sieht Filme mit den Augen eines Fotografen. Grundsätzlich mag er keine Actionfilme, die gehen ihm zu schnell. Und dann ist der Kameramann für ihn entscheidend. Während für mich auch der Regisseur wichtig ist, schaut der Prinz fünf Minuten auf die Kameraführung und dann ist der Film für ihn ok oder eben nicht.

Ich werde nie vergessen, wie er sich bei Ratatouille ewig darüber aufgeregt hat, dass die Reflektionen des Wassers an der Tunneldecke nicht stimmten, in der Szene, in der Ratatouille durch die Kanalisation geschwemmt wird. Ich hab fast die Krise gekriegt.

Ich weiß durchaus gut durchdachte Kamerafahrten und clevere, wirkungsvolle Schnitte zu schätzen. Aber der Prinz hat einen völlig anderen Blick auf Filme. Er hat eine tiefe Intuition für Bilder und kann das oft nicht in Worten ausdrücken. Verstehe ich gut.

Nur: den Unterschied zwischen Briefe an Julia und Email für Dich begreife ich nicht. Aber macht nix. Wenn das Wetter sich hält, bin ich heute abend in Verona. Und ich wette, dass der Prinz aus lauter Neugier dabei sein wird. Allein schon wegen des besonderen Ambientes der Erkenbert-Ruine in Frankenthal. Das ist immer klasse.

Drückt also die Daumen, dass es nicht regnet, bitte!

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Ein Kommentar zu “Briefe an Julia

  1. Ich sehe auch keinen Unterschied zwischen „Briefe an Julia“ und „Email für Dich“. Es ist aber die Geschmacksache und darüber diskutiert man nicht.

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